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Franzen, Jonathan - Leben und Biographie



Jonathan Franzen wuchs in Webster Groves , einem Vorort von St. Louis, als Sohn von Earl und Irene Franzen auf. Nachdem er 1981 am Swarthmore College seinen Bachelor of Arts gemacht hatte, gewann er ein Fulbright Stipendium, mit dem er an der Freien Universität Berlin studieren konnte. Im Anschluss daran arbeitete er in einem Labor des Instituts für Erd- und Planetenkunde an der Harvard Unfversity.
      Franzen, der seit einigen Jahren als Schriftsteller in New York lebt, schreibt regelmäßig für The New Yorker und andere Kulturzeitschriften. Aufsehen erregte er mit dem provokativen Manifest Vielleicht auch träumen über den Niedergang der amerikanischen Literatur, das 1996 in Harper's Magazine erschien. Seine These war, dass der reportageartige Sozialroman durch die elektronischen Medien verdrängt werde. Ersatz sollte eine neue Form des sozialkritischen Gesellschaftsromans im Stil des tragischen Realismus bieten.
      Für seinen ersten Roman, Die 27ste Stadt , erhielt er den WhitingAward. Vier Jahre später erschien sein zweiter Roman Strong mo-tion. Einen sensationellen Erfolg landete Franzen erst mit dem Familienroman Die Korrekturen .

      Die Korrekturen
Jonathan Franzens Roman Die Korrekturen wurde von den Feuilletons als der erste große Gesellschaftsroman des 21. Jahrhunderts gefeiert. Die umfangreiche Gesellschaftsstudie lebt von der genauen Beobachtungsgabe und dem virtuosen Witz des Autors, der scheinbar harmlose Plaudereien zu bitteren Auseinandersetzungen werden lässt. Anspielungen auf die europäische Geistesgeschichte, Politik und Literatur dienen Franzen dazu, sein immenses Wissen auszubreiten.
      Entstehung: Franzen arbeitete fünf Jahre lang intensiv an Die Korrekturen. Die meiste Zeit verwendete er jedoch nicht auf das Schreiben, sondern darauf, die Charaktere zu entwickeln und den richtigen Tonfall zu finden. In einem im Oktober 2001 veröffentlichten Interview mit Atlantic Unbound verglich er den Entstehungs-prozess des Romans mit dem Bau eines Bürogebäudes, bei dem die Arbeiter auch »ein Jahr im
Dreck herumgraben« und sich der eigentliche Bau in zwei Wochen vollziehe. Niedergeschrieben habe er den Familienroman weitgehend im Jahr 2000, und erst drei Monate vor der Manuskriptabgabe sei Franzen auf die Idee der eigentlichen Romanhandlung gekommen, den Wunsch der Mutter Enid, ihre drei Kinder für »ein letztes Weihnachten« um den Familientisch zu versammeln.
      Inhalt: Franzen erzählt die Geschichte der Familie Lambert, die in der fiktiven Kleinstadt St. Jude im Mittleren Westen der USA lebt. Die Lamberts stehen exemplarisch für die amerikanische Gesellschaft der 1990er Jahre: Alfred, ein pensionierter Eisenbahningenieur, leidet an der Parkinsonschen Krankheit und verlässt deshalb nur noch ungern sein Einfamilienhaus. Seine Frau Enid will nach fast 50 Ehejahren endlich ihr Leben genießen und bucht deshalb eine gemeinsame Kreuzfahrt entlang der amerikanischen Ostküste. Alfred fällt während dieser Reise über Bord und entgeht nur knapp dem Tod.
      Die Kinder von Enid und Alfred sind psychisch genauso angeschlagen wie ihre Eltern: Gary, der älteste Sohn, ist stellvertretender Direktor einer Bank und Familienvater mit unlösbaren Eheproblemen. Chip verspielte seine Karriere als Literaturprofessor durch die Liaison mit einer Studentin und mischt nun in einer dubiosen New-Economy-Firma mit. Denise, die Jüngste, ist eine erfolgreiche Gourmet-Köchin, die jedoch kein Glück in der Liebe hat. Alle drei bemühen sich intensiv darum, die Lebensentwürfe ihrer Ellern zu »korrigieren«. Und sogar Enid gelingt das nach dem Tod von Alfred: »Sie war fünfundsiebzig Jahre alt, und sie würde einiges in ihrem Leben ändern« - so lautet der Schlusssatz des Romans, der damit ein überraschend optimistisches Ende nimmt. Wirkung: Franzen wurde für Die Korrekturen von den Feuilletons in den USA und Europa geradezu hymnisch als Superstar einer neuen US-amerikanischen Schriftstellergeneration gefeiert und erhielt für sein Meisterwerk im November 2001 den angesehenen National Book Award. Der US-Verlag Farrar, Straus and Giroux reagierle schnell und zog den zunächstfür das Frühjahr 2002 geplanten Titel auf November 2001 vor. Zusätzliches Aufsehen erregte Franzen dadurch, dass er die populäre US-Talkmasterin Oprah Winfrey düpierte: Er schlug die Einladung in ihre Sendung mit der Begründung aus, »ernsthafte Leser« könnten durch die Empfehlung der Buchkritikerin abgeschreckt werden, die den Familienroman in ihrem Buchclub als Tipp des Monats auswies - in der Regel eine Garantie für 500 000 zusätzlich verkaufte Bücher.
      In Deutschland zog der Rowohlt Verlag den für Herbst 2002 angekündigten Roman auf den 28.6.2002 vor. Bereits in der ersten Woche nach dem Erstverkaufstag konnte sich die mit einer ungewöhnlichen Fülle von Vorschusslorbeeren bedachte Gesellschaftsstudie auf Platz vier der Spiegel-Bestsellerliste platzieren.
     


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Franzen,  Jonathan    




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