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Greene, Graham - Leben und Biographie



Graham Greene ist der herausragendste Schriftsteller der auf Joseph -> Conrad, Henry -> James, D.H.-* Lawrence und Virginia -»Woolf folgenden Generation. Durch die Verfilmung des Buchs Der dritte Mann wurden seine von ihm als »entertainments« bezeichneten Kriminalromane international bekannt; in seinem Hauptwerk, den »novels«, beschäftigte Greene sich als katholischer Autor mit dem Kampf der modernen Existenz um Wahrheit.
      Nach derAusbildunginBerkhamstedund Oxford arbeitete Greene 1926-30 bei der Times. In dieser Zeit konvertierte er zum Katholizismus, eine Reaktion auf seine anhaltenden Depressionen. In den späten 1930er Jahren wurde er als Filmkritiker für die Timesvnd den Spectatorbe-kannt. Greene reiste viel als Journalist und zog die Stoffe für seine Romane aus seinen Reisen; daneben ließ er Ereignisse aus Politik und Sozialgeschichte einfließen.
      Greens erster Erfolg war Stamboul Train von 1932, doch erst mit Brigh-ton Rock gelang ihm 1938 der Durchbruch. Aus der Reise nach Mexiko im Jahr darauf resultierte Die Kraft und die Herrlichkeit. Nach der Tätigkeit als Herausgeber der Literaturbeilage der Times arbeitete Greene 1941-44 für das englische Außenministerium in Sierra Leone. Seine Aufenthalte in den armenund vom Krieg heimgesuchten Ländern weckte sein Interesse für die Verlierer der Weltgeschichte, die er in seinen Büchern exemplarisch vorstellte. 1949 schrieb er das Drehbuch zu Der dritte Mann; nach dem Erfolg des Films wandte er sich dem Schreiben von Bühnentexten zu, die allerdings nicht das Niveau seiner Bücher erreichen. In den 1950er und 1960er Jahren konnte er weitere Erfolge erzielen, u.a. mit Unser Mann in Havanna , seinem einzigen Buch mit glücklichem Ende. In den 1980er Jahren wandte er sich ab von religiösen und hin zu rein weltlichen Themen.
      Die wichtigsten Bücher von Graham Greene
Brighton Rock 1938 Greenes erster wichtiger »katholischer« Roman über die relativen Begriffe von Gut und Böse: Der junge Ganove Pinkie begeht einen Mord, entzieht sich aber am Ende der weltlichen Strafe.
      Die Kraft und die Herrlichkeit, 1940 In diesem Roman beschreibt Greene den Wandlungsprozess eines Priesters auf seiner Flucht vor einem Polizeileutnant.
      Das Herz aller Dinge, 1948 Major Scobie scheitert an seinen hohen moralischen Ansprüchen und geht an seinem unruhigen Gewissen zu Grunde.
      Der dritte Mann 1950 Ein packendes Drama um Spionageintrigen und vertuschte Morde im Wien der Besatzungszeit.
      Das Ende derAffäre, 1951 Ein Schriftsteller versucht nach einer vor Jahren stattgefundenen Liebesaffäre mit sich ins Reine zu kommen und durchlebt die Vergangenheit von neuem.
      Die Stunde der Komödianten 1966 In dem absurden Roman über das Haiti zurZeit der Diktatur in den 1960er Jahren versuchen drei grundverschiedene Charaktere sich ebendortzu engagieren.
      Der Honorarkonsul, 1973 Mit einem statt des Präsidenten entführten Honorarkonsuls sollen in diesem komisch-farcenhaften Roman mit ernster Aussage in Argentinien politische Häftlinge freigepresst werden.
      Der menschliche Faktor, 1978 Im letzten großen Roman von Greene gerät ein Agent während des Kalten Kriegs in den Zwiespalt der Loyalität zum Staat oder zu seinen Idealen.
      Die Kraft und die Herrlichkeit
Greene beschreibt exemplarisch die Rückkehrzur Moral eines durch Alkohol und Politik bedrohten Priesters. Seine Integrität kostet ihn das Leben, verändert aber das Leben seiner Umfelder. Inhalt: Im mexikanischen Bundesstaat Tabasco lebt zur Zeit der Revolution der anonym als »Whisky Priest« eingeführte Pfarrer. Die Religionsausübung ist vom Staat unter Strafe gestellt und viele Priester haben das Land bereits verlassen. Nur der alkoholabhängige »Whisky Priest« harrt noch aus. Er wird vom ebenfalls anonym bleibenden Polizeileutnant gejagt, der ihn und die Kirche wegen der Unterdrückung der Armen hasst. Auf der sich über sechs Wochen erstreckenden Flucht vor seinem Verfolger wird der »Whisky Priest« von zahlreichen Leuten gedeckt, so dass es dem Leutnant zunächst nicht gelingt, seiner habhaft zu werden. Während seiner Flucht löst der Priester sich Stück für Stück von seinen Lebenslügen und beginnt wieder priesterliche Verantwortung zu übernehmen. Er erreicht schließlich die Grenze des Nachbarstaats und findet sich in Sicherheit. Auf dem Weg in die Hauptstadt erreicht ihn die Nachricht, der Mörder Calver läge im Sterben und wolle die Beichte ablegen. Wohlwissend, dass dies eine Falle ist, kehrt der Pfarrer zurück und trifft den sterbenden Calver. Der Polizeileutnant verhaftet ihn kurz darauf und bringt ihn ins Gefängnis. Auf dem Weg dorthin diskutieren beide über ihre jeweilige Weltsicht, die religiös-transzendente und die diesseitig-sozialistische. Der Priester glaubt, sein Leben sei sinnlos gewesen; sein Vermächtnis zeigt sich erst nach seiner Hinrichtung: Die bis dahin statischen Nebenfiguren beginnen unter dem Eindruck der Wandlung des Priesters ihr Leben zu überdenken und nun auch zu ändern. Aufbau: Der Roman ist ähnlich einem Tripty-chon aufgebaut; Anfang und Schluss - mitmehreren Erzählperspektiven und parallelen Handlungssträngen - umrahmen das eigentliche Geschehen um den »Whisky Priest«. Zu Beginn wird aus der Sicht der verantwortungslosen und trägen Nebenfiguren erzählt. Im Mittelteil konzentriert Greene sich allein auf die Schilderung der Flucht des Priesters. Im zentralen Kapitel dieses Abschnitts, das im Gefängnis spielt, erweitert sich die Isolierung der zum Schicksal des Priesters indifferenten Nebenpersonen zu einem universellen Panorama des gottfernen, sinnlosen Lebens.
      Die Spannung des Buchs entsteht durch den Kontrast zwischen den in ihrer Stagnation gefangenen Nebenpersonen und dem sich entwickelnden Priester, dessen Flucht sich an die Kreuzwegstationen Jesu anlehnt. Der in Kauf genommene Tod ist nur letzte Konsequenz dieses Sinnfindungsprozesses, der den Charakter einer Lebensbeichte annimmt. Wirkung: Das Buch verkaufte sich in den Kriegsjahren nur schleppend, wurde aber in den folgenden Jahren von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen und zweimal verfilmt . Greene schrieb außerdem eine Bühnenfassung des Buchs.

      Der dritte Mann
Graham Greenes Erzählung um den gutgläubigen Rollo Martins und seinen kriminellen Jugendfreund Harry Lime war ursprünglich als Vorlage für ein Filmskript gedacht und »nicht geschrieben, um gelesen, sondern um gesehen zu werden«, wie der Autor selbst im Vorwort berichtet.
      Inhalt: Handlungsort der Erzählung ist das von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs besetzte, winterliche Wien. Der Engländer Rollo Martins erhält von seinem alten Schulfreund Harry Lime die Einladung, einen Artikel über das von ihm vertretene Internationale Flüchtlingsamt in Wien zu verfassen. Dort eingetroffen, sucht Martins das Haus seines Freundes auf und erfährt, dass Lime wenige Tage zuvor von einem Auto erfasst und getötet wurde. Auf der Beerdigungsfeier lernt Martins mit dem Polizeioffizier Calloway den Ich-Erzähler der Geschichte kennen. Als Calloway ihm eröffnet, dass Lime ein gewissenloser Schwarzmarktschieber gewesen sei, weist Martins, der Lime seit der gemeinsamen Schulzeit wie einen Helden verehrt, die Anschuldigungen als Verleumdungzurück.
      Fest entschlossen, Harrys Unschuld zu beweisen, bemüht er sich zunächst darum, die Hintergründe des tödlichen Unfalls zu klären. Sein
Verdacht, Harry sei das Opfer eines Komplotts gewesen, scheint sich anfangs zu bestätigen. Wie sich herausstellt, waren alle bei dem Unfall anwesenden Personen mit Lime bekannt gewesen. Rätselhaft bleibt jedoch vor allem, um wen es sich bei dem geheimnisvollen »dritten Mann« handeln könnte, den ein Augenzeuge bei der Leiche Harry Limes gesehen haben will, den er aber in seiner Aussage vor der Polizei nicht erwähnt hat.
      Noch am selben Abend nach seiner Unterredung mit Martins wird dieser Zeuge ermordet, und Martins erkennt, in welche Gefahr er sich mit seinen Nachforschungen gebracht hat. Calloway, dem er die Ergebnisse seiner Recherchen unterbreitet, gelingt es schließlich, ihm anhand seines Beweismaterials die Beteiligung Harry Limes am Schwarzmarkthandel mit verdünntem Penicillin glaubhaft zu machen. Als ihm klar wird, dass sein bewunderter Freund für zahlreiche Todesfälle verantwortlich ist, bricht für Martins eine Welt zusammen.
      Er sucht Harrys Geliebte, die Schauspielerin Anna Schmidt auf, um sie über Harrys Machenschaften in Kenntnis zu setzen. Beim Verlassen ihres Hauses sieht er im Dunkel die Gestalt eines Mannes, in dem er Lime wiederzuerkennen glaubt. Calloway, dem er von der Begegnung erzählt und der nun ebenfalls an Harrys Unfalltod zu zweifeln beginnt, fordert Martins auf, sich als Lockvogel für eine Verhaftung zur Verfügung zu stellen, doch Martins lehnt ab.
      Beim Riesenrad im Prater kommt es zu einem geheimen Treffen zwischen Rollo Martins und Harry Lime. Harry, der sich der unbedingten Loyalität seines Freundes noch immer sicher sein zu können glaubt, gesteht freimütig seine Vergehen und bietet Martins eine Beteiligung an seinen Geschäften an. Harry wird in eine Falle gelockt, kann jedoch kurz vor seiner Ergreifung noch einmal entkommen. Seine Flucht führt ihn und seine Verfolger durch die Kanalisation von Wien. In der dramatischen Schlussszene dieser Verfolgungsjagd ist es Rollo Martins selbst, der dem bereits verletzten Freund den Todesschuss versetzt.
      Wirkung: Insbesondere durch die Verfilmung des Drehbuchs durch Carol Reed im Jahr 1949 mit Orson Welles und Joseph Cotten in den Hauptrollen wurde Der dritte Mann zum bekanntesten Werk von Greene.


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