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Ehrenburg Ilja - Leben und Biographie



llja Ehrenburg war überzeugter Kommunist, der sein Werk in den Dienst der sozialistischen Idee stellte. Der Glaube an den baldigen Untergang der kapitalistischen Ordnung ist Grundthema seiner im Stil des sozialistischen Realismus ver-fassten Werke. Sein Roman Tauwetter gab der Phase der politischen Entspannung nach dem Tod von Josef Stalin ihren Namen.
      Bereits 1908 emigrierte Ehrenburg nach Paris, wo er als Korrespondent für russische Zeitungen tätig war. Als Befürworter der Revolution ging er 1917 nach Russland; ab 1921 lebte er als Auslandskorrespondent der sowjetischen Zeitung Iswestija wieder 'in Westen. Erst 1940 kehrte er nach Moskau zurück und arbeitete während des Zweiten Weltkriegs als Kriegsberichterstatter.
      Der Journalist wählte auch für seine Romane stets aktuelle Themen, v obei ihm die Botschaft wichtiger war als die literarisch-formale Bewältigung des Stoffs . Ein bedeutendes Zeitdokument sind seine Memoiren Menschen, Jahre, Leben , in denen er u.a. seine Begegnungen mit namhaften Zeitgenossen wie Albert -^Einstein, Ernest -^Hemingway und Pablo Picasso schildert.

      Tauwetter
Der Kurzroman Tauwetter stellt llja Ehrenburgs Reaktion auf die gesellschaftlichen Veränderungen dar, die sich mit dem Tod von Josef Stalin in der Sowjetunion ankündigten. Als programmatisches literarisches Werk, das erstmals der allgemeinen Hoffnung auf innen-politische Entspannung und kulturelle Liberalisierung Ausdruck verlieh, hat sein Titel der gesamten poststalinistischen Epoche ihren Namen gegeben.
      Entstehung: Ehrenburg begann die Arbeit an Tauwetter im September 1953 nach der Entmachtung des Innenministers Lawrenti Berija, dem nach Stalin zweiten Mann im Staat. 1954 erschien der erste Teil in der Literaturzeitschrift Znamja. Den 1955 verfassten und 1956 veröffentlichten zweiten Teil bezeichnete Ehrenburg selbst später als »künstlerisch überflüssig«; er habe ihn geschrieben, um auf die kontroverse Diskussion, die das Erscheinen des ersten Teils ausgelöst hatte, zu reagieren und seinen Standpunkt weiter zu untermauern. Inhalt: Am Beispiel der Bewohner einer Provinzstadt, deren Leben von einem großen Industriekombinat geprägt ist, beschreibt Ehrenburg das »Seelenklima«, dem die Menschen im Umbruchsjahr 1953 ausgesetzt sind, die Veränderungen in ihrem Bewusstsein und Gefühlsleben. Lena, die Trau des Fabrikleiters Schura-wljow, findet die Kraft, ihren Mann zu verlassen, und knüpft eine neue Liebesbeziehung zu dem Ingenieur Korotejew an. Die jüdische Ã"rztin Wera Scherer und der alternde Ingenieur Sokolowski lernen einander zu vertrauen und finden zueinander. Das dogmatische Weltbild der Ingenieurin Sonja Puchow gerät ins Wanken, als sie sich in den romantischen Schwärmer Sawtschenko verliebt.
      Einen Gegenpol zu den zur Veränderung fähigen Figuren stellt der Fabrikleiter Schu-rawljow dar, ein gefühlskalter Bürokrat und uneinsichtiger Repräsentant der Stalin-Ã"ra. Er setzt eine Verleumdungskampagne gegen Sokolowski in Gang, der als »politisch verdächtig« gilt, weil seine geschiedene Frau in den Westen emigriert ist, scheitert jedoch mit seiner Intrige.
      Darüberhinaus wird in Tauwetterdie Rolle der Kunst in der Gesellschaft anhand zweier gegensätzlicher Figuren behandelt: des einzig für die Kunst lebenden Malers Saburow, der sich den offiziellen Darstellungsnormen nicht unterwerfen mag und unter schwierigsten Bedingungen weiter arbeitet, sowie seines hochbegabten Kollegen Wolodja Puchow, der sich von seiner Sehnsucht nach Anerkennung und Ruhm korrumpieren lässt.
      Aufbau: Trotz seiner kritischen Inhalte folgt Tauwetterm der Form weitgehend den Darstellungsnormen des sozialistischen Realismus, doch werden die Figuren nicht holzschnittartig positiv oder negativ gezeichnet, sondern als entwicklungsfähig dargestellt. Ehrenburg verlagert sein Interesse vom äußeren Geschehen auf die innere Entwicklung der Helden, die mittels innerer Monologe und erlebter Rede aufgezeigt wird.
      Wirkung: Von den Lesern wurde der Roman zumeist sehr positiv aufgenommen, während die Kulturbürokralie zurückhaltend reagierte. Auf dem Schriftstellerkongress 1954 sah sich Ehrenburg schweren Angriffen ausgesetzt - hatte er doch begonnen, den Kanon der schönfärberischen, konfliktlosen Literatur zu demontieren und als erster Sowjetschriftsteller, wenn auch nur in Andeutungen, die Massenrepressionen der 1930er Jahre angesprochen. Mit Tauwetter bereitete er einer neuen Literatur und einer jungen Generation von Schriftstellern den Weg. Darin liegt, bei allen künstlerischen Mängeln, die er aufweist, die bleibende Bedeutung dieses Romans.
      Tauwetter-Literatur
Herkunft: Der Begriff leitet sich von dem gleichnamigen Roman Ilja Ehrenburgs her, der 1954-56 erschien, und bezeichnet die Phase der innenpolitischen Entspannung und kulturellen Liberalisierung in der Sowjetunion, die nach dem Tod von Josef Stalin einsetzte und bis zum Sturz von Ni-kita Chruschtschow andauerte. Den wichtigsten politischen Impuls erhielt das Tauwetter durch die Geheimrede Chruschtschows auf dem 20. Parteitag der KPdSU im Jahr 1956, in der dieser zahlreiche Verbrechen des verstorbenen Diktators enthüllte und damit die Entstalinisierung einleitete. Autoren und Werke: Die Schriftsteller des Tauwetters, deren wichtigste Plattform die Literaturzeitschrift Novy Mir war, traten vehement für eine Lockerung der Zensur sowie eine ungeschönte und wahrheitsge-treue Darstellung der sowjetischen Wirklichkeit ein. Zu den im Westen bekanntesten Werken zählen Wladimir Dudinzews Roman Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, und Alexander -» Solschenizyns Lagergeschichte Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch . Wirkung: Das Aufblühen der Literatur im Tauwetter war lediglich von kurzer Dauer. Die von Chruschtschow selbst ausgelöste Hetzkampagne gegen Boris-* Pasternak, der 1958 genötigt wurde, den ihm zuerkannten Literaturnobelpreis abzulehnen, zeigte die Grenzen der »Liberalisierung« auf. Nach 1964 verengte sich der Spielraum für kritische Literatur stark und aus der Tauwetter-Literatur entwickelten sich die Anfänge des Samisdat .
     


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