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Hulme, Keri - Leben und Biographie



Im Mittelpunkt des literarischen Schaffens von Keri Hulme steht die Frage nach den Chancen für individuellen und gesellschaftlichen Wandel. Ihr Hauptwerk, der Roman Unter dem Tagmond,ver-sucht die tiefe Kluft zwischen Maori und weißen Einwanderern in Neuseeland zu überbrücken.
      Hulme stammt von schottisch-englischen Einwanderern und neuseeländischen Ureinwohnern ab. Sie war das älteste von sechs Kindern eines Malermeisters, deT starb, als sie elf Jahre alt war. Hulme begann ein Jurastudium, das sie jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten vorzeitig abbrechen musste. In den folgenden Jahren arbeitete sie als Postbotin, Arbeiterin in einer Wollfabrik, Eischköchin, Obstgärtnerin und Ta-bakpflückerin. Erste schriftstellerische Erfolge hatte sie mit der Gedicht- und Prosasammlung The Silence between ; international bekannt wurde sie mit dem Roman Unter dem Tagmond. Es folgten Novellen [Lost Possessions, 1985), Erzählungen und Gedichte [Strands, 1992). 1999 erschien mit Bait ihr zweiter Roman. Die Autorin lebt zurückgezogen an der Westküste der neuseeländischen Südinsel.
      Neuseeländische Literatur
Anfänge: Ab dem frühen 19. Jahrhundert entstanden die ersten Werke der neuseeländischen Literatur in englischer Sprache. Es handelte sich vornehmlich um Reiseberichte, die europäischen Lesern das ferne Land näher brachten. Die ersten bedeutenden Romane verfassten Major B. Sto-ney mit Eine Geschichte aus dem Krieg und Isabella Aylmer mit Ferne Heimat . Themen dieser eher deskriptiven Werke sind die Begegnung von Maori und Kolonisten und die darauf folgenden Kriege sowie die Probleme bei der Ansied-lung in dem fremden Land. Katherine Mansfield: Zu einer subtileren Form der literarischen Bearbeitung dieser Problematik fand Katherine -> Mansfield in ihren bekannten Kurzgeschichten . Auch wenn ihre psychologisierende Erzählweise über die spezifischen Probleme ihres Landes hinausweist, ist ihr Werk weitgehend von ihrer Heimat geprägt. Sie nahm Einfluss aufzahlreiche Autoren, die in ähnlicher Weise versuchten, Gesellschaft und Landschaft Neuseelands als Metapher fürseelische Vorgänge zu benutzen, wie etwa John Mulgan in Der Mensch allein .
      Janet Frame: Die Kurzgeschichten und Romane von Janet -» Frame gelangten aufgrund ihrer poetischen Sprache und tiefenpsychologischen Erzählweise zu Weltruhm. Die meisten ihrer Werke spielen in ihrem Heimatland, so ihr Roman Duftende Gärten für die Blinden . Weltweite Beachtung fand auch ihre dreiteilige Autobiogra-fie {Ein Engel an meiner Tafel. 1983-85). Maori-Autoren: Seit den 1970er Jahren rückten immer mehr Maori-Schriftsteller ins literarische Blickfeld. Neben Hulme gehören dazu u.a. Patricia Grace und Witi Ihimaera , deren Roman Die Matharchin erneut das Thema der Landkriege bei der Besiedlung des Lands aufgreift. In den Werken der Maori-Autoren geht es um eine differenziertere, klischeefreie Darstellung der Probleme Neuseelands, um eine Rückbesinnung auf alte Mythen und Werte sowie um ein gleichberechtigtes Miteinander von Weißen und Maori.

      Unter dem Tagmond
In dem 600-seitigen Roman Unter dem Tagmond gelingt es Keri Hulme, die tief greifenden gesellschaftlichen Probleme Neuseelands - nationale Identität, Wiederbelebung und Integration der Maorikultur sowie die Ausbeutung des Lands - exemplarisch darzustellen. Die im Mittelpunkt stehenden Personen sind Entwurzelte; sie stehen zwischen den Kulturen, da ihre Vorfahren sowohl Maori als auch Weiße sind.
      Entstehung: Das ursprünglich als Kurzgeschichte konzipierte Werk schrieb Hulme zwischen 1966 und 1978. Zunächst fand sich kein Verleger für den Roman, bis er schließlich in einem kleinen feministischen Verlag erscheinen konnte. Erst nach dem großen Erfolg des Buchs brachten es auch namhafte Verlagshäuser in den USA und Europa heraus.
      Inhalt: Nachdem sie sich mit ihrer Eamilie über-worfen hat, lebt die reiche Künstlerin Kerewin Holmes allein in einem finsteren Turm an einem wilden, unwirtlichen Ort. Eines Tages schleicht sich Simon, Findelkind und einziger Ãoberlebender eines Schiffsunglücks, in ihre Festung ein. Der gewalttätige Junge ist stumm, aber intelli-gent; niemand weiß, wer seine Eltern waren. Im Dorf ist er als Dieb bekannt; immer wieder besucht er einen als Päderasten verschrienen Alten. Simon wohnt bei Joe, der nach dem Tod seiner Frau allein ist. Mit dem renitenten Kind überfordert, versucht Joe immer wieder, Simon mit brutaler Gewalt zur Anpassung zu zwingen. Auch Kerewins Beziehung zu ihrer Umwelt ist durch Aggressivität und Feindseligkeit geprägt. Kerewin, Simon und Joe gelingt es zunächst, einander näher zukommen. Als Kerewin sich jedoch wieder zurückzieht, kommt es zum Ausbruch mörderischer Gewalt: Im Streit um Kerewins Lieblingsmesser verletzt Joe den Jungen so schwer, dass er ins Koma fällt. Das Ende des Buchs deutet eine mögliche Lösung an: In der Rückbesinnung und Neubelebung von Maori-Weisheiten finden Kerewin und Joe einen Ausweg aus der Spirale der Gewalt. Gemeinsam mit Simon wagen sie einen neuen Versuch zusammenzuleben.
      Wirkung: Erzählerische Kraft und poetische Intensität machten den Roman zum Welterfolg. 1985 wurde Unter dem Tagmond mit dem neuseeländischen Mobil-Pegasus-Preis für Maori-Literatur ausgezeichnet; im selben Jahr erhielt das Werk den britischen Booker-Preis.


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Hulme,  Keri    


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