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Eco, Umberto - Leben und Biographie



Der renommierte Semiotiker, Literatur- und Kulturwissenschaftler Umberto Eco erreicht mit seinen Zeitschriftenkolumnen in Italien regelmäßig ein Massenpublikum und besitzt mit seinen mittlerweile vier vielfach aufgelegten und übersetzten, typisch postmodernen Romanen einen festen Platz im Spektrum der Gegenwartsliteratur. Die Besonderheit seiner Fiktion liegt darin, dass sie auf spielerische Weise Probleme seines theoretischen Arbeitens veranschaulicht und dieses zugleich ironisch spiegelt, d.h., sie behandelt das Dechiffrieren von Zeichencodes und deren Bedeutung für kulturelle Systeme sowie die Möglichkeit von Interpretationen.
      Eco wurde im Piemont geboren; die dortigen Kindheitserfahrungen sind verschlüsselt in seine Romane eingewoben. Eco promovierte 1955 in Turin über -> Thomas von Aquin, gehörte dem avantgardistischen »Gruppo 63« an und wurde 1975 Professor für Semiotik in Bologna. Er lebt hauptsächlich in Mailand. Seine vielen zeichentheoretischen Arbeiten, die um den Ausgleich zwischen fachlicher Innovation und Verständlichkeit bemüht sind, trugen ihm zahlreiche Gastdozenturen und Ehrenpromotionen ein. Seine Romane, die ihren gelehrten Hintergrund nicht verleugnen, stießen auf ein geteiltes Echo. Fast einhellige Zustimmung erfuhr sein erstes Erzählwerk DerNamederRose, für das Eco zahlreiche bedeutende Preise zuerkannt wurden.
      Der Name der Rose
Der erste Roman von Umberto Eco, eine Kombination aus intelligentem, glänzend recherchiertem Historienthriller und spannender Verarbeitung der postmodernen Erzähl- und Interpretationstheorie, wie sie der Autor selbst in mehreren Abhandlungen dargestellt hatte, fachte zugleich die Mittelalter-Begeisterung der 1980er Jahre und ein überwältigendes Interesse für die neuere italienische Literatur an.
      Inhalt: Der Franziskanermönch William von Baskerville, ein ins Mittelalter versetzter Sherlock Holmes und zugleich das Alter Ego des Autors, kommt im Jahr 1327 gemeinsam mit dem Novizen Adson von Melk, dem späteren Erzähler, in ein fiktives Benediktinerkloster Norditaliens. Hier hat soeben der gewaltsame Tod eines Bruders den Abt in Unruhe versetzt, weil seiner Abtei brisanter Besuch ins Haus steht. Delegationen des Franziskanerordens und des Avignon-Papstes sollen über Glaubensfragen verhandeln, die sich um die Armut Christi drehen. Unter ihnen ist Williams Erzfeind, der Inquisitor Bernard Gui. Wie ein Detektiv macht sich William an die Aulklärung des Todesfalls, dem weitere Morde folgen. Im Mittelpunkt der verwickelten Ereignisse steht die Suche nach der einzigen Abschrift des in Wirklichkeit nicht erhaltenen zweiten Buches der Poetikwn -^Aristoteles, das die literarische Gattung der Komödie und damit das subversive Lachen gerechtfertigt hätte. Räumliches Zentrum ist die Bibliothek oberhalb des Skriptoriums, deren dem Buch auch als Zeichnung beigegebener labyrinthischer Bauplan der universalen Bibliothek bei Jorge Luis -»Borges entspricht. Nur wer das Geheimnisdieser Bibliothek und des blinden Mönchs Jorge von Burgos ergründet, entschlüsselt auch die Kette von Verbrechen. Aufbau: Innerhalb des komplexen Rahmens einer mehrschichtigen Buch- bzw. Manuskriptfiktion wird die eigentliche Handlung, die genau eine Woche dauert, von dem alten Adson aufgezeichnet. Jeder Tag ist in die Zeiten der klösterlichen Hauptgebete untergliedert. Dieses Zeitgerüst trägt ebenso zur Spannung bei wie die am 4. Tag aufkommende Vermutung, die Todesarten der bisherigen Opfer wiesen auf die Johannes-Apokalypse als Serienmuster hin. Die Hypothese erweist sich als falsch, ist aber von dem eigentlich Verantwortlichen geschickt genutzt worden. William zählt sich zu den Nominalisten, die einen entschieden empiristischen Standpunkt einnehmen, und erliegt dennoch der Verlockung, eine kriminalistische Theorie zu bilden. Der Spurenleser findet zwar Buch und Mörder, aber des Rätsels Lösung ist absurd: »Es gab keine Intrige, und ich habe sie aus Versehen aufgedeckt.« Obgleich William erfolgreich ist, geht die größte Büchersammlung des Abendlandes im apokalyptischen Feuer unter. Typisch für postmodernes Schreiben, das die Literatur als unendlichen Dialog der Bücher auffasst, ist das Montieren zahlreicher Quellen, von denen einige - wie die Offenbarung des Johannes - die Struktur tragen. Andere illustrieren das zeitlich bedingte Wissen der Mönche, wobei Eco, wenn er in verdeckter Form Gedanken moderner Theoretiker zitiert, bewusst anachronistisch verfährt. Wirkung: Eco selbst hat es in einer Nachschrift zu seinem Roman abgelehnt, zu einzelnen Fragen Stellung zu nehmen, etwa dem Titel einen eindeutigen Sinn zuzuweisen. Unmittelbar nach dem Erscheinen des Romans entstand eine Vielzahl von Detailstudien der Literaturwissenschaft, die den zahlreichen verbalen und motivlichen Zitaten nachspürte. Den Erfolg des Buches wiederholte die Verfilmung durch Jean-Jacques Annaud .
      Die wichtigsten Bücher von Umberto Eco
Das offene Kunstwerk 1962 Hauptsächlich am Beispiel der Poetik von James -> Joyce demonstriert Eco, wie sich das Prinzip der Unbestimmtheit und der nicht fixierbaren Deutbarkeit in allen modernen Künsten durchgesetzt hat.
      Einführung in die Semiotik 1968 Das Standardwerk der Wissenschaft von den Zeichen zeigt deren Allgegenwart in unserer Kultur und erläutert die verschiedenen Codes, mit denen die modernen Künste funktionieren.
      Der Name der Rose 1980 Dieser Welterfolg vereint die Strukturen des Kriminalromans, der in einem mittelalterlichen Kloster spielt, mit den intertextuellen Spielen der Postmoderne.
      Das Foucaultsche Pendel 1988 Ecos zweiter Roman führt drei Mailänder Verlagslektoren zusammen, die aus Ãobermut einen Papierfetzen zu einer Weltverschwörung ausfabulieren, bis diese in Paris tödliche Wahrheit wird.
      Die Suche nach dervollkommenen Sprache, 1993 Vorlesungsreihe zu einem Menschheitstraum, von der Idee einer einheitlichen Ursprache über Magie und Kabbala bis zu moderner Semiotik, Welthilfssprachen und künstlicher Intelligenz.
      Die Grenzen der Interpretation 1990 Nachdem er wiederholt die Offenheit des Texts und die Rolle des Lesers herausgearbeitet hat, sieht sich Eco durch die weitergehenden Thesen der Dekonstruktion veranlasst, für Interpretationen Regeln zu fordern, die der Willkür Grenzen setzen.
      Die Insel des vorigen Tages 1994 In Ecos drittem Roman erleidet Roberto de La Grive 1643 auf der Suche nach dem Fixpunkt für die Festlegung der Erdlängengrade in der Südsee in unmittelbarer Nähe der Datumsgrenze Schiffbruch.
      Baudolino 2000 Im Jahr 1204 erzählt der Titelheld, ein Lügner und Geschichtenerfinder, sein Leben und dessen Verwicklung in die große Politik, wobei er Wahresund Erdachtesununterscheidbarvermischt.
     


Umberto eco: von der avantgarde zur postmoderne

Von Roland Barthes sagt Eco, er habe "in einer Dialektik von Kühnheit und Scham die Bedeutung denunziert und negiert". So radikal war Leo in keinem Stadium seiner Entwicklung. Seine frühe Position, die am klarsten wohl in Opera aperta zum Ausdruck kommt, könnte im Bereich des formalistischen Kant .....
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Als M. im Wmter 1755 schwer an Grippe erkrankte, am >. Februar gar ins Koma fiel. Heß sich Papst Benedikt XIV. durch seinen Pariser Nuntius lautend berichten, ob der angesehene Rechtsdenker und Moralphilosoph nicht endlich gebeichtet und seinen Frieden mit der Römischen Kirche gemacht hätte. Dieses .....
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