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Grimes, Martha - Leben und Biographie



Martha Grimes schreibt Detektivromane mit komplexen Handlungssituationen, in denen sich auch die psychologischen Abgründe einzelner Gestalten offenbaren. Bekannt wurden vor allem ihre zahlreichen Werke um den Scot-land-Yard-lnspektor Richard Jury.
      Grimes studierte Englisch an verschiedenen Universitäten, darunter auch an der berühmten Johns Hopkins University in Baltimore. Sie unterrichtete kreatives Schreiben und Literatur an verschiedenen Universitäten. Ihre ersten Versuche als Schriftstellerin unternahm Martha Grimes Ende der 1970er Jahre auf dem Gebiet der Lyrik, wandte sich dann aber dem Schreiben von Kriminalliteratur zu. Mit den Romanen um Inspektor Jury hatte sie dann zu Beginn der 1980er Jahre itiTe ersten großen Erfolge. Seitdem wurden die weiteren Bände der Reihe im Jahresrhythmus veröffentlicht. Martha Grimes lebt heute abwechselnd in Washington und Santa Ee .
      Inspektor Jury sucht den Kennington-Smaragd
Hauptperson der Kriminalromane von Martha Grimes ist Richard Jury. Während der Kommissar in den ersten beiden Bänden [Inspektor Jury schläft außer Haus, 1981; Inspektor Jury spielt Domino, 1982) noch im Range eines Inspektors ermittelt, wird er im dritten Band deT Reihe zum Superintendent befördert. Jury ist eine rundum symphatische Eigur, ein kultivierter Junggeselle mit einem ruhigen, zurückhaltenden Wesen, der in London lebt. Zudem ist er ein guter Zuhörer - eine Eigenschaft, die ihm in seinen Ermittlungen zugute kommt und die ihm so manchen Erfolg beschert.
      Im englischen Original sind alle Bände der Inspektor-Jury-Reihe jeweils nach dem Namen eines englischen Pubs betitelt, das tatsächlich existiert - eine Tatsache, die von der Liebe der Autorin zu England, das sie von ausgedehnten Reisen her kennt, zeugt. Neben den Eiguren sind auch die Begleitumstände typisch englisch: Es regnet häufig, wenn sich Jury zu seinen Ermittlungen aufmacht, die Menschen, denen er begegnet, verhalten sich häufig kühlund distanziert. Und in den Fällen, in denen Inspektor Jury unter den Angehörigen des Adels ermitteln muss, vertraut Jury auf die Unterstützung von Melrose Plant, einem Ex-Earl, der dem Kommissar einen Weg in die Oberschicht bahnt und der ihm Einblicke in den besonderen Mikrokosmos des britischen Adels vermittelt. Inhalt: Am Anfang der Geschichte steht der brutale Ãoberfall auf die 16-jährige Katie, die in einer U-Bahn Station in der Mitte Londons von einem unbekannten Täter hinterrücks zusammengeschlagen wird. Weitere Verbrechen folgen: der gewaltsame Tod einer jungen Frau, an deren Leiche die Finger einzeln abgehackt wurden, und ein Diebstahl. Ein Jahr zuvor nämlich wurde dem inzwischen verstorbenen Lord Ken-nington aus seiner Juwelensammlung ein kostbares Halsband mit einem ägyptischen Smaragd gestohlen - noch immer fehlt von dem Schmuckstück jede Spur. Was anfänglich wie ein zufälliges Aufeinandertreffen von mehreren ungewöhnlichen Ereignissen erscheint, kann Jury am Ende so zusammensetzen, dass sich aus den Puzzlestückchen das Gesamtbild eines ungewöhnlichen Verbrechens ergibt, das den Leser auf mehr als 300 Seiten spannend unterhält.
      Aufbau: Als Inspektor Jury am Ende des Romans den Täter präsentiert, entpuppt sich das so zufällig wirkende Aufeinandertreffen mehrerer Ereignisse als eine lineare Abfolge von Ereignissen, in die sich der Täter verstricken ließ, um sein ursprüngliches Vergehen zu vertuschen. Mit viel Geschick entwirrt Jury das Wirrwarr aus Lüge und Verbrechen und gelangt so schließlich zum Erfolg.
      Wirkung: Wie in all ihren Kriminalromanen gelingt es Martha Grimes auch im dritten Band der Inspektor-Jury-Reihe, ein typisch britisches
Lokalkolorit zu kreieren: Die beteiligten Personen sind treffend charakterisiert, die Handlung animiert zum Miträtseln und überrascht am Ende doch. Nach den überraschenden Erfolgen der ersten beiden Bände der Inspektor Jury Serie lieferte Martha Grimes mit der Veröffentlichung von Inspektor Jury sucht den Kenning-ton-Smaragd endgültig den Beweis, Krimis in bester englischer Tradition verfassen zu können, und konnte Erfolg der Serie, die inzwischen insgesamt 18 Titel umfasst, ausbauen.
      Der »habsburgische Mythos«
Bezeichnung: Der Begriff wurde von dem italienischen Germanisten Claudio Magris geprägt, dessen gleichnamige Dissertation 1963 in Buchform erschien. Bedeutung: Die These vom »habsburgi-schen Mythos« besagt, dass ein maßgeblicher Teil der österreichischen Schriftsteller nach 1918 mit einem liebevoll-wehmütigen, wenn auch nicht unkritischen Blick auf die untergegangene Habsburgermonarchie zurückschaute. In ihren Werken wurde - Magris zufolge -der Vielvölkerstaat zu einem utopischen Reich überhöht, in dem - ganz im Unterschied zur unsicheren Gegenwart der ersten Republik sowie des Austro- und Hitlerfaschismus - noch verbindliche Werte wie etwa Ehre und Toleranz sowie Sicherheit und Ordnung herrschten. Als Kronzeugen für seine These nennt Magris u.a. Heimito von -»Doderer, Robert -> Musil, Joseph -> Roth, Franz -» Werfelund Stefan -> Zweig. Als die drei Grundmotive des»habsburgischen Mythos« bezeichnet er die Ãobernationalität, das Bürokra-tentum und den hedonistischen Lebensstil. Entstehung: Der »habsburgische Mythos« entstand, so Magris, in der Biedermeierzeit und fand im Werk von Franz -»Grillparzer seine erste umfassende Ausprägung. Marie von -> Ebner-Eschenbach, Ferdinand von Saar und Adalbert -» Stifter sind einige weitere bekannte Autoren, in deren Werk seine Grundmotive zu finden sind.
      Wirkung: Mit der These vom »habsburgischen Mythos« begann eine neue Diskussion über die Eigenständigkeit der österreichischen Literatur gegenüber der deutschen. Der Journalist, Politologe und Kritiker Ulrich Greiner verfolgte in seinen Analysen die Auswirkungen des »Mythos« bis in das Werk von Thomas ->Bernhard und Peter-> Handke.
      Holmes Et Co. -Kriminalliteratur
Mit dem Begriff »Kriminalliteratur« bezeichnet man im deutschen Sprachraum literarische Werke, in denen ein Verbrechen und seine Aufklärung im Mittelpunkt der Handlung stehen. Im Vordergrund eines Detektivromans steht der Detektiv, aufgrund dessen Bemühungen ein unter rätselhaften Umständen begangenes Verbrechen aufgeklärt wird. Der Kriminalroman dagegen beschreibt die Entwicklung bzw. Entstehung eines Verbrechens sowie die Verfolgung des Täters, der durchaus schon auf den ersten Seiten genannt werden kann.
      Geschichte: Entstanden ist die Kriminalliteratur Ende des 18. Jahrhunderts, als in der Folge des Zeitalters der Aufklärung eine gesellschaftspolitische Diskussion um Recht und Ordnung aufkam. Zudem schuf die Entstehung und Ausbreitung des Zeitungswesens einen neuen Bedarf an Unterhaltungsliteratur. Als Begründer der Kriminalliteratur gilt Edgar Allan -» Poe. Seine
Kurzgeschichten, die er um die Mitte des 19. Jahrhunderts veröffentlichte, etablierten vier Strukturelemente: 1.In Form eines rätselhaften Mordes bricht das Irrationale in eine geordnete Welt ein; 2. ein genialer Detektiv beginnt zu ermitteln und fahndet nach dem Täter; 3. ein sich steigernder Spannungsbogen fesselt und hält den Leser bei der Lektüre; 4. am Ende der Erzählung kommt es durch logische Schlussfolgerungen zur Lösung des Rätsels. Gegenwart: Die heutige Kriminalliteratur ist sehr vielfältig: Es gibt zahlreiche Serienhelden , von denen einige immer am gleichen Schauplatz ermitteln. Andere Kriminalromane verstehen sich eher als eine besondere Form der sozialen Chronik, indem ein Verbrechen als das Resultat psy-chischologisch begründeter Umstände dargestellt wird .
     


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