Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Wieland, Christoph Martin



»Freuen Sie sich mit mir! Herr Wieland hat die ätherischen Sphären verlassen, und wandelt wieder unter den Menschenkindern.« Gotthold Ephraim Lessings ironische Bemerkung im 63. Literaturbrief , den er W.s Trauerspiel Lady Johanna Gray , dem ersten deutschen Drama in Blankversen, widmet, bezieht sich auf W.s Lebens- und Schaffensperiode der Jahre 1752 bis 1760, die er zuerst in Zürich bei Johann Jacob Bodmer und als Hauslehrer , dann als Privatlehrer in Bern verbrachte. Bereits als Jurastudent in Tübingen hatte W. versucht, durch moralisierende Dichtungen nach dem Motto, daß die Dichtung Magd der Religion sein solle, Zugang zu Bodmer zu erhalten. Dieser lud ihn schließlich zu sich ein und ließ den jungen, begeisterungsfähigen Mann an seinem literarischen Kampf gegen Johann Christoph Gottsched und die Anakreontik teilnehmen. Auf die empörte Reaktion hin, die W.s in dieser Umgebung entstandene Schrift Empfindungen eines Christen bei allen nichtreligiösen Dichtern hervorrief, löste sich W. aus der zu starken Abhängigkeit von Bodmer. »Wenn ich nicht impertinenter Urteile zu gewohnt wäre, so müßte ich mich ärgern, daß irgend ein ehrbarer Mensch mich der insektenmäßigen Kleinheit fähig halten kann, der Waffenträger eines Chef de Secte oder irgend etwas dergl. zu sein.« Der Brief an den Freund Johann Georg Zimmermann zeigt das Streben nach geistiger Unabhängigkeit, das in der Folgezeit in Bern durch die Liebe zu der Philosophin Julie Bondely verstärkt wurde und weswegen W. 1760 die Wahl zum Ratsherren in Biberach annahm. Die Verlobung mit J. Bondely wurde jedoch bald gelöst, und W. heiratete 1765 eine Biberachcr Bürgerstochter.

      Entscheidenden Einfluß auf W. übte in den Biberacher Jahren der Kreis um den Grafen Stadion, einem freigeistigen Adligen, aus. Dort holte er sich Anregungen aus Gesprächen, die er in der Bibliothek im Schloß zu Warthausen mit Frank und Sophie La Roche, seiner Jugendliebe und ehemaligen Verlobten, führte, sowie aus dem Studium der antiken und französischen Literatur. Diese fanden in den Romanen Don Sylvio und Die Geschichte des Agathon ihren Niederschlag, mit denen er die religiöse Schwärmerei des Pietismus endgültig hinter sich ließ. In der Versdichtung Musarion oder die Philosophie der Grazien sowie dem Neuen Amadis , einem Versepos mit einer verschlungenen, motivreichen Handlungs-

































führung und ironischen Selbstreflexionen des Erzählers kommt Laurence Sternes Einfluß deutlich zum Tragen. Durch die Ãœbersetzung von 22 Dramen William Shakespeares, die Lessings ungeteilten Beifall fand, machte W. den englischen Dramatiker dem deutschen Publikum bekannt.
      Aufgrund seiner literarischen Erfolge dieser Jahre erhält W. 1769 den Ruf als Philosophieprofessor nach Erfurt. Ergebnisse dieser Tätigkeit sind einige populärphilosophische Abhandlungen sowie Der Goldne Spiegel , eine Art Staatsroman und Fürstenspiegel, der W. zwar nicht , wie erhofft, die Berufung nach Wien, wohl aber nach Weimar als Prinzenerziehcr verschaffte. Von 1772 bis 1775 betätigte er sich als Erzieher von Karl August, danach zog er sich, ausgestattet mit einer lebenslangen Pension, auf sein Landgut Osmannstädt bei Weimar zurück, um sich ganz seinen neuen literarischen Projekten zu widmen: In der von ihm gegründeten Zeitschrift Deutscher Merkur , Neuer Deutscher Merkur , erschienen alle seine Schriften dieser Jahre mit Ausnahme der Ãœbersetzungen. Johann Gottfried Herder, Friedrich Schiller und- trotz der beißenden Satire Götter, Helden und Wieland — auch Johann Wolfgang von Goethe konnte W. als deren Mitarbeiter gewinnen. Literarische Ergebnisse der Weimarer Zeit sind neben den großen Romanen {Geschichte der Abderiten, 1774; Peregrinus Proteus, 1791; Agathodämon, 1799; sowie Aristipp und seine Zeitgenossen, von 1800 bis 1802) vor allem die Ãœbersetzungen von Horaz Briefen und Satiren , Lukians Werken , Ciceros Briefen , Euripides Ion und Helena sowie Aristophanes Ritter, Wolken, und Vögel. W. übernimmt in seinen Ãœbersetzungen und Kommentaren das Antikeverständnis der Aufklärung. Er rückt die Antike weder historisch in weite Fernen, noch setzt er sie idealisierend in unerreichbare Höhen.
      In seinen letzten Lebensjahren gehörte W. zu den beliebtesten und umstrittensten Autoren seiner Zeit: 1773 haben sich die Mitglieder des Göttinger Hain-Bundes mit W.s Schriften ihre Pfeifen angezündet, 1779 wurde ihm im Athenäum der Vorwurf gemacht, er habe bei der Abfassung seiner Werke nur Plagiate begangen, während Lessing den Agathon als »den ersten und einzigen Roman für den denkenden Kopf, von klassischem Geschmack« rühmte und Goethe, der 1774 W.s Singspiel Alkeste in seiner Farce Götter, Helden und Wieland beißendem Spott ausgesetzt hatte, zwanzig Jahre später betonte, wie sehr das literarische Deutschland W. seine »poetische und prosaische Kultur« verdanke.
      Gegen die Tradition der Verkennung W.s wendet sich auch Arno Schmidt , der W. vor den »oberflächlichen Lesern« zu verteidigen versucht: »Natürlich war Wieland nervös, wie nur je ein Intellektueller; zappelig im Kafferausch — Alkohol trank er nie. Aber eben das zusammen mit einem blitzartig arbeitenden Gehirn... ergibt dann das Feuerpulver seiner Prosa, die nur dem oberflächlichen Leser weitschweifig erscheinen kann.«


Wieland, christoph martin

Doch auch die Weisheit kann Unsterblichkeit erwerben Vollmann, Rolf. In: Jb DSG 14, 1970, S. 580 - 583. Ein bürgerliches Schicksalslied Hinderer, Walter. In: Reiz der Wörter, S. 106 - 109. 1978, Idris und Zenide Menhennet, Alan. In: GLL 18, 1964/65, S. 91 100. .....
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Wieland, christoph martin

Christoph Martin Wieland gilt neben Gotthold Ephraim -»Lessing als einer der bedeutendsten Dichter der deutschen Aufklärung. Anders als Lessing ist Wieland jedoch weniger kritisch-analytischer Aufklärer als vielmehr ein sprach-und formgewandter Schöngeist. Seine Werke sind rokokohaft-graziös, spiele .....
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Wieland, christoph martin

Geb. 5.9.1733 in Oberholzheim bei Biberach; gest. 20.1.1813 in Weimar »W. war in der Nähe von Biberach, einer kleinen Reichsstadt in Schwaben, 1733 geboren. Sein Vater, ein evangelischer Geistlicher, gab ihm eine sorgfältige Erziehung und legte bei ihm den ersten Grund der Schulkenntnisse. Hierauf .....
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Andere erde - christoph meckel

Wenn erst die Bäume gezählt sind und das Laub Blatt für Blatt auf die Ämter gebracht wird werden wir wissen, was die Erde wert war. Einzutauchen in Flüsse voll Wasser 5 und Kirschen zu ernten an einem Morgen im Juni wird ein Privileg sein, nicht für Viele. Gerne werden wir uns der verbrauchten Welt .....
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Barkawitz, martin

Biograhe: *1 in Hamburg. M. Barkawitz studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung und Berufstätigkeit in diesem Fach Germanistik und Soziologie. Mit seiner Abschlussarbeit über John Sinclair stellte er sich beim Bastei Verlag vor und bewarb sich gleichzeitig als Autor. Seit 1997 hat er ca. 50 Jer .....
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Kurtmartin magiera in den sand geschrieben

Analyse Die Geschichte ist nur auf dem Hintergrund der europäischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu verstehen. Die Industriestaaten brauchen mehr Arbeitskräfte, als ihre eigene Bevölkerung stellen kann. Einige Staaten haben einen Ãœberschuß an arbeitsfähigen Menschen, die nu .....
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Christoph meckel drusch, der glückliche magier

Christoph Meckel, der nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Graphiker einen guten Namen hat, erweist sich hier als ein überaus phantasiebegabter Erzähler. Die meisten Schüler werden seine Geschichte mit großer Begeisterung lesen, da sie sprachlich sehr lebendig und einfach formuliert ist. D .....
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Ludwig christoph heinrich hölty (i748-i776): ihr freunde ... fragment, dem keine zeile fehlt

Ihr Freunde hänget, wann ich gestorben bin, Die kleine Harfe hinter dem Altar auf, Wo an der Wand die Totenkränze Manches verstorbenen Mädchens schimmern. Der Küster zeigt dann freundlich dem Reisenden Die kleine Harfe, rauscht mit dem roten Band, Das, an der Harfe festgeschlungen, Unter den golde .....
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Der liebsten augenschein - martin opitz (i597-i639): jetzund koempt die nacht herbey

Jetzund kompt die Nacht herbey / Vieh und Menschen werden frey / Die gewünschte Ruh geht an; Meine Sorge kompt heran. Schone glänzt der Mondenschein; Und die güldnen Sternelein; Froh ist alles weit und breit / Ich nur bin in Trawrigkeit. Zweene mangeln überall An der schonen Sterne Zahl; Diese Ste .....
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Martin luther (i483-i546): aus tiefer not schrei ich zu dir

Lieder wurden schon vor 1500 im Gottesdienst gesungen und bereits im Spätmittelalter traten an die Stelle lateinischer Hymnen auch deutsche Lieder. Aber erst mit der Reformation erhält das Kirchenlied seinen festen Platz im Gottesdienst und im Gemeindeleben. Als Bitte, Ermahnung oder Lobgesang, als .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Lieder zur Glaubensstärkung

Heidegger, martin

H. gehört jener Generation der in den 80er Jahren geborenen geistigen Avantgarde an. die wie ein Franz Kafka in der Literatur, ein Pablo Picasso in der Malerei dadurch geistig revolutionär im 20. Jahrhundert wirkte, daß sie traditionelle Formen einriß und den eigenen Ansatz von Grund auf neu schuf. .....
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Wieland - aufklärer und zeitgenosse der klassik

Die Einteilung der Literaturgeschichte in Epochen hat ihre Schwierigkeiten; denn die Epochen laufen nicht in einer linearen Chronologie ab, sie überschneiden sich und sind zum Teil sogar gleichzeitig. Auch in der individuellen Lebensgeschichte der Dichter können sie sich vermischen, so daß es schwer .....
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Index » Aufklärung (18. Jahrhundert)

Martin luther (i483—i546)

Martin Luther wurde am 1. November 1483 in Eisleben als Sohn eines Bergmannes geboren. 1505 wurde er Augustinermönch, 1507 Priester und bereits 1508 Dozent für Dialektik und Ethik in Wittenberg, wo er am 31. Oktober 1517 seine berühmten 95 Thesen an die Pforte der Schloßkirche anschlug, die die Refo .....
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Luther, martin

»Lieber freund, ich wevsz wol was ich rede. Aristoteles ist mir i so wol bekant als dir und dcynis gleychen. ich hab yhn auch üeleszen unnd gehöret mit mehrem verstand, dan ; sanct Thomas odder Scotus. des ich mich on hoffart turnen, und wo es nodt ist. wol beweyszen kann.« Das ist die hoch-; muti .....
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Leicht - christoph meckel

Leicht sind Gespräche über den neuen Minister, die Partei, das Programm, die zweifelhaften Geschäfte weniger leicht vom Traum zu sprechen und von den Sachen der Liebe, unmißverständlich vom Glück und der Nacht in den Bergen. Lange schon ist mir das Selbstverständliche nicht mehr beantwortet worde .....
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Index » Gedichte aus unserer Zeit - Interpretationen

Martin walser: »brandung« (i985) - ein campus- und liebesroman

Einwanderer in Amerika auf Zeit Helmut Halm, den Protagonisten des Romans »Brandung«, kennt der Leser vorhergehender Erzählbände Walsers bereits aus der Novelle »Ein fliehendes Pferd« . Solche Verkettungen waren im Werk Walsers nicht neu. Die Gestalt des Anselm Christlein durchwandert gleich drei .....
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Index » Roman Chronik

Barr, christopher

Pseud. für: Gamber, Hans und Fischer, Claus Cornelius Christopher Barr, so kündigte eine der ersten Verlagsinformationen an, signalisiere »das Auftreten eines neuen deutschen Autors. Seine Romane sind der harten amerikanischen Schule verpflichtet und haben internationales Thrillerflair«. Hinter de .....
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Bick, martina

Biografie: *1 in Bremen. M. Bick studierte Philosophie, Musikwissen- schaft und Germanistik in Münster und Hamburg. Anschließend war sie in verschiedenen Berufen tätig. Bevor sie sich dem Krimigenre zuwandte veröffentlichte sie Kurzgeschichten und Gedichte in Anthologien und im Rundfunk. Im Som .....
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Johann christoph gottsched - versuch einer kritischen dichtkunst

Von den dreien Gattungen der poetischen Nachahmung und insonderheit von der Fabel 1 .§ Die Nachahmung der Natur [...] kann auf dreierlei Art geschehen. Die erste ist eine bloße Beschreibung oder sehr lebhafte Schilderei von einer natürlichen Sache, die man nach allen ihren Eigenschaften, Schönheit .....
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Johann christoph gottsched - der biedermann, 2. teil

Die Poesie ist eine Kunst, so der Wahrheit und der Tugend viele Dienste tun kann, wenn sie in den Händen eines verständigen und redlichen Bürgers ist und mehr nach den Regeln der Weltweisheit als nach dem verderbten Geschmacke des unverständigen Pöbels eingerichtet wird. Sie preiset die Tugend in Lo .....
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Martin opitz - buch von der deutschen poeterei

Das I. Kapitel Vorrede [...] Wiewohl ich mir von der deutschen Poeterei, auf Ersuchung vornehmer Leute und dann zu besserer Fortpflanzung unserer Sprachen, etwas aufzusetzen vorgenommen, bin ich doch solcher Gedanken keineswegs, daß ich vermeine, man könne jemanden durch gewisse Regeln und Gesetz .....
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Martin opitz - deutsche poemata

Ãœber des hochgelehrten und weitberühmten Danielis Heinsii Niederländische Poemata Die deutsche Poesie war ganz und gar verloren, Wir wußten selber kaum, von wannen wir geboren, Die Sprache, vor der vor [1] viel Feind erschrocken sind, Vergaßen wir mit Fleiß und schlugen sie in Wind. Bis Euer[2] .....
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Spiegelberg, martin

Biografie: *1 in Hamburg. M. Spiegelberg trat schon als Schüler mit verschiedenen Schul- und Amateurbands auf. 1976 war er Mitbegründer der Band »Kitty Winter Gipsy Nova«. 1977 wurde er zum Berufsmusiker und spielte in der Folge mit seiner Band zwei Schallplatten ein. Er arbeitete mit Bill Ram-sey z .....
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Schüller, martin

Biografie: *29.3.1 in Haan. M. Schüller lebt und arbeitet in Köln, seit 1999 als Schriftsteller. Von 1995 bis 1998 schrieb er eine regelmäßige Glosse in der Kölner Stadtrevue. Langjährige, prägende Erfahrung als Nachttaxifahrer und Musiker. Kriminalromane: 2000 Jazz, Köln-Krimi 18, Emons; 2001 Kill .....
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Muser, martin

Biografie: 20.7.1965 in Stuttgart. M. Muser studierte Kommunikationswissenschaften an der Hochschule der Künste Berlin und arbeitet als Stoffentwickler und Dramaturg für Film- und Fernsehen in Berlin. Kriminalromane: 1997 Granitfresse, Argument 2023; 2001 Das ohmsche Gesetz, Argument 2063 Kontakt .....
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Wieland,  Christoph  Martin    





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