Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Gombrowicz, Witold

Gombrowicz, Witold - Leben und Biographie



Das zentrale Thema des Werks von Witold Gombrowicz ist die Analyse der moralischen, gesellschaftlichen, intellektuellen und kulturellen Konventionen, die den Menschen prägen und zugleich verhüllen. Die Demaskierung und Verspottung dieser Konventionen ist eine Möglichkeit für den Autor, einen Augenblick der Wahrheit über den Menschen herauszuarbeiten, bevor dieser die Hülle einer neuen Konvention annimmt.
      Der aus dem Landadel stammende Gombrowicz absolvierte 1922-27 ein Jurastudium in Warschau. Er debütierte 1933 mit dem Erzählungsband Tagebuch aus der Epoche der Reifung. Im August 1939 unternahm er eine Schiffsreise nach Argentinien, wo ervom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges überrascht wurde. Er blieb für 24 Jahre in Buenos Aires: Auf die ersten acht Jahre, in denen er sich als Bohemien mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt, folgten acht Jahre Beschäftigung als Bankangestellter; jedoch kündigte er, um die nächsten achl Jahre der Schriftstellerei zu widmen. 1963 kehrte Gombrowicz nach Europa zurück, als er ein Jahresstipendium der Ford-Stiftung in Berlin erhielt. 1964 siedelte er sich zunächst in Paris, dann in Südfrankreich an, wo er die letzten Lebensjahre verbrachte. Der literarische Erfolg von Gombrowicz ging von Paris aus, wo die meisten seiner Werke erschienen. Die Zeitschrift Kultura, ein Zentrum polnischen Geistes im Exil, unterstützte Autor und Werk. 1967 erhielt Gombrowicz für den Roman Kosmos den Internationalen Verlegerpreis.
      Ferdydurke
In seinem von grotesker Komik und von anarchischem Sprachwitz erfüllten »Rückbildungsroman« kritisiert Witold Gombrowicz drei gesellschaftliche Lebensumfelder: die Schule, das liberal-fortschrittliche städtische Milieu und das konservative Milieu des polnischen Landadels. Mit einer Darstellungstechnik, die fiktio-nale und nicht fiktionale Elemente vermischt, macht Gombrowicz auch den Akt der künstlerischen Formgebung und damit den Prozess des Schreibens selbst zum Thema. Inhalt: Der Held und Ich-Erzähler, der 30-jährige Autor Jözio, dessen Erstling von der Kritik als künstlerisch unreif abgetan wurde, wird von Schulmeister Pimko in einen 17-Jährigen verwandelt und nochmal auf das Gymnasium geschickt. Dort ist er gezwungen, die Qualen der »Popoisierung« und einer altmodischen, geisttötenden Schulausbildung über sich ergehen zu lassen. Seine Mitschüler Siphon und Mjentus zetteln einen pubertären Streit an, der in einem Duell im Grimassenschneiden und in einer Schlägerei endet. Die zwangsweise »Popoisierung« Jözios wird fortgesetzt, als er von Pimko als Logiergast in dem »progressiven« Haushalt der Ingenieursfamilie Mlodziak untergebracht wird. Mit großer Mühe befreit er sich von dem ihm aufgezwungenen Verliebtsein in die »moderne« Tochter des Hauses, die Oberschülerin Sutka, als er durch eine Intrige Pimko und einen Mitschüler nachts in Sutkas Zimmer einbestellt und einen Skandal inszeniert; das Doppel-Rendezvous endet im Chaos und Handgemenge. Zusammen mit Mjentus, der von der Idee besessen ist, sich mit dem Volk zu verbrüdern, zieht Jözio aufs Dorf, wo es sie zum Landsitz seiner aristokratischen Verwandten verschlägt. Der Versuch von Mjentus, sich mit einem »Bauernbengel« zu verbrüdern, bringt die althergebrachte Ordnung der Landadeligen ins Wanken und führt zu einem Aufruhr unter den Bauern.
      Aufbau: Der Roman gliedert sich in drei Teile, die den drei Haupthandlungsorten entsprechen sowie den drei Phasen der Infantilisierung des Helden und seiner Aufbäumung gegen die Zwänge der Form. Der Ablauf der Episoden ist immer wieder derselbe: Die Beteiligten werden mit der »Fresse« , mit einem fremden Formprinzip konfrontiert; durch die Infantilisierung, den »Popo« , wird ihre Reife in-frage gestellt; was zum »Haufen« , zum chaotischen Durcheinander und Kampfgetümmel führt. Gombrowicz verdeutlicht die Dreiteilung noch dadurch, dass er zwischen die Episo-
In seinem von grotesker Komik und von anarchischem Sprachwitz erfüllten »Rückbildungsroman« kritisiert Witold Gombrowicz drei gesellschaftliche Lebensumfelder: die Schule, das liberal-fortschrittliche städtische Milieu und das konservative Milieu des polnischen Landadels. Mit einer Darstellungstechnik, die fiktio-nale und nicht fiktionale Elemente vermischt, macht Gombrowicz auch den Akt der künstlerischen Formgebung und damit den Prozess des Schreibens selbst zum Thema. Inhalt: Der Held und Ich-Erzähler, der 30-jährige Autor Jözio, dessen Erstling von der Kritik als künstlerisch unreif abgetan wurde, wird von Schulmeister Pimko in einen 17-Jährigen verwandelt und nochmal auf das Gymnasium geschickt. Dort ist er gezwungen, die Qualen der »Popoisierung« und einer altmodischen, geisttötenden Schulausbildung über sich ergehen zu lassen. Seine Mitschüler Siphon und Mjentus zetteln einen pubertären Streit an, der in einem Duell im Grimassenschneiden und in einer Schlägerei endet. Die zwangsweise »Popoisierung« Jözios wird fortgesetzt, als er von Pimko als Logiergast in dem »progressiven« Haushalt der Ingenieursfamilie Mlodziak untergebracht wird. Mit großer Mühe befreit er sich von dem ihm aufgezwungenen Verliebtsein in die »moderne« Tochter des Hauses, die Oberschülerin Sutka, als er durch eine Intrige Pimko und einen Mitschüler nachts in Sutkas Zimmer einbestellt und einen Skandal inszeniert; das Doppel-Rendezvous endet im Chaos und Handgemenge. Zusammen mit Mjentus, der von der Idee besessen ist, sich mit dem Volk zu verbrüdern, zieht Jözio aufs Dorf, wo es sie zum Landsitz seiner aristokratischen Verwandten verschlägt. Der Versuch von Mjentus, sich mit einem »Bauernbengel« zu verbrüdern, bringt die althergebrachte Ordnung der Landadeligen ins Wanken und führt zu einem Aufruhr unter den Bauern.
      Aufbau: Der Roman gliedert sich in drei Teile, die den drei Haupthandlungsorten entsprechen sowie den drei Phasen der Infantilisierung des Helden und seiner Aufbäumung gegen die Zwänge der Form. Der Ablauf der Episoden ist immer wieder derselbe: Die Beteiligten werden mit der »Fresse« , mit einem fremden Formprinzip konfrontiert; durch die Infantilisierung, den »Popo« , wird ihre Reife in-frage gestellt; was zum »Haufen« , zum chaotischen Durcheinander und Kampfgetümmel führt. Gombrowicz verdeutlicht die Dreiteilung noch dadurch, dass er zwischen die Episo-


 Tags:
Gombrowicz,  Witold    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com