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Faldbakken, Knut - Leben und Biographie



Knut Faldbakken ist ein Schriftsteller der 1968er-Generation, der provozierend über moralische und gesellschaftliche Themen schreibt. Seine Romane, Erzählungen und Dramen, in denen er die Beziehung der Geschlechter beleuchtet, stehen in der Tradition des psychologischen Realismus.
      Faldbakken brach sein 1960 begonnenes Psychologiestudium 1962 ab und begann für Zeitungen zu schreiben. 1965 gab er den Journalistenberuf zu Gunsten einer Schriftstellerkarriere auf. Danach lebte und schrieb er insgesamt zehn Jahre im europäischen Ausland. 1967 debütierte er mit Der graue Regenbogen, doch erst Seiner Mutter Haus bescherte ihm den ersten Erfolg als Schriftsteller. 1975 bis 1980 war Faldbakken Redakteur der norwegischen Literaturzeitschrift Vinduet. Repräsentativ für sein Werk sind neben Pan in Oslo der Pubertätsroman Insektensommer , der gesellschaftskritische Ã-ko-Science-Fiction-Roman Unjahre und der Beziehungsroman Adams Tagebuch . Faldbakken lebt als Autor und Literaturkritiker im südnorwegischen Flamar .
      Pan in Oslo
Pan in Oslo von Faldbakken ist ein Beitrag zum Geschlechterthema und gleichzeitig ein Meta-roman über Knut ^Hamsuns Pan. Aus Leutnant Thomas Glahns Papieren . Inhalt: Glahn, Leutnant a.D., liest während seines Aufenthalts in einer psychiatrischen Anstalt Hamsuns Pan. Gleichzeitig schreibt er auf Anraten seines Arztes die Ereignisse des Sommers vor zwei Jahren auf: Glahn lebte damals als Stadtstreicher, nachdem er eine Karriere beim Militär abgebrochen hatte. Nach 18 Jahren trifft er seinen ehemaligen Vorgesetzten und Kameraden Carl Mack, Unteroffizier a.D., in Oslo wieder. Aus Solidarität mit dem alten Kameraden und Rücksicht auf gute alte Zeiten überlässt der reiche Mack ihm eine Hütte und unterstützt ihn finanziell. Glahn verliebt sich in seine Tochter, die 18-jährige Schülerin Edvarda. Nach einer kurzen Affäre wendet sie sich von ihm ab und nimmt sich einen anderen Liebhaber. Glahn stellt darauf nicht mehr nur ihr, sondern der ganzen Familie nach. Seine Leidenschaft für Edvarda hält ihn nicht davon ab, sich ab und zu eine drogensüchtige Prostituierte einzuladen, die er wie eine Hündin behandelt und später mit Macks Hilfe in einem Müllcontainer entsorgt. Nachdem Edvarda Glahn wiederholt abgewiesen hat, wird Eva, Macks gelangweilte Frau, seine Geliebte; das wird von Mack. der seinerseits fremdgeht, billigend in Kauf genommen. In der Nacht, als Glahn schließlich auch mit Mack sexuell anbandelt, versucht dieser - von Glahn angestachelt - vom Haus aus die Lampe im Bootshaus auszuschießen; hierbei fängt das Bootshaus Feuer und Eva, die dort auf Glahn wartet, stirbt in den Flammen.
      Nachdem Glahn die Flucht aus der Psychiatrie gelungen ist, führt sein erster Weg zu Mack. Glahn provoziert diesen so lange, bis er von ihm erschossen wird.
      Struktur: Ich-Erzähler ist Glahn, dessen Geschichte sich zunächst wie die einer normalen unglücklichen Liebe liest; auch ist schwer auszumachen, wer der Verführte und wer der Verführer ist. Erst nach und nach erschließt sich dem Leser die Rahmensituation und es wird deutlich, dass die Perspektive die eines Zwangsneurotikers ist, der in einer geschlossenen Anstalt sitzt. In den Aufzeichnungen vermischt sich Erlebtes mit der Lektüre von Pan, insbesondere da, wo Glahn eine Rechtfertigung für sein Handeln sucht. Der Arzt spricht Glahn schließlich jede Liebesfähigkeit ab und diagnostiziert bei ihm reinen Narzissmus. Ein letztes Kapitel in Form eines Polizeiprotokolls fasst die Ereignisse des Sommers nochmals kurz aus der Sicht Macks zusammen und berichtet vom Tod Glahns, der hier ganz deutlich als Psychopath gezeichnet wird.
      Wirkung: Pan in Oslo kam im Ausland zunächst besser an als in Norwegen selbst, insbesondereaufgrund seines Bezugs zu Hamsun. Dieser wurde in seiner Heimat zum Zeitpunkt des Erscheinens von Faldbakkens Roman wenig gelesen, da die Literaturwissenschaft ihm seit den 1970er Jahren faschistische Tendenzen nachgewiesen hatte.
      Faldbakkens »Pan in Oslo« als moderne Lesart von Knut Hamsuns »Pan«
Hamsuns »Pan«: Leutnant Glahn schreibt seine Erinnerungen an den Nordlandsommer vor zwei Jahren auf: Diesen verbringt er mit seinem Hund Ã"sop in einer Hütte in der Nähe des Küstenortes Sirilund. Er gibt sich den Natureindrücken und der Liebe zu Edvarda hin, der Tochter des reichen Kaufmanns Mack. Nach kurzem Glück beginnt ein zerstörerisches Spiel aus Abweisung und Annäherung. Glahn wendet sich der natürlichen Eva zu, der Geliebten Macks. Aus Eifersucht zündet Mack Glahns Hütte an. Glahn wiederum ist eifersüchtig auf den finnischen Baron, den Edvarda heiraten soll. Als dessen Schiff ausläuft, lässt Glahn einen Felsen als hämischen Salut die Bucht hinunterstürzen. Eva, die von Mack am Strand zur Arbeit eingesetzt worden war, wird von dem Felsen zermalmt. Als Glahn Sirilund verlassen will, bittet Edvarda ihn, ihr als Andenken seinen Hund zu überlassen. Diesen erschießt Glahn, bevor er ihn ihrschickt. Glahn kommt jedoch innerlich nicht von Edvarda los.
      An die Aufzeichnungen schließt sich der Bericht eines Jagdkameraden aus Indien an, den Glahn so eifersüchtig machte, dass er ihn schließlich erschoss. Faldbakkens »Pan«: Faldbakken entnimmt Hamsuns Roman den äußeren Aufbau, die Erzählstruktur sowie das Personal und versetzt den Protagonisten Glahn in das sommerliche Oslo der 1980er Jahre. Was bei Hamsun als Wesensnatur des Mannes dargestellt ist, wird bei Faldbakken ein Fall für die Psychiatrie. Das Selbstbild des Mannes, das sich bei Hamsun in der Schilderung eines Jägers und Kraftmenschen sowie in einer Naturmystik konkretisiert, analysiert Faldbakken nach freudscher Theorie als Resultat von Frustrationen und unterdrückten Trieben, die er aus dem Unterbewusstsein eines narzisstischen Psychopathen ans Licht bringt.
     


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Faldbakken,  Knut    


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