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Gogol, Nikolai - Leben und Biographie



Nikolai Gogol bereicherte die Weltliteratur um einige der besten romantischen Novellen, klassische Komödien sowie den ersten bedeutenden russischen Prosa-Roman. Obwohl ganz der Romantik verhaftet, wurde der Autor, nachdem er ab 1835 neue, urbane Wirklichkeitsbereiche erschlossen hatte, zum Vorläufer der jungen Realisten in Russland wie etwa Fjodor ^Dostojewski.
      Geboren in der ukrainischen Provinz, kam Gogol 1828 nach Petersburg, wo er sich als Beamter und Gymnasiallehrer versuchte und sich vergeblich um einen Lehrstuhl bemühte. Freundschaft schloss er hier mit Alexander —> Puschkin. 1831 debütierte er erfolgreich mit teils heiteren, teils dämonischen, stilisiert folkloristischen Erzählungen voller Leben und Poesie, die das ukrainische Bauernleben schilderten. Die Präsentation durch Erzähler aus dem Volk ist meisterhaft stilisiert; die Sujets weisen einzelne Berührungen mit der deutschen Romantik auf. Künstlerisch komplex wird die Illusion einer mündlich vortragenden Erzählerstimme in den in Petersburg spielenden späten Novellen , in denen die Entlarvung gesellschaftlicher Missstände und menschlichen Fehlverhaltens hervortritt. Das Groteske und die Fantastik verweisen hier wie auch in den Komödien und dem Roman 7bte5ee/enauf den dämonologi-schen Kern der gogolschen Weltsicht. Mit sei-nen Werken »den Teufel zu bändigen« gelang Gogol in den letzten Lebensjahren allerdings immer weniger. Von Ängsten und Selbstvorwürfen geplagt, verließ er Kussland mehrfach für längere Zeit, geriet aus dem psychischen Gleichgewicht und flüchtete sich, künstlerisch unproduktiv geworden, in politische, religiöse und moralische Ideen, die von den Zeitgenossen als reaktionär abgelehnt wurden.
      Tote Seelen
Der in Russland lebendigen Tradition des Schelmenromans verlieh Nikolai Gogol mit ToteSeelen eine neue, tiefgründige Form. Seinen »Poem« untertitelten Roman konzipierte der von psychischen und religiösen Krisen erschütterte Autor als Epos der Reinigung der Seele. Inhalt: Der ehemalige Petersburger Kollegienrat Tschitschikow führt sich in einer russischen Gouvernementsstadt in die Gesellschaft ein und macht bei Privatbesuchen fünf Gutsbesitzern den sonderbaren Vorschlag, ihnen »tote Seelen«, d.h. kürzlich verstorbene Leibeigene abzukaufen, die bis zur nächsten Revision weiter in den Büchern geführt werden; nur in einem Fall bleibt er erfolglos. Auf einem Ball sorgt der Gutsbesitzer Nosdrjow für erste Irritationen mit der laut zugerufenen Frage, wieviele Tote er eingekauft habe. Weitere Gerüchte verbreiten sich schnell. Die alte Gutsbesitzerin Korobotschka, die einzige Frau unter den Geschäftspartnern Tschitschikows, bringt mit ihrer Befürchtung, die toten Seelen zu billig verkauft zu haben, den Skandal endgültig ins Rollen. Fluchtartig reist Tschitschikow ab. Erst am Ende des Romans erfahrt der Leser den betrügerischen Hintergrund seiner Geschäfte: Tschitschikow wollte die gekauften Leibeigenen verpfänden und sich mit dem erschwindelten Kredit aus dem Staub machen. Aufbau: Die eigenartige Platzierung der umfangreichen Biografie des Helden erst am Ende des Romans zeugt vom ursprünglichen Plan, in Anlehnung an die Stationen Hölle, Fegefeuer und Paradies in der Göttlichen Komödie von -> Dante Alighieri den Haupthelden in drei Bänden von der Sünde zu Reue und Vergebung zu führen. Gogol hat indes nur die Negativität, die Schlechtigkeit der Gegenwart darzustellen vermocht - der wenig überzeugende zweite Teil blieb Fragment, der dritte ist nie begonnen worden. Für den Autor stand - anders als für die Leserschaft im 19. und 20. Jahrhundert - nicht die Satire im Mittelpunkt, sondern ein religiöses Konzept. Die Welt wird vor allem als trivial begriffen: Alles ist gewöhnlich, mittelmäßig, platt und geistlos. Trivialität aber ist bei Gogol das Merkmal einer Welt, die gegen alles Transzendente abgeriegelt, aus der das religiöse Heil, das Wahre und Sinnhafte, vertrieben ist.
      Ebenso wie die Komik im Werk stets mit der Trivialität der gezeigten Welt zusammenhängt, dienen auch die Eigentümlichkeiten des grotesken Stils der Erniedrigung des nur scheinbar Geistigen, Bedeutenden, Erhabenen. So sind die Figuren im Roman wahrhaft »tote Seelen« in der ersten der beiden möglichen Bedeutungen des Titels; die andere Bedeutung, nach der die Verstorbenen »tote Seelen« sind, ließ schon den Zensor empört auf die Unsterblichkeit der Seele hinweisen. Das durch den Verkauf der »Seelen« erworbene Geld, dessentwegen sich der Held -nicht zufällig ein ehemaliger Zöllner - versündigt, wird zum Sinnbild des Ãœbels in der Welt. Wirkung: An Gogols Verbindung von Satire und Groteske knüpfte in der frühen sowjetischen Literatur Michail —> Bulgakow an . Auch bei anderen Autoren erlebte das Genre eine Renaissance bis in die späte sowjetische Zeit, so bei llja —> Ehrenburg , Wladimir Woinowitsch und Fasil Iskander .
      Die wichtigsten Werke von Nikolai Gogol
Abende au feinem Weiler bei Dikanko 1831/32 Der zweiteilige, ganz in der ukrainischen Heimat des Autors spielende Erzählzyklus vereint folkloristische Fantastik und volkstümliche Legendensujets in melancholisch-humorvollem Ton.
      Arabesken 1835 Theoretischen Abhandlungen stehen neben ersten »Petersburger Erzählungen« mit Parallelen zur westeuropäischen Romantik, so in den Motiven des Wahnsinns und des Künstlertums .
      Mirgorod 1835 Weitere Erzählungen aus dem ukrainischen Volksleben, dem Volksglauben und der Geschichte Kleinrusslands
Der Revisor 1836 Ein mittelloser Beamter auf der Durchreise wird in dieser Komödie in einer Kleinstadt für den angekündigten Revisor gehalten und bringt so unbeabsichtigt die geordnete Welt in Konfusion.
      Die Heirot 1842 Mit der Reduktion auf die Brautwerbung und der abschließenden Flucht des Bräutigams vor der Eheschließung spielt das Stück ironisch mit den Konventionen der Gattung Komödie.
      7öfe See/en 1842 Der in einer russischen Gouvernementsstadt auftauchende Tschitschikow kauft in betrügerischer Absicht die »Seelen« verstorbener Leibeigenerauf.
     


Michalewsky, nikolai von

Auch unter den Pseud.: Mark Brandis, Victor Karelin, Nick Norden, Bo Anders Biografie: *17.1.1931inDahlwitz, Mark Brandenburg, t27.12.2 in Grasberg. N. von Michalewsky brach die Schule ab. Er arbeitete als Hafenarbeiter, Reporter, Industriepolizist, reiste durch Afrika und arbeitete auf einer Kaffe .....
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