Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


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Geriet, Jean - Leben und Biographie



Jean Genet wuchs als Waise auf und begegnete der damit verbundenen Identitätskrise mit jener Umkehrung der Werte, die sein Schreiben prägt. Die bewusste Annahme der Rolle als Außenseiter der Gesellschaft, der sich mit Diebstahl, Bettelei, Verrat und Prostitution durchs Leben schlägt und dies in Romanen und Theaterstücken verherrlicht, sowie der Versuch, einen literarischen Kosmos aufzubauen, der sich eigenwilliger Metaphern und Symbole bedient, sind die Konstituenten eines Werks, das zwiespältige Reaktionen hervorgerufen hat. Er war Skandalautor, »Märtyrer der Gesellschaft« und Faszinosum für zahlreiche Theater- und Filmregisseure. Erst die neuere Kritik setzt sich mit den literarischen Qualitäten seines CEuvre auseinander.
      Die 1920er und 30er Jahre verbrachte Genet in Gefängnissen, bei der Fremdenlegion und auf Reisen quer durch Europa. Seine schriftstellerische Arbeit begann er zu Beginn der 1940er Jahre in der Strafanstalt Fresnes mit dem Gedicht Der zum Tode Verurteilte , dem die Romane Notre-Dame-des-Fleurs , Wunder der Rose {946), Das Totenfest und Querelle folgten. Aufgrund eines Gnadengesuchs von Jean -^Cocteau, Sartre, Simone de ->Beauvoir u.a. wurde er 1948 aus der Haft entlassen.
      In Das Totenfest verarbeitete Genet seine Erlebnisse im nationalsozialistischen Deutschland und denunzierte eine über das individuelle Er-leben hinausgehende historisch-soziale Dimension des Verbrechens. Nach einer Schaffenspause entstanden zwischen 1955 und 1961 die Dramen, mit denen er seine größten Erfolge erzielte. In ihnen stellte er das gesellschaftlich anerkannte Wertesystem in Frage und entfaltete eine Ästhetik des Bösen.
      Nach dem Drama Die Wände wandte sich Genet von der Literatur ab und engagierte sich seit dem Ende der 1960er Jahre gegen den Vietnamkrieg, für die Black Panther und geradezu vorausschauend für die palästinensische Befreiungsbewegung von Jasir Arafat . In einem Artikel in Le Monde bekundete er seine Sympathie für die deutsche Rote-Armee-Frak-tion. 1947 erhielt er den Prix de la Pleiade und 1983 den Grand Prix National.
      Querelle
Jean Genet evoziert in diesem Roman die Halbwelt des Verbrechens und schildert die emotionalen Verstrickungen der handelnden Personen in einem Universum, in dem die Lust am Töten den höchsten Rang einnimmt und die Anpassung an konventionelle moralische Wertmaßstäbe sanktioniert wird. Brutale pornografische Szenen werden mit differenzierten Reflexionen verknüpft und entwerfen eine den gesellschaftlichen Normen entgegengeselzte Hierarchie. Inhalt: Den Rahmen der Handlung bilden die Tagebuchaufzeichnungen des Schiffsoffiziers Seblon, der den Matrosen Georges Querelle liebt, seine homosexuellen Neigungen jedochhinter einer streng puritanischen Haltung zu verbergen versucht.
      Querelle verkörpert als skrupelloser Dieb, Mörder, Schmuggler und Freundesverräter den Typus des nach Genet absolut freien Menschen, der sich über alle Konventionen hinwegsetzt. Ihm steht als Gegentypus der Maurer Gil gegenüber, der sich trotz seiner Verbrechen an überkommenen Werten orieniert und dafür von Querelle an die Polizei ausgeliefert wird. Auch in anderen Figurenkonstellationen wird die Funktion bestimmter Normen, ihre Beliebigkeit und die schwierige Grenzziehung thematisiert. So verfließen in der verwirrenden Beziehung zwischen der Bordellchefin Lysiane und dem Bruder Querelies die Grenzen zwischen Homo-und HeteroSexualität.
      Wirkung: Die formale und inhaltliche Vielschichtigkeit, der Perspektivenwechsel und die desillusionierende Analyse des menschlichen Zusammenlebens erklären die intensive Rezeption des Romans und die Anerkennung durch die Kritik. Rainer Werner Fassbinder beschränkt sich in seiner Verfilmung {Querelle -Ein Pakt mit dem Teufel, 1982) im Wesentlichen auf das Thema der Homosexualität.


Zur stellung des ,titan' im werk jean pauls

Für Jean Paul ist die Poesie „die einzige zweite Welt in der hiesigen" . Die empirische erste Welt erscheint ihm platt, öde, seelenlos und von allem höheren Sinn verlassen. Daher muß sich die Seele mit Hilfe der Phantasie über sie hinausschwingen, um ihrer höheren Bestimmung innezuwerden. Das Gegebe .....
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Jean paul (d.i. johann paul friedrich richter)

Geb. 21.3.1763 in Wunsiedel; gest. 14.11.1825 in Bayreuth »Ich habe ihn ziemlich gefunden, wie ich ihn erwartete: fremd wie einer, der aus dem Mond gefallen ist, voll guten Willens und herzlich geneigt, die Dinge außer sich zu sehen, nur nicht mit dem Organ, womit man sieht« . Den Weimarer Klassike .....
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Hans/jean arp (i886-i966)

I. Arps Texte als Provokation konventioneller Gedichtanalyse Müßig ist die Diskussion, ob Hans Arp in erster Linie Bildender Künstler oder Dichter war - schärfer noch, sie verkennt die Reziprozität als Grundelement seines ästhetischen Schaffens: Der Dichter ist nicht ohne den Künstler, der Künstler .....
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Dissemination und dialektik der totalität: derrida, jean-pierre richard und mallarme

Die Konfrontation zwischen Strukturalismus und Dekonstruktion im vorigen Abschnitt könnte als eine theoretische Einleitung zu Derridas Kritik an Jean-Pierre Richards thematischer Interpretation von Mallarmes Dichtung gelesen werden. Obwohl Richard kein Vertreter des linguistisch-semiotischen Strukt .....
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Derrida, jean-pierre richard und mallarme: dekonstruktion oder dialektik der totalität?

Es geht hier im Anschluß an die dekonstruktive Aufhebung des Gegensatzes literarisch/philosophisch um zwei Mallarmc-Kommentarc, die einander widersprechen. Der eine ist Dcrridas bekannter Text "La Double seance", der zuerst in Tel Quel , später in La Dissemination erschien, der andere Jean-Pierre Ri .....
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Alembert,jean le rond d'

»Man muß der Weisheit oft genug die Narrenkappe aufsetzen, um ihr Gehör zu verschaffen«, so kommentiert Denis Diderot den Rere de d'Akmbert , einen Dialog, in dem er die intellektuelle Persönlichkeit seines Jugendfreundes und Mitstreiters für das Großunternehmen der Aufklärung, die Encyclopedie. por .....
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Baudrillard, jean

Eine Theorie der Moderne, so B.. ist nur aut dem Weg der Radikalisierung aller Hypothesen möglich. Wenn auf Strukturen kein Verlaß mehr ist und die Ereignisse allen Beschreibungen davonlaufen, dann muß die Theorie schneller werden als die Ereignisse - oder so langsam, daß sich in ihren Verzögerungen .....
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Bodin,jean

Spätestens seit der Aufklärung leidet das Renommee B.s, den die Zeitgenossen noch »den gelehrten Bodin« nannten, darunter, daß er auch eine dem Hexenhammer verwandte Denionoinanie des Soniers verfaßt hat, einen Leitfaden zum Führen von Hexenprozessen, der Folter und Feuertod für die meist weiblich .....
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Condorcet, marie jean antoine xicolas, marquis de

Sein Tod war unwürdig. Doch als gälte es. das Ende zu überhöhen, haben die Biographen dem fünfzigjährigen - »- " '" Mann, der am Morgen des 2$. März l im Gefängnis von Bourg-la-Rcine tot aufgefunden wurde, im nachhinein den Schierlingsbecher in die Hand gedrückt. »Sie sagten: .....
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Lyotard, jean-francois

Allgemein bekannt wurde L. dadurch, daß er das Schlagwort von der »Postmoderne« in die philosophische Debatte einführte {La conditio»! postmoderne. 1979: Das postmoderne Wissen). Dessen Rezeption lief seinen eigentlichen Intentionen jedoch derart zuwider, daß er sich gezwungen sah. in weiteren Publi .....
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Piaget,jean

Nur das Kind denkt wirklich kreativ«, hat P. geschrieben, und dieser Satz trifft in zweifacher Hinsicht auf ihn selbst zu. Zum einen war er durch seine eigenen Untersuchungen davon überzeugt, daß Kinder die Möglichkeit zu einer Kreativität haben, um die Erwachsene sie nur beneiden können. Zum andere .....
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Rousseau, jean-jacques

Selbstbewußte Bürger wie der Deutsche Campe wallfahrte-ten ebenso wie Ludwig XVI., Marie Antoinette, Franklin, Robespierre oder Napoleon I. an das Grab R.s.. In einem eigentümlichen Inemanderübergehen von ethischer Person und literarisch-philosophischer Äußerung des Autors R. wurde er ihnen allen a .....
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Sartre, jean-paul

19 April 1980: Spontan begleiten 50000 Menschen S.s Sarg zum Friedhof Montparnasse. Wochenlang beschäftigen sich Presse, Rundfunk und Fernsehen in Frankreich mit seinem Leben und Werk. Man nimmt Abschied von einer Epoche, die durch S.s Denken und Engagement geprägt war. »Schon jetzt fehlt uns seine .....
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Jean paul friedrich richter (i763-i825)

Während Heinrich von Kleist an der Wirklichkeit zerbrach, hat sie Jean Paul gemeistert und überwunden. Aus der Enge des damaligen Bayreuth baute er sich das Weltall seiner sehnsüchtigen Träume und Ideale. Und was die Bereicherung der deutschen Sprache vom Dichterischen her angeht, muß Jean Paul nebe .....
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Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

Jean paul

Jean Pauls Leben war bis zu seiner endgültigen Ãœbersiedlung nach Bayreuth eine wechselnde Abfolge zwischen ländlicher oder kleinstädtischer Zurückgezogenheit und längeren Aufenthalten in Univer-sitäts- und Residenzstädten - oder ins Literarische übersetzt: zwischen der scheinbaren Beschaulichkeit .....
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Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

Trauerarbeit der moderne in romanen von francois bon, jean echenoz und marie redonnet

Auch wenn man das Paradigma der Nachmoderne nicht als Epochen-Signum akzeptiert, stellt die jahrzehntelange Debatte um seine Legitimität unter Beweis, daß sich die Moderne tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt sieht, die in vielem Merkmale einer Krise aufweisen. Auf diesen Veränderungsprozeß, der .....
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Index » Die Generation der 80er Jahre

Der spielerische umgang mit der absurdität des alltags in den romanen von patrick deville und jean-philippe toussaint

Der Franzose Patrick Deville und der Belgier Jean-Philippe Toussaint, beide 1957 geboren, zählen mit ihren Kurzromanen zu den richtungsweisenden Nachwuchsautoren der achtziger Jahre. Toussaints Debüt 1985 mit La salle de bain war ein Erfolg, an den er mit drei weiteren Romanen, Monsieur , L'appareil .....
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Index » Die Generation der 80er Jahre

Auslegung von elektronischen texten - jean-luc godards mini-serie «histoire(s) du cinema»

Das medienkulturelle Niveau, auf dem wir uns im 20. Fin de siecle bewegen und das die Rede vom < elektronischen Text> grob markiert, zeichnet sich aus durch den Versuch der Machtübernahme einer spezifisch begründeten Bezeichnungspraxis: Das Symbolische in seiner höchsten Form des zweiwertigen Zahlen .....
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Index » Beispiele der Texthermeneutik

Jean paul (d.i. johann paul friedrich richter)

»Ich habe ihn ziemlich gefunden, •wie ich ihn erwartete: fremd wie einer, der aus dem Mond gefallen ist, voll guten Willens und herzlich geneigt, die Dinge außer sich zu sehen, nur nicht mit dem Organ, womit man sieht« . Den Weimaraner Klassikern, auf der Suche nach Bündnispartnern und Gefolgsleut .....
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Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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