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Houellebecq, Michel - Leben und Biographie



In seinen visionären Gesellschaftsromanen beschreibt Michel Houellebecq mit lakonischer Genauigkeit und kalter Ironie die soziale Realität und attackiert insbesondere die krankmachenden Arbeits- und Konsumwelten. Die ideologische Brisanz seiner Bücher und die pro-vokativen Thesen zur Sexualität ließen den Autor innerhalb von wenigen Jahren zum meistdiskutierten französischen Schriftsteller der Gegenwart werden.
      Houellebecq lebte bis 1964 auf der Insel La Reunion. Nach der Scheidung der Eltern wuchs er bei seiner Großmutter in Paris auf. Er studierte Agrarökonomie und Informatik und arbeitete eine Zeit lang als EDV-Fachmann. Mehrfach war er wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung. Nach Gedichten und Essays veröffentlichte er 1994 seinen ersten Roman Ausweitung der Kampfzone. Er schrieb für verschiedene Zeitungen, u.a. für Perpendiculaires, die ihn nach Erscheinen seines zweiten Romans Bementarteil-chen wegen reaktionärer Tendenzen von der Redaktion ausschloss.
      Ausweitung der Kampfzone
Der Romanerstling von Michel Houellebecq avancierte in Frankreich innerhalb kürzester Zeit zu einem Kultbuch. Er gilt als Markstein eines neuen realistischen Romantyps, der dem
Lebensgefühl einer desillusionierten, »post«-modernen Generation Ausdruck verleiht.
      Resignativ beobachtet der Protagonist in der Großstadtwelt zwischen Büro, Hochhaus und Disco den allgemeinen Kulturverfall und registriert das fortschreitende Verlöschen zwischenmenschlicher Beziehungen. Die zentrale These des Romans, in Zeiten eines völligen Liberalismus spalte der Sex die Gesellschaft erbarmungslos in Sieger und Verlierer und schaffe so ein »zweites Differenzierungssystem«, das unabhängig vom Geld funktioniere, griff der Autor in seinen Romanen Elementarteilchen und Plattform wieder auf. Inhalt: Die Geschichte spielt in den 1990er Jahren in Frankreich. Der namenlose Ich-Erzähler, ein gut verdienender Informatiker Anfang dreißig, fühlt sich seit der zwei Jahre zurückliegenden Trennung von seiner Freundin Veronique, die ihn nach einer psychoanalytischen Behandlung aus der gemeinsamen Wohnung warf, als erotischer Versager. Der ständig an Brechreiz leidende junge Mann ist verzweifelt einsam. Von der Gefühlsleere des ihn umgebenden Milieus seelisch zermürbt, lebt er fast vollständig isoliert.
      Kurz vor Weihnachten schickt ihn sein Arbeitgeber nach Rouen, wo er ein neues EDV-System einführen soll. Dabei begleitet ihn sein Kollege Raphael Tisserand, ein Verlierertyp par excellence, hässlich und uncharmant, von Frauen und Sex besessen, aber ohne jede Chance, jemals von einer Frau erhört zu werden. Im beruflichen Leben, so der Ich-Erzähler, stehe er auf Seiten der Sieger, in sexueller Hinsicht gehöre er eindeutig zu den Verlierern. Nach einer Kette von Demütigungen besuchen die beiden Kollegen am Heiligabend eine Diskothek, wo ihnen ein junges, verliebtes Paar auffällt. Diese Liebe, die Zärtlichkeit und das demonstrative Glück erscheinen ihnen unerträglich. Der Held drückt seinem Kollegen ein Messer in die Hand und fordert ihn zum Mord auf. Gemeinsam folgen sie dem jungen Paar an den Strand. In deutlicher Anlehnung an die Erzählung Der Fremde von Albert -> Camus blitzt im Mondlicht das Messer auf, aber es kommt nicht zu einem »absurden« Mord. Tisserand hat »keine Lust, sie zu töten. Blut ändert auch nichts«. Noch in derselben Nacht macht ersieh auf den Rückweg nach Paris.
      DeT Erzähler kehrt an seinen Arbeitsplatz zurück, wo er erfährt, dass Tisserand auf der Fahrt nach Paris bei dichtem Nebel mit seinem Wagen tödlich verunglückt ist. Kurz darauf begibt sich der Erzähler in psychiatrische Behandlung und geht für einige Wochen in ein Sanatorium. Nach der Entlassung bricht er zu einem Ausflug mit dem Fahrrad in die Berge auf.
      Wirkung: Das von der Kritik zunächst nicht übermäßig wahrgenommene Werk wurde durch Mundpropaganda nach und nach zu einem Publikumserfolg. Der irritierende Roman, der gleichermaßen jubelnde Zustimmung und wütende Ablehnung erfuhr, erhielt den Grand Prix National des Lettres sowie den Prix Flore für den besten Erstlingsroman.

Die wichtigsten Bücher von Michel Houellebecq
Suche nach Glück 1992 Der erste Gedichtband von Houellebecq wurde nach Erscheinen seiner Romane neu aufgelegt und ebenso wie die später veröffentlichten Lyrikbände Der Sinn des Kampfes und IM'edergefjurfzu einem Bestseller.
      Ausweitung derKampfzone 1994 In seinem Romandebüt erzählt der Autor vom desillusionierten Leben einsamer Großstadtmenschen, die am von Sex und Geld bestimmten Konkurrenzkampf verzweifeln.
      Elementarteilchen 1998 Der viel diskutierte Roman erzählt vom glücklosen Leben zweier Halbbrüder, dem sexbesessenen Lehrer Bruno, und dem verklemmten Gentechniker Michel, der an der Entwicklung geklönter Menschen arbeitet.
      Die Welt als Supermarkt. Interventionen 1998 Der Essayband, der die provokativen Themen der Romane aufgreift, umfasst Aufsätze, Literatur- und Filmkritiken, offene Briefe zum eigenen Werk sowie theoretische Aufsätze über die Rolle der Literatur, die zuvor in verschiedenen Zeitschriften erschienen waren.
      Lanzarote 2000 Die Erzählung, die ergänzt wird durch einen vom Autor selbst fotografierten Bildband, beschreibt die ausschweifenden Sexabenteuer Pauschalreisenderauf der Ferieninsel Lanzarote.
      Plattform 2001 Der Ich-Erzähler Michel lernt als Sextourist in Thailand die Touristikmanagerin Valerie kennen, mit derer eine kurze Zeit des Glücks erlebt, bis sie einem Anschlag islamischer Fundamentalisten zum Opfer fällt.
     


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