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Gustav Schuller - Leben und Biographie



Abgesehen von kleineren Unterbrechungen verbrachte Gustav Schuller sein Leben in Hermannstadt. Hier wurde er 1838 geboren, besuchte bis 1857 das Gymnasium und studierte anschließend bis 1861 an der hiesigen Rechtsakademie. Nachdem er die theoretische Staatsprüfung abgelegt hatte, entschloß er sich, in Heidelberg Theologie zu studieren. Im November 1863 begann er, wiederum in der Heimatstadt, seine berufliche Laufbahn als Lehrer an einer Elementarschule und war seit November 1865 an der Realschule tätig, die dem Gymnasium angeschlossen war. Er starb 1904 in Hermannstadt.
      Neben seiner Lehrtätigkeit bemühte sich Gustav Schuller um eine Verbesserung des Schulwesens und um die Erziehung im allgemeinen , untersuchte kulturgeschichtliche Besonderheiten seiner LIeimat und trat mit literarischen Werken an die Öffentlichkeit. Schriftstellerisch bewährte er sich als 'Schöpfer poetischer Erzählungen aus Siebenbürgens vergangenen Tagen und Verherrlicher der Karpa-thenromantik" 2. Diese Bewertung seines literarischen Schaffens bezieht sich in erster Linie auf seine beiden Verserzählungen Reinold und Meister Lukas sowie auf die historische Prosaerzählung Krieg und Frieden. Das Vorbild der erzählenden Gedichte Schullers liegt in Victor Scheffels Trompeter von Säckingen, einer Dichtung, die sich auch in Siebenbürgen großer Beliebtheit erfreute. Schuller inspirierte sich bei Scheffel auch, als er sich für den vierfüßigen Trochäus in reimlosen Versen entschied.
      Reinold3, mit dem Untertitel Ein Bild aus den Karpathen, hat der Verfasser dem 'sächsischen Bürgerhause gewidmet". Mit diesem kleinen Werk führt er den Leser in das Leben Hermann-stadts im 15. Jh., wobei sich der Dichter bemüht, seinen Stoff objektiv zu gestalten, um so einen möglichst zutreffenden Eindruck jener Zeit zu vermitteln. Den historischen Hintergrund der Dichtung bilden die Türkenkriege, genauer gesagt handelt es sich um die Verteidigung Hermannstadts im Jahre 1442.
      Obwohl die Kämpfe schon lange andauerten und die Türken dem Land großen Schaden zufügten, auch ganze Ortschaften vernichteten, war Hermannstadt bisher vor Zerstörungen bewahrt geblieben. Nun rüsteten sich die Bürger der Stadt zum Kampf. Vornehmlich die Zünfte übernahmen die führende Rolle bei der Verteidigung gegen das Heer des Türken Mezeth Bey. Als der siebenbürgische Wojewode sich, nach der Schlacht von Sintimbru, mit seinen Truppen erneut zum Kampf stellte, waren es wiederum die Zünfte, die durch ihren Ausfall die Wende herbeiführten, so daß die Türken unterlagen. In der Beschreibung des türkischen Heerlagers ist Schuller äußerst genau. Vielleicht ist dies die gelungenste Schilderung in dem Werk. Der Autor vermittelt Angaben über ihre Schlachtordnung mit den Akindschi ,
Die als Pl'dnkler in dem ersten Treffen feurten; hinter ihnen Die geworbenen Soldaten Mit den Sclaven...
Vor allem die Soldaten werden in ihrer prachtvollen Ausrüstung beschrieben:
Weiter rückwärts schlössen sich die ] anitscharen an, gleich einer Undurchdringlich trotz'gen Mauer, Bildeten das Centrum sie, der Stolz des ganzen Türkenheeres...
Die Krönung aller Pracht erfährt das Heer durch Mezeth, den der Dichter ausführlich vorstellt.
      Aber nicht nur in Kriegszeiten verstehen die Bürger Hermann-stadts zuzupacken. Auch feiern können sie, etwa bei den Zusammenkünften der Zünfte. Dabei stellt der Verfasser eine Reihe würdiger Meister vor. Der Zunfttag der Kürschner wird eingehend beschrieben. Kulturgeschichtlich wertvoll sind die Darstellungen des Festzuges und der Festsitzung. Den historischen Ereignissen fügt Gustav Schuller eine an sich unbedeutende Liebesgeschichte bei. Der Dichter verknüpft beide Handlungsbläufe, indem er den Klosterschüler der Kerzer Abtei, Reinold, an der Verteidigung Hermannstadts teilnehmen läßt. Ohnehin dem geistlichen Leben wenig zugeneigt, findet dieser hier Gelegenheit zur Bewährung und erringt sich die Achtung der Bürger. Seiner Verbindung mit der Bürgermeisterstochter Katharina stellen sich zunächst Schwierigkeiten entgegen, da er einem ritterlichen Ge-schlecht entstammt. Nachdem alle Etappen bis zur glücklichen Lösung des Konflikts breit dargelegt worden sind, schreitet die Handlung im letzten Abschnitt zu rasch fort und gelangt unvermittelt zum Schluß. Hier wie überhaupt bei der Gestaltung tieferer Problematik, die eine entsprechende Motivierung verlangt, zeigt die Dichtung Mängel. Sie wirkt dann zu gegenständlich, oft naiv. Bemerkenswert ist hingegen die Kennzeichnung einiger Charaktere, so der Zunftmeister in ihrer Urwüchsigkeit und Geradheit. Treffend ist auch die Person des Klosterbruders Hugibert erfaßt. Die Frauengestalten, auch Katharina, bleiben farblos.
      In dieser Verserzählung finden sich auch anschauliche Naturschilderungen. Drei der acht Kapitel beginnen mit Naturbildern, ein viertes ist dem achten Abschnitt eingefügt, jeweils eine neue Jahreszeit ankündigend. Gleichzeitig tragen sie symbolhaften Charakter, denn mit den Vorgängen in der Natur verbindet der Dichter die Darstellung menschlicher Gefühle, vor allem die der beiden Hauptpersonen Reinold und Katharina. Im Frühling verläßt Reinold zum ersten Male hoffnungsfroh für längere Zeit das dumpfe Kloster und wandert nach Hermannstadt, im Spätherbst nimmt er von der Stadt, Katharina und allen liebgewonnenen Dingen Abschied und kehrt zu dem für ihn trostlos gewordenen Klosterdasein zurück, den Winter verbringen die beiden Liebenden in trauriger Stimmung, und schließlich bringt das nächste Osterfest die Vereinigung. Die Einleitung zum I. Abschnitt der Verserzählung verdient Beachtung:
Wolkenloser Frühlingshimmel Und der Sonne Morgenantlitz Strahlten auf die grüne Erde. Klare Büchlein tanzten wieder, Lustig plaudernd, in die Ebne, Als ob sie erzählen wollten Von den frühlingsduft'gen Märchen, Die an ihren bunten Ufern Zarte Blumen ihnen sangen; Denn des Winters eis'ger Mantel War vom milden Hauch des Südens Leicht gelüftet und es strömte Neues Leben in die Berge.
Die fehlende dichterische Reife erweist sich auch an der äußeren Form der Verserzählung. Der Verfasser hält zwar das trochäische Metrum durch, verleiht den Versen aber gerade dadurch eine gewisse
Schwerfälligkeit. Oft muß er Worte zurechtstutzen, um den Rhythmus beibehalten zu können. Eine andere Folge des rhythmischen Zwanges sind stilistische Fehler. Durch die Versbrechung trennt Schuller außerdem häufig zusammengehörende Wortgruppen. So kann man oft nicht mehr von sich harmonisch ergebenden oder beabsichtigten Enjambements sprechen.
      Daß diese Verserzählung dennoch wohlwollend aufgenommen wurde, liegt an der 'Treue der historischen und lokalen Färbung", die 'dem Gedichte Schullers einen durchaus originellen Charakter" verleiht. Unbestritten bleibt der kulturhistorische Wert der Dichtung. In der zeitgenössischen Kritik fand sie auch in Deutschland Beachtung, so in der Deutschen Wochenschrift^ in den Blättern für literarische Unterhaltung, in der Berliner Nationalzeitung.
Das zweite epische Gedicht Schullers, Meister Lukas9, entstand 1888. Wieder ist Hermannstadt der Ort der Handlung, diesmal im letzten Viertel des 16. Jh., und wieder steht das Zunftwesen der Stadt im Vordergrund. Die drei Hauptpersonen erscheinen in bestem Licht. Der Küfermeister Lukas ist der Prototyp des Handwerksmeisters, der die Ehre seines Standes verkörpert. Er liefert nur allerbeste Arbeit und duldet keine Stümper in seiner Werkstatt. Genauso wacht er über den sittlichen Wandel seiner Tochter Dorothea und ist ihr ein gestrenger Vater. Ordnung nach Recht und Gesetz in der Zunft, der Nachbarschaft und in der ganzen Stadt gehen ihm über alles. Die beiden Liebenden Dorothea und Bernhard werden ebenso vorteilhaft, ja idealisiert gezeichnet. Die Beschreibung ihrer Liebe bleibt jedoch oberfächlich, ohne echtes Gefühl und ohne Spontaneität. Beachtenswert skizziert Schuller auch weniger wichtige Personen. Der eingebildete Schreiber Rufinus, der sich zur 'besseren Gesellschaft" zählt, kann als gelungene komische Figur bezeichnet werden. Andere typische Figuren sind der geschwätzige Bader Kueles, der Wollenweber Roder und ein sich wichtig machender Leinweber. Mit diesen Personen verbundene lebensnahe Momente der Verserzählung wie auch die vom Michelsberger Burgvogt erzählte romantische Geschichte von der bulgarischen Fürstentochter Eryzene, die auf dessen Burg weilte, und die ereignisreiche Reise Bernhards nach Polen können der Dichtung nicht Unmittelbarkeit und Leben verleihen.
      Der Autor wollte nicht unbedingt 'eine durch Originalität der Erfindung oder durch die Eigenartigkeit der geschilderten Charaktere glänzende und bestechende Dichtung" 10 schaffen, sondern sächsisches Leben vor vierhundert Jahren veranschaulichen,
Eigenheiten der Stadtbevölkerung darstellen. Deshalb legt er so viel Gewicht auf die Zeichnung einer Komeswahl und der Nachbarschaftzusammenkünfte, schildert er so ausführlich einen Aufruhr des Volkes vor dem Rathaus.
      Ein Zuwachs an künstlerischer Reife ist von Reinold zu Meister Lukas kaum festzustellen. Man könnte lediglich behaupten, daß die Sprache dem Rhythmus etwas besser angepaßt wird. Aber immer noch treten zu viele Elisionen auf, und Satzbau und Stil wirken forciert.
      Auch Krieg und Frieden. Eine Erzählung aus Hermannstadts Vergangenheitu kann man in gewissem Maß als kulturhistorisches Dokument betrachten. Wieder bilden Türkenherrschaft und Zunftwesen den Hintergrund, diesmal im 17. Jh. Gleichfalls dient eine mehr oder weniger belanglose Liebesgeschichte dazu, ein Sittenbild der Zeit zu schaffen. Schuller geht hier in seinen Beschreibungen noch mehr ins Detail und läßt vor dem Auge des Lesers beispielsweise ein Festmahl , die Tracht Regines und alle Vorbereitungen sowie den Zug einer sächsischen Hochzeit erstehen.
      Gustav Schuller kommt das Verdienst zu, Bilder siebenbürgi-scher Geschichte, überkommene Sitten und Bräuche literarisch gestaltet zu haben. Sein Versuch, durch die anspruchsvolle Form des Poems hierzulande neue Wege zu beschreiten, verdient auch heute noch Beachtung, selbst wenn seine Dichtungen in zu hohem Maß dem Zeitgeschmack verhaftet bleiben.
     


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