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Dickens, Charles - Leben und Biographie



Charles Dickens gilt als Begründer des sozialen Romans und Meister des Humors. Er schuf un-vergessliche Figuren voller Skurrilität, war aber zugleich ein scharfer Beobachter und Kritiker der gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit.
      Dickens verlebte eine glückliche Kindheit, bis sein Vater in das Schuldgefängnis kam. Dickens musste daraufhin seinen Unterricht an einer höheren Schule abbrechen und sein Brot als Arbeiter in einer Fabrik verdienen; so lernte er bereits früh das schwere Leben der Arbeiter im Hafenviertel Londons und die demütigenden Verhältnisse in Haftanstalten kennen. Nachdem sein Vater nach einigen Monaten aus dem Gefängnis entlassen wurde, durfte Dickens seinen Schulbesuch an einer Mittelschule fortsetzen. 1826 trat er eine Tätigkeit als Rechtsanwaltsgehilfe an, wandte sich aber bald dem Journalistenberuf zu und war als Reporter des Morning Chronicle tätig. In Zeitungsfeuilletons erschienen seine ersten Schilderungen des Londoner Lebens, die 1836 in dem Buch Skizzen von Boz zusammengefasst wurden. Erste Berühmtheit erlangte Dickens mit seinem Roman Die Pick-wickier. 1841/42 unternahm er seine erste Amerikareise, der 1867 eine zweite folgte. Nach England zurückgekehrt, wurde er Herausgeber der großen liberalen Zeitung Daily News. Weitere Romane entstanden in kurzer Folge. In seiner mittleren Schaffensperiode verwandte Dickens mehr Zeit auf die Ausarbeitung seiner Romane und vollendete in seinem Spätwerk seine Meisterschaft. Der vitale, hoch engagierte Dickens, zu dessen großem Freundeskreis u.a. Wilkie -> Collins zählte, war zum gefeiertsten Dichter seiner Zeit geworden.
      Oliver Twist
Mit OliverTwist, seinem zweiten Roman, sicherte sich Charles Dickens seinen Ruf als hervorragender Erzähler. Der Roman schildert das Armeleute- und Verbrechermilieu in realistischer und beklemmender Weise, enthält aber auch melodramatische und groteske Effekte. Oliver
Twist ist ein meisterhaftes Gesellschaftspanorama der Viktorianischen Zeit, das die »Parias der Unterwelt« fassettenreich schildert und auf beeindruckende Weise Verzweiflung und Verlorenheit zu vermitteln vermag. Der Roman gehört zu den meistgelesenen Werken von Dickens.
      Inhalt: Oliver wächst als Findelkind im Armenhaus einer Kleinstadt unter dem unbarmherzigen Regiment des Büttels, Mr. Bumble, auf. Von dort wird er in die Lehre zu dem grausamen Leichenbestatter Mr. Sowerberry gegeben, nachdem er es gewagt hatte, gegen die äußerst kargen Essensrationen im Armenhaus zu protestieren. Dem Leidensdruck bei Sowerberry entzieht sich Oliver schließlich durch seine Flucht nach London, wo er bei einer Bande von Taschendieben Anschluss findet. Dem Führer der Bande, dem jüdischen Hehler Fagin, gelingt es mit Hilfe seiner Komplizin Nancy, Oliver in einen nächtlichen Einbruch in einer Villa zu verwickeln. Er wird verwundet und entdeckt, doch die Hausbesitzerin Mrs. Maylie, die seine »innere Unschuld« erkennt, schützt ihn vor der Polizei. Bei ihr und ihrer Pflegetochter Rose findet Oliver Unterschlupf. Liebe und Fürsorge. Die inzwischen reuig gewordene Nancy berichtet den beiden Frauen von Monks, einem Freund Fagins, der Oliver zu vernichten trachtet. Sie lüftet das Geheimnis um Monks, den unehelich geborenen Halbbruder Olivers, der dessen väterliches Erbteil unterschlagen hat. Nancy wird wegen ihres Verrats von dem Bandenmitglied Bill Sikes ermordet. Die skrupellosen Verbrecher finden ihre gerechte Strafe: Sikes richtet sich selber, indem er sich auf der Flucht versehentlich erdrosselt, Fagin wird verhaftet und hingerichtet und auch Monks büßt seine Tat. DeT Held des Romans aber, der allen widrigen Umständen zum Trotz dem Bösen letztlich widerstanden und das Gute in sich bewahrt hat, wird von Mr. Bronlow, einem früheren Opfer der Bande, bei dem sich Oliver kurze Zeit aufhielt, adoptiert und erhält seinen angestammten Platz in der Gesellschaft. Der Zufall führt Mr. Brownlow, den Freund des verstorbenen Vaters von Oliver, und Mrs. Maylie, die Ziehmutter seiner Tante Rose, zusammen.
      Aufbau: Dickens hat in diesem Werk erstmals eine geschlossene epische Großform mit einer durchgehenden Handlung und einem reich abgestuften Figurenensemble geschaffen und in überzeugender Weise Tiefen der menschlichen Seele beleuchtet. Ein meisterliches Exempel seines karikierenden Humors stellt der Amien-hausvorsteher Bumble dar, der in England zum Prototyp des bornierten und mitleidslosen kleinen Beamten wurde.
      Dickens stellt die Nachtseite, die Kriminellen der Gesellschaft, einer heilen bürgerlichen Weltgegenüber. Er prangert soziale Missstände an und tastet hierbei zwar das bestehende gesellschaftliche System nicht unmittelbar an, will jedoch den Anstoß für Besserungen geben. Wirkung: Durch die überaus sensible, psychologisch glaubwürdige Schilderung der Figuren wurde der Roman zu einem Meilenstein der englischen Literatur der Viktorianischen Zeit.
      Die wichtigsten Bücher von Charles Dickens
Die Pickwiekier 1837 Mit den Pickwickiern, einem pikaresken Roman, dessen zahlreiche Episoden um Mr. Pickwick, einem Don Quijote des Biedermeier, und den Diener Sam Weller, seinen Sancho Pansa, kreisen, wurde Dickens mit 25 Jahren weltberühmt.
      Oliver Twist 1838 In diesem Roman schildert Dickens den Weg eines Fürsorgezöglings sowie das Arbeiter-und Verbrechermilieu.
      Nicholas Nickleby 1839 Dickens prangert die misslichen Zustände des englischen Schulwesens des 19. Jahrhunderts an: Titelheld Nicholas Nickleby erlebt die grausame Welt einer gefängnisartigen Internatsschule.
      Leben und Abenteuer Martin Chuzzlewits, 1844 In Martin Chuzzlewits tebensbeschreibung wird eine Welt der Selbstsucht und bürgerlichen Moralheuchelei offenbar. Dickens hatte den Roman unter dem Eindruck seiner ersten Amerikareise geschrieben.
      Dombey und Sohn 1847 Mit aller Schärfe übt Dickens in diesem Roman Kritik an den elenden Lebens- und Arbeitsbedingungen der unteren Schichten im vikto-rianischen England.
      David Copperfield 1850 In diesem stark autobiografisch geprägten Roman schildert Dickens den Werdegang des Titelhelden.
      Horte Zeiten 1854 In dem Fabrikanten Gradgrind karikiert Dickens die Lehren der Utilitarier und klassischen Nationalökonomen; die Schicksale von Gradgrinds Kindern widerlegen sein System.
      Große Erwartungen 1861 Pip vermag sich dem Einfluss der von Materialismus und Moralheuchelei geprägten bürgerlichen Gesellschaft zu entziehen und durchläuft einen Prozess der inneren Reife.
      Unsergemein-schaftlieher Freund 1865 John Harmon, dem »Freund«, gelingt es, sich den verderblichen Verlockungen einer äußerlich glanzvollen, aber sinnentleerten Welt zu entziehen.
      David Copperfield
Mit dem stark autobiograftsch geprägten Roman David Copperfield, den er selbst als seinen »Lieblingsroman« bezeichnete, schuf Charles Dickens einen der wenigen großen Bildungsromane der englischen Literatur, der sich vor allem durch seine überzeugende Schilderung der Demütigungen und Ängste der Kindheit auszeich-i l
Inhalt: Der Titelheld David ver-l'ingt nach dem frühen Tod d •- Vaters und dem der Mutter, â–  F. von seinem Stiefvater M i.'dstone und dessen herrsch-i i htiger Schwester Jane allmählich zu Tode gequält wird, einige Zeit in der Schule des brutalen Mr. Creakle. Bereits mit zehn Jahren wird er zur Arbeit in die Fabrik Murdstones geschickt. Den unerträglichen Bedingungen entzieht er sichdurch Flucht zu seiner Tante Betsey Trotwood nach Dover, die ihm den Besuch der reformpädagogischen Schule des Dr. Strong in Can-terbury ermöglicht. Bei dem Londoner Advokaten Wickfield findet er schließlich herzliche Aufnahme. Nun beginnt Davids beruflicher Aufstieg vom Lehrling bei der Anwaltsfirma Spenlow und Jorkins hin zum Parlamentsreporter und Schriftsteller.
      Zahlreiche Nebenhandlungen sind in diese Handlung eingewoben. So entführt der adelige James Steerforth, die Verkörperung des Hochmuts höherer Klassen, die Adoptivtochter des Fischers Pegotty, Fmilie. Der Verlobte Emilies, Harn, verfolgt die beiden und entdeckt die mittlerweile von dem Entführer Verlassene. Bei dem selbstlosen Versuch, Steerforth vor dem Ertrinken zu retten, ertrinkt Harn selbst.
      Eine weitere Nebenhandlung befasst sich mit dem Erzschurken Uriah Heep, Wickfields Angestelltem, der gegen seinen Arbeitgeber intrigiert und von Mr. Miccawber entlarvt wird, mit dem David eine enge Freundschaft verbindet. David verliebt sich in die kindliche Tochter seines Arbeitgebers Mr. Spenlow. Nach deren Tod findet David, inzwischen ein erfolgreicher Schriftsteller, die wirkliche Erfüllung In der Ehe mit seiner Jugendfreundin Agnes Wickfield. Wirkung: David Copperfield wird bis heute als einer der bedeutendsten Kindheits- und Jugendromane der Weltliteratur angesehen. In diesem Roman, der die deutlichsten autobiografischen Züge aufweist, in dem der Titelheld ähnliche Stationen wie Dickens in seiner Jugend durchläuft, zeigt sich Dickens' überragendes Talent für die Darstellung von Stimmungen, Erlebnissen und Gefühlen der Kindheit. Mit der Kritik an der Missachtung des Kindes, die der Kritik an sozialen Missständen vorangeht, appellierte er an das Gewissen und wollte den Weg für soziale Reformen ebnen.

      Große Erwartungen
In diesem Kindheits- und Jugendroman, in dem er seine eigenen bedrückenden Kindheitserlebnisse verarbeitete, thematisiert Charles Dickens das erbärmliche Leben der Menschen im England des 19. Jahrhunderts in außergewöhnlich verdichteter Atmosphäre. Er zeichnet ein lebendiges Gesellschaftsgemälde der Viktorianischen Zeit, in dem sich Charakteristika seiner Werke wie scharfe Beobachtungsgabe, psychologisches Feingefühl und Sozialkritik vereinen. Dickens kritisiert in diesem Spätwerk das Gentleman-Ideal der von Materialismus und Moralheuchelei geprägten Viktorianischen
Gesellschaft. Die geradezu surrealistisch anmutende Erzähltechnik kündigt eine Hinwendung zur Moderne an.
      Inhalt: Der kleine Junge Pip, eine Vollwaise, lebt im öden, nebligen Marschland. Aufgezogen wird er von seiner älteren Schwester und deren Mann, dem biederen Dorfschmied Joe Gargery, in bescheidenen Verhältnissen. Pip begegnet auf dem Friedhof dem geflohenen Zuchthäusler Magwith, dem er hilft, sich von seinen Ketten zu befreien. Eine ihm unbekannte Welt lernt er kennen, als er der exzentrischen Miss Havisham und ihrer Pflegetochter Estella vorgestellt wird. Nachdem Miss Havisham am Hochzeitstag von ihrem Bräutigam verlassen wurde, hat sie der Männerwelt Rache geschworen und Estella zu einem lieblosen Wesen erzogen, das an ihrer Stelle Vergeltung am männlichen Geschlecht üben soll. Pip verliebt sich nichtsahnend in Estella und träumt davon, selbst ein Gentleman zu sein.
      Im zweiten Drittel des Buchs lebt Pip in London und ist vot allem mit Geldausgeben beschäftigt, hat ihm doch ein unbekannter Wohltäter eine vornehme Erziehung bezahlt und ein großes Vermögen in Aussicht gestellt. Er bricht mit den schlichten Verwandten und führt das Leben eines Snobs. Im letzten Drittel des Romans kehrt Pips Gönner - eben jener Zuchthäusler, dem er einst half - illegal aus der Deportation in Australien zurück, wo er reich geworden war. Nicht nur das Geheimnis um den unbekannten Wohltäter Magwith, der von dem »Gentleman« Compeyson zum Verbrechen angestiftet wurde, wird nun gelüftet, sondern auch mehrere in der Vorgeschichte geschilderte Verbrechen werden aufgeklärt sowie komplizierte Beziehungen zwischen einigen Haupt-und Nebenfiguren beleuchtet. So erfährt Pip, dass Estella, die mittlerweile einen brutalen Nichtsnutz geheiratet hat, Magwiths Tochter ist. Pip versucht Magwith bei der Flucht außer Landes zu helfen, was aber misslingt. Magwith, der zum Tode verurteilt wird, stirbt in Gegenwart Pips an den Folgen seines Fluchtversuchs. Sein Vermögen wird eingezogen und damit enden die »großen Erwartungen« Pips, der sein Geld fortan im Ausland verdient. Als er nach Jahren wieder in Joe Gargerys Schmiede zurückkehrt, finden die verwitwete, mittlerweile geläuterte Estella und Pip schließlich zusammen. Wirkung: Der trotz seiner Komplexität im Handlungsablauf geradlinige Roman kann als reifstes Werk Dickens' angesehen werden. Mit großem Verständnis erfasste der Autor die kindliche Psyche. Stilistisch gesehen steht der Roman mit seinen differenzierten Stimmungsund Assoziationsebenen an der Schwelle zwischen der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts.


Chamisso, adelbert von, (d. i. louis charles adelaide de c.)

»Es ist die alte, gute Geschichte. Werther erschoß sich, aber Goethe blieb am Leben. Schlemihl stiefelt ohne Schatten, ein >nur seinem Selbst lebender < Naturforscher, grotesk und stolz über Berg und Tal. Aber Chamisso, nachdem er aus seinem Leiden ein Buch gemacht, beeilt sich, dem problematischen .....
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Darwin, charles

Im Jahre 1838 trug D. folgende Bemerkung in sein Notizbuch ein: »Piaton . . . sagt im Phaidon. unsere »notwendigen Ideen< entstammten der Präexistenz der Seele, seien nicht von der Erfahrung abgeleitet. - lies Affen für Präexistenz.« D. tormuliert hier den Grundgedanken einer - wie wir heute sagen w .....
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Fourier, charles

Seine Idee war. Sexualität und Arbeit miteinander zu versöhnen, jenseits von jeder Art von Gewalt und Zwang und in einer Umgebung äußersten Luxus. Er träumte von einem Perpetuum mobile aus Wirtschaft und Eros. Damit blies er. ohne daß er es ahnte, zum Sturm auf die letzte Bastion des Christentums. D .....
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Montesquieu, charles de secondat

Als M. im Wmter 1755 schwer an Grippe erkrankte, am >. Februar gar ins Koma fiel. Heß sich Papst Benedikt XIV. durch seinen Pariser Nuntius lautend berichten, ob der angesehene Rechtsdenker und Moralphilosoph nicht endlich gebeichtet und seinen Frieden mit der Römischen Kirche gemacht hätte. Dieses .....
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Morris, charles william

Die Entscheidung, sich der Wert- und Zeichentheorie zu widmen, traf M. Ende der 30er Jahre, als er eines Abends auf Läszlö Moholy-Nagy wartete. Moholy-Nagy, zusammen mit Walter Gropius am Bauhaus tätig, aber seit der Macht-* Ãœbernahme Hitlers 1933 in London lebend, wurde 1937 als - Leiter an das »N .....
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Peirce, charles sanders santiago

Der Geburtsort des Pragmatismus war der »Metaphysiker-Klub«. der Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts in der Nähe von Harvard in Alt-Cambridge alle zwei Wochen tagte. Hier legten vor allem P. und William James die Grundlage für eine neue Pachtung innerhalb der Philosophie. Während James einer .....
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Glauser, friedrich charles

Biografie: *4.2.1 Wien, t8.2.1 in Nervi bei Genua. F. Glausers Leben war geprägt vom ständigem Wechsel zwischen Internierung und Entlassung, Entziehungskuren und den Versuchen ein bürgerliches Leben zu führen. Seine Morphiumsucht, die ihn ungefähr seit dem 21. Lebensjahr begleitete, war zentrales Tr .....
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Sealsfield, charles (d. i. karl anton postl)

Der Fremde war einsam gestorben, als alter Mann war er vor wenigen Jahren in den kleinen schweizer Ort Unter den Tannen gezogen, und niemand wußte etwas über ihn zu sagen. Doch als die Eidgenossen sein Testament fanden, war der Name plötzlich in aller Munde: Mr. S. hatte ein wirres Leben geführt. Je .....
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