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Gontscharow, Iwan - Leben und Biographie



Iwan Gontscharow zählt neben Fjodor -> Dostojewski, Lew N. ->Tolstoi und Iwan -^Turgenjew zu den großen Realisten der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Der Meister der sozialen Typisierung verband in seinen Romanen und Erzählungen detailgenaue Schilderungen der aufkommenden Industrie- und der untergehenden Adelsgesellschaft mit psychologischen Analysen der Figuren sowie der philosophischen Frage nach Sinn und Ziel des Lebens.
      Der Sohn eines Kaufmanns besuchte die Handelsschule in Moskau und studierte 1831-35 Sprachen an der Lomonossow-Universität. 1835 trat er in den Staatsdienst ein, arbeitete zunächst als Ãobersetzer im Finanzministerium und später u.a. in der Zensurbehörde. In seiner Freizeit übersetzte Gontscharow Werke von -> Goethe und -> Schiller ins Russische und schrieb erste eigene Erzählungen. 1852-54 nahm er als Sekretär eines Vize-Admirals an einer Schiffsexpedition nach Südafrika, China, Japan und den Philippinen teil. 1867 quittierte er den Dienst, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Biografien:

V.

Setschkareff, iwan Goncharov. His Life and His Works, 1974; P. Thiergen , Iwan Alexandrowitsch Gontscharow. Leben, Werke, Wirkung, 1994.
      Oblomow
Der Roman Oblomow von Iwan Gontscharow gehört zu den klassischen Werken des russischen Realismus. Um den Menschen einen »Spiegel vorzuhalten«, um so »ihre Erziehung zu vollenden«, verwob der Autor Milieuschilderungen, satirische Elemente, psychologische Analysen und philosophische Fragestellungen zu einem Sittenbild des russischen Adels in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit dem adeligen Gutsbesitzer Oblomow, der ständig neue, hochfliegende Pläne fasst, jedoch zu träge ist, sie in die Wirklichkeit umzusetzen, schuf Gontscharow einen »überflüssigen Helden«, einen typischen Vertreter der russischen Adelsschicht seiner Zeit, die durch die beginnende Industrialisierung an politischer Bedeutung verlor und in eine Sinnkrise geriet.
      Inhalt: Die Romanhandlung kreist um den lebensuntüchtigen Gutsbesitzer llja lljitsch Oblomow, der, erst 32-jährig, den Staatsdienst quittiert hat und immer mehr in Träumerei, Schlaf und grenzenloser Faulheit versinkt. Ein Maulheld und schwärmerischer Idealist, entwirft er immer neue Pläne - etwa das soziale Los seiner Dienstboten zu verbessern oder sein Landgut in einen agrarwirtschaftlichen Musterbetrieb umzuwandeln. Tatsächlich schafft er es kaum, einen Umzug zu organisieren, einen Brief an Andrei Stolz, seinen Gutsverwalter, aufzusetzen oder auch nur das Bett zu verlassen. Ohne seinen Diener Sachar. der die alltäglichsten Handreichungen für ihn erledigt, wäre er gänzlich verloren. Die Liebe zu der tatkräftigen Olga reißt Oblomow nur kurz aus seiner Apathie. Diese veriässt ihn, als sie erkennt, dass er sich aus seiner Tatenlosigkeit nicht zu befreien vermag, und heiratet den tüchtigen Geschäftsmann Stolz. Oblomow ehelicht schließlich die einfältige Agafja Pschenizyna, die ständig Pasteten bäckt, ihm den Schlafrock flickt und ihn umsorgt, so dass er ungestört in geistiger Anspruchslosigkeit dahinvegetieren und schließlich friedlich im Bett sterben kann. Aufbau: Der Roman bezieht seine Spannung nicht aus einer aktionsreichen Handlung, sondern aus der bedächtigen Enthüllung eines tiefen menschlichen Dramas. Geduldig schildert Gontscharow, aus der Perspektive eines aukto-rialen Erzählers sowie in langen, direkten Dialogpassagen der Figuren, den ewig gleichen Tagesablauf Oblomows im Rhythmus von Schlafen, Essen und erneutem Schlafen, lässt ihn seine »welt verbessernden« Ideen bis ins Detail ausspinnen und führt so das vertane, nicht gelebte Leben seines Helden vor, der nie ernsthaft versucht, sein Schicksal aktiv zu ge-stalten. Als Kontrastfiguren zu Oblomow fungieren dessen umtriebiger Freund Stolz, der vergeblich versucht, den ewigen Träumer zu einem tatkräftigen Menschen zu »bekehren«, sowie Olga, die zwischen den beiden steht und sich schließlich für Stolz entscheidet. Zentrale Bedeutung für die Deutung des Romangeschehens besitzt das neunte Kapitel, Oblomows Traum, das Gontscharow bereits 1849 als eigenständige Erzählung veröffentlichte. In einer Rückblende wird Oblomows Kindheit erzählt, die die innere Motivierung seines , um das Leben zu meistern. Wirkung: Mit llja OblomowschufGontscharow eine kulturelle Symbolfigur, die in ihrer Bedeutung mit Hamlet von ^Shakespeare in der englischen oder Faust von -> Goethe in der deutschen Literaturgeschichte vergleichbar ist. Der Ausdruck »Oblomowerei« ist, als Kennwort für Faulheit, in die russische All-tagsspTache eingegangen.
      Die wichtigsten Bücher von Iwan Gontscharow
Eine gewöhnliche Geschichte 1847 Ein Roman um den naiven Provinzadeligen Adujew, der zunächst angewidert ist von der Beamtenstreberei in Petersburg, jedoch schnell seine Lektion lernt, ein Mädchen mit großer Mitgift heiratet und Karriere macht.
      Oblomow 1849 Der berühmteste Roman des Autors ist eine Fallstudie über die Le-bensuntüehtigkeit der russischen Adelsschicht.
      Die Fregatte Pallas 1858 Eine literarische Verarbeitung der Schiffsexpedition von Gontscharow nach Afrika und Ostasien.
      DieSchlucht 1869 Den Widerstreit zwischen der untergehenden Ordnung der alten Adelsgesellschaft und den Ideen der russischen revolutionären Bewegung gestaltet der Autor in der Liebesgeschichte des »Nihilisten« Wolochow und der Gutsbesitzertochter Vera.
      Besser spät als nie 1879 In der literaturkritischen Abhandlung und Selbstdeutung seiner Romane liefert der Autor wichtige Anhaltspunkte für die Interpretation seines Werks.
     


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Gontscharow,  Iwan    


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