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Gotthelf, Jeremias - Leben und Biographie



Das Leben des Albert Bitzius, der unter dem Pseudonym Jeremias Gotthelf zu einem der bedeutendsten Erzähler der Schweiz und zum Begründer des deutschsprachigen Bauernromans wurde, verlief auf den ersten Blick in so ruhigen Bahnen wie selten ein Schriftstellerdasein.
      Nach dem Studium der Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften in Bern und Göttingen war Gotthelf viele Jahre Vikar in der Pfarrei seines Vaters, bevor er 1832 im Emmen-tal eine eigene Pfarrstelle erhielt. Sein schon in jungen Jahren gewecktes sozialpädagogisches Interesse ging weit über das seelsorgerische Engagement hinaus und brachte ihn auch zum Schreiben über seine bäuerliche Umwelt, die er nicht zeittypisch romantisch geschönt darstellte, sondern mutig realistisch. Kritisch gegenüber der gnadenlosen weltlichen Macht, aber patriarchalisch-konservativ im Glauben, war er der Obrigkeit und den Radikalen gleichermaßen ein Ã"rgernis.
      Sein erster Roman hieß Bauernspiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf, von ihm selbst erzählt und den Namen des fiktiven Verfassers wählte er zum Pseudonym, unter dem fortan alle seine Werke erschienen. Sein Vorbild war der berühmte Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi mit seinem klassischen Erziehungsroman Lienhard und Gertrud {1 -87), den Gotthelf mit seinen 13 Romanen und zahlreichen Erzählungen, was die literarische Qualität angeht, durch Handlungsreichtum, Gegenwartsnähe und Sprachkraft übertraf. Die so genannten Uli-Romane gehören zu den wichtigsten Beiträgen der Schweiz zur Weltliteratur, die spannende Erzählung Die schwarze Spinne [ 842) wurde verfilmt, vertont und ist bis heute eine beliebte Schullektüre.
      Uli der Knecht -Uli der Pächter
Der umfangreiche Doppelroman, der als Hauptwerk von Jeremias Gotthelf gilt, ist zugleich das erste deutschsprachige Meisterwerk der Gattung »Bauern roman«.
      Entstehung: Teil 1, zunächst unter dem Titel Wie Uli der Knecht glücklich wird erschienen, war noch bescheiden als »Gabe für Dienstboten und Meisterleute« gedacht; den zweiten Teil nannte der inzwischen populär gewordene Autor und Pfarrer kühn »ein Volksbuch«, wobei er Johann Heinrich -» Pestalozzi nachstrebte, der seinen Erziehungsroman Lienhard und Gertrud ebenfalls »dem Volk« gewidmet hatte. Dank Gott-helfs urwüchsigem Erzähltalent sind die beiden Uli-Romane aber weit mehT als nur ein pädagogisches Lehrbeispiel.
      Inhalt: Meister Johannes, der rechtschaffene Bodenbauer, vermag durch seine vorbildliche
Lebensführung den labilen Charakter seines Knechts Uli zu festigen und ihn für ein gottgefälliges Leben, bestehend aus Arbeit und Pflichterfüllung, zu gewinnen. Doch er verliert ihn an den Glunggenbauer Joggeli, der zwar ein schlechter Landwirt ist, aber dafür besser zahlt. Uli bringt Ordnung in den heruntergewirtschafteten Hof, der viel umworbene junge Mann entscheidet sich für die tatkräftige Haustochter Vreneli und pachtet Joggeiis Besitz mit finanzieller Hilfe des geheimnisvollen Paten Hagelhans. Es zeigt sich jedoch, dass »Meister Uli« der für ihn neuen Rolle moralisch nicht gewachsen ist. Er übertreibt sein Gewinnstreben, die Knechte widersetzen sich den rigorosen Maßnahmen ihres früheren Arbeitskollegen und auch Vreneli protestiert. Erst ein schweres Nervenfieber vermag Uli zur Einsicht zu bringen und die Ehe zu kitten. Wirkung: Dass Ulis Lebensgeschichte trotz der mundartlich gefärbten Sprache überregionales Interesse erweckte, ist nicht allein auf die realistische Schilderung des unfreien, armseligen Bauernlebens zurückzuführen und auf Gott-helfs satirische Ader, sondern ebenso auf die Tatsache, dass der Autor trotz aller Obrigkeitsschelte stets seine grundkonservative Einstellung erkennen lässt. Das Werk erschien zur Zeit der demokratischen Fortschrittsradikalität um 1848. Das bürgerliche Publikum sollte in Ulis unangenehm kapitalistischen Anwandlungen, nachdem er vom Knecht zum Herrn aufgestiegen war, ernste Gefahren für das künftige
Zusammenleben in einer veränderten Gesellschaftsordnung erblicken. Der skeptische Optimist Gotthelf versuchte seine Leser zu überzeugen, dass soziale Missstände anstatt durch politischen Umsturz sehr wohl durch verant-wortungsbewusstes Handeln der Untertanen wie der Machthaber behoben werden können -und wenn nicht durch Menschenverstand, dann durch Gott als höchste Gerechtigkeitsinstanz.
     


Gotthelf, jeremias (d.i. albert bitzius)

Sein Pseudonym war ihm Programm. Er entlehnte es seinem literarischen Erstling Der Bauernspiegel , der fiktiven Autobiographie des Jeremias Gotthelf. Wie der Prophet, warnte und mahnte der Prediger Bitzius vor den »Schweinsblasen des Zeitgeistes«, vor den »brüllhaften Naturen und neumodischen Spekul .....
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Jeremias gotthelf (albert bitzius, i797-i854)

wurde als Sprößling einer altbernischen Familie im Pfarrhaus zu Murten geboren und starb als Pfarrer zu Lützelflüh am 22. Oktober 1854. Jahrzehntelang lebte Gotthelf im Schatten seines Landsmannes Gottfried Keller, ehe er die Würdigung fand, die er verdiente. Keller selbst hat ihn, bei aller Gegensä .....
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Gottfried keller - jeremias gotthelf i

Besprechung von 'Uli der Knecht" und 'Uli der Pächter" 'Die Verlobten gingen miteinander über die Wiese, da raufte Reinhard jene Pflanzen aus und zeigte Lorle den wundersam zierlichen Bau des Zittergrases und die feinen Verhältnisse der Glockenblume. ,Das gehört zu dem Schönsten, was man sehen kann .....
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Gotthelf,  Jeremias    


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