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Hauptmann, Gerhart - Leben und Biographie



Gerhart Hauptmann gilt als Hauptvertreter des Naturalismus in Deutschland sowie als Begründer des modernen sozialen Dramas. Eindringlieh stellte er die Wirklichkeit der industrialisierten Gesellschaft seiner Zeit dar. 1912 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
      Der Sohn eines Hotelbesitzers zeigte sich nach dem Besuch der Realschule, die er ohne Ab-schluss verließ, zunächst unentschlossen. Er war ein Jahr lang Landwirtschaftseleve, schrieb sich für verschiedene Studiengänge ein, betätigte sich als Bildhauer und unternahm eine Romreise. Die Heirat mit einer Großkaufmannstoch-ter 1885 ermöglichte ihm schließlich eine Existenz als freier Schriftsteller. Hauptmann lebte abwechselnd in Berlin, Agnetendorf sowie auf Hiddensee. Die indifferente Haltung des als »letzter Klassiker« Gefeierten während des Nationalsozialismus blieb bis heute ein umstrittener Punkt seiner Biografie.
      Bereits mit seinen ersten naturalistischen Dramen erregte Hauptmann großes Aufsehen, doch verschrieb er sich nicht allein dieser literarischen Strömung. Mythische und märchenhafte Elemente finden sich bereits in frühen Arbeiten und durchziehen sein gesamtes Werk, das mehr als 40 Dramen, Gedichte, Prosa und Essays umfasst.

      Die Weber
Entstehung: Als historischer Hintergrund für seine Dichtung diente Gerhart Hauptmann der Weberaufstand im Juni 1844 in Schlesien, der vom Militär blutig niedergeschlagen wurde. Da sein Großvater als Weber gearbeitet hatte, kannte er die Schilderungen über die menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensverhältnisse der schlesischen Leinweber aus der eigenen Familie. 1888 entschloss sich Hauptmann, den Stoff zu dramatisieren. Es folgten intensive historische Studien sowie Reisen in das schlesi-sche Webergebiet. Als Quellen dienten ihm inerster Linie das zeitgenössische Werk Dos Elend und der Aufruhr in Schlesien von Wilhelm Wolff aus dem Jahre 1845 sowie Alfred Zimmermanns Blüte und Verfall des Leinengewerbes in Schlesien. 1892 erschien Hauptmanns in schlesischer Mundart verfasste Ausgabe De Wober, bevor im selben Jahr die der Hochsprache angepasste Bühnenfassung herauskam. Inhalt: Im Haus des Fabrikanten Dreißiger wird das Elend der Weber deutlich: Die Hungernden liefern ihr fertiges Gewebe ab, ihre Handarbeit ist jedoch gegenüber der industriell gefertigten nicht konkurrenzfähig. Sie verkörpern Angst und Untertänigkeit und zeigen Unzufriedenheit und Anzeichen von Aufbegehren. Der Hunger hat viele der Weber gezeichnet: Krankheiten, geistiger Verfall, Missbildungen. Der Fabrikant Dreißigerzeigt sich jedoch hartherzig und Pastor Kittelhaus bemüht sich, die Weber mit hohlen Phrasen zu beschwichtigen.
      Der zurückgekehrte junge Soldat Moritz Jäger will die menschenunwürdigen Zustände nicht länger dulden und trägt seinen Protest gegen die herrschenden Verhältnisse in die Öffentlichkeit. Im Wirtshaus findet er Gleichgesinnte und die Unzufriedenheit schlägt in offenen Aufruhr um. Die Menge zieht zu Dreißigers Haus und beginnt die Villa zu plündern und zu zerstören. Die Repräsentanten der Allianz aus Industrie, Staat und Kirche - Dreißiger sowie der Polizeipräsident und der Pastor, die ebenfalls anwesend sind - müssen fliehen. Dem spontanen Aufstand folgt am nächsten Tag jedoch die Ernüchterung, vor allem angesichts mangelnder politischer Ziele und einer fehlenden Organisationsform. Während sich viele dem Kampf gegen das anrückende Militär anschließen, will der alte, pietistische Hilse allein Gott die Strafe überlassen - und wird als an den Kämpfen Unbeteiligter von einer verirrten Kugel getroffen.
      Aufbau: Schlesische Sprache und schlesisches Milieu prägen das Stück, das Leitmotiv ist das Weberlied. Hauptmann folgt mit der Einteilung des Stückes in fünf Akte zwar dem traditionellen Formschema, kontrastiert es aber dadurch, dass die aufsteigende Handlung vom ersten bis zum vierten Akt im fünften abfällt. Dadurch wird der dramatische Prozess in seiner Kontinuität aufgebrochen. Der Schluss ist nur scheinbar offen, da die Niederschlagung durch das Militär gewiss ist. Charakteristisch ist außerdem, dass das persönliche Schicksal der Protagonisten an Bedeutung verliert: Ihr Schicksal steht als Symbol für das einer sozialen Gruppe. Wirkung: Das naturalistische Drama Die Weber verhalf Hauptmann zu enormer Popularität. Davon zeugen nicht nur unmittelbar folgende Bühnenaufführungen, sondern auch eine umfängliche Rezeption des Stückes sowie zahlreiche offizielle Auszeichnungen, nicht zuletzt der Nobelpreis für Literatur im Jahre 1912. Das Drama wurde im Gegensatz zur internationalen Würdigung im wilhelminischen Deutschland aufgrund der Sozialkritik zeitweise verboten, im nationalsozialistischen Deutschland durfte es nicht aufgeführt werden.

      Naturalismus
Entstehung: Unter dem Eindruck der gesellschaftlichen Umwälzungen im Zuge der industriellen Revolution bildete sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts von Frankreich ausgehend eine neue europäische Literaturbewegung heraus. Literarisches Vorbild war die von Emile -> Zola in seiner theoretischen Schrift Der Experimentairoman dargelegte experimentelle, am Kriterium der Wissensehaft-liehkeit orientierte Schreibweise. Bedeutung: Der Begriff verweist auf die Ablehnung jeglicher Form der Idealisierung, insbesondere der verklärenden Tendenz des bürgerlichen Realismus im 19. Jahrhundert. Nach dem Vorbild des Positivismus und der Naturwissenschaften sollte allein das tatsächlich Gegebene und wissenschaftlich Abgesicherte Gegenstand der
Literatur sein. Der deutsche Autor Arno Holz brachte diese Forderungen auf die Formel «K=N-x«, d.h. Kunst gleich Natur abzüglich der künstlerischen Subjektivität und der Unzulänglichkeiten des Materials. Bevorzugte Themen der Naturalisten waren das Elend des »vierten Standes« sowie die triebhafte, unbewusste Seite der menschlichen Existenz. Anwendung: Zu den wichtigsten Werken zählen der Romanzyklus Die Rougon-Macquart von Zola, das Drama Afora des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen sowie in Deutschland neben den frühen Werken Gerhart Hauptmanns die gemeinsam von Holz und Johannes Schlaf verfasste Erzählung Papa Hamlet und ihr Drama Die Familie Sei icke .
     


Hauptmann, gerhart

Geb. 15.11.1862 in Ober-Salzbrunn/ Schlesien; gest. 6.6.1946 in Agnetendorf/Schlesien »Der Sozialismus dieser Zeit ehrt in Ihnen den mitleidigen Dichter der »Weben und des >HanneleWeltkrieg-Deutsch-land-über-AllesTausendjährigen< Reiches« - solche harschen Urteile würden sich unter dem Aspekt des .....
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Gerhart hauptmann

Was von Gerhart Hauptmanns Novellendichtung überliefert ist, findet sich in dem 1948 edierten Band ,Gesammelte Erzählungen' vereinigt. Dabei wird man manches ausscheiden, das nicht im eigentlichen den Anspruch der novellistischen Gattungsform erfüllt, den ,Ketzer von Soana' etwa, der eindeutig die G .....
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Hauptmann, gerhart

»Der Sozialismus dieser Zeit ehrt in Ihnen den mitleidigen Dichter der >Weber< und des >HanneleWeltkrieg-Deutschland-über-Alles .....
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Hauptmann, gerhart

Blaue Blume Krogmann, Willy. In: GRM 17, 1967, S. 430 - 434. Das Riesengebirge Neis, Edgar. In: Städte und Landschaften, 1978, S. 32 - 35. Pirna grüßt zum Geburtstag Semmler, Fritz. In: Monatshefte 47, 1955, S. 285 - 289. Testament Lauterbach, Ulrich. In: Frankfurter Anthol .....
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Gerhart hauptmann (i862-i946)

In Obersalzbrunn in Schlesien als Sohn eines Hotelbesitzers geboren, sollte er Landwirt werden, fühlte sich aber zum Künstler berufen und widmete sich zuerst der Bildhauerei. Auf einer Italienreise sah er das Elend der unteren Volksschichten, und dieses Erlebnis bewirkte den entscheidenden Umschwung .....
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Der erfolgreichste dramatiker des naturalismus: gerhart hauptmann

Der erfolgreichste Dramatiker des Naturalismus war Gerhart Hauptmann . Er stammte aus Schlesien. Ursprünglich wollte er Bildhauer werden; er studierte auch einige Jahre an der Kunsthochschule in Breslau. Mitte der achtziger Jahre wechselte er aber nach Berlin und schrieb sich an der Universität für .....
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Franz mehring - gerhart hauptmanns 'weber

Und eine bedeutende Dichtung sind die 'Weber". Es ist das gute Recht des Dramatikers, seinen Stoff zu nehmen, wo er ihn findet, und Hauptmann hat gewiß nicht seine Beziehungen zu Wolff zu verwischen beabsichtigt, wenn er in der Widmung an seinen Vater Familienerzählungen — er ist der Enkel eines s .....
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Hauptmann,  Gerhart    




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