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Diderot, Denis - Leben und Biographie



Der Ruhm von Denis Diderot als wesentlicher Wegbereiter der Aufklärung gründet sich vor allem auf seine Tätigkeit als Autor und Hauptherausgeber der Enzyklopädie oder Methodisches Sachwörterbuch der Wissenschaften, Künste und Berufe . Mehr als 5000 Beiträge, darunter wichtige programmatische, schrieb er selbst.
      Diderot, Sohn eines wohlhabenden Messerschmieds, wurde von Jesuiten in Langres erzogen. Mit 1 5 Jahren ging er nach Paris zum Studium der Jurisprudenz, das er 1732 mit dem Magister abschloss. Daneben beschäftigte er sich mit Sprachen, Literatur, Philosophie und Mathematik. Erst ab 1746 trat er als Verfasser eigener Schriften in Erscheinung, die ihn bald in Konflikt mit der Zensur brachten. 1749 wurde er dreieinhalb Monate in Vincennes inhaftiert.
      Neben der Arbeit an der Enzyklopädie verfasste Diderot eine große Zahl vielfältiger Schriften: philosophische, ästhetische und literaturtheoretische Traktate und Dialoge sowie kunstkritische Essays, verfassungs- und bildungspolitische Denkschriften, Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Wie die radikaleren unter seinen theoretischen Schriften blieb auch sein literarisches Werk bis auf seinen ersten Roman und zwei Theaterstücke zu seinen Lebzeiten unveröffentlicht: Es war entweder in der Form zu neu oder im Gehalt zu brisant. Abschriften kursierten lediglich im Freundeskreis und erschienen wenige Jahre vor seinem Tod in der handgeschriebenen Auswahl. Seit 1763 stand Diderot mit der russischen Zarin Katharina IL in brieflicher Verbindung. Sie unterstützte ihn durch den Ankauf seiner Bibliothek, beließ ihm jedoch die Nutzungsrechte auf Lebenszeit.
      Der dauerhafte Ruhm Diderots als Erzähler gründet vor allem auf zwei Romanen: Der Dialogroman Rameaus Neffe , von Goethe entdeckt und übersetzt und eTst später in Französisch erschienen, ist eine Satire auf die Gegner des Kreises um Diderot. Der vielschichtige Antiroman Jacques der Fatalist und sein Herr , die hoch reflektierte Parodie eines Rciscromans, ist dank seiner sehr modernen Erzählstrategien auch heute noch ein Lesevergnügen.
      Enzyklopädie
1751 erschien der erste Band der Enzyclopädie, ein Werk, das als ein Kulturdenkmal der Menschheit angesehen werden muss. Das Mammutwerk, für dessen Entstehung anfangs nur zwei Jahre veranschlagt worden waren, dessen letzte Textbände zusammen mit vier Bildbänden aber erst 1765 erschienen, umfass-te, als nach 22 Jahren 1772 auch die letzten Bildbände herauskamen, 17 Bände Text und elf Bände mit Kupferstichen. Zusammen mit fünf Ergänzungsbänden, die 1776/77 folgten, und den 1780/81 in Amsterdam erschienenen Tables analitiquesvon Pierre Mouchon aus Genf bildeten letztendlich 35 Bände mit 23 135 Seiten und über 3000 Kupferstichen die Enzyclopädie. Entstehung: Ursprünglich wollte der Pariser Verleger Andre Francois Brelon 1745 die 1728 von Ephraim Chambers 1728 in London herausgegebene zweibändige Cyclopaedia, or Universal Dictionary of Art and Sciences übersetzen lassen. Zur Finanzierung des Projekts verband sich Breton mit drei anderen Verlegern und übertrug dem Abt Jean Baptiste De Gua de Malves die Aufarbeitung und Zusammenstellung des Textes für die französische Ausgabe. 1747 wurde, nach der Entlassung des Abts, der Literat und Philosoph Denis Diderot mit der Aufgabe betraut. Auf ihn geht wesentlich die Grundintention des Werks al eines Organs der
Aufklärung zurück. Er gewann für den naturwissenschaftlichen Teil den Mathematiker und Physiker Jean-Baptiste D'Alembert als Mitarbeiter. Sie luden für die verschiedenen Artikel die bedeutendsten Geister der Zeit ein. Zu den später so genannten Enzyklopädisten gehörten über 160 Wissenschaftler, Schriftsteller und Handwerker.
      Inhalt: Wesentliches Ereignis der Enzyklopädie ist die Tatsache, dass sie sich als eine Geschichte des menschlichen Geistes, als das Ergebnis der zur Erkenntnis gelangten menschlichen Wahrnehmung des Universums darstellt und nicht mehr die in der Tradition der Kirche vertretene Sicht der Gottgegebenheit allen Seins fortschreibt. So wird Aufklärung zum Prinzip und der vernunftbegabte Mensch zum Adressat der Botschaft »Enzyclopädie«.
      Abgesehen von der historischen Dimension, von der Bedeutung für den Wissenschaftler, der sich mit der Entwicklung der Technik befasst, dem Handwerker, der in den Bildtafeln anschaulich handwerkliche Techniken nachvollziehen kann, die im heutigen Lehrbetrieb nicht mehr erfahrbar sind, dem Musiker, der in den Abschnitten über Musik etwas über vergessene Spieltechniken finden kann, dem Techniker, der Demut lernt angesichts der vor rund 250 Jahren dargestellten Errungenschaften dessen, was menschlicher Erfindergeist bis dahin bereits vollbracht hatte, abgesehen von der Bewunderung für den Geist der Aufklärung und die enorme Menge der zusammengetragenen Fakten, in einer Zeit, in der das Netzwerk der Erkenntnisse noch nicht so eng geknüpft war wie im Internetzeitalter, sind die Bände der Enzyklopädie mit ihren Kupferstichen auch ein großartiges Bilderbuch, ein »orbis pictus« von außerordentlicher Schönheit. Die Stiche wurden - überwiegend nach detaillierten Vorgaben Diderots - von den besten Kupferstechern des späten 18.Jahrhunderts gestochen. Selbst wenn ein großer Teil der Texte aus der Enzyklopädie aus heutiger oder zukünftiger Sicht der Wissenschaften überholt sein und sich ihr Wert nur dem Wissenschaftshistoriker erschließen mag, werden die Kupferstiche auch in Zukunft für den Betrachter einen unerschöpflichen Schatz der Anschaulichkeit darstellen.
      Wirkung: Die Enzyklopädie, das größte verlegerische Unternehmen des 18. Jahrhunderts, wurde ein Verkaufserfolg und bescherte Breton einen beträchtlichen Gewinn. Der Erfolg lässt sich auch daran messen, dass bereits in der Zeit der Entstehung zwischen 1758 und 1771 eine italienische Ausgabe herausgegeben wurde. Die Revolutionskritiker sahen in den Enzyklopädisten Mitverantwortliche für die Revolution von 1789 und damit des zentralen Ereignisses der modernen Zeit.
      Die Enzyklopädisten
Bedeutung und Repräsentanten: Als »Die Enzyklopädisten« werden heute die Herausgeber und Mitarbeiter an der französischen Encyclopedie ou Dictionnaire raisonne des sciences, des arts et des metiers bezeichnet. Denis Diderot und Jean-Bap-tiste D'Alembert war es als Herausgebern der Enzyclopädie gelungen, die bedeutendsten Geister ihrer Zeit für die Mitarbeit an dem für damalige Verhältnisse gigantischen Werk zu gewinnen. Neben Diderot und D'Alembert sind u.a. Etienne Bonnot, Abbe de Condillac , Paul Henri Thiry, Baron d'Holbach , Jean-Frangois Marmontel , Charles Baron de -» Montesquieu , Francois Quesnay , Jean-Jacques —» Rousseau , Anne-Robert-Jaeques Turgot und —» Voltaire zu nennen. Zielsetzung: »Die Enzyklopädisten« sind die Schöpfer eines außergewöhnlichen Gemeinschaftswerks von etwa 160 Wissen-schaftlern, die nicht etwa eine gemeinsame weltanschauliche Position oder politische Anschauung verband, sondern die in der Ãœberzeugung vereint waren, durch das Sammeln und anschauliche Verfügbarmachen des gesamten Wissens ihrer Zeit, der Erkenntnis der Dinge in der Welt durch Anschauung und somit der Entwicklung der Menschheitzu dienen. Nicht nurdie Naturwissenschaften und die Philosophie, sondern auch die Künste, die Entwicklung der Handwerke und der Technik, das Manufakturwesen, die Kriegskunst, die Landwirtschaft, der Handel u.a.m. wurden eingehend behandelt.
      Triebfeder der Aufklärung: Die zeitweilige Anfeindung durch Kirche und Staat, die sich auch in Verboten äußerte, konnte der Enzyclopädie nicht schaden, sondern leistete ihrer Verbreitung eher Vorschub. So wurde das große Gemeinschaftswerk der Enzyklopädisten eine wesentliche Antriebskraft der Aufklärung im Vorfeld der Französischen Revolution.

      Rameaus Neffe
Begonnen als Antwort auf die Komödie Die Philosophen von Charles Palissot , der Denis Diderot und seine Freunde verhöhnte, ist Rameaus Neffe eine vernichtende Satire auf seine Gegner, eine kritische Entlarvung der Pariser Gesellschaft am Ende des Anden Regime und zugleich ein in seiner ironischspielerischen Dialektik höchst verwirrender philosophischer Dialog.
      Inhalt: Wie schon der Titel vermuten lässt, hat Rameaus Neffe, der unter der Chiffre »Er« auftritt, die dominante Gesprächsrolle inne. Sein Partner »Ich« spielt zumeist nur den Stichwortgeber und fungiert außerdem als Erzähler, dies aber nur marginal und vor allem nicht in der Rolle des Ãœberlegenen, richtungweisenden Kommentators.
      Im Cafe de la Regence begegnen sich »Ich« und »Er«, zwei satirisch verdichtete Kunstfiguren, die mit dem realen Diderot und dem historisch verbürgten Jean-Francois Rameau nur wenige Züge gemein haben. »Ich« tritt als idealistischer IVIoralphilosoph für die bürgerlichen Werte Anstand, Ehre, Liebe, Freundschaft, Vaterland ein. Dem amoralischen Musiker, Schmarotzer und Schmeichler in den Häusern der Reichen ist dagegen nichts heilig. Um was es in ihrem sprunghaft geführten, von zahlreichen Pantomimen des Titelhelden unterbrochenen Gespräch auch geht, stets wird das Leitthema Moral in Beziehung gesetzt zu Themen wie Glück, Genie, Reichtum, Identität, Schicksal. Wie These und Antithese stehen die konventionelle, idealistische, illusionäre Position des »Ich« und die subversive, materialistische, realistische des Neffen einander unversöhnlich gegenüber.
      In seiner unerschöpflichen Lust an Paradoxi-en verdreht »Er« alle anerkannten Ideale in ihr Gegenteil, beschreibt aus der Perspektive des Außenseiters die Laster der Gesellschaft und verbindet sein eigenes Bekenntnis zur Amoral mit einer Anklage der ungerechten Verteilung der Güter. Die pure Not zwinge ihn zur Pose des Bettlers, Heuchlers und Schmeichlers. -Dies ist eine seiner Thesen, die sogleich verallgemeinert wird: Die Pantomime des Bedürftigen ist der große Reigen der Welt, Selbstentfremdung, »zerrissenes Bewusstsein« der Preis für das Leben in der Gesellschaft mit ihren vielfältigen Abhängigkeiten. Dies ist der Punkt der größten Annäherung beider Kontrahenten.
      Wirkung: Der von unabhängigen Geistern wie Goethe, -^ Schiller, Hegel und E. T. A. -> Hoffmann schon früh als Meisterwerk erkannte Dialogroman hat bis heute seine Faszination be-halten. Das Buch erschien zuerst 1805 in der deutschen Ãœbersetzung von Goethe, die französische Originalfassung kam erst 1891 heraus. Eine Dramatisierung wurde 1963 in Paris uraufgeführt.


Theoretische vorspiele im i8. jahrhundert: rousseau und diderot

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnen im europäischen Schrifttum Erscheinungen aufzutreten, die, von der späteren Lyrik her betrachtet, als deren Vorspiele gedeutet werden dürfen. Wir begnügen uns damit, dies an Rousseau und Diderot zu zeigen. Rousseau kommt hier weniger in Betracht a .....
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Diderot, denis

»Sie sind ein unverschämter Mensch. Sie werden noch lange hier bleiben.« - so der Untersuchungsrichter der Festung Vin-cennes. in die D. am 24. Juli 1749 wegen Verstoßes gegen die Zensurbestimmungen eingelietert wurde. Die mittelalterliche Festung, zehn Kilometer vor den Toren von Pans gelegen, dien .....
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