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Hustvedt, Siri - Leben und Biographie



Siri Hustvedt konnte sich erst in jüngster Zeit die Anerkennung der internationalen Literaturkritik erwerben, nachdem sie jahrelang dafür hatte kämpfen müssen, als eigenständige Schriftstellerin - und nicht nur als Ehefrau des Erfolgsautors Paul Auster - wahrgenommen zu werden. Ihre Romane verarbeiten persönliche Erfahrungen, insbesondere kulturelle Differenzen, mit denen sie als Kind norwegischer Einwanderer konfrontiert war, und das Aufwachsen in der Enge einer nordamerikanischen Kleinstadt. Auch spielt in ihrem Werk das Verhältnis von Realität und Eiktion sowie Identitätssuche eine besondere Rolle.
      Hustvedt schloss 1977 das College in Northfield mit dem B. A. in Geschichte ab, bevor sie 1978 zum Studium der Anglistik nach New York an die Columbia University wechselte. Sie erwarb den M. A. und wurde 1986 mit einer Arbeit über Charles Dickens zum PhD promoviert. Seither arbeitet sie als Schriftstellerin, Essayistin und Ãobersetzerin.
      Hustvedt begann während des Studiums, Gedichte und Kurzprosa in Literaturzeitschriften zu veröffentlichen. Eine Sammlung findet sich in dem 1983 veröffentlichten Band Etwas zu lesen für Dich. Sie verließ jedoch wieder das Genre der literarischen Kurzformen und wandte sich dem Roman zu. Ihr Romandebüt Die unsichtbare Frau machte sie einem literarischen Insiderkreis bekannt, der nachfolgende Roman Die Verzauberung der Lily Dahl brachte sie 1996 international in die Bestsellerlisten. Nach deT Veröffentlichung eines Essaybandes 1998 arbeitete sie an dem Roman Was ich liebte, der 2003 erschien und von der Kritik weltweit gefeiert wurde.

      Was ich liebte
Siri Hustvedt gestaltete Was ich liebte als einen Künstler- und Intellektuellenroman, der sich zum Familiendrama und Psychothriller entwickelt. Der dezent gezeichnete historische Hintergrund ist das Schicksal von jüdischen Familien, die vor dem Holocaust in die Vereinigten Staaten fliehen konnten. Hustvedts ernster Roman erzählt von zunehmender Entfremdung in Freundschaften und Beziehungen, von Verlassenheit und Tod. Ihr Ton ist der der Trauer und des Abschiednehmens.
      Aufbau: Der Roman beginnt mit der Beschreibung eines Gemäldes, das der junge Kunsthistoriker Leo Hertzberg, Sohn jüdischer Emigranten aus Berlin, in einer Galerie im New Yorker Stadtteil Soho betrachtet und anschließend kauft. Es handelt sich um einen großformatigen Frauenakt, der einige Geheimnisse in sich birgt. Undurchsichtig ist auch der Titel des Bildes: »Selbstporträt« - der Künstler ist jedoch ein Mann. Vielen Motiven des Gemäldes begegnet der Leser im Laufe des Romans wieder: der unheimlichen Atmosphäre wie der Rolle des Künstlers im eigenen Kunstwerk. Hustvedt schreibt aus der männlichen Perspektive: Leo Hertzberg erzählt den Roman rückblickend über zwei Jahrzehnte, nachdem er im Alter erblindet ist. Die Sprache ist klar, der Stil schnörkellos. Einer Langsamkeit des Erzählens im ersten Teil des Romans steht eine schneller fließende Prosa im zweiten gegenüber, in dem sich auch die autobiografischen Bezüge mittels Metaphern und Symbolen verdichten. Inhalt: Erzählt wird die Geschichte zweier befreundeter New Yorker Ehepaare, die mit ihren neugeborenen Söhnen in ein Haus ziehen und aufrichtigen Anteil am Leben der anderen nehmen. Ihre Freundschaft ist geprägt von der Suche nach Identität. Sie sind kreativ und haben einen Bezug zu der Kultur ihrer Zeit. Gute Gespräche - vor allem über Kunst -, gemeinsame Urlaube in Vermont, Interesse an den beruflichen und privaten Ereignisse lassen das Leben berechenbar erscheinen. Doch durch nicht vorhersehbare Schicksalsschläge vollzieht sich ein Wandel ihres Lebens und ihrer Lebensentwürfe. Eines Tages im Sommer erhalten die Eltern Erica und Leo die Nachricht, dass ihr zehnjähriger Sohn Matthew bei einem Bootsunfall im Ferienlager tödlich verunglückt ist. Diese Katastrophe wird zum Wendepunkt im Roman. Die verzweifelte Mutter versucht Abstand zu gewinnen, indem sie eine Dozentenstelle im kalifornischen Berkeley annimmt. Leo, allein zurückgeblieben, erhält jegliche Unterstützung von Violet und Bill, dem befreundeten Paar, und entwickelt ein besonderes Verhältnis zu deren Sohn Mark, der mit Matthew einen guten Freund verloren hat. Wenig später wird Mark jedoch immer häufiger beim Lügen und Stehlen erwischt. Im Laufe der Zeit nimmt er Drogen und gerät in die New Yorker Unterwelt. Marks Eltern und Leo suchen nach Erklärungen - und finden sie nicht. Sie geben Mark trotz seiner offensichtlich geheuchelten Familienbindung immer wieder neue Chancen. Bill überlebt die permanente Sorge um seinen Sohn jedoch nicht, er stirbt in seinem Atelier an einem Herzinfarkt. Am Ende des Romans steht ein Mord -und die Einsicht, dass nicht die Liebe, sondern nur die Erinnerung daran überlebt.
      Wirkung: Hustvedt hatte mit Was ich liebte ihren bisher größten Erfolg. Die internationale Literaturkritik würdigte fast einhellig diesen »gebildeten, kunstvoll konstruierten ... klassischen Künstlerroman« und die meisterliche literarische Verarbeitung von Trauer darin.


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Hustvedt,  Siri    


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