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Groult, Benoite - Leben und Biographie



Benoite Groult, seit Mitte der 1970er Jahre eine der bekanntesten Feministinnen Frankreichs, avancierte 1988 mit dem programmatischen Liebesroman Salz auf unserer Haut zur internationalen Bestsellerautorin. Ihre Werke über die Lebens- und Liebesbedingungen der Frau fanden eine begeisterte Leserschaft, aber wenig Anerkennung durch die Literaturkritik.
      In einer bürgerlichen Pariser Familie aufgewachsen, begann Groult 1938 ein Studium an der Sorbonne und unterrichtete während des Krieges an einer Vorortschule. Nach der Befreiung wechselte sie ins journalistische Fach, arbeitete für Rundfunk und Presse und legte 1962, gemeinsam mit ihrer Schwester Flora, ihr erstes Buch vor: Tagebuch vierhändig . Die autobiografisch gefärbte Geschichte zweier junger Mädchen in Paris zur Zeit der deutschen Besatzung wurde zum Publikumserfolg und führte zu weiteren gemeinsam verfassten Büchern. 1969-82 trat Groult vor allem als engagierte Feministin in Erscheinung. Essays über die Lebensbedingungen der Frau, Berichte über ihre Eheerfahrungen und Plädoyers für die Durchsetzung der Gleichberechtigung ließen sie in die erste Reihe der Frauenrechtlerinnen aufrücken.
      In den 1980er Jahren erfolgte eine Rückwendung zum literarischen Schaffen, die in der außergewöhnlichen Popularität des Romans Salz aufunserer Haut ihre Bestätigung fand. Das Buch wurde zum erfolgreichsten erotischen Roman der letzten Jahrzehnte und machte Groult auch über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt.

      Salz auf unserer Haut
Freisinniger Liebesroman oder Pornographie? Literatur oder Kitsch? Diese Fragen stellten Kritiker anlässlich des Erscheinens von Salz auf unserer Haut sowohl in Frankreich als auch in Deutschland. Der Roman um eine Frau, der es gelingt, sich gegen gesellschaftliche Zwänge zu behaupten und ihre Unabhängigkeit zu bewahren, ohne ihre weibliche Identität zu verlieren, rief heftige Reaktionen hervor. Brüskierte Konservative beklagten die »Schamlosigkeit« des Werkes, manche Feministin witterte Verrat an der Sache der Frauen.
      Inhalt: Die Pariser Schülerin George - der Vorname ist der Dichterin George Sand, Geliebte von Frederic Chopin, entlehnt - verbringt ihre Ferien in einem Fischerdorf der Bretagne. Sie ist hingerissen von der Schönheit der Natur und vom ursprünglichen Landleben der Menschen. George verliebt sich in den jungen Fischer Gau-vain, einen schlichten, kräftigen Menschen, mit dem sie zwei Jahre später, wiederum zur Ferienzeit, ihre erste Liebesnacht auf meerumrausch-ter Insel verbringt. Gauvain macht sich auf nach Paris, ist bereit, seinen Beruf aufzugeben, will studieren und George heiraten. Sie jedoch lehnt ab. Gauvain ist ihr keiner fürs Leben, schon gar nicht fürs Eheleben. Ihre Lebenswege trennen sich für Jahre. Jeder bleibt in seiner eigenen Welt. George wird Historikerin und heiratet standesgemäß, Gauvain vermählt sich mit einem Mädchen aus seinem Dorf und wird Vater.
      Im westafrikanischen Dakar treffen sie sich zufällig wieder. Die alte Leidenschaft entflammt erneut und bindet sie für immer aneinander. Ãober zwei Jahrzehnte, oft im Abstand von vielen Jahren, treffen sie sich an allen Ecken der Welt für ein paar Tage, um die Freuden der körperlichen Liebe zu genießen. So sehr sich George körperlich von Gauvain angezogen fühlt, so sehr sind ihr sein schlichtes Gemüt und Denken sowie seine Geschmacklosigkeit in kulturellen Dingen zuwider. Als er mit glänzenden Augen den Kitsch eines Disneyland-Parks be-wundert, kommt sie zur Erkenntnis, dass das, was einem im Leben behagt, nicht erträglich ist.
      Gauvain und George altern. Gauvain macht aul'George zunehmend den Eindruck eines von der Liebe aufgezehrten und erschöpften Mannes. Er stirbt schließlich an den Folgen einer By-pass-Operation. Als Gauvain beerdigt wird, leidet George keine Seelenqual, ihr ist zumute, als trauere lediglich ihre Haut um ihn.
      Groults kühnes Unterfangen, leidenschaftlich ausgelebte Sexualität aus weiblicher Sicht zu schildern und zu feiern, führte zu einer erotisch offenen Ausdrucksform in zuweilen drastischen Bildern. Die Autorin - sich des schmalen sprachlichen Grads, auf dem sie sich bewegt, stets bewusst - wirft immer wieder ein ironisches Augenzwinkern ein und macht auch Zotiges damit erträglich.
      Wirkung: Benoite Groults Geschichte einer Frau, die Erfüllung in außerehelichem Sex findet und sich neben ihrer bürgerlichen Existenz einer emanzipierten Leidenschaft zu einem Macho hingibt, traf offensichtlich die Gemütslage vor allem der weiblichen Leserschaft sehr gut. Wie in Frankreich wurde das Buch auch in Deutschland zu einem Top-Longseller und dominierte 1989-91 die Bestsellerlisten. 1992 verfilmte Andrew Birkin den Stoff.


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Groult,  Benoite    


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