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Hermans, Willem Frederik - Leben und Biographie



WillemFrederikHermans gilt vielen als der bedeutendste niederländische Prosa-Autor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Werk umfasst neben Romanen und Erzählungen auch Gedichte, Theaterstücke und zahlreiche Essays. Besonders gefürchtet waren seine scharfen Polemiken, mit denen er sich in viele Bereiche des kulturellen Lebens einmischte.
      Hermans schloss das Studium der Geografie 1955 mit der Promotion ab und wuTde 1958 zum Dozenten für Physische Geografie an der Universität Groningen ernannt, die er 1973 nach langwierigen Querelen verließ. Noch im selben Jahr kehrte Hermans den Niederlanden den Rücken, um zunächst in Paris und später in
Brüssel zu leben, in dem satirischen Roman Unter Professoren rechnete er später mit dem Universitätsbetrieb ab.
      Obwohl der Zweite Weltkrieg eine große Rolle in den Romanen von Hermans spielt , ist der Krieg für ihn nicht in erster Linie Thema, sondern Metapher für die Welt schlechthin, die er als ein »sadistisches Universum« betrachtet, dem der Mensch hilflos und ohne Chance auf eine sinnvolle Existenz ausgeliefert ist. Als weitere bedeutende Werke sind die Romane Nie mehr schlafen und Au pair zu nennen, außerdem die Erzählbände Mutwille und Missverständnis und Der letzte Raucher sowie der Essayband Das sadistische Universum .
      Die Dunkelkammer des Damokles
Mit diesem Roman greift Willem Frederik Hermans die Frage nach dem Verhalten des Einzelnen im Spannungsfeld zwischen Widerstand und Kollaboration während des Zweiten Weltkriegs auf. Indem am Ende offen bleibt, ob die Hauptfigur »Held« oder »Verräter« ist, stellt er zugleich die Wahrnehmbarkeit einer objektiven Realität oder Wahrheit radikal in Frage. Inhalt: Hauptfigur der Geschichte ist Henri Ose-woudt, ein schmächtiger, unsicher wirkender junger Mann, der zum Militärdienst untauglich ist. Als der Krieg nach dem deutschen Ãoberfall im Mai 1940 auch die Niederlande erreicht, betreibt Osewoudt einen Zigarrenladen in der holländischen Kleinstadt Voorschoten. Hier trifft er den niederländischen Leutnant Dorbeck, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, im Gegensatz zu ihm aber entschieden und selbstbewusst auftritt. Nachdem Osewoudt für Dorbeck zunächst kleinere Aufträge erledigt hat, nimmt er an einer Widerstandsaktion in Haarlem teil, bei der drei Männer erschossen werden. Dorbeck ist in der Folgezeit wie vom Erdboden verschwunden. Die Entwicklung eines Fotos, das seine Existenz belegen könnte, misslingt, weil Osewoudts Mutter die Tür der Dunkelkammer öffnet.
      Erst vier Jahre später, im Sommer 1944, meldet sich Dorbeck wieder. Wieder tötet Osewoudt, der sich als Teil des Widerstands sieht, in seinem Auftrag Menschen. Er wird schließlich gefangen genommen und von den Deutschen verhört. Obersturmführer Ebernuss, ein »guter« Deutscher, eröffnet ihm, dass er desertieren will und bittet ihn, einen Kontakt mit dem niederländischen Widerstand herzustellen. Osewoudt führt ihn zu einem Haus an der Amsterdamer Spiegelgracht, wo er auch Dorbeck wiedertrifft. Vor einem Spiegel macht Osewoudt ein Foto von sich und Dorbeck. Nachdem er von Dorbeck erfahren hat, dass seine Frau Ria ihn an die Deutschen verraten hat, bringt Osewoudt sie um.
      Schließlich flieht er in den bereits befreiten Süden der Niederlande. Als er sich dort bei den Behörden meldet, wird er festgenommen. Aus der Perspektive der Polizei stellen sich seine Widerstandstaten als Landesverrat dar. Osewoudts einzige Möglichkeit, die eigene Haut zu retten, ist der Nachweis, dass eine Verwechslung mit seinem Doppelgänger Dorbeck vorliegt. Aber alle Zeugen, die Dorbeck kannten, sind tot, und alle Tatbestände, die er zu seiner Entlastung vorbringt, sprechen auf einmal gegen ihn. Schließlich beginnt Osewoudt selber am Wahrheitsgehalt seiner Geschichte und der Existenz Dorbecks zu zweifeln. Auf dem Foto, das er mit Dorbeck vor dem Spiegel gemacht hat, ist nichts zu erkennen. Voller Verzweiflung rennt Osewoudt aus dem Militärhospital und wird von einem Wachsoldaten niedergeschossen. Aufbau: Der Roman gliedert sich in 46 Episodenkapitel, von denen die ersten 30 die Zeit vor und während des Kriegs behandeln, während die übrigen die Untersuchungshaft Osewoudts bei der niederländischen Polizei nach Kriegsende beschreiben.
      Die vom Autor gewählte personale Erzählperspektive lässt den Leser alle Ereignisse aus der Sicht Osewoudts miterleben. So bleibt die durch eine subjektive Wahrnehmung intendierte Verunsicherung des Lesers bis zum Schluss bestehen. Entscheidenden Anteil an dieser Verunsicherung hat das Doppelgängermotfv: Existiert Dorbeck wirklich oder ist er nur ein Produkt von Osewoudts Einbildung? Die Unmöglichkeit, diese Frage zu beantworten - für beide Lesarten bietet der Roman eine Fülle von Anhaltspunkten -, spiegelt Hermans' Auffassung von der prinzipiellen Unmöglichkeit objektiver Wirklichkeitswahrnehmung.
      Wirkung: Kritiker und Literaturwissenschaftler sehen in dem Roman einhellig einen Höhepunkt der niederländischen Literatur des 20. Jahrhunderts, auch wenn die düster-pessimistische Weltsicht des Autors von vielen nicht geteilt wird.
     


Willemer, mariane von

Das Heidelberger Schloß Manger, Klaus. In: Heidelberg, 1987, S. 175 - 209. .....
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