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Elias, Norbert - Leben und Biographie



Norbert Elias gehört zu jenen deutschen Intellektuellen, deren Lebenslauf durch den Nationalsozialismus massiv gebrochen wurde. Sein Forschungsprogramm - eine Untersuchung langfristiger gesellschaftlicher und psychologischer Entwicklungsprozesse, die er in Büchern wie Ãober den Prozess der Zivilisation , Die höfische Gesellschaft , den Studien über die Deutschen oder der biografischen Studie über Mozart publizierte -wurde in seinem Heimatland erst mit erheblicher Verzögerung rezipiert, ließ ihn dann aber zu einem der einflussreichsten deutschen Soziologen des 20. Jahrhunderts werden.
      Nach Kindheit und Jugend in Breslau sowie einem Kriegseinsatz an der Westfront studierte Elias Medizin und Philosophie in Breslau, Heidelberg und Freiburg. Zur Soziologie gelangte er 1930 als Assistent von Karl Mannheim am Soziologischen Seminar in Frankfurt am Main. Den Abschluss seines Habilitationsverfahrens vereitelte die Machtübertragung an die Nationalsozialisten, vor denen Elias zunächst nach Paris, dann nach England floh. Hier entstand sein Opus magnum Ãober den Prozess der Zivilisation. Elias war zunächst mehr als zehn Jahre in der Erwachsenenbildung und als Gruppentherapeut tätig, bevor er 1954 an der Universität von Leicester einen Lehrstuhl für Soziologie erhielt; später lehrte er u.a. in Münster, Konstanz, Aachen und Frankfurt am Main.
      Ãober den Prozess der Zivilisation
Das einflussreichste Buch von Norbert Elias war bei seinem Erscheinen, aber auch noch zu Beginn seiner breiteren Rezeption mehr als 35 Jahre später, gleich in mehrfacher Hinsicht bahnbrechend: Es setzte an die Stelle der vorherrschenden soziologischen Annahmen stabiler Gesellschaftszustände eine Theorie und Beschreibung langfristiger sozialer Prozesse, zeigte die Verflochtenheit von Wandlungsprozessen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene und überwand die eifersüchtig bewachten üisziplingrenzen zwischen Psychologie, Soziologie und Geschichtswissenschaft.
      Entstehung: Seine Arbeit an Ãober den Prozess der Zivilisation begann Elias nach seiner Exilierung in London, wo er Zugang zur Bibliothek des Britischen Museums hatte. Dort stieß er auf die seit dem Mittelalter überlieferten Manierenbücher als das empirische Instrument, das ihm ermöglichte, langfristige Wandlungen der Trieb-und Affektmodulierung in den europäischen Oberschichten zu beschreiben. Ãober den Prozess der Zivilisation erschien 1939 in einem Schweizer Verlag, aber erst mit der dritten Auflage 1976 wurde es zu einem wissenschaftlichen Bestseller. Inhalt: Gegenstand des Buchs sind historische Entwicklungsprozesse in den Bereichen der Persönlichkeits- und der Gesellschaftsstruktur, wobei die Verflechtung beider Bereiche betont wird. Der politischen Entwicklung Europas aus der feudalen Zersplitterung in kleine Herr-schaftszentren hin zu einer immer weiteren Zentralisierung staatlicher Macht entspricht das Abschneiden der meisten Angehörigen der Oberschichten von einer selbstständigen militärischen Betätigung. Elias beschreibt, wie frühere Fremdzwänge zunehmend zu unbewussten
Selbstzwä'ngen umgestaltet werden. Die wachsende Einhegung des Gebrauchs von Messern bei Tisch ist ein Beispiel dafür, wie sich solche Innenzwänge faktisch und symbolisch durchsetzen. Aus Kriegern werden so Höflinge. Das staatliche Monopol militärischer Gewalt und das der Steuereinziehung ermöglichen dann weitere Zentralisierungsschritte. Aufbau: Elias beginnt seine Arbeit mit einer Diskussion der Unterschiede zwischen den Begriffen »Zivilisation« und »Kultur«, wobei er zeigt, wie sich in Deutschland dieses Begriffspaar im 19. Jahrhundert von einer klassenbezogenen zu einer nationalen Unterscheidung wandelt. Von hier wendet er sich zurück zu den langfristigen »psychogenetischen« Wandlungsprozesscn, die vor allem in Frankreich zum Konzept der Zivili-siertheit geführt haben. Im zweiten Band rekonstruiert Elias die mit diesen »psychogenetischen« Prozessen verschränkte »Soziogenese der abendländischen Zivilisation«: vor allem die dem »Monopolmechanismus« geschuldeten Zentralisierungsprozesse. Abschließend synthetisiert er den »soziogenetischen« und den »psychogenetischen« Aspekt in seinem Entwurf einer allgemeinen Theorie der Zivilisation.
      Wirkung: Unter den Stichworten »Prozess-Soziologie« und »Figurationsstudien« hat der Ansatz von Elias eine anhaltende Schulbildung bewirkt. Auch die heftige Kritik, die Ãober den Prozess der Zivilisation durch Hans Peter Duerr erfuhr, der den Prozesscharakter menschlicher Scham durch eine erneute Wesensbestimmung menschlicher Schamhaftigkeit ersetzen wollte, zählt zu den produktiven Folgen des Buchs von Elias.

Die wichtigsten Bücher von Norbert Elias
Ãober den Prozess der Zivilisation, 1939 Zusammenhänge zwischen Entwicklungsprozessen der Persönlichkeits- und der Gesellschaftsstruktur.
      Die höfische Gesellschaft, 1969 Erweiterte Fassung der Habilitationsschrift von Elias zur Soziologie des Königtums und der Aristokratie.
      Was ist Soziologie? 1970 Eine Einführung ins Fach, in der Elias die Sichtweise gesellschaftlicher Prozesse als »Figurationsströme« bzw. Verflechtungszusammenhänge entwickelt.
      Ãober die Einsamkeit der Sterbenden, 1982 Ein problematischer Aspekt der Individualisierungsprozesse, die ein Aspekt der Zivilisationsprozesse sind.
      Sport im Zivilisationsprozess 1983 Aufsatzsammlung figurationssoziologischer Analysen sportlicher Phänomene - vom Ritterturnier bis zur Entstehung des Fußballspiels im mittelalterlichen England.
      Engagement und Distanzierung, 1983 Eine wissenssoziologische Arbeit über ein methodologisches Dilemma sozialwissenschaftlicher Forschung.
      Ãober die Zeit 1984 Eine Untersuchung der langfristigen Entwicklung kultureller Zeitkonzepte, hin zu immer feingliedrigeren Zeitrastern.
      Die Gesellschaft der Individuen 1987 Elias entwickelt seine grundlegende Einsicht, wonach Individuum und Gesellschaft »lediglich zwei verschiedene Beobachtungsebenen« desselben Sachverhalts darstellen.
      Studien über die Deutschen 1989 Sammlung von Aufsätzen zu der Frage, warum sich der deutsche »Nationalcharakter« im 19. und 20. Jahrhundert signifikant anders entwickelte als z.B. in Frankreich.
      Mozart 1991 Theorie des Genies als Ergebnis von individuellen Sublimierun-gen und gesellschaftlichen Schaffensbedingungen.
     


Canetti, elias

Geb. 25. 7. 1905 in Rustschuk ; gest. 14.8. 1994 in Zürich »Mein ganzes Leben ist nichts als ein verzweifelter Versuch, die Arbeitsteilung aufzuheben und alles selbst zu bedenken, damit es sich in einem Kopf zusammenfindet und darüber wieder Eines wird.« Wenn auf einen modernen Autor der Begriff d .....
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Canetti, elias

»Mein ganzes Leben ist nichts als ein verzweifelter Versuch, die Arbeitsteilung aufzuheben und alles selbst zu bedenken, damit es sich in einem Kopf zusammenfindet und darüber wieder Eines wird.« Wenn auf einen zeitgenössischen Autor der Begriff des Dichters im emphatischen Sinn noch paßt, dann auf .....
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Käser, norbert c.

alto adige Sauer, Benedikt. In: Neuburger Kaser-Symposi- um, 1993, S. 87 - 90. gaenseklein Sauer, Benedikt. In: Neuburger Kaser-Symposi- um, 1993, S. 94 - 96. Ich krieg ein Kind Selbmann, Rolf. In: Neuburger Kaser-Symposi- um, 1993, S. 75 - 85. marmor Sauer, Benedikt. In: Neuburger .....
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Elias, norbert

Groß war das Erstaunen, als zu seinem 90. Geburtstag ein Lvrikband von E. erschien. Unter dem Titel Los der Menschen hatte E. innerhalb von 60 Jahren zusammengetragen, was den Menschen durch Gesellschaftsordnung. Schicksal oder bewußte Entscheidung begegnete und wie sie selbst sich dazu verhielten .....
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Elias canetti: »die blendung« (i935) - der roman als marionettenspiel

Weltblinder Büchermensch Im zweiten seiner autobiographischen Bücher, »Die Fackel im Ohr« , berichtet Elias Canetti von künstlerischen Plänen aus der Wiener Zeit zwischen 1929 und 1931, von Plänen zu einer »Comedie humaine an Irren«. Acht Figuren schweben ihm vor: der Wahrheitsmensch, der Phantas .....
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Norbert gstrein: »die englischen jahre« (i999) - der erzähler im labyrinth der finten

Falschmünzer in der Emigration Im Jahr 1999 räumte der Romanautor Daniel Ganzfried, Sohn jüdischer Ãoberlebender des Holocaust, endgültig mit der Legende eines Falschmünzers auf. Vier Jahre zuvor war unter dem Autornamen Benjamin Wilko-mirski ein Buch mit dem Titel »Bruchstücke. Aus einer Kindhei .....
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Ehry, norbert

auch unter dem Pseud.: Hans Riesling Biografie: *1 in Frankfurt/M. N. Ehry besuchte die Filmhochschule in München, studierte Theaterwissenschaft und arbeitete in verschiedenen Filmberufen. Die Produktion Amok, in der N. Ehry das Abgleiten eines Normalbürgers in den Rechtsextremismus zeigte und mit d .....
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Jacques, norbert

Biografie: *6.6.1 in Luxemburg, tl6.5.1 in Koblenz. N. Jacques studierte in Bonn, war dann zuerst als Journalist in Hamburg tätig, später arbeitete er als freier Schriftsteller. Bis 1954 lebte er auf seinem Gut bei Linda, danach in Hamburg. Mit seiner Schöpfung des genial-wahnsinnigen Super-verbrech .....
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Leppert, norbert

Biografie: *27.8.1 in Lübeck. N. Leppert war zunächst als Redakteur bei verschiedenen Regionalzeitungen tätig und ist seit 1971 Gerichtsreporter bei der Frankfurter Rundschau. Was dem Autor im Tagesjournalismus zu kurz kommt, stellt er in seinen Justizkrimis dar. Seit 1996 arbeitet er auch als Drehb .....
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Johann elias schlegel - vergleichung shakespeares und andreas grypbs bei gelegenheit des versuchs

Wie sorgfältig Shakespeare gewesen, seine Charaktere zu bilden, sieht man daraus, daß er meistens ihre ganzen Charaktere einem andern in den Mund gelegt und sie so beschreiben lassen, daß fast nichts hinzuzusetzen übrig bleibt. [...] Man sieht, daß diese Charaktere alle eine ziemlich große Ã"hnlich .....
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Johann elias schlegel - gedanken zur aufnahme des dänischen theaters

[...] Denn eine jede Nation schreibt einem Theater, das ihr gefallen soll, durch ihre verschiedenen Sitten auch unterschiedliche Regeln vor, und ein Stück, das für eine Nation gemacht ist, wird selten den andern ganz gefallen. Wir können uns hiervon besonders durch den großen Unterschied des franzö .....
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Niebergall, ernst elias

»Jener bekannte Niebergall ist zweifellos ein Kerl gewesen«, schrieb Alfred Kerr 1915 in seiner Kritik der ersten Berliner Datterich-Aufführung, die an den einhundert Jahre zuvor geborenen Dichter erinnerte. Vor den Jubiläumsaktivitäten in Berlin und anderswo war er nur in seiner Heimatstadt bekannt .....
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Schlegel, johann elias

Der Dramatiker, Literaturtheoretiker, Ãobersetzer und Jurist S. wurde als Sohn einer gutbürgerlichen Meißener Familie geboren: der Vater war kursächsischer Appellationsrat und Stiftssyndikus, der Großvater hatte als Oberhofprediger den Adelstitel erhalten, dessen sich aber erst S.s Neffe, der Romant .....
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