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Flaubert, Gustave - Leben und Biographie



Gustave Flaubert war einer der führenden Vertreter des französischen Realismus. Er betonte vor allem die Objektivität des Schriftstellers um das »rechte Wort« und lehnte die Alltagssprache in seinen Werken ab. Objektive Darstellung erreichte Flaubert durch erlebte Rede und eine ironische Erzählweise. Seinen zur Verwissenschaftlichung des Romans neigenden Schreibstil, der auf der dokumentarischen Erarbeitung des literarischen Materials basiert, definierte Flaubert selbst als »absolute Sehweise«. Mit dieser Art der Präsentation, die ein literarisches Novum war, erneuerte er die zeitgenössische Literatur
Flaubert, Sohn eines Chirurgen, studierte ab 1841-44 erfolglos Jura in Paris. Seine ersten Schreibversuche lassen sich bis 1835 zurückdatieren. Als man ihn aufgrund eines Nervenleidens für das Berufsleben als untauglich einstufte, widmete er sich ganz der Schriftstellerei. Nach dem Tod des Vaters zog sich Flaubert 1846 auf das elterliche Gut in Croisset zurück. Er reiste zwischen 1849 und 1851 nach Ã"gypten, Palästina, Syrien und in die Türkei. Flaubert starb wahrscheinlich an den Folgen von Syphilis. Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben Madame Bovary und Lehrjahre des Gefühls sowie der Antikeroman Salammbö und der als »Sammlung menschlicher Dummheit« konzipierte unvollendete Roman Bouvard und Pecuchet, der postum 1881 publiziert wurde.
      Madame Bovary
Der Ehebruch-Roman Madame Bovary von Gustave Flaubert gilt nicht wegen seines Inhalts als bedeutendes Werk französischer Literatur, sondern aufgrund seiner neuartigen Art der Erzählweise durch die erlebte Rede, mit der die innere Welt der Figuren ironisch präsentiert wird. Indem der Autor seine Heldin zu Grunde gehen lässt, weil sie Wunschwelt nicht von Wirklichkeitswelt unterscheiden kann, bricht Flaubert mit der Romantik in der Literatur und trägt damit entscheidend zur Entwicklung des modernen realistischen Romans bei. Der Untertitel Ein Sittenbild aus der Provinz deutet bereits auf das Ziel einer realitätsnahen Darstellungsweise hin. Im Roman findet dies auch seine Umsetzung in präzisen Orts- und Zeitangaben sowie in zahlreichen medizinischen Details. Entstehung: Freunde hatten Flaubert geraten, er möge für seinen nächsten Roman einen Stoff aus dem Alltag wählen. In Zeitungen fand er die Notiz über eine unglückliche Ehefrau, die fremd ging und sich schließlich vergiftete. Inhalt: Der zur Passivität neigende Landarzt Charles Bovary heiratet Emma Rouault, Tochter eines Landwirts. Sie wurde in einem Kloster erzogen und fand dort die Gelegenheit, durch die Lektüre von Francois-Rene Vicomte de Chateaubriand , Jacques-Henri Ber-nardin de Saint-Pierre und Walter -»Scott ihrem Hang zum Romantisieren nachzugehen. Kurz nach ihrer Heirat macht sich bei Emma die Gleichförmigkeit ihres Alltags be-merkbar. Selbst die Geburt einer Tochter vermag daran nichts zu ändern. Der Notariatsangestellte Leon Dupuis weckt ihr Interesse, doch dieser zieht bald nach Paris. Allmählich wächst mit Emmas Vereinsamung auch der Hass gegen ihren Mann. Dann lernt sie den wohlhabenden Rodolphe Boulanger kennen, ein Verführerna-turell, in dem sie die Verwirklichung ihrer Träume zu erkennen glaubt. Schnell finden beide zueinander. Doch als Rodolphe sie verlässt, sind ihre Illusionen zerstört.
      In der Oper sieht sie Leon wieder und trifft sich in der Folgezeit regelmäßig mit ihm. Trotzdem wird auch diese Beziehung schnell zur Gewohnheit für sie. Um sich abzulenken, kauft Emma ständig neue Luxusgüter und verschuldet sich. Angesichts einer bevorstehenden Pfändung erkennt Emma die Sackgasse, in die sie geraten ist, und vergiftet sich schließlich mit Arsen. Wirkung: Die schonungslose, wirklichkeitsnahe Beschreibung der Figuren führte dazu, dass die Zensurbehörde Flaubert der Verletzung der öffentlichen Moral bezichtigte. Man warf ihm vor, dass er es versäumt habe, Emma mit Charakterzügen auszustatten, die ihre Verurteilung erleichterten. Es kam zu einem Aufsehen erregenden Prozess, zumal man in der Erstausgabe -gegen Flauberts ausdrücklichen Willen - einige Passagen gestrichen hatte. Das Gericht folgte der Anklage jedoch nicht. Charles ^Baudelaire, Guy de -> Maupassant, Emilen Zola und Marcel -> Proust wurden zu Befürwortern des Werkes; auf ihrer Gegenseite stand noch im 20. Jahrhundert Jean-Paul ~> Sartre. Andere, wie Theodor ^Fontane in Fr77ß/7esr, griffen zentrale Motive in ihren Werken auf. Der »Bovarismus« wurde sprichwörtlich.

      Lehrjahre des Gefühls
Gustave Flaubert wollte die Geschichte des moralischen Versagens seiner Generation schildern und verband dieses Anliegen mit den Geschehnissen der Februarrevolution von 1848. Inhalt: Der labile Jurastudent Frederic Moreau, der 1840 aus der Provinz nach Paris gekommen ist, unterhält Beziehungen zu Frauen aus unterschiedlichen Kreisen. Eine seiner Leidenschaften gilt Madame Arnoux, der Frau eines Kunsthändlers am Montmartre. Frederic erkennt nicht, dass sie nur ein Spiel mit ihm treibt, in dem sie kühl zwischen Zuneigung und Distanz auslotet.
      Als Madame Arnoux ihn abweist, stürzt sich Frederic in zahlreiche Liebesabenteuer: mit Rosanette - sie ist zugleich die Geliebte des Herrn Arnoux -, mit Madame Dambreuse, der Frau eines Bankiers, und mit Louise, zu der es
Frederic immer dann hinzieht, wenn er sich nach Unbeschwertheit und Fleimatnähe sehnt. Die Liebe dient ihm als Weg auf einer komplizierten Suche nach dem Sinn des Lebens.
      Sein ambitionierter Freund Deslaurier vermittelt Frederic den Kontakt zu Künstlern und Journalisten mit revolutionärer Gesinnung. Frederic gibt sich erneut Illusionen hin, indem er davon träumt, der »Walter Scott Frankreichs« werden zu wollen. Das Geschehen der Revolution kann er jedoch erst richtig einschätzen, als er im Wald von Fontainebleau von der Verwundung eines Freundes erfährt - ein Beleg dafür, wie wenig der auf Ansehen und Geltung bedachte Frederic die wirklichen Zustände einer heterogenen Gesellschaft richtig einzuschätzen vermag. Später muss er miterleben, wie Dussardier, einer seiner aufrichtigsten Bekannten, bei Kämpfen getötet wird.
      Die nächsten 20 Jahre übergeht der Roman. Dann begegnet Frederic, inzwischen dem Leben gegenüber völlig gleichgültig geworden, noch einmal Madame Arnoux, die ihm ihre Liebe gesteht. Resigniert stellt Frederic fest, dass er seine Träume von einer glücklichen Liebe nicht verwirklichen konnte. Aufbau: Flauberts Roman verzichtet vordergründig auf eine zusammenhängende, spannende Handlung. Das Geschehen kreist um Alltagssituationen, in deren Mittelpunkt ein Antiheld steht. Die einzelnen Situationen zeigen das bloße Verstreichen der Zeit, die damit zu einem wichtigen strukturellen Merkmal wird. Daneben erhält das Spiel mit Gegensätzen eine zentrale formale Funktion. Auf der einen Seite steht das private Leben im Vordergrund, auf der anderen Seite werden historische Ereig-nisse ausführlich dargestellt. Auch der Kontrast von Willensstärke und anfälliger Gefühlswelt sowie die Gegenüberstellung von Jugend und Alter prägen das Geschehen. Wirkung: Auf die zeitgenössische Kritik, die an Werke von -> Stendhal und Honore de -»Balzac gewöhnt war, wirkten Die Lehrjahre des Gefühls befremdlich, da ein traditionelles Handlungsschema fehlt. Mit Flauberts Vorstellung, ein »Buch über nichts« zu schreiben, konnten zeitgenössische Kritiker wenig anfangen. Dass jedoch Struktur und sprachliche Präzision als Vorbereitung des Naturalismus diente, hat man erst später erkannt. Erst im 20. Jahrhundert würdigte man Flauberts antiromantischen Roman. Marcel -^Proust, für den dieser Roman zum Vorbild und Maßstab wurde, Georg -> Lukäcs und Walter -»Benjamin wiesen auf den hohen Rang des Buches hin.

      Der französische Realismus
Ziele: Der für die Mitte des 19. Jahrhunderts kennzeichnende Epochenbegriff des »Realismus« vereinigt das Bemühen, die Wirklichkeit mit allen Interessen und zeitgenössischen Konflikten literarisch abzubilden. Seit Mitte der 1820er Jahre versteht man darunter die Abkehr von idealistischen Verhaltens- und Figurendarstellungen. Theophile Gautier nannte dies in einer Ausgabe der Zeitschrift Revue de Paris vom April 1841 die »Nachahmung der Natur, so wie sie ist«. Die Lebenspraxis der Menschen, ihr Alltag und die ihn bestimmenden äußeren Bedingungen werden auf diese Weise erstmals literaturwürdig. Umsetzung: Der französische Realismus orientiert sich vor allem an den historischen Ereignissen derZeit um 1830: an der industriellen Revolution, am modernen Kapitalismus sowie an Korruption und politischem Liberalismus. Auch der aufkommende Positivismus um Auguste Comte, der die Erkenntnisfähigkeit des Menschen auf das rein Faktische beschränkte, hatte auf die
Literatur dieser Zeit großen Einfluss. Allerdings rückt an die Stelle einer einheitlichen Programmatik eine Vielfalt an Realismus-Definitionen. Eine lebhafte Diskussion über die Inhalte und deren Umsetzung wurde u.a. in der Zeitschrift Realisme geführt. Umstritten war etwa die Frage, inwieweit ein Schriftsteller aufgrund seiner Wirklichkeitsnähe eine eher nützende oder eine mehr unterhaltende Funktion hat. Autoren: Zu den führenden Vertretern des französischen Realismus zählen Honore de Balzac, der mit seiner Analyse der bürgerlichen Gesellschaft die Periode des Realismus einleitete, Guy de Maupassant, Henri Murger und Gustave Flaubert, für den der Roman eine objektivierende Funktion und dadurch zu einer Art Sittengeschichte wurde. Die Literatur sollte aktuell sein, verschiedene Milieus schildern und sie psychologisch durchleuchten. Abgelöst wurde der Realismus durch die Werke der Brüder Goncourt und die Romane Emile Zolas, die den Naturalismus begründeten.
     


Levi-strauss, claude gustave

1949 erschien das Buch, das den französischen Strukturalismus begründen sollte: Les struemres Clementaires de la parente . ein gelehrter Wälzer »von verzweifelter Langeweile«, wie Georges Bataille feststellt, und dennoch ein Buch, das nicht nur die Ethnologie auf den Kopf stellt, indem es eines ihre .....
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