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Djebar, Assia - Leben und Biographie



Assia Djebar gilt als bedeutendste Autorin des modernen Maghreb. In ihren Romanen und Erzählungen sowie ihren Dokumentarfilmen setzt sie sich mit dem kolonialen Erbe ihrer Heimat sowie dem Islam auseinander und verleiht insbesondere den algerischen Frauen eine Stimme, die aus einem traditionellen Gesellschaftssystem auszubrechen suchen.
      Djebar besuchte ein französisches Gymnasium und studierte anschließend in Frankreich Geschichte. 1962, nach Erlangung der Unabhängigkeit Algeriens, kehrte sie erstmals für einige Jahre zurück in ihre Heimat. Seit ihrem ersten Roman, Der Durst , der sie schnell berühmt machte, sind weibliche Selbsthndung und Selbsterfahrung ihr Thema. Djebar zeichnet den Anspruch der algerischen Frauen auf Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ebenso nach, wie sie das Lebensgefühl der Frauen einfängt, die, abgeschlossen von der Außenwelt, auf den häuslichen Bereich verwiesen sind . In ihren mehrstimmigen, oft eine hlmähnliche Montagetechnik aufweisenden Romanen mischen sich lndividual- und Sozialgeschichte sowie autobiografische Erinnerungen und historische Quellen über die von Gewalt gezeichnete Geschichte ihres Landes: die Kolonialisierung, den Unabhängigkeitskrieg und die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen mit den Islamisten [Die Frauen von Algier, 1980, Fantasia, 1985, Oran - Algerische Nacht, 1997). 2000 erhielt Djebar, die in ihrem Werk die Opfer jeglicher Unterdrückung zu Wort kommen lässt, den Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
      Die Schattenkönigin
Der Roman Die Schattenkönigin von Assia Dje-bar dreht sich um den Wunsch muslimischer Frauen nach persönlicher Freiheit, um ihren Ausbruch aus den Fesseln der Tradition, die sie in den häuslichen Bereich verbannt. Inhalt: Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei junge Frauen. Isma und Hajila, deren Existenz zunächst von einem Mann bestimmt wird, der als Prototyp aller MänneT in einer patriarchalischen Gesellschaft erscheint. Nachdem Isma, die anfangs ganz in der Liebesbeziehung zu ihrem Mann aufging, ihn und ihre Tochter verlassen hat, sucht sie ihm eine zweite Frau aus, nämlich die spröde, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Hajila. Die Heirat mit einem aus der Emigration zurückgekehrten, gut situierten Mann erscheint zunächst als Glücksfall, doch Hajila will sich nicht auf den häuslichen Bereich begrenzen lassen. Sie wagt es, allein das Haus zu verlassen, sogar den Schleier abzulegen und die ihr fremde Welt draußen zu erkunden. Erstmals erlebt sie ein Gefühl von Freiheit, doch als ihr Mann von •ihren heimlichen Ausgängen erfährt, schlägt er sie und sperrt sie in der Wohnung ein. Als Isma, die zuvor ihre Tochter zu sich geholt hat, um ihr ein freieres Aufwachsen zu ermöglichen, davon hört, steckt sie Hajila im Hammam, dem öffentlichen Bad, das die »Schattenschwester« aufsuchen darf, einen zweiten Wohnungsschlüssel zu.
      Aufbau: Erzählt wird die Geschichte von Isma, die Hajilas Weg nachzeichnet, sich die Außenwelt anzueignen und dabei selbst zu entdecken. Zudem erinnert sich Isma an die Liebesnächte mit ihrem Mann sowie an ihre Kindheit in der abgeschlossenen Frauenwelt des Hauses und die Schicksale einzelner Frauen, wie deT »Ausgestoßenen«, die aufgrund des vagen Gerüchts einer verbotenen Kontaktaufnahme mit einem Mann verbannt wurde und später im Unabhängigkeitskrieg Gefangene besuchte. Eingewoben in die kunstvoll komponierte Handlung ist zudem das Geschick von Scheherazade aus den Märchen aus Tausendundeiner Nacht, die nicht nur dank ihres Erzähltalents, sondern auch der Wachsamkeit ihrer Schwester überlebt. Solch weibliche Solidarität erscheint als Zielpunkt, als Chance für die Frauen auf dem Weg ihrer Befreiung.
      Wirkung: Für ihren Roman über Frauen, die aus eigener Kraft aus ihrem Schattendasein heraustreten, erhielt Djebar 1989 den Literaturpreis des Ökumenischen Zentrums in Frankfurt am Main, der Autorinnen der Dritten Welt gewidmet ist.
     


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Djebar,  Assia    


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