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Freud, Sigmund - Leben und Biographie



Sigmund Freud, dessen Name untrennbar mit der von ihm begründeten Psychoanalyse verbunden ist, gehört zu den wohl bedeutendsten und weit über die Wissenschaft hinaus bekanntesten Gestalten des 20. Jahrhunderts.
      Nach seinem Studium an der Wiener medizinischen Fakultät war Freud Dozent und Titular-Professor , wurde jedoch nie auf einen Lehrstuhl berufen. Umso wichtiger waren für Freud, der sich schon früh zur Psychopathologie hinwendete, Arbeit und Beobachtungen in sei-ner Privatpraxis. Dort beschäftigte er sich intensiv mit Hysterie und anderen Neuroseformen. Die hier gesammelten Erkenntnisse dienten ihm als Grundlage seines eigenen wissenschaftlichen Ansatzes, der von ihm zeit seines Lebens fortentwickelten Psychoanalyse als einer eigenen Behandlungs- und Forschungsmethode. Freud hat mit seinem Werk nicht nur zur Entwicklung und Verbreitung der Psychologie maßgeblich beigetragen; er hat ebenso Soziologie, Kulturanthropologie und Philosophie inspiriert und beeinflusst. In diesem weiteren Sinne ist Freud zu den bedeutendsten Denkern zu zählen, die die conditio humana in der Moderne auf den Begriff gebracht haben. Freud starb kurz nach seiner Emigration in London.
      Die wichtigsten Bücher von Sigmund Freud
Studien über Hysterie 1895 Das Buch enthält die von Josef Breuer verfasste »Krankengeschichte Fr. Anna 0....«. Die darin beschriebene »kathartische Methode« antizipiert die spätere Technik von Freud.
      Die Infantile Cerebrallähmung 1897 Der umfassende Handbuchartikel, der Freuds neurologische Studien zur zerebralen Kinderlähmung zusammenfasst, gilt bis heute als grundlegender Klassiker zu dieser Thematik.
      Die Traumdeutung 1900 Das Hauptwerk von Freud ist das Ergebnis seiner jahrelangen Selbstanalyse und begründete die Pychoanalyse.
      Drei Abhandlungen zurSexualtheorie 1905 In Anlehnung an biologische Lehren entwickelte Freud sein erstes Stufen- oder Phasenmodell der Sexualität , das spater noch weiter modifiziert wurde.
      Totem und Tabu 1912 Freud entwickelt in dieser Studie seine kulturhistorische These vom »Urvatermord« sowie von der »Totemmahlzeit« und begreift sie als einen kannibalischen Akt der Identifizierung.
      Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse 1917 Eine systematische Darstellung der bis dahin entwickelten Psychoanalyse in drei Abschnitten: I. Die Fehlleistungen,

II.

Der Traum und I

II.

Allgemeine Neurosenlehre. Sie sind ein didaktisches Meisterwerk der Vermittlung der freudschen Lehre.
      Jenseits des Lustprinzips 1920 Freud führt die These des destruktiven »Todestriebs« ein, der sämtlichen Lebenstrieben gegenübersteht. Die Einführung bedeutet eine fundamentale Revision der Trieblehre.
      Massenpsychologie und Ich-Analyse 1921 Im Rückgriff auf die Psychologie der Massen von Gustave LeBon erklärt Freud, dass der »Führer« als kollektives Ideal einer Masse an die Stelle der einzelnen »Ich-Ideale« gesetzt wird.
      Das Ich und das Es 1923 Der psychische Apparat wird revidiert. Die Instanzen sind jetzt »Ich«, »Es« und »Ãober-Ich«.
      Das Unbehagen in der Kultur 1927 Freud überträgt die Neurosenlehre auf die Gesellschaft und zeigt, dass Kulturleistungen Triebverzicht voraussetzen und deshalb unvermeidbar neurotisches Unbehagen erzeugen.

      Die Traumdeutung
Dieses Buch gilt als das Hauptwerk Sigmund Freuds. Darin legt erzürn ersten Mal die wissenschaftlichen Grundlagen der Psychoanalyse systematisch dar.
      Voraussetzungen: Freud intensivierte 1895 seine Selbstanalyse. Aufgrund seiner medizinischen Ausbildung arbeitete er in einem beson-deren Spannungsfeld: Auf der einen Seite stand die Neurophysiologie, die auf Neuroanatomie gründete und die Mechanismen des Seelenlebens aus den energetischen Vorgängen in den Strukturen des Nervensystems ableitete; auf der anderen Seite die aufkommende Psychotherapie, deren Behandlungsmethoden aus dem Mesmerismus und dem nachfolgenden Konzept von Hypnotismus und Suggestion entsprangen. Die Selbstanalyse und damit die Grundlegung der Psychoanalyse in der Traumdeutung wird nur verständlich, wenn beide Pole - objektive NeT-venforschung und subjektive Seelenforschung -sowie ihre Wechselwirkungen im freudschen Werk betrachtet werden. Inhalt: In dem Text stellt Freud in erster Linie die Deutung eigener Träume dar und leitet aus seiner Selbstanalyse die psychoanalytischen Grundbegriffe ab. Der selbstanalytische Prozess oszilliert zwischen beiden oben genannten Polen, die Freud nun als »Deutungsarbeit« und »TraumaTbeit« bezeichnet. Der Selbstanalytiker Freud versucht durch seine subjektiv erfahrbaren Kraftanstrengungen, durch seine »psychische Arbeit« die objektiv vorgestellten Hindernisse im Passagenwerk seiner Seele zu überspringen, um die im Unbewussten verborgenen »Heiligtümer« zugänglich zu machen. Fr will den Traum als eine »heilige Schrift«, welche die verborgene Natur und Geschichte des Menschen offenbart, entziffern lernen.
      Wichtigste Methode der Deutung von Traumelementen ist die »kritiklose Selbstbeobachtung«, der Schwebezustand beim »freien Assoziieren«. »Was immer die Fortsetzung der Arbeit stört, ist ein Widerstand«, lautet Freuds Regel. Widerstand bedeutet auch »Macht der psychischen Zensur«, die es zu überwinden gelte.
      Freud will mit seiner Traumdeutung dem Leser nicht nur theoretisch die »psychische Realität« des Unbewussten aufzeigen, sondern ihm zu-gleich eine praktische Methode an die Hand geben, mit der er sich - selbstanalytisch - von der Realität des eigenen Unbewussten überzeugen kann.
      Wirkung: Freud war sich von Anfang an sicher, ein Jahrhundertwerk geschaffen zu haben. Die Traumdeutung antizipierte das Lehrgebäude der Psychoanalyse, das nach und nach Gestalt annahm: von der Psychopathologie des Alltagslebens , die sich nahtlos an die Traumdeutung anschließt, über die Sexualtheorie, die psychoanalytische Behandlungstechnik, die Trieb- und Neurosenlehre bis hin zur Kritik von Kultur und Religion, die er als eine Art von Neurose ansah.

      Das Ich und das Es
In dieser Schrift führt Freud sein Modell von den drei psychischen Instanzen »Ich«, »Es« und »Ãober-lch« ein, womit die Entwicklung des psychoanalytischen Lehrgebäudes im wesentlichen abgeschlossen ist. Voraussetzungen: Freud führte in seiner Schrift Jenseits des Lustprinzips den Begriff des Todestriebs in seine Lehre ein, an dem er bis zu seinem Lebensende festhielt und der seine Trieb-lehre sowie das darauf basierende Menschenbild grundlegend modifizierte. Während er zuvor vom Dualismus zwischen Sexualtrieben und Ichoder Selbsterhaltungstrieben ausgegangen war, stellt er nun dem »Eros« den »Todestrieb« gegenüber. Inhalt: Die programmatische Schrift Das Ich und dasEssetzte die Gedankengänge von Jenseitsdes Lustprinzips fort. Freud will nun seine bisherige Modellvorstellung vom »psychischen Apparat« verändern, wie er ihn im Schlusskapitel der Traumdeutung entworfen hatte. Dieser ist aus drei Systemen oder »Instanzen« aufgebaut: »Un-bewusst«, »Vorbewusst« und »Bewusst«. Zwischen den Systemen »Lnbewusst« und »Vorbewusst« nimmt Freud eine »Zensur« an, die den unbewussten Inhalten und Vorgängen nicht erlaubt, ohne vorherige Umwandlung im Sinne einer »Kompromissbildung« ins Vorbewusste zu gelangen. Die vorbewussten Regungen und Inhalte sind zwar nicht aktuell bewusst, jedoch ohne weitere Umwandlungen dem Bewusstsein zugänglich. Diese Theorie wird auch als die »erste Topik« bezeichnet. Freud argumentiert hier aus der Perspektive des Unbewussten , das er zugleich als kreative seelische Macht anerkennt.
      Die »zweite Topik« unterscheidet die Instanzen »Ich«, »Es« und »Ãober-lch«. Durch die Erkenntnisunbewusster Abwehrmechanismen im Dienste der Gesamtpersönlichkeit rückt nun das »Ich« ins Zentrum der Betrachtung. Das »Es« ist Reservoir der Triebe, der angeborenen wie der verdrängten, die mit »Ich« und »Ãober-lch« in Konflikt treten. Diese haben sich ihrerseits entwicklungsgeschichtlich aus dem »Es« heraus entwickelt. Das »Ãober-lch« ist die Instanz des Gewissens, die vor allem durch Verinnerlichung elterlicher Gebote und Verbote entsteht und Triebverzicht fordert. Das »Ich« als Vermittlungsinstanz ist von drei Seiten bedroht: »Von der Außenwelt her, von der Libido des >Es< und von der Strenge des itlber-lchs


Freud

Eine tragende Rolle innerhalb der denkerischen Grundlagen des Expres- sionismus kommt schließlich dem Wiener Nervenarzt Sigmund Freud zu. Er stellt dem Vertrauen in die Vernünftigkeit humanen Handelns die Einsicht entgegen, dass der Mensch in einem unerhört hohen Maße von seinen - teils nicht bewuss .....
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Freud, sigmund

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Moderne literatur und ambivalenz: zwischen nietzsche und freud

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Theorie: arno schmidt und sigmund freud

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Die psychoanalyse sigmund freuds

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Kleists «michael kohlhaas»5 und freuds Ã-dipuskomplex

Ausgangspunkt wäre also: Ein in der Position des Sohns befindlicher Protagonist versucht, einen anderen, der für ihn die Position des Vaters einnimmt , als Nebenbuhler auszustechen oder zu beseitigen. Die Protagonisten eines ödipalen Konflikts in der Literatur können, aber müssen nicht als Väter ode .....
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