Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Fuentes, Carlos

Fuentes, Carlos - Leben und Biographie



Carlos Fuentes ist einer der originellsten und stilistisch interessantesten mexikanischen Romanciers der Gegenwart und machte sich um die formale Fortbildung der Romantechnik verdient. In seinem vielschichtigen Werk zeigt er sich als kritischer, antidogmatischer Geist, der sich gegen erstarrte politische und kulturelle Haltungen wendet; in seinen späteren Werken steht soziale Kritik im Vordergrund.
      Fuentes, Sohn eines Diplomaten, wuchs in Panama, Ecuador, Uruguay, Brasilien, den USA, Chile, Argentinien sowie Mexiko auf und entwickelte so eine polyglotte, multikulturelle Einstellung. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften besuchte er wirtschaftswissenschaftliche Seminare an der Hochschule für Internationale Studien in Genf. 1956/57 war er
Stipendiat des Centro Mexicano de Escritores. Fuentes schrieb für die Zeitschrift Espectador sowie für wichtige Blätter in den USA, in Europa sowie Lateinamerika und war außerdem als Herausgeber tätig. Nach vehementen Angriffen auf die Regierung wegen der blutigen Unterdrückung der Studentenunruhen ging Fuentes 1968 für drei Jahre ins Exil nach Paris. Für das mexikanische Außenministerium war er 1972 bis 1979 unteT anderem als Botschafter in Frankreich tätig. Danach lebte er zeitweise in den USA, wo er an der Harvard University lehrte. Seit 1990 hat er seinen Wohnsitz in London.
      Für sein umfangreiches Werk erhielt Fuentes zahlreiche Preise, darunter 1987 die höchste Auszeichnung der spanischsprachigen Welt, den Premio Miguel de Cervantes.
      Terra Nostra
Mit dem enzyklopädischen Bildungsroman Terra Nostra, einem seiner Hauptwerke, hat Carlos Fuentes ein monumentales Werk geschaffen, das in seinem Anspruch und Umfang von einem beachtlichen historischen Wissen und großer Belesenheit des Autors zeugt. Aufbau: In Terra Nostra verknüpft Fuentes kontrapunktisch historische Realitäten und nicht verwirklichle Möglichkeiten der Vergangenheit, anhand derer er die Geschichte Spaniens zu deuten versucht. Er bearbeitet zahlreiche Ereignisse von Christi Geburt bis zum Jahr 2000; Eckdaten der Handlung sind die Jahre 1492 , 1521 - sowie 1598, das Todesjahr von Philipp 11. .
      Der Roman, in dem mehrere Handlungsstränge nebeneinander laufen, verarbeitet eine Vielzahl narraliver Methoden; es treten zahlreiche Erzähler auf, die sich oftmals als Nacherzähler der Berichte anderer entpuppen, so dass eine Folge von verschachtelten Erzählungen entsteht. Es gibt jedoch einen Chronisten, der das Geschehen aufzeichnet - der spanische Dichter Miguel de -> Cervantes, der hieT »Don Miguel« genannt wird. Seine »ungebetene Fantasie« widersetzt sich allerdings einer getreuen Aufzeichnung geschichtlicher Ereignisse in zeitlich genauer Reihenfolge, so dass es sich bei Terra Nostra nicht um einen historischen Roman im engeren Sinne handelt.
      Der in drei Hauptabschnitte - Alte Welt, Neue Welt, Andere Welt - gegliederte Roman bezieht sich mit Ausnahme des ersten Kapitels auf das Spanien des 16. Jahrhunderts, dem Hof deshabsburgischen Regenten Phi Schauplatz ist der Escorial. Inhalt: Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei junge Männer, die nach einem Schiffbruch an einem spanischen Strand aufgefunden werden; es handelt sich um außereheliche Söhne von Philipp dem Schönen , die zu verschiedenen Zeiten an unterschiedlichen Schauplätzen auftreten und sich im Escorial begegnen, wohin sich der Regent Philipp 11. zur Kontemplation zurückgezogen hat. Dieser starrköpfige, nur seine eigene Meinung duldende Herrscher, der verschiedene Züge der Habsburger-Dynastie in sich vereint, vernichtet jedwede demokratischen Tendenzen; den Aufstand derkastilischen Städte lässt er rücksichtslos niederschlagen, Andersgläubigen gegenüber kennt er keine Nachsicht und lässt sie mitleidslos durch die Inquisition verfolgen. Auch das Vorhandensein einer neuen, bisher unentdeckten Welt negiert er. Literarische Gestalten - Don (Juijote, Don Juan und die Kupplerin Celestina - bilden einen Gegenpol zu der starren Geisteshaltung Felipes. Sie personifizieren den Glauben an die Möglichkeit einer Welt, die frei ist von Unterdrückung, frei von Verboten und Göttern - die Vision eines goldenen Zeitalters.
      Wirkung: In Terra Nostra hat Fuentes ein für Lateinamerika wichtiges Kapitel spanischer Geschichte aus lateinamerikanischer Perspektive neugeschrieben. Der Chronist Don Miguel -das Alter Ego des Autors - trachtet danach, die Geschichte aufzuschreiben, »damit sie sich nicht wiederholt«. Das vielschichtige Werk hatte großen Einfluss auf die Gegenwartsliteratur Lateinamerikas.

      Die Jahre mit Laura Diaz
Der Roman DieJahremitLauraDiazwnd alsKrö-nung des literarischen Werks von Carlos Fuentes angesehen. Die Zeitung El Pais erklärte das Buch zum bedeutendsten spanischsprachigen Roman des ausgehenden Jahrhunderts. Inhalt: Fuentes schildert anhand der Vita von Laura Diaz Ereignisse und Personen, die das heutige Mexiko entscheidend geprägt haben und flicht dabei Figuren seiner eigenen Familiengeschichte ein.
      Laura entstammt einer alten, bürgerlichen Familie und wächst in ein neues, unsicheres Mexiko hinein. Ihr wechselvoller Lebensweg, der von ihrem Urenkel rekonstruiert wird, führt sie durch die Wirren der Zeit - mexikanische Revolution, spanischer Bürgerkrieg, Zweiter Weltkrieg und der andauernde Kampf um Freiheit und Gleichheit im eigenen Land spiegeln sich in kaleidoskopischer Sicht in ihrem Schicksal wider.
      Fernab der mexikanischen Revolution verlebt Laura ihre Kindheit auf der Kaffeeplantage ihres deutschen Großvaters. Mit 20 Jahren heiratet sie einen mexikanischen Revolutionär, mit dem sie in die Hauptstadt zieht. Dieser einst gefeierte Arbeiterführer entwickelt sich dort zu einem bürokratischen Gewerkschaftsfunktionär. Aus ihrer Ehe flüchtet sich Laura in die Boheme der 1930er Jahre, trifft auf das mexikanische Paar schlechthin, die Künstler Diego Rivera und Frida Kahlo, deren Sekretärin und Vertraute sie wird. Und noch ein sinnbildhaftes Paar tritt auf: Jorge Maura, die große Liebe Lauras, ein bedeutender Vertreter der gegen die Franquisten kämpfenden spanischen Republik, und Raquel Mendes-Alemän, eine Nachfahrin sephardi-scher Juden, die im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben kommt. Weitere Männer-figuren erscheinen, darunter Lauras Enkel, der gegen seinen Vater und die korrupte Gesellschaft rebelliert und kurz vor der Eröffnung der Olympischen Spiele 1968 Opfer des Massakers von Tlatelolco wird. Diesen brutal niedergeschlagenen Studentenaufstand dokumentiert die inzwischen über 60-Jährige mit ihrer Kamera. Durch ihre Bilder des Elends und der Gewalt bereits eine berühmte Fotografin, wird Laura nun zur »Dichterin, die mit Licht schreibt«, und auch hier zu einer Bewahrerin der Erinnerung. Wirkung. Mit dem Roman Die Jahre mit Laura Diaz schuf Fuentes ein vielschichtiges Werk über ein Jahrhundert mexikanischer Geschichte, das den Emanzipationsweg einer beeindruckenden Frauengestalt schildert und sich als Reflexion über das Verhältnis von Geschichte, Gesellschaft und Kunst versteht.


 Tags:
Fuentes,  Carlos    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com