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Ibsen, Henrik - Leben und Biographie



Henrik Ibsen, der Wegbereiter des Naturalismus in Skandinavien und Deutschland, begründete 1877 mit dem Drama Stützen der Gesellschaft die neue Gattung des Gesellschaftsstücks, das mit radikaler Kritik an den sozialen Verhältnissen der Zeit den Beginn des modernen Dramas markiert. In seiner ersten Schaffensphase hatte sich Ibsen noch auf Stoffe aus der Sagenwelt und Geschichte Norwegens konzentriert, ab 1866 hatte er sich philosophisch-symbolischen Ideendramen zugewandt [PeerGynt, 1867). Ibsens Spätwerk schließlich zeichnet sich durch die Vorwegnahme psychoanalytischer Erkenntnisse aus, die er an schwierigen Charakteren aufzeigt und mit deren Veröffentlichung er dem symbolistischen Drama den Weg bereitet hat.
      Als Henrik Ibsen, der Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, acht Jahre alt war, verlor sein Vater durch Bankrott sein gesamtes Vermögen. Ibsen, der eigentlich Maler hatte werden wollen, musste daher den Apothekerberuf erlernen. Während seiner Lehrjahre, die erzwischen 1844 und 1850 in Grimstad absolvierte, verfasste er unter dem Eindruck der politischen Ereignisse insbesondere im Frankreich jener Tage mehrere revolutionäre Gedichte sowie sein erstes Schauspiel Catalina .
      In den Jahren von 1851 bis 1857 erwarb sich Ibsen als künstlerischer Leiter des neuen Theaters in Bergen gründliche Dramaturgie- und Theaterkenntnisse. 1857 wechselte er dann ans »Norske Teatret« nach Oslo, das 1862 in eine schwere finanzielle Krise geriet. Zwei Jahre später verließ Ibsen sein Heimatland; er lebte zunächst vier Jahre lang in Rom, dann in Dresden und München. 1891 - Henrik Ibsen war längst zu Weltruhm gelangt - kehrte er wieder nach Norwegen zurück, wo er 15 Jahre später starb.

      Nora oder Ein Puppenheim
Ibsens Drama Nora oder Ein Puppenheim entstand in der zweiten Schaffensphase des Dramatikers und wird den großen Gesellschafts-dramen der Weltliteratur zugerechnet. Die titelgebende Figur, Nora Helmer, durchlebt im Laufe des dramatischen Geschehens eine Entwicklung: Aus einer »Puppe« wird eine erwachsene Frau, die ihrem Mann als gleichwertige Parlnerin gegenübersteht und bewusst, selbst-beslimmt und konsequent zu handeln versteht.
      Inhalt: Es ist der Weihnachtsnachmittag, Nora Helmerist zu Hause mit den Vorbereitungen für den Abend beschäftigt. Als ihr Mann Torvald das Wohnzimmer betritt, entspinnt sich zwischen den beiden Ehegatten ein Gespräch, in dessen Verlauf der Zuschauer ., erfährt, dass Torvald zum v. Bankdirektor ernannt worden sc' ist. Nora genießt den mit der ?.;,. Beförderung verbundenen ge- ?" -' sellschaftlichen und fmanziel- ^ len Aufstieg: Nora und Torvald '. führen eine damals weit ver- r breitete und akzeptierte Form der bürgerlichen Ehe, in der die Frau sich um »Küche und Kinder« kümmert, wohingegen der Mann die Familie nach außen repräsentiert und das familiäre Geschehen bestimmt.
      Das harmonische Bild der Ehepartner bekommt einen ersten Riss, als Christine Linde auftaucht, Noras Freundin. Ihr gegenüber offenbart sich Nora und erklärt, dass sie einst - um Torvald zu helfen, der nach der Hochzeit sehr krank geworden war - die Unterschrift ihres Vaters gefälscht hat, um durch eine Bürgschaft den gemeinsamen Lebensunterhalt zu sichern. Das Schicksal will es nun, dass Noras Geldgeber Krogstad just jener Mann ist, dem der neu berufene Bankdirektor Helmer kündigen will.
      Krogstad teilt Nora mit, den Bankdirektor erpressen zu wollen. Verzweifelt sucht Nora einen Ausweg, doch schließlich erfährt Torvald doch die Wahrheit. Als Nora erkennt, dass ihr Mann -in der Fortsetzung des Verhaltens, mit dem schon Noras Vater ihr begegnet war - die Beweggründe ihres Handelns nicht verstehen kann, beginnt sie ihre Liebe zu ihrem Mann und ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Sie beharrt schließlich auch dann noch auf einer eigenen Meinung, als Krogstad - unter dem Einfluss von Noras Freundin Christine - beschließt, das Ehepaar vor weiteren Erpressungsversuchen zu verschonen.
      Vordergründig scheint der Konflikt nun überstanden, doch Nora kann nach allem, was vorgefallen ist, nicht weiterleben wie zuvor. Sie hall nicht mehr fest an ihrer Ehe, die in ihren
Augen keine gleichberechtigte Partnerschaft ist - sie verlässt Mann und Kinder, um sich, bevor sie andere erzieht, ihrer eigenen Erziehung zu widmen.
      Aufbau: Nora oder Ein Puppenheim, ein Schauspiel in drei Akten, ist auf eine szenische Realisierung hin ausgerichtet. Die Exposition liefert den Ort und die Zeit des Geschehens - die Handlung trägt sich über die Weihnachtstage an irgendeinem kleinen Ort in der Wohnung des Ehepaars Helmer zu -, dann entwickelt sich das Geschehen dialogisch fort. Wirkung: Nora oder Ein Puppenhelm verhalf Henrik Ibsen zu Weltruhm. In der im späten 19. Jahrhundert einsetzenden Diskussion über die Rolle der Frau in der Gesellschaft gelang es Ibsen aufzuzeigen, dass Mann und Frau gleichwertige Partner sein können und dass Recht und Unrecht in einer Ehe zu gleichen Teilen auf beide PartneT verteilt sein können. So ist Nora oder Ein Puppenheim nicht nur ein Ehe-, sondern auch ein Gesellschaftsdrama.


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Ibsen,  Henrik    


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