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Ginzburg, Natalia - Leben und Biographie



Neben Cesare -> Pavese und lgnazio -> Silone gehört auch Natalia Ginzburg zu den italienischen Schriftstellern, deren Leben und Werk geprägt sind durch die Erfahrung des Faschismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit mit ihrer Hoffnung auf einen völligen Neubeginn und der bald daraus resultierenden Enttäuschung.
      Die Tochter des Biologieprofessors Giuseppe Levi wuchs in Turin auf. Sie erhielt keine abge-schlossene Schulausbildung. 1938 heiratete sie den kommunistischen Publizisten Leone Ginzburg und folgte ihm bald in die Verbannung. Kurz vor der Befreiung Italiens starb ihr Mann an den Folgen der Folter durch die SS. Um sich und ihre Kinder zu ernähren, begann Natalia Ginzburg als Lektorin und Ãobersetzerin im Verlag Einaudi zu arbeiten. Ab 1952 lebte sie als freie Schriftstellerin und Journalistin in Rom.
      Ihre Erzählungen und Romane sind geprägt durch eine nüchterne, oft karge Sprache - das Gegenteil der faschistischen Rhetorik - und zeichnen sich durch die oft schmerzhafte und gnadenlose Analyse der gescheiterten menschlichen Beziehungen, insbesondere in der Familie, aus. Ihr Grundthema ist die Vereinsamung des Einzelnen und sein Verstummen in einer gleichgültigen Umgebung.

      Keilschrift-Literatur
Entstehung: Gegen Ende des 4. Jahrtausends gelang es den südmesopotamischen Sumerern erstmals, ein Aufzeichnungssystem zu entwickeln, das die gesprochene Sprache vollständig und eindeutig wiederzugeben vermochte: die erste Schrift. Die in frischen Ton geritzten Zeichen, die teilweise stark gegenständlich-bildlichen Charakter hatten, wurden im Laufe mehrerer Jahrhunderte zunehmend stilisiert, vor allem durch die überlegene Technik, den Ton nicht mehr zu ritzen, sondern durch Eindrücke des Schreibgriffels zu bearbeiten.
      Die bezeichnende Keilform dieser Eindrücke gab der sumerischen Schrift den Namen Keilschrift. Die Keilschrift war zweieinhalb Jahrtausende lang in Gebrauch. Mit ihr wurde nicht nur die sumerische Sprache aufgezeichnet, sondern auch die nachfolgenden semitischen Sprachen Mesopotamiens, Babylonisch und Assyrisch ; darüber hinaus auch Ela-misch, Churritisch, Urartäisch und schließlich Hethitisch.
      Die Perser entwickelten im Verlauf der Zeit für ihre Sprache eine eigene Keilschrift, die den aus Wortzeichen, Silbenzeichen und Determinativen zusammengesetzten Charakter der mesopotamischen Systeme zu Gunsten einer reinen Silbenschrift modifizierte. In Ugarit schließlich wurde eines der ältesten Alphabete ebenfalls mit einer Keilschrift notiert.
      Bedeutung: Die archäologische Bedeutung der Keilschrift ist immens: durch die Funde zehntausender von Schrifttafeln oder ihrer Fragmente konnte die Geschichte der altorientalischen Zivilisationen wesentlich erhellt werden, der Gegenstandsbereich der Geschichtswissenschaft um mehr als zwei Jahrtausende hinter Homer zu rück erweitert werden. Das Schreibmedium Ton kam der Konservierung der Schriftquellen dabei besonders entgegen, da die Vernichtung eines Palasts oder Tempels durch Feuer dazu führte, dass der Ton gebrannt und dadurch besonders haltbar wurde. Anwendung: Die Gattungen der Keilschriftliteratur sind sehr vielfältig: Neben der Buchführung, die in Mesopotamien bei der Schrifterfindung Pate stand, stehen Dokumente der Rechtssetzung, der Diplomatie, Mythen, Epen, Briefe, Annalen und Königsinschriften . Berühmt ist u.a. die »Amarna-Korrespondenz« zwischen dem ägyptischen Pharao und seinen Vasallen in Palästina aus dem letzten Drittel des 2. Jahrtausends v. Chr., die nicht zuletzt als Hintergrund für die Geschichtsschreibung der ß/be/von großer Bedeutung ist. Dass sie nicht in ägyptischer Hieroglyphenschrift, sondern in akkadischer Keilschrift geführt wurde, belegt die diplomatische Bedeutung dieser Schrift.
      Familienlexikon
Die Erinnerungen Natalia Ginzburgs, in denen sie in Episoden die Geschichte ihrer Familie in den 1930er und 40er Jahren in Turin schildert, sind ihr vielleicht heiterstes Buch. Trotz der Be-drohung durch den Faschismus, trotz vieler schwerer Erlebnisse bis hin zur Ermordung ihres Mannes ist der Grundton weder resignativ noch pessimistisch.
      Inhalt: Ãober weite Strecken ironisch bis amüsiert zeichnet die Autorin das Bild einer Familie, deren Mitglieder sich - trotz all des vordergründigen Chaos - aufeinander verlassen können. Da ist zunächst die alle und alles bestimmende Gestalt des Vaters: laut, polternd, kauzig. Seine Gewaltmärsche im Gebirge, seine tagelangen Wanderungen werden ebenso liebevoll-distan-ziert beschrieben wie seine Angst vor Bazillen, seine konservative Grundhaltung. Im Gegensatz zu ihm steht die meist heitere Mutter, deren Klagen über schlechte Wohnungen, Geldmangel, den launischen Ehemann und streitende Kinder schnell versiegen. Sobald sie singt - mit Vorliebe Wagner -, weiß sich die Familie wieder sicher und geborgen.
      Während die ersten Kapitel eine glückliche Kindheit inmitten einer leicht schrulligen Familie erzählen, verändert sich der Ton der Erinnerungen, als das Aufkommen des Faschismus auch die Familie Levi zu beeinflussen beginnt. Ein Bruder wird verhaftet, der Vater zum Verhör geladen und ins Gefängnis gebracht - die Bedrohung der jüdischen Familie, die sich politisch am Sozialismus orientiert, wächst täglich. Aber es gibt auch beruhigende Beweise von Solidarität. So kommt etwa der umstrittene Autor Pitigrilli, den Natalia nicht lesen darf, weil er als obszön gilt, ins Elternhaus und berät die Mutter, was sie ihrem Mann ins Gefängnis mitbringen soll - er hat einschlägige Erfahrungen. Nach seiner Entlassung ist der Vater stolz auf Verhaftung und Einkerkerung und stolz auf seine antifaschistischen Söhne, obwohl er sich große Sorgen macht. Er ist deshalb auch nicht erfreut, als Natalia ihn mit mütterlicher Hilfe davon zu überzeugen sucht, dass sie Leone Ginzburg heiratenwill. Durch diesen bekannten Regimegegner sieht der Vater auch seine jüngste Tochter gefährdet. Doch sie setzt sich durch, ihre lapidaren Berichte über ihre Unerfahrenheit und Unfähigkeit als Hausfrau gewähren dem Lesereine angenehme Pause in der Schilderung der zunehmenden Bedrängnis, zumal deutlich wird, wie sehr sich das junge Paar liebt.
      Als der Vater seinen Lehrstuhl verliert und der Krieg ausbricht, wird das Verlagshaus Einaudi zur Zelle des Widerstands. Natalia Ginzburg folgt ihrem Mann in die Abruzzen, wohin er verbannt wird. 1943 gehen sie zurück nach Rom. 20 Tage später wird Leone Ginzburg verhaftet. Natalia, inzwischen Mutter von drei kleinen Kindern, sieht ihren Mann nie wieder.
      Je entsetzlicher das Berichtete wird, desto knapper, kälter, distanzierter wird die Sprache -ein Schutzwall vor dem Schmerz. Die Hilfe der Freunde wird ebenso »nebenbei« erzählt wie das Sich-Arrangieren nach 1945, das Scheitern der Hoffnungen, Paveses Selbstmord und Natalias zweite Heirat. Ãober den Erinnerungen könnte lakonisch der Titel eines ihrer frühen Romane stehen: »So ist es gewesen.« Wirkung: Familienlexikon wurde das erfolgreichste Buch von Natalia Ginzburg. Sie erhielt nicht nur - wie sonst - Lob von Kritikern und Kollegen, erstmals eroberte sie auch das Publikum. Der finanzielle Erfolg war enorm. Für ihren autobiografischen Roman erhielt die Autorin -gegen bedeutende Konkurrenten - 1963 den Premio Strega, einen der wichtigsten italienischen Literaturpreise.
      Die wichtigsten Bücher von Natalia Ginzburg
Die Straße in die Stadt 1942 Die Geschichte derjungen Delia, die in einem kleinen Provinznest lebt und für die die Straße aus dem Heimatort in die Stadt zum Synonym für den Traum vom anderen, besseren Leben wird.
      So ist es gewesen 1947 Die Geschichte vom Ende einer Liebe voller Leidenschaft, Verzweiflung und Eifersucht, lakonisch erzählt von einer Frau, die gerade ihren Ehemann erschossen hat.
      Die Stimmen des Abends, 1961 Roman über die Zerstörung einer Piemonteser Fabrikantenfamilie während des Faschismus.
      Familienlexikon, 1963 Der autobiografische Roman gilt trotz der darin berichteten Schicksalsschläge als das heiterste Buch der Autorin.
      Com Michele 1973 Briefroman über die zerbrochenen Illusionen und gescheiterten Hoffnungen eines jungen Mannes, der ständig auf der Flucht ist.
      Ein Mann und eine Frau, 1977 Eindringliche Erzählung über die Unmöglichkeit einer wahren Beziehung zwischen Mann und Frau.
      Die Familie Manzoni, 1963 Historischer Roman über die Familie, aus der der bedeutende Schriftsteller Alessandro Manzoni hervorging.
     


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