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Grass, Günter - Leben und Biographie



Günter Grass ist der weltweit bekannteste lebende deutschsprachige Autor mit einer Weltauflage von über zwölf Millionen. In allen literarischen Gattungen zu Hause, verbindet Grass meist satirische Gesellschaftskritik mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Sein politisches Engagement, viele Jahre im Dienst der SPD, schlug sich vor allem in zahlreichen Essays und politischen Reden nieder.
      Als Sohn eines Lebensmittelhändlers in Dan-zig geboren, besuchte Grass das dortige Gymnasium Conradinum. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er noch als Flakhelfer eingezogen, als Panzerschütze verwundet und geriet in Bayern in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Nachdem er im Rheinland als Landarbeiter und im Bergbau tätig gewesen war, studierte er 1948-52 Bildhauerei und Grafik an der Kunstakademie in Düsseldorf, 1953-56 Bildhauerei bei Karl Härtung an der Berliner Akademie der Schönen Künste.
      1955 wurde Grass Mitglied der »Gruppe 47«, deren Literaturpreis er 1958 für Die Blechtrom-melerhielt. Nach einem dreijährigen Aufenthall in Paris gab er seine bildhauerische Arbeit aul und zog 1960 nach West-Berlin. Zwischen 1961 und 1972 unterstützte Grass mit zahlreichen effektbewussten Reden aktiv den Wahlkampf des SPD-Spitzenkandidaten Willy Brandt . SPD-Mitglied wurde er jedoch erst 1982, aus Protest gegen die Asylpolitik der Partei trat er 1992 wieder aus. Seit 1987 wohnt Grass in Behlendorf bei Mölln.
      Einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist Grass vor allem als Romancier, besonders durch die DanzigerTrilogie [Die Blechtrommel, 1959; Katz und Maus, 1961; Hundejahre, 1963), und streitbarer politischer Mahner, zuletzt vehement vor einer übereilten Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Sein Gesamtwerk umfassl jedoch auch Lyrikbände und Theaterstücke . 1965 wurde Grass mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet, 1999 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
      Die Blechtrommel
Das Romandebüt Die Blechtrommel des damals 32-jährigen Günter Grass ist ein eigenwilliger moderner Schelmenroman, durch den er zu einem der namhaftesten Autoren der westdeutschen Nachkriegsliteratur mit weltweitem Renommeewurde.
      Inhalt: Nachdem sich der vor der Gendarmerie flüchtende Brandstifter Joseph Koljaiczek auf einem kaschubischen Kartoffelacker unter den Röcken Anna Bronskis versteckt hatte, bringt diese neun Monate später ihre Tochter Agnes zur Welt. Später heiratet Agnes den arglosen Rheinländer Alfred Matzerath, obwohl sie zugleich eine erotische Beziehung zu ihrem Vetter Jan führt.
      Ihr Kind Oskar Matzerath, gezeugt von Jan, erblickt 1924 »das Licht dieser Welt in Gestall zweier Sechzig-Watt-Glühbirnen«. Von Beginn an durchschaut er die Erwachsenenwelt und beschließt an seinem dritten Geburtstag, an dem er eine Blechtrommel geschenkt bekommt, durch einen beabsichtigten Sturz von der Kellertreppe sein Wachstum einzustellen.
      Seine Größe, sein infantiles Benehmen und seine Blechtrommel täuschen über Oskars geistige und körperliche Reife hinweg, früh meldet sich sein sexuelles Begehren. Er erlebt die Machtergreifung der Nationalsozialisten, die Reichspogromnacht und den Kriegsausbruch.
      Seiner Familie bringt Oskar nur wenig Glück: Am Tod seiner Mutter sowie seiner beiden Väter ist er nicht ganz unschuldig. Bei Kriegsende beschließt Oskar Matzerath wieder zu wachsen, doch ist dieses Vorhaben nur mäßig erfolgreich: Zwar wächst er tatsächlich einige Zentimeter, doch drückt sich seine Schuld nun auch äußerlich durch Verwachsungen aus, insbesondere durch einen Buckel. Mit seinem Kindermädchen Maria, der er vermutlich ein Kind geschenkt hat, zieht er nach Düsseldorf, wo er als Jazzschlagzeuger ein reicher Mann wird. Der Ermordung einer Krankenschwester angeklagt, wird er in ein Irrenhaus eingeliefert. Aufbau: Die 46 Kapitel des Romans sind in drei Bücher gruppiert, welche die Vorkriegszeit, die Kriegszeit und die Nachkriegszeit umfassen. Als »Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt« beschreibt Oskar Matzerath teils in erster, teils in dritter Person sein Leben, weshalb zwei Zeitebenen zu unterscheiden sind: Die Zeit der Niederschrift dauert etwa von September 1952 bis zu Oskars 30. Geburtstag im September 1954. Die Erzählfiktion dagegen dauert von der Zeugung Agnes Bronskis 1899 bis zu Oskars Verhaftung im Sommer 1954. Beide Ebenen gehen am Romanende ineinander über.
      Oskars scharfe, skurril-sarkastische Weltsicht beruht auf seinem Außenseiterdasein: Aller Moral entbunden, nicht in die Verhältnisse involviert, ist Oskar ein hellsichtiger Protokollant des Danziger Kleinbürgertums während des
Dritten Reichs. Seine Teilnahmslosigkeit und Verantwortungslosigkeit, die er sich durch seinen eigenmächtigen Wachstumsstopp erwirbt, lässt ihn indes schuldig werden, da er die Geschehnisse völlig durchschaut.
      Symbol seiner Weigerung, sicli ins kleinbürgerliche Dasein zu fügen, ist seine Blechtrommel, ohne sie kann sich Oskar im Irrenhaus - als Zeichen seiner Schuld - nicht erinnern. Ein Erzählen ohne seine Trommel ist nicht möglich: »Hätte ich nicht meine Trommel, der bei geschicktem und geduldigem Gebrauch alles einfällt, was an Nebensächlichkeiten nötig ist, um die Hauptsache aufs Papier bringen zu können, ... wäre ich ein armer Mensch ohne nachweisliche Großeltern.«
Wirkung: Die Lesung aus dem Manuskript des Romans Die Blechtrommel in der »Gruppe 47« machte Grass beinahe über Nacht berühmt. Als eines der repräsentativen Werke der westdeut-sehen Nachkriegsliteratur wurde der Roman in 24 Sprachen übersetzt, die weltweite Gesamtauflage wird auf über drei Millionen geschätzt. Neben der großen Masse jener, welche Die Blechtrommel als »Meisterwerk« feierten, erregte bei anderen die vermeintlich fehlende Sittlichkeit des Werks Anstoß. Wegen des Vorwurfs der Pornografie wurde Grass 1959 der Bremer Literaturpreis durch den Senat der Stadt verweigert und der Publizist Kurt Georg Ziesel erstritt sich 1968 vor Gericht das Recht, Grass »öffentlich als >Verfasser übelster pomografischer Ferkeleien« zu bezeichnen. Sehr erfolgreich war die Verfilmung des Werks durch den Regisseur Volker Schlöndorff , die mit dem Bundesfilmpreis, der Goldenen Palme und dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet wurde.
      Die wichtigsten Bücher von Günter Grass
Die Blechtrommel 1959 Der Roman zeichnet aus der Perspektive des skurrilen Gnoms Oskar Matzerath ein Bild des Danziger Kleinbürgertums.
      Katz und Maus 1961 Die Novelle schildert die Versuche des Jugendlichen Joachim Mahl-ke, einem Heldenideal gerecht zu werden.
      Hundejahre 1963 Ausder Sichtdreier Erzähler entsteht ein Panorama kleinbürgerlicher Verhältnisse von den 1920er bis zu den 1950er Jahren, thematisch verbunden durch Adolf Hitlers Lieblingshund Harras.
      Örtlich betäubt 1969 Während einer Zahnbehandlung arbeitet der Studienrat Eberhard Starusch die Vergangenheit auf.
      Aus dem Tagebuch einerSchnecke 1972 Aus einzelnen Notizen des »Sudelbuchs«, das der Autor während seines Engagements im SPD-Bundestagswahlkampf geführt hat, legt Grass eine autobiografische Erzählung vor.
      Der Suff 1977 Die Märchenparodie stellt kulinarisch das Geschlechterverhältnis von der Steinzeit bis in die Gegenwart dar.
      Das Treffen in Telgte, 1979 Die Novelle behandelt ein fiktives Literatentreffen 1647 und ist zugleich ein literarisches Denkmal der »Gruppe 47«.
      DieRöttin 1986 Der Roman zeichnet eine apokalyptische Vision der Ausrottung der Menschheit durch atomare oder Umweltkatastrophen.
      Ein weites Feld 1995 Der Roman setzt sich mit dem Prozessund Problem der deutschen Wiedervereinigung vordem Hintergrund der deutschen Reichsgründung 1871 auseinander.
      Meinjahrhundert 1999 In 100 Geschichten beleuchtet Grass auf sehr unterschiedliche, oft ganz persönliche Weise jedes Jahr des 20. Jahrhunderts.
      Im Krebsgang 2002 Bei seiner Recherche zum tragischen Untergang des KdF-Schiffes »Wilhelm Gustloff« erfährt ein Journalist von der rechtsextremen Gesinnung seines Sohnes.
      Katz und Maus
In seiner Novelle Katz und Maus schildert Günter Grass die Indoktrination jugendlicher Individualität durch das nationalsozialistische Heldenideal. Zugleich veranschaulicht das Werk die tragische Schuld der Mächtigen gegenüber den Ohnmächtigen, der Majorität gegenüber der Minorität - der Katze gegenüber der Maus. Entstehung: Unter dem Titel Der Ritterkreuzträgerwar die Novelle ursprünglich Bestandteil von Hundejahre , dem zweiten großen Roman nach der Blechtrommel. Da sie sich dem Roman nicht recht einfügen wollte, entschied sich Grass für eine getrennte Publikation. Die drei Texte wurden später als Danziger Trilogie bezeichnet, miteinanderverwandt durch Personal, Erzählzeit und Schauplatz: Ich-Erzähler der bundesrepublikanischen Gegenwart beschreiben das Danziger Kleinbürgertum der Vorkriegs- und Kriegszeit, wobei sich die Handlung von Katz und Maus auf die Kriegszeit beschränkt.
      Inhalt: Physiognomisches Kennzeichen des ewigen Außenseiterdaseins des Gymnasiasten Joachim Mahlke ist sein überdimensionaler Adamsapfel, eine körperliche Missbildung, die er durch Ãœbererfüllung der sozialen Leistungsnormen auszugleichen sucht, sei es durch halsbrecherische Mutproben, sportliche Rekorde oder Höchstleistungen auf sexuellem Gebiet.
      Auch verdeckt Mahlke seinen Mangel mit einem polnischen Orden, mit einem Medaillon, sogar mit einem Schraubenzieher, schließlich mit einem Ritterkreuz, das er einem Leutnant stiehlt, der früher die gleiche Schule wie er besuchte. Aufgrund dessen der Schule verwiesen, sucht Mahlke verzweifelt sich durch eine steile Militärkarriere zu rehabilitieren.
      Doch als ihm, durch besondere Tapferkeit an der Ostfront inzwischen selbst Ritterkreuzträger, wegen seines früheren Fehltritts seine eigene Rede vor den Schülern seines ehemaligen Gymnasiums verwehrt wird, kehrt er verzweifelt nicht mehr zur Truppe zuräck, verunglückt vermutlich beim Tauchen im Wrack eines gekenterten Kriegsschiffes und bleibt verschollen. Aufbau: Grass fügt seinem in 13 lose miteinander verknüpften Abschnitten unterteilten Text die Gattungsbezeichnung der Novelle bei. Gemäß der goetheschen Definition der Novelle nimmt Mahlkes Schicksal mit einer »unerhörten Begebenheit« seinen Lauf: Es ist Heini Pilenz, der den Adamsapfel seines Schulfreundes Mahl-ke mit einer Maus vergleicht, als sich zufällig eine streunende Katze in ihre Nähe setzt. Pilenz richtete dadurch für alle Zeit die Aufmerksamkeit der Umwelt auf Mahlkes anatomische Besonderheit: Wie eine Katze lauert die feindliche Außenwelt der Maus auf. Aus dieser Schuld heraus sieht sich Pilenz verpflichtet, Mahlkes Biografie niederzuschreiben. Doch gleich an mehreren Textstellen spielt Grass mit der Erzählerinstanz, indem er Pilenz selbst als erzählt erscheinen lässt.
      Wirkung: Der schnelle Sensationserfolg der Blechtrommel stellte sich für Grass schnell als janusköpfig heraus: Einerseits zum allgemein anerkannten Weltliteraten avanciert, mussten sich fortan alle seine weiteren Prosawerke an diesem großen Roman messen lassen. Bereits die kurze und konzise Novelle Katz und Maus wurde mit der episch ausladenden Blechtrom-me/verglichen, wobei sie als zweitrangig klassifiziert wurde. Von der Literaturkritik insgesamt dennoch freundlich aufgenommen, erntete das Werk Vorwürfe von Verbänden ehemaliger Wehrmachtssoldaten. Auch wurde wiederholt Antrag auf Indizierung wegen Jugendgefährdung gestellt, der indes abgelehnt wurde.
Der Butt
Auf das Volksmärchen Vom Fischer und seiner Frau rekurrierend, schildert Günter Grass in seinem Roman Der Butt die 3000-jährige Geschichte des GeschlechterveThältnisses. Während der Butt aus dem Märchen die maßlosen Wünsche der Fischersfrau erfüllt, steht er bei Grass' antifeministischer Abwandlung in den Diensten des Fischers.
      Entstehung: Seine Periode starken politischen Engagements schloss Grass literarisch mit seinem Tagebuch einer Schnecke ab, womit auch die starke Konzentration auf den Themenkreis des Dritten Reichs ein Ende fand. Obwohl im Schauplatz mit den Werken der Danziger
Trilogie übereinstimmend, erweitert Grass sein Interesse von spezifisch deutschen Fragestellungen auf die allgemeine Kulturgeschichte der Menschheit.
      Inhalt: Parallel zu der Schwangerschaft seiner Frau llsebill erzählt der reinkarnierte steinzeitliche Fischer Edek Anfang der 1970er Jahre in neun »Monats«-Abschnitten sein Leben als Wiedergeborener in verschiedenen kulturgeschichtlichen Epochen. In der Jungsteinzeit fängt der Erzähler an der Weichselmündung, an der später Danzig entstehen wird, einen allwissenden Butt, der ihm bei der Errichtung eines Patriarchats behilflich sein und auch den weiteren Wiederverkörperungen Edeks bei der Abwehr matriarchalischer Bestrebungen beratend zur Seite stehen wird. Im Zentrum der neun Epochen - Steinzeit, Eisenzeit, Früh-, Hoch- und Spätmittelalter, Barock, Absolutismus, 19. und 20. Jahrhundert -stehen die Biografien von neun Köchinnen, von der bronzezeitlichen Wigga bis zur Verfasserin eines proletarischen Kochbuchs.
      In den 1970er Jahren wird der Butt von drei Frauen geangelt, die ihm, gefangen in einer Zinkwanne, in einem Berliner Kino den Prozess machen. Das »Feminal«, wie sich das feministische Tribunal nennt, verurteilt den Butt dazu, fortan Vertreter der »Frauensache« zu sein. Aufbau: Auf der Gegenwartsebene sind zwei Handlungsstränge zu unterscheiden: einerseits die Eheproblematik des Erzählers und seiner schwangeren Frau, andererseits das »Feminal«, an dem der Erzähler als Zuhörer teilnimmt. Die neun historischen »Monats«-Kapitel gliedernsich wiederum in mehrere Episoden auf und sind durch 46 Gedichte sowie Kochrezepte aufgelockert. Die Handlungsstränge werden am Ende zwar zusammengeführt, dennoch gestaltet Grass einen offenen Schluss. Wirkung: Mit dem Butt gelang Grass die Anknüpfung an den Anfangserfolg der Danziger Trilogie, von den Verkaufszahlen her übertraf der Roman die früheren Werke sogar. Die Literaturkritik reagierte überwiegend milde bis positiv, als überstrapaziert galt einigen Rezensenten die enorme Komplexität des Werks. Als sexistisch bewertete den Text die Frauenbewegung, die Zeitschrift Emma kürte Grass im Juli 1977 zum »Pascha des Monats«.
      Hauptfiguren in »Die Blechtrommel« von Günter Grass
Oskar Matzerath: Nach der Entscheidung, als Dreijähriger nicht mehr zu wachsen, wird Oskar zum Künstler auf der Trommel und Meister im Zersingen von Glas. Bösartig und unmoralisch, aber zugleich hellsichtig, wird er Kopf einer Jugendbande, Mitglied eines Liliputaner-Fronttheaters, Steinmetzgehilfe, Aktmodell, Jazzschlagzeuger und schließlich Insasse eines Irrenhauses, wo er seine Lebensgeschichte rückblickend erzählt.
      Anna Bronski: Die vielen langen Röcke der Großmutter bieten Oskar lange Zeit Zuflucht vor dem unsinnigen Treiben der Erwachsenen in der Welt. Schließlich zeugt Anna mit Joseph Koljaiczek, den sie auch heiratet, Oskars Mutter Agnes auf einem kaschubischen Kartoffelacker. Sie führt einen Lebensmittelladen und heiratet nach Josephs Verschwinden dessen älteren Bruder Gregor, um die Existenz ihrer Tochter zu sichern.
      Joseph Koljaiczek: In der Rolle eines Holzflößers und braven Ehemanns kann sich Oskars Großvater, ein gesuchter Brandstifter, lange Zeit vor der Polizei verstecken. Erst 1913 wird er entdeckt und verschwindet auf der Flucht in der Weichsel.
      Agnes Matzerath, geb. Bronski: Oskars geliebte Mutter hat auch nach der Eheschließung mit Alfred Matzerath ein Verhältnis mit ihrem Vetter Jan. Sie nimmt sich das Leben, als sie mit einem zweiten verkrüppelten Kind schwanger wird. Alfred Matzerath: Oskars gesetzlicher Vater wird NSDAP-Mitglied, als er sieh durch das von ihm geduldete Liebesverhältnis zwischen seiner Frau und deren Vetter zu Hause gedemütigt fühlt. Oskar spielt ihm beim Einmarsch der Russen sein Parteiabzeichen so zu, dass er es verschluckt und daran erstickt.
      Jan Bronski: Oskars leiblicher Vater wird bei Kriegsausbruch 1939 von Oskar in die polnische Post geführt, wo er von deutschen Truppen erschossen wird. Maria: Oskars Kindermädchen mag Brausepulver und riecht nach Vanille. Nachdem Tod von Oskars Mutter wird Maria Oskars Stiefmutter, bekommt von ihm ein Kind und zieht nach Kriegsende mit ihm nach Düsseldorf um.
      Roswitha Ranguna: Mit der Liliputaner-Artistin verbringt Oskar ein glückliches Jahr seines Lebens. Von Oskar dirigiert, wird sie von einer Tretmine zerrissen.

      Das Treffen in Telgte
In einer eigentümlichen Mischung aus Gegenwartsanalyse und Literarhistorie verarbeitet Günter Grass seine Erfahrungen bei den Treffen der »Gruppe 47«, indem er sie auf ein fiktives Treffen von über 20 Dichtern, Verlegern und Kritikern aus der Barockzeit überträgt. Entstehung: Bereits 1966 stellt Grass in seiner Rede Vom mangelnden Selbstvertrauen der schreibenden Hofnarren unter Berücksichtigung nicht vorhandener Höfe in Princeton die Fragen, die sein Leben als Bürger und Künstler bestimmen :»>Soll sich der Schriftsteller engagieren?« ->Wie weit darf sich ein Schriftsteller engagieren?« - >lst der Schriftsteller das Gewissen der Nation?«! Nach Jahren des Engagements im Wahlkampf der SPD gab Grass in Dos Treffen in Telgte vor allem resignative Antworten. Anlass für die Erzählung bildete der 70. Geburlstag von Hans Werner Richter , Gründer der »Gruppe 47«.
      Inhalt: Obwohl in poetologischen Fragen als auch konfessionell zerstritten, treffen sich im Jahr 1647 auf Einladung on Simon Dach zahlreiche Dichter und ihre Verleger in Oesede bei Osnabrück. Der Soldat Christoffel Gelnhausen bringt die Anwesenden 1670 auf dem Wirtshof der Courasche in Telgte unter, wo in der »Großen Diele« unter der Leitung von Simon Dach vornehmlich wirkungsästhetische Literaturdebatten stattfinden. Versammelt sind die größten Dichter der Zeit, u.a. Andreas Gryphius, Paul Gerhardt, Philipp von Zesen, Friedrich von Logau, Sigmund Birken und Johann Rist, sehr unterschiedliche und teilweise eitle Persönlichkeiten, die sich nur Dank Simon Dachs behutsamer Moderation als Gruppe empfinden.
      Am Anfang der Zusammenkünfte stehtjedes-mal die Lesung zunächst poetologischer, dann literarischer Texte, die anschließend besprochen und kritisiert werden. Als die Treffen jedoch zunehmend orgiastische Züge annehmen, gekennzeichnet durch Völlerei und Ausschweifungen mit Mägden, und der ungeladene Komponist Heinrich Schütz die unrechte Requirierung von Schweinen und Gänsen durch Gelnhausen anprangert, wird den Anwesenden die Tragik ihres Tuns klar. Obwohl die Dichter schuldlos sein wollen an den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges, verstricken sie sich in Schuld: »Derweil das Vaterland zerrissen« ist und die Mächtigen den Westfälischen Frieden vorbereiten, führen die Poeten als arglose Nutznießer des Krieges wirkungslose Debatten. Sie ringen sich zwar zu einer Friedensresolution an die Kriegsparteien durch, doch wird diese durch ein Feuer auf dem Wirtshof vernichtet: Sie war zwischen »den Gräten des Fischgerichtes« vergessen worden.
      Aufbau: In 23 Kapiteln, die in der Taschenbuchausgabe 1981 um »dreiundvierzig Gedichte aus dem Barock« ergänzt sind, verschränkt Grass kunstvoll barocke Debatten um Literatur und Sprache mit den zeitgenössischen Umständen um die »Gruppe 47« und oszilliert so zwischen zwei Zeitpunkten, die um drei Jahrhunderte versetzt liegen. Wie 1947 war Deutschland auch 1647 materiell wie moralisch ruiniert; in beiden Zeiten stellt sich die Frage nach Kunst und Macht, nach Literatur und Moral.
      Wirkung: Die Erzählung wurde von der Kritik begeistert aufgenommen, einige Kritiker bezeichneten sie aufgrund der liebenswürdigen, meist detailverliebten, niemals aber denunzierenden Porträts der Dichter sogar ein »Meisterwerk«.

Im Krebsgang
Mit seiner ersten größeren Prosaarbeit seit der Verleihung des Literaturnobelpreises 1999 knüpft Günter Grass an die DanzigerTrilogie an. Inhalt: Die ineinander verschränkten Handlungsstränge des Werks sind fixiert auf das Datum des 30. Januars. An diesem Tag wurde 1895 der schweizerische NSDAP-Landesgruppenleiter Wilhelm Gustloff geboren, 38 Jahre später erfolgte die Machtergreifung der Nationalsozialisten und »am 30. Januar 1945 begann, auf den Tag genau 50 Jahrenach der Geburt des Blutzeugen, das auf ihn getaufte Schiff zu sinken«. Diese Tragödie der Schifffahrtsgeschichte stellt die für die Gattung der Novell charakteristische »unerhörte Begebenheit« dar: Wie der Volkswagen oder der Bau der Reichsautobahn gehörte die »Wilhelm Gustloff«, das Vorzeigeschiff der »Kraft-durch-Freude«-Flotte, zu den Mythen der nationalsozialistischen Ideologie. Völlig überladen mit bis zu 10000 Flüchtlingen, Verwundeten und Soldaten, wurde es von einem russischen D-Boot versenkt.
      Zu den nur etwa 1200 Ãœberlebenden zählt auch die aus Hundejahre bekannte Ursula »Tulla« Pokriefke, die auf dem Schiff ihren unehelichen Sohn Paul zur Welt bringt. Während Tulla in Schwerin bleibt, schlägt sich Paul Pokriefke als mäßig erfolgreicher Journalist im Westen durch. Bei der Recherche für einen Artikel über die »Gustloffa-Katastrophe stößt er auf die Internet-Website »www.blutzeuge.de«, die den 1936 durch den Juden David Frankfurter ermordeten Wilhelm Gustloff als Märtyrer feiert.
      Unter den Vornamen dieser beiden Protagonisten als Chatnamen befehdet sich hier - wie sich später herausstellt - Pauls Sohn Konrad mit seinem virtuellen »Freundfeind« David Stremplin. »Wie aisig die Seejewesen is und wie die Kinderchen alle koppunter. Das musste aufschreiben. Biste ons schuldig als glicklich leberlebender« - so hatte Tulla einst auf Paul eingeredet, und nun indoktriniert sie ihren Enkel, der daraufhin die revisionistische Website ins Netz gestellt hat. Als sich Konrad und David persönlich begegnen, kommt es zur Katastrophe: Um den Blutzeugen zu rächen, erschießt Konrad David, der sich, wie sich später zeigt, nur im Netz als Jude ausgegeben hatte. Paul muss schließlich entsetzt erfahren, wie sein inhaftierter Sohn als neuer Blutzeuge gefeiert wird, als er im Netz die Seite »www.kameradschaft-kon-rad-pokriefke.de« entdeckt. Aufbau: Tullas Drängen, die »Gustloff«-Kata-strophe aufzuschreiben, hatte sich Paul stets entzogen, nun aber wird er von einem »nörgligen Alten«, der »sich müde geschrieben« und
Paul »nach langer Sucherei auf den Listen der Ãœberlebenden wie eine Fundsache entdeckt« hal, zur Niederschrift genötigt. Hinter dem »Alten« verbirgt sich der Autor Grass, und mit diesem artifiziellen Spiel mit den Erzähler- und Aulorinstanzen begründet Grass die Themenwahl für seine Novelle. Der Erzähler Paul Pokriefke, der »der Zeit eher schrägläufig in die Quere kommen muss, etwa nach Art der Krebse, die den Rückwärtsgang seitlich ausscherend vortäuschen, doch ziemlich schnell vorankommen«, beschreibt im ersten historischen Handlungsstrang die Biografien Gustloffs und des Atlentäters David Frankfurter.
      Ein zweiter Handlungsstrang widmet sich dem Untergang der »Wilhelm Gustloff« und den Biografien ihrer Kapitäne sowie des trinkfesten U-Boot-Kommandanten Alexander Marinesko. Verwoben werden diese beiden historischen Stränge mit der journalistischen Internet-Recherche der fiktiven Figur Paul Pokriefke. Wirkung: Die Novelle Im Krebsgangantete Beifall bei vielen Kritikern, manche reagierten sogar euphorisch. Einige Rezensenten bemängelten jedoch eine angestrengte, gekünstelte Erzählerkonzeption sowie den kolportagehaften Schluss. Ein einmütig negatives Urteil erntete Grass für seine Selbststilisierung zum Tabubrecher , da er keineswegs als erster deutscher Autor das Kriegselend der vertriebenen Deutschen für die Literatur entdeckt hat. Zahlreiche Schriftsteller sind ihm diesbezüglich zuvorgekommen, u.a. Arno -»Schmidt, Walter -> Kempowski, Alexander -> Kluge und nicht zuletzt Christa ->Wolf.

      »Gruppe 47«
Entstehung: Als sich im September 1947 in München die ehemaligen Herausgeber der durch die US-Militärregierung verbotenen Zeitschrift Der Auf , Hans Werner Richter und Alfred -»Andersch, mit anderen Autoren trafen, um eine neue -und später gleichfalls verbotene - Zeitschrift namens Skorpion zu konzipieren, beschloss man zur Wiederbelebung einer jungen deutschen Literatur die Gründung der »Gruppe 47«. Die erste Tagung fand am 8./9. November 1947 in Ulm statt. Ziele: Ohne ein festes politisches oder ästhetisches Konzept zu formulieren, traten die Mitglieder, geprägt durch die Erfahrungen des nationalsozialistischen Regimes und des Zweiten Weltkriegs, für eine Demokratisierung Deutschlands und eine Literatur ein, die sich ihrer gesellschaftspolitischen Aufgabe bewusst ist. Ablauf der Gruppentreffen: Auf Einladung Richters traf sich die »Gruppe 47« 1947-55zu halbjährlichen, zwischen 1955 und 1967 dann zu jährlichen Treffen, diezunächst nur in der Bundesrepublik stattfanden, später auch im Ausland. Die Treffen waren stets stark ritualisiert: Geladene Nichtmitglieder lasen aus ihren unveröffentlichten Manuskripten vor und hatten sich der anschließenden ad-hoc-Kritik der Gruppenmitglieder zu stellen, wobei ihnen eine Verteidigung verwehrt wurde. Wirkung: Sehr schnell setzte die enorme Wirkung der »Gruppe 47« ein. Zu ihren Mitgliedern zählte bald die gesamte bundesdeutsche Autorenelite - und so bestimmte sie die Gegenwartsliteratur der Bundesrepublik bis weit in die 1960er Jahre hinein, wobei ihre politische Bedeutung jedoch gering blieb. Die Preisträger des Literaturpreises der »Gruppe 47«, der ab 1950 verliehen wurde, wurden in der Folge allesamt sehr namhafte Autoren. Mitte der 1960er Jahre nahm ihre Bedeutung allmählich ab, 1968 fand das letzte Treffen statt. Belebungsversuche Hans Werner Richters scheiterten, die »Gruppe 47« löste sich 1977 endgültig auf.
     


Eich, günter

Geb. 1.2.1907 in Lebus an der Oder; gest. 20.12.1972 in Salzburg »Günter Eich ist ein Meister der Tarnung« , »ein Dichter, einer der wenigen, die das hohe Wort zu Recht tragen« , »ein stiller Anarchist« . E. gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker der Nachkriegszeit und als Schöpfer des .....
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Grass, günter

Geb. 16.10.1927inDanzig »Als ich zweiunddreißig Jahre alt war, wurde ich berühmt. Seitdem beherbergen wir den Ruhm als Untermieter. Er steht überall rum, ist lästig und nur mit Mühe zu umgehen ... Ein manchmal aufgeblasener, dann abgeschlaffter Flegel. Besucher, die glauben, mich zu meinen, blicken .....
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Günter eich (i907-i972)

Als ein 'Wechseln von den Chiffren des Vogelflugs zu Nagetieren und Dickhäutern" beschreibt Günter Eich die Entwicklung seines Werkes von der frühen Naturlyrik zu der von ihm Maulwürfe genannten Prosa der späten Jahre. Und im gleichen Atemzug wünscht er sich voll Ironie die Ersparnisse nicht geschr .....
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Günter grass (i927)

Kein anderer deutscher Schriftsteller hat seit dem Zweiten Wellkrieg so nachhaltig auf die literarische und intellektuelle Öffent-lichkeil eingewirkt wie Günter Grass. In dem Maße, in dem er zu einer Art moralischer Instanz, zum Gewissen der Nation wurde, sind die literarischen Qualitäten seiner We .....
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Günter kunert (-i929)

Poetik: Was man wirklich weiß, ist die eigene Biographie, und nur die zählt. Das Gedicht ist eine magische und archaische Erscheinung: es kommt nicht nur aus der geschichtlichen Ferne, es steigt auch aus der Tiefe unserer persönlichen Vergangenheit. Und die Wiederholung ist ein Prinzip der Beschwöru .....
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Paul celan und günter eich

In der französischen Tradition, die kontinuierlicher verlaufen ist als die deutsche und deren Strukturen von Generation zu Generation verfolgt werden können, während bei uns immer wieder jähe Abbruche stattfinden, was mit der größeren Soziabilität der französischen Literatur überhaupt zusammenhängen .....
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Bruyn, günter de

»Nicht nur durch Leben, auch durch Lektüre wird man zu dem, was man ist« - dieser Satz B.s gilt gewissermaßen von Anfang an für ihn selbst. Eingeschränkt durch Krankheit und eine wenig robuste physische Konstitution, entwickelt er als Kind und Jugendlicher eine sehr »ichbezogene Art zu lesen«. Er wä .....
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Grass, günter

»Als ich zweiunddreißig Jahre alt war, wurde ich berühmt. Seitdem beherbergen wir den Ruhm als Untermieter. Er steht überall rum, ist lästig und nur mit Mühe zu umgehen... Ein manchmal aufgeblasener, dann abgeschlaffter Flegel. Besucher, die glauben, mich zu meinen, blicken sich nach ihm um. - Nur w .....
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Eich, günter

Abgelegene Gehöfte Pereis, Christoph. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 187- 190. Kaiser, Gerhard. In: Heine bis Gegenwart, 1991, S. 689 - 691. Air Kopplin, Wolfgang. In: Beispiele, 1969, S. 36 - 39. Among my Souvenirs Gerth, Klaus. In: Westermanns Päd. Beilr. 16, 1964, S. 345 .....
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Fuchs, günter bruno

Für ein Kind Gregor-Dellin, Martin. In: Frankfurter Anthologie 10, 1986, S. 235 - 238. Geschichtenerzählen Fuchs, Günter Bruno. In: Doppelinterpretationen, 1986, S. 218-221. Schlüer, Klaus-Dieter. In: Doppelinterpretationen, 1986, S. 222 - 224. Gestern Grimm, Reinhold. In: Gedichte aus u .....
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Goeckingk, leopold friedrich günter von

Als der erste Schnee fiel Pfeiffer, Johannes. In: Wege zur Dichtung, 1969, S. 113- 115. Kronauer, Brigitte. In: Frankfurter Anthologie 15, 1992, S. 17-20. .....
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Grass, günter

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Grasshoff, fritz

Blues Demski, Eva. In: Frankfurter Anthologie 16, 1993, S. 151 - 153. Isabell die Spröde Neis, Edgar. In: Sechsundsechzig Balladen, 1991, S. 160- 162. Joguleit Neis, Edgar. In: Sechsundsechzig Balladen, 1991, S. 162- 163. .....
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Herburger, günter

Bürger als Edelmann Härtung, Harald. In: Lyrik seit 1965, 1985, S. 32 - 37. Der Gesang der Wale Abraham, Ulf. In: Gedichte für Schule, 1993, S. 244 - 255. Der Wirsing, der Blumenkohl Kaiser, Gerhard. In: Heine bis Gegenwart, 1991, S. 448-451. Ehegedicht Schindelbeck, Dirk. In: Verän .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Inventur - günter eich

Dies ist meine Mütze, dies ist mein Mantel, hier mein Rasierzeug im Beutel aus Leinen. Konservenbüchse: 5 Mein Teller, mein Becher, ich hab in das Weißblech den Namen geritzt. Geritzt hier mit diesem kostbaren Nagel, 10 den vor begehrlichen Augen ich berge. .....
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Fußnote zu rom - günter eich

Ich werfe keine Münzen in den Brunnen, ich will nicht wiederkommen. Zuviel Abendland, verdächtig. 5 Zuviel Welt ausgespart. Keine Möglichkeit für Steingärten. Das scheint sich unschwer zu erschließen. Die Fontana di Trevi. Man wirft eine Münze in den Brunnen, so einer innig wünscht, Rom wiederz .....
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Geisenhausen - günter eich

Das Gras auf dem Turmgesimse erzittert im Glockenschlag Die Flüge der Dohlen teilen den Himmel mir und den Tag. So werden Glocken und Vögel 5 mein Raum und meine Zeit. Das Ochsengespann in der Tiefe zieht Holz in die Ewigkeit. Der Zeiger der Turmuhr läuft schneller unter dem Dohleng .....
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Tour de france - günter grass

Als die Spitzengruppe von einem Zitronenfalter überholt wurde, gaben viele Radfahrer das Rennen auf. Spruchweisheit, Apodiktum, Lakonie? Ganz anders: mir scheint, dieser Vierzeiler bannt auf seltsam intensive Weise ein Leitmotiv des Günter Grass — Skepsis. Das Gedicht will verstanden sein nich .....
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Gestern - günter bruno fuchs

Jestern kam eena klingeln von Tür zu Tür. Hat nuscht jesagt. Kein Ton. Hat so schräg sein Kopf j ehalten, war still. Hat nuscht jesagt, als wenn der von jestern war und nur mal rinn kieken wollte, wies sich so lebt. Sogenannte Sekundärliteratur gibt es so gut wie keine über ihn. Aber schli .....
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Günther grass (geb. i927),

der ebenso wie Siegfried Lenz und Uwe Johnson aus dem Osten Deutschlands stammt . Sein erster Roman 'Die Blechtrommel" machte ihn mit einem Schlage bekannt. Die Blechtrommel, ein Kinderspielzeug, wird zum unentbehrlichen Requisit des buckligen, zwergenhaften Oskar Matzerath, der als Dreißigjähriger .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

Günter grass: »ein weites feld« (i995) - die vernetzung literarischer und zeitgeschichtlicher anspielungen

Fontane redivivus Die Romanautoren Theodor Fontane und Günter Grass sind nicht nach demselben ästhetischen Gesetz angetreten. Nichts deutete auf Wahlverwandtschaft, als dem Autor des Romans »Die Blechtrommel« sozusagen aus dem Stand der Sprung in die Weltliteratur gelang. Kaum ein Ohr haben konn .....
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Index » Roman Chronik

Günter eich (i907-i972): inventur - minimalgepäck

Inventur Dies ist meine Mütze, dies ist mein Mantel, hier mein Rasierzeug im Beutel aus Leinen. Konservenbüchse: Mein Teller, mein Becher, ich hab in das Weißblech den Namen geritzt. Geritzt hier mit diesem kostbaren Nagel, den vor begehrlichen Augen ich berge. Im Brotbeutel sind ein Paar wollen .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Erneuerungs- und Warngedicht

Günter grass (geb. i927): prophetenkost - die mitwisser

Günter Grass erhielt 1999 den Nobelpreis für Literatur vor allem seines erzählerischen Werks, zumal des Romans Die Blechtrommelwegen. Und tatsächlich hat sich in der Wirkungsgeschichte, zu seinem Bedauern, das lyrische Werk nie recht aus dem Schatten seines epischen Werks befreien können. Während d .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Erneuerungs- und Warngedicht

Günter kuriert (geb. i929): atlas - ein paar fetzen hoffnung

Atlas Zwar noch gebeugt aber die Arme schon leer und herabgesunken Die sonst steinerne Miene gesprungen vor Schreck über den Verlust der Last auf dem mythischen Weg irgendwohin durch die Zeit Plötzlich überflüssig ein nackter Überlebender seiner Aufgabe die ohne die Kugel mißlungen: der er folg .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » An den Scheidewegen der Zeit

Günter eich - ende eines sommers

Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume! Wie gut, daß sie am Sterben teilhaben ! Die Pfirsiche sind geerntet, die Pflaumen färben sich, während unter dem Brückenbogen die "Zeit rauscht. Dem Vogelzug vertraue ich meine Verzweiflung an. Kr mißt seinen Teil von Ewigkeit gelassen ab. Seine Strecke .....
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Index » Sonstige

Günter kunert - wie ich ein fisch wurde

Am 27. Mai um drei Uhr hoben sich aus ihren Betten Die Flüsse der Erde, und sie breiteten sich aus Ãœber das belebte Land. Um sich zu retten Liefen oder fuhren die Bewohner zu den Bergen raus. Als nachdem die Flüsse furchtbar aufgestanden, Schoben sich die Ozeane donnernd übern Strand, Und sie schl .....
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Index » Sonstige

Günter bruno fuchs ansprache des autowaschenden vaters an sein kind das drachensteigen möchte

Ein Gedicht? Ja, die wortkarge Sprache und der gestische Rhythmus erweisen es als ein solches. — Eine Erzählung? Ja, eine allsonntägliche Geschichte, in wenigen Worten gesagt. — Der moderne Schriftsteller bedient sich der Form zwischen den beiden Gattungen, des Erzählgedichts. 1. Die einleit .....
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Index » Erzählungen der Gegenwart

Günter bruno fuchs gedankenaustausch

Das zweite Erzählgedicht des Autors benutzt die Sprache der Allegorie; folgender Gedanke wird in eine personale Aktion übertragen: Die alltäglichen Sorgen finden bei der Behörde kein Gehör. Fragen zur Erarbeitung des Textes: 1. Um welchen Vorgang handelt es sich? Es gibt zwei Möglichkeiten zu .....
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Index » Erzählungen der Gegenwart

Günter bruno fuchs eine mutter von einundzwanzig kindern

Man sollte den Text von einzelnen Schülern lesen lassen, im räsonierenden Ton einer überlasteten kinderreichen Mutter. Drei Fragen könnten sich anschließen: 1. Was ist los mit dem Jüngsten? Er ist weggelaufen. Er soll etwas Großes und Besonderes werden. 2. Was ist los mit dem Zweitjüngsten? .....
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Index » Erzählungen der Gegenwart

Günter kunert fahrt mit der s-bahn

Mit dem Brecht-Schüler Günter Kunert wird ein Autor aus Ostberlin vorgestellt, der bei uns in erster Linie als kritisch engagierter Lyriker bekannt ist. Der Dichter, der in der DDR bereits 1956 bei der offiziellen Literaturkritik wegen seiner verschlüsselten Gedichte Mißfallen erregte, erweist sich .....
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Index » Erzählungen der Gegenwart

Günter kunert andromeda zur unzeit

1. Erörterung des Textes Die Erzählung schildert als Zukunftsvision, wie Menschen, bedingt durch Nahrungsmittelknappheit und damit Verschlechterung der Lebensverhältnisse, von der Erde auf besiedelbare Planeten auswandern. Die Zurückbleibenden verfolgen die allabendliche Abflugaktion in der exakt .....
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Index » Erzählungen der Gegenwart

Ebert, günter

Biografie: "19.2.1 in Meerane in Sachsen. G. Ebert ist gelernter Kaufmann und Buchhändler. Von 1945 bis 1947 war er in amerikanischer und britischer Kriegsgefangenschaft. Anschließend arbeitete er 1948/49 als Redakteur der Volksstimme Glauchau, war 1950/51 Leiter einer Volksbuchhandlung und wandte s .....
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Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Huth, günter

auch unter dem Pseud.: G. R. Cappello Biografie: 13.12.1949 in Würzburg. G. Huth ist Diplom-Rechtspfleger am Oberlandesgericht Bamberg. Seit 1975 ist er schriftstellerisch tätig. Der Schwerpunkt seines bisherigen Schaffens liegt bei der Kinder- und Jugendliteratur. Außerdem verfasste der passio- ni .....
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Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Krieger, günter

Biografie: *29.1.1 in Langerwehe. G. Krieger ist Krankenpfleger und be-fasst sich in seiner Freizeit mit antiker und mittelalterlicher Geschichte. Der historische Kriminalroman Teufelswerk war seine erste Buchveröffentlichung. Kriminalromane: 1999 Teufelswerk, Pandion; 2000 Mönchsgesang, Pandion; .....
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Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Kunert, günter

K. zählt zweifellos zu den literarisch vielseitigsten, schöpferisch produktivsten, aber trotzdem sprachlich virtuosen, inhaltlich einfallsreichen und intellektuell anspruchsvollen Autoren der Nachkriegszeit, die sowohl im Osten wie im Westen gelesen und gewürdigt werden. Sein schriftstellerisches un .....
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Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Wallraff, günter

»Nicht Literatur als Kunst, sondern Wirklichkeit! Die Wirklichkeit hat noch immer größere und durchschlagendere Aussagekraft und Wirkungsmöglichkeit, ist für die Mehrheit der Bevölkerung erkennbar, nachvollziehbar und führt eher zu Konsequenzen als die Phantasie des Dichters.« Mit diesem Bekenntnis .....
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Grass,  Günter    


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