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Frame, Janet - Leben und Biographie



Janet Frame ist eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Neuseelands. In ihrem Roman Ein Engelan meiner Tafel schildert sie in der ihr eigenen poetischen Sprache die erschütternde Geschichte ihres bewegten Lebens.
      Frame wuchs im Neuseeland der 1920er Jahre in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon in der Kindheit begann sie Gedichte zu schreiben; ihr außergewöhnliches Talent wurde früh erkannt. In ihrer Studienzeit unternahm Frame, bedingt durch familiäre Schicksalsschläge, einen Suizidversuch und wurde daraufhin mit diagnostizierter Schizophrenie in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Die folgenden sieben Jahre, in denen sie weiterhin künstlerisch aktiv blieb, verbrachte sie in verschiedenen Kliniken undwurde mit aus heutiger Sicht desaströsen medizinischen Methoden behandelt. Durch die Veröffentlichung ihres ersten Buchs Wenn Eulen schreien auf sie aufmerksam geworden, veranlasste ein Arzt kurz vor der geplanten Hirnoperation ihre Entlassung aus der Psychiatrie; die Diagnose der Schizophrenie wurde später revidiert. In den folgenden Jahren wurden ihre Werke einer größeren Ã-ffentlichkeit bekannt. Frame erhielt ein Auslandsstipendium und lebte für sieben Jahre in Europa; nach Neuseeland zurückgekehrt, schrieb sie weitere Romane, Novellen und Gedichte, in denen sie häufig ihre Erfahrungen in der Psychiatrie verarbeitete.
      Ein Engel an meinerTafel
In ihrem dreiteiligen autobiografischen Roman, in Deutschland gesammelt unter dem Titel Ein Engel an meiner Tafel erschienen, erzählt Janet Frame von ihrer außergewöhnlichen Entwicklung, die nicht nur von ihrem Umfeld, dem proletarischen Neuseeland der Kriegs- und Nachkriegszeit, sondern auch von verschiedenen Autoren der Weltliteratur beeinflusst wurde. Inhalt: Im ersten Teil, Zu den Inseln, berichtet Frame von ihrer von Armut und Schicksalsschlägen geprägten Kindheit. Ihr Bruder erkrankt früh an Epilepsie, ihre zwei lebenslustigen Schwestern ertrinken bei einem Badeausflug. Frame, von allen »Jean« genannt, wird schon als Kind durch ihre roten Locken und ihre Liebe zur Literatur zur Außenseiterin.
      Im zweiten Teil, Ein Engel an meiner Tafel, wird geschildert, wie sich die hoch begabte Frau aufgrund ihrer Unsicherheit und Schüchternheit völlig aus der Umwelt zurückzieht. Als sie in einem universitären Essay von ihrem Suizidversuch schreibt, veranlasst einer der Dozenten ihre Einweisung in eine psychiatrische Anstalt, wo sie die nächsten Jahre verbringt. Erst die Publikation ihres ersten Romans bewahrt sie vor der geplanten Lobotomie. Frame wird aus der Klinik entlassen und beginnt ihre professionelle schriftstellerische Karriere.
      Der dritte Teil der Autobiografie, DerGesandte aus der Spiegelstadt, beginnt mit dem Erhalt eines Stipendiums, das Frame einen längeren Aufenthalt in Europa ermöglicht. Dort knüpft sie Kontakte zu anderen Schriftstellern, ihr Talent erfährt große Aufmerksamkeit. In Spanien lernt Frame außerdem ihre erste Liebe kennen. Mit einem gestärkten Selbstbewusstsein beginnt sie ihren eigenen literarischen Stil zu fes-tigen und reist als renommierte Künstlerin in ihre Heimat zurück.
      Aufbau: Frame stellt in ihrem Roman die Frage nach der literarischen Umsetzung der Realität. Misstrauisch gegenüber tradierten Formen der Autobiografie, entwickelt sie einen Stil, der sowohl detailgetreu als auch reflektierend poeti-siert ist. Der Romantitel Ein Engel an meiner Tafel ist ein Zitat aus dem dichterischen Werk von Rainer Maria -> Rilke. Ebenso wie durch ihre eigenen Erlebnisse zeigt sich Frame durch andere Autoren der Weltliteratu beeinflusst, u.a. von -» Shakespeare, Maurice üuggan und Katherine-^Mansfield.
      Der autobiografische Roman trägt auch an seinen erschütterndsten Stellen, in denen die Autorin den Tod ihrer Schwestern oder die an ihr vorgenommene Behandlung mit Elektroschocks schildert, häufig Züge der Lyrik oder des subtilen Humors. Die bei ihr fälschlich diagnostizierte Schizophrenie betrachtet Frame nicht als Stigma, sondern als Erweiterung ihres persönlichen und dichterischen Horizonts. Wirkung: Noch stärker als in ihren anderen Werken gelang es Frame in Ein Engelan meiner Tafel ihren außergewöhnlich expressiven Stil umzusetzen. Das Genre der Biografie belebte die Neuseeländerin mit einem neuen literarischen Anspruch.
     


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Frame,  Janet    


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