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Ferdausi, Abu I-Kasim Mansur - Leben und Biographie



Bis in die Mitte seines Lebens bewirtschaftete der Angehörige des Kleinadels den ererbten Bauernhof. Erst in reifen Jahren begann er mit der Niederschrift jenes Werks, das ihn schließlich zum Nationaldichter der Perser werden ließ: das Königsbucn .
      Die Arbeit an dem künftigen Nationalepos und dessen anfänglich enttäuschende Aufnahme bestimmte Ferdausis Schicksal bis zu seinem tragischen Tod.Weil Sultan Mahmud von Ghas-na, dem der Verfasser seine Dichtung gewidmet und seine finanzielle Not geklagt hatte, nicht in der erhofften Weise reagierte, soll Ferdausi seinem Manuskript Schmähverse auf den Fürsten hinzugefügt haben, worauf er vor dem Zorn des Beleidigten in den Irak fliehen musste. Eine von Heinrich Heine übermittelte Legende besagt, dass der Dichter hochbetagt als Bettler in seine Heimat zurückgekehrt und dort zufällig genau an jenem Tag beerdigt worden sei, als eine Karawane des Sultans von Ghasna mit kostbaren Geschenken zur späten Belohnung für sein Königsbuch eintraf. Seit 1934 erhebt sich über Ferdausis Grab in Tus ein monumentales Mausoleum.
      Das Königsbuch
Ferdausis Lebenswerk, das persische Nationalepos Shah-name, ist mit seinen 110000 Versen nach dem indischen -> Mahabharata das umfangreichste unter den Nationalepen der Welt. Entstehung: Das Königsbuch stellt chronikartig, fabulierfreudig und poesievoll die mythische, legendäre und im letzten Teil auch historisch fundierte Geschichte der Perser dar, die der Verfasser mit der Erschaffung der Erde beginnen lässt und mit dem Ende der Sassaniden-Dynas-tie im Zuge der Er-oberung des Landes durch die Araber beschließt. 55 Jahre seines Lebens verbrachte Ferdausi mit der Auswertung aller verfügbaren schriftlichen Quellen, frühen Herrschaftschroniken und mündlichen Ãoberlieferungen. Vom ersten Shah-name in Form eines Heldenepos, dessen Dichter, Ahmad Dakiki, um 978 von einem seiner Sklaven ermordet worden war, übernahm Ferdausi die hinterlassenen 1000 Doppelversein sein eigenes Werk. Inhalt: Dieses ausführlichste aller orientalischen Königsbücher behandelt in 50 Abschnitten von unterschiedlicher Länge ausführlich die Leistungen der nur aus Sagen bekannten frühen persi-sehen Könige und ihre Kriege mit den Nachbarvölkern, aber noch breiteren Raum nehmen die Beschreibungen der Heldentaten Rustams ein, des bis heute bewunderten persischen Nationalhelden. Die höchst lebendige, oft übersetzte Schilderung seiner Zweikämpfe mit gleichstarken Gegnern wie auch seine Siege über Drachen und Dämonen lassen das in seiner ganzen Länge kaum zu bewältigende Monumentalwerk streckenweise als atemraubenden Spannungsroman erscheinen.
      Einen weiteren Höhepunkt bildet die abenteuerliche Lebensgeschichte Alexanders des Großen, der als persischer Königssohn lskander ausgegeben wird, wodurch seine Eroberung Persiens den Nationalstolz der Geschlagenen etwas weniger kränkt. In den letzten Kapiteln des Shah-name geht es realistischer zu und es kommen nüchterne Themen zur Sprache, so die Entstehung des Schachspiels, der Fortschritt der Kriegsstrategie sowie der Diplomatie, das Missliche der Hofintrigen, aber auch die Ereuden der Jagd, die Errungenschaften von Kultur und Wissenschaft und die Nöte der Ungebildeten und Armen.
      Oft wird die reine »Geschichtsschreibung« unterbrochen durch nachdenkliche Exkurse, z.B. über die Unbeständigkeit des Glücks und über das eigene beklagenswerte Schicksal. Andererseits vergisst der Dichter nie darauf hinzuweisen, dass als das höchste Lebensziel das Wohlergehen des persischen Staats zu gelten habe. Wirkung: Die politische Tendenz hat die Rolle des Königsbuchesab »National-EundamentPersiens« zweifellos gestärkt, seine überragende Bedeutung als literarisches Kunstwerk und objektives Volksporträt jedoch nicht beeinträchtigt.
      In Deutschland wird dieses kulturhistorische Hauptwerk aller Literaturen des Orients seit der Romantik besonders als völkerkundliche Quelle geschätzt, doch haben der enorme Umfang und die Notwendigkeit eines ebenso ausführlichen Kommentars eine deutsche Ãobersetzung des gesamten Königsbuches bisher verhindert; es existieren nur Auswahlausgaben mit den erzählerisch attraktivsten Episoden in Vers- oder Prosaform.
     


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