Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Gaarder, Jostein

Gaarder, Jostein - Leben und Biographie



Jostein Gaarder ist mit seinem Buch Sofies Welt , dessen Erfolgsrezept er in neueren Publikationen variiert, in der ganzen Welt populär geworden.
      Der Sohn eines Lehrerehepaars studierte bis 1976 in Oslo Nordistik, Philosophie, Ideen- und Religionsgeschichte und unterrichtete anschließend zehn Jahre in Bergen; er lebt heute als freier Autor in Oslo.
      Zum Schriftsteller wurde Gaarder mit der Novelle Katalog , doch der Durchbruch gelang ihm erst mit dem Roman Sofies Welt Gaar-ders Bücher basieren auf liebevoll-einfühlsamer Kenntnis der Psyche von Jugendlichen, richten sich aber auch an Erwachsene. Neben Kinderbüchern [DasFroschschloss, 1988; Hallo, istdajemand?, 1996) und der Novelle Das Leben ist kurz erschienen mehrere Romane wie Das Kartengeheimnis über eine dreifache Reise - einer wirklichen nach Griechenland, einer fiktiven auf eine fantastische Insel und einer in die Welt der Philosophie - und Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort über das Sterben der leukämiekranken Cecilie.

      Sofies Welt
Dem Untertitel nach ein »Roman über die Geschichte der Philosophie«, ist der Roman Sofies H/e/fvon Jostein Gaarder zugleich ein postmodernes Erzählspiel.
      Inhalt: Sofie Amundsen wird kurz vor ihrem 15. Geburtstag in einer Serie ominöser Briefe von einem mysteriösen Absender zu einem privaten Philosophiekurs eingeladen. Zunächst vollziehen sich die Lektionen schriftlich, doch bald lernt Sofie ihren Lehrer Alberto Knox per Videokassette und schließlich in Person kennen. In Brief- und Dialogform erfährt sie die Grundzüge der abendländischen Philosophiegeschichte. Zugleich findet sie an den verschiedensten Orten Postkarten, die an die ihr völlig unbekannte gleichaltrige Hilde Moller Knag adressiert sind und von deren Vater, einem norwegischen UN-Offizier aus dem Libanon, stammen. In einer Waldhütte stößt Sofie auf Hildes Bild in einem Zauberspiegel.
      Wirkt das Buch bis hierher wie eine Teenagergeschichte, so muss der Leser bald die im Roman ausgesprochene These, dass das Sein auf dem bloßen Wahrgenommenwerden beruhe, beim
Wort nehmen: Die eigentliche Wirklichkeit ist das Leben Hildes, deren Vater ihr mit einem Aktenordner zur Philosophiegeschichte und zahllosen Geburtslagskarten gratuliert. Major Knag hat Alberto und Sofie erfunden; Sofies Welt ist die Fantasie, in der sich bei einer aus dem Ruder laufenden Gartenparty die Konventionen der Realität verlieren. Als der Erzähler aus Beirut zurückkehrt, machen sich Sofie und ihr LehreT selbstständig. Sie treffen auf bekannte literarische Figuren und erkennen, dass sie nicht wirklich leben, aber: »Zum Ausgleich werden wir auch nie sterben.« Aufbau: Das (>00-seitige Buch ist durch Namens- und Sachregister sowie durch schlagwortartige Kapitelüberschriften wie »Aristoteles ... ein peinlich genauer Mann der Ordnung, der in den Begriffen der Menschen aufräumen wollte« als didaktisches Werk ausgewiesen. Es arbeitet mit verschiedenen Ty-pografien: Außer der Kursivierung für Zitate wird eine Drucktype für die wirkliche und eine für die fiktive Welt inklusive der Lehrinhalte verwendet. Dieses Prinzip dreht sich, als klar wird, dass die vermeintliche Realität Fiktion ist und umgekehrt.
      Wirkung: Sofies Welt wurde binnen kurzem zum internationalen Bestseller und zum Modell für zahlreiche kommerzielle Nachahmungsversuche. Gleich mehrere Publikumsschichten konnte Gaarder mit seinem Roman erreichen: Jugendliche Leserwerden über die Identifikation mit der Titelfigur zum spielerischen Erlernen der Reflexion animiert. Angeboten wird eine elementare Einübung in das staunende Denken und den Umgang mit den Grundfragen des Menschen, aber ebenso ein kapitelweise konsumierbarer Abriss der Philosophiegeschichte. In dieser nur leicht maskierten Präsentation ernsthaften Lernstoffs wird das Konzept einer Jugendliteratur aufgegriffen, wie sie schon in der Aufklärung floriert hatte. Gaar-ders Philosophiegeschichte selbst ist denn auch eher traditionell; faktisch endet sie im 19. Jahrhundert.
      Auch von Erwachsenen wurde das Buch gern gelesen. Dieses Interesse erklärt sich aus einer Eigenart des Buchs: Es inszeniert selbstbezüglich das Eigenleben der Fiktion und hierin liegt eine gewisse literarische Raffinesse. Sofies Welt wurde in über 40 Sprachen übersetzt und trug dem Aulor zahlreiche Preise ein. Auf der Grundlage des Romans entstanden Spiele, CDs, Hörspielversionen und 1999 ein Spielfilm.


 Tags:
Gaarder,  Jostein    




Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com