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Hasek, Jaroslav - Leben und Biographie



Mit seinem einzigen Roman Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk verhalf Jaroslav Hasek der böhmischen Literatur zu Weltruhm.
      Der Sohn eines Mittelschullehrers absolvierte zunächst eine Ausbildung an der Handelsakademie. Haseks Bemühen, sich eine bürgerliche
Existenz aufzubauen, scheiterten kläglich. Er begann für Zeitungen und Feuilletons zu schreiben und persiflierte Bürokratie und bürgerliche Moral derk.u.k.-Monarchie; über 2000 Arbeiten unter mehr als 100 Pseudonymen sind bis heute bekannt geworden. In Prag führte Hasek das Leben eines Bohemien und Anarchisten. Er sprach mit Eifer dem Alkohol zu, nahm an zahlreichen Demonstrationen und Krawallen teil und war häufiger Gast auf den Polizeirevieren der Stadt. Im Ersten Weltkrieg schloss sich Hasek der tschechischen Legion auf russischer Seite an, lief zur Roten Armee über und wurde kommunistischer Funktionär. Erst sechs Jahre nach Kriegsbeginn kehrte der in Prag Totgeglaubte in seine Heimatstadt zurück, nahm sein Boheme-Leben wieder auf und begann die Arbeit am Schwejk. Das Buch war noch nicht vollendet, als Hasek im Alter von 39 Jahren starb.
      Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk
Jaroslav Haseks unvollendet gebliebener satirischer Roman um die Erlebnisse des Prager Hundehändlers Josef Schwejk im Ersten Weltkrieg gehört zu den unvergänglichen und zugleich amüsantesten Werken der Weltliteratur. Mit seinem Schwejk hat Hasek die Literatur um einen liebenswerten Schelm bereichert. Entstehung: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk erschienen zunächst als Fortsetzungsroman in einer broschierten Heftausgabe. Das erste Heft kam im März 1921 heraus, in einem eigens für dieses Projekt gegründeten Verlag. Der Autor widmete seine beiden letzten Lebensjahre ganzder Arbeit an diesem Werk, dessen Kapitel er einem Schreiber unter enormer Hast diktierte. Fünf Schwejk-Geschichten aus dem Jahr 1912 wurden später gemeinsam mit anderen Texten von Hasek als »Urschwejk« separat veröffentlicht. Inhalt: Josef Schwejk, Hundehändler und Stammbaumfälscher, kommentiert in einem Prager Wirtshaus das Attentat auf den österreichischen Thronfolger; er dokumentiert durch diesen Kommentar seine vollständige Unkenntnis der politischen Verhältnisse und wird dennoch wegen Hochverrats verhaftet. Justiz und Psychiatrie beschäftigen sich mit Schwejk, der um beste Zusammenarbeit mit den Behörden bemüht ist und schließlich gesteht, den Erzherzog Ferdinand erschlagen zu haben. Er kommt ins Irrenhaus, aus dem er aber hinausgeworfen wird, weil er zu dumm ist. Auf Schwejks Dienste meint das Kriegsministerium jedoch nicht verzichten zu können und so lässt sich der Rheuma-Geplagte, der einst den Militärdienst quittierte und dem schwarz auf weiß bestätigt wurde, ein »behördlicher Idiot« zu sein, von seiner Wirtschafterin im Rollstuhl zur Meldestelle fahren. Ob dieser beispiellosen Geste patriotischer Gesinnung wird er von Passanten und Zeitungen als Held gefeiert. Es beginnt eine Odyssee durch die Einheiten der k. u. k. Armee und die Narreteien des Kriegs, die Schwejk zunächst als Bursche zu einem trunksüchtigen Feldkuraten führt, der ihn aber beim Kartenspiel an den Oberleutnant Lukasch verliert. Auf dem Weg zur Front widerfahrt ihm ein Missgeschick ums andere, doch er lässt sich die gute Laune nicht verderben, hat zu allem und für jeden ein Histörchen zur Hand und zerredet jede ausweglose Situation. Schwejk ist so autoritätsgläubig, dass er jede Autorität untergräbt, so loyal, dass Loyalität sinnlos wird, so ergeben, dass er für keinen Herrn zu ertragen ist. Der Kleinbürger wird durch unbedingten Gehorsam zum Anarchisten und gibt - ungewollt - eine praktische Anleitung zur Wehrkraftzersetzung. Sein Humor und seine einzigartige Lebensphilosophie lassen Schwejk auch die russische Kriegsgefangenschaft und die Gefahren der Russischen Revolution unversehrt überstehen, so dass der Leser ihn zum Schluss im festlich geschmückten Prag einziehen sieht.
      Wirkung: Bereits die ersten beiden Kapitel des Romans in Heftform wurden ein durchschlagender Erfolg. Das Lesepublikum liebte die Geschichte des kleinen Mannes, der die Staatsmacht durch die buchstabengetreue Befolgung der Gesetze ad absurdum führte. Die tschechische Kritik hingegen lehnte das unkonventionelle Werk, das ästhetische und ideologische Prinzipien sprengte, lange Zeit ab.
Hauptfiguren in »Die Abenteuer des braven ...« von Jaroslav Hasek
Josef Schwejk: Der Hundehändler und begnadete Erzähler von Anekdoten und wichtigen Begebenheiten, die den Sinn des Lebens erschließen, nimmt als Bursche und »Putzfleck« am Ersten Weltkrieg teil. Er hat nicht geringen Anteil daran, dass Ã-sterreich-Ungarn am Ende als einer der Verlierer dasteht.
      Oberleutnant Lukasch: Der aktive Offizier der morschen Monarchie bekennt sich zu seinem Tsehechentum, ist aber besorgt, dass jemand hiervon erfahren könnte. Der gutmütige Mensch hat Schwejk beim Kartenspielen gewonnen - ohne zu ahnen, dass er dieses Spiel besser verloren hätte.
      Feldkurat Otto Katz: Der erste Dienstherr Schwejks ist ein spiel- und trunksüchtiger Feldgeistlicher, an dem nach eigenem Bekunden der Vatikan interessiert ist. Die Erkenntnis, dass es gemeiner Materialismus sei, Alkohol zu trinken, kommt ihm leider stets erst nach der dritten Flasche. Sappeur Woditschka: Den Kameraden Schwejks, einen alten Fuchs und Haudegen, kümmern die tatsächlichen Kriegsereignisse und Frontverläufe nicht, da er einen Privatkrieg gegen die ungarischen Waffenbrüder führt. Er sitzt mit Schwejk gemeinsam ein und träumtvon der Freiheit, die »magyarischen Lackeln« zu vermöbeln.
     


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