Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Wackenroder, Wilhelm Heinrich



Wir kennen die Gestalt des Frühverstorbenen nur aus der verklärenden Sicht des überlebenden Freundes Ludwig Tieck: »Sein Gemüt war fromm und rein, und von einer echten durchaus kindlichen Religiosität geläutert... Die Kunst und die Poesie und Musik erfüllten sein ganzes Leben.« Von ahnungsvoller, prophetischer Natur sei er gewesen; weltfremd, den Geschäften des gewöhnlichen Alltags entrückt. Tiecks Stilisierung scheint das Bild des Menschen W. bis zur Unkenntlichkeit verzeichnet, ihn zum Abklatsch seines schwärmerischen Klosterbruders aufgeschminkt zu haben. Dagegen zeigen ihn die Reisebriefe an die Eltern als einen nüchtern abwägenden, sicher urteilenden Beobachter, dessen Kenntnisse und Interessen sich auf alle Bereiche des bürgerlichen Lebens, auch auf Handwerk und Industrie erstrecken. Es ist schwer auseinanderzuhalten, was davon Dichtung, was Wahrheit ist. W. entstammte der bürgerlichen Oberschicht Preußens. Sein Vater war Kriegsrat und Justizbürgermeister in Berlin. Sein Elternhaus wird von Tieck als eng und streng beschrieben. Der Vater hatte das einzige Kind für die Rechtslaufbahn bestimmt. W. und Tieck lernten sich auf der Schule kennen. Tieck war von Natur aus Schauspieler, Exzentriker, wendig und witternd im Aufgreifen der irrationalistischen Zeitströmung. Dies muß den elegisch zwischen Pflicht und Neigung schwankenden W. angezogen und fasziniert haben. Die Freundschaft der beiden Heranwachsenden jedenfalls hat in der deutschen Literatur Epoche gemacht. Ihr Bund bezeichnet die Geburtsstunde der Romantik. Gemeinsam studieren sie im Sommer 1793 in Erlangen, im Winter 1793/94 in Göttingen. Neben der ungeliebten Jurisprudenz betrieb W. in dieser Zeit auch Studien zur mittelalterlichen deutschen Literatur, beschäftigte sich mit Malerei und Musik. Im Herbst 1794 beorderte ihn der Vater zur Ableistung des Gerichtsrefe-rendariats nach Berlin zurück. Von Erlangen aus unternahmen W. und Tieck mehrere Ausflüge und Wanderungen in die nähere und fernere Umgebung Frankens, die zum Vorbild aller späteren romantischen Kunstreisen wurden. Sie besuchten Nürnberg und lernten erstmals eine noch weitgehend mittelalterlich gebliebene Stadt kennen; reisten nach Bamberg, wo sie dem zeremonialen Gepränge des katholischen Gottesdienstes erlagen; sahen auf Schloß Pommersfelden Gemälde der italienischen Renaissance im Original; machten schließlich ihre berühmt gewordene Pfingstreise nach Bayreuthund ins Fichtelgebirge, wo sie der noch unverstädterten Natur begegneten. Die Verherrlichung des deutschen Mittelalters, der katholischen Kirchenmusik, Albrecht Dürers und Raffaels - dies sind die Chiffren einer rückwärts gewandten Sehnsucht, zu der sich W.s Kunstfrömmigkeit in seinem schmalen Werk verklären sollte. Tieck hat die Schriften seines Freundes - Erzählungen, Gedichte, kunstbetrachtende Reflexionen und Berichte — gesammelt, wohl teilweise auch redigiert und, ganz im Sinne der romantischen Gemeinschaftsproduktion, mit eigenen Beiträgen ergänzt zum Druck gebracht . Die Herzensergießungen sind das erste bedeutende Zeugnis der literarischen Frühromantik. W. war der erste jener von nun an zahllosen Künstler der bürgerlichen Moderne, der im Alltag das Auseinanderbrechen von Ideal und Wirklichkeit erfuhr und der sich diesem Zwiespalt durch eine Flucht in das eigene Innere entzog. Beispielhaft hat er diesen Bruch in seiner Erzählung Das merkwürdige musikalische Leben des Tonkünstlers Joseph Berglinger gestaltet. Weil Berglinger die Welt als ungenügend erlebt, gilt seine Liebe und Sehnsucht der reinen, der religiös geoffenbarten Kunst. An diesem Zwiespalt scheint sich auch W.s Leben zerrieben zu haben: er starb — so erinnert Tieck sich 1847 - »endlich am Nervenfieber, eigentlicher fast an der Angst vor dem Examen, so sehr hatten ihn die Vorarbeiten dazu aufgeregt, weil er von den Rechten gar nichts verstand«.

     


Wackenroder, wilhelm heinrich

Siehe wie ich trostlos weine Vaget, Hans Rudolf. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 63 - 67. .....
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Wilhelm heinrich wackenroder (i773-i798)

Nur 25 Jahre alt wurde der zarte Wackenroder, in dessen 1797 erschienenen 'Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders" alles das enthalten ist, was das Wesen der Romantik ausmacht. In seinem Werk erscheint zum ersten Male die altdeutsche Kunst, die sich ihm auf gemeinsamen Wanderungen mi .....
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Exkurs: heinrich hoffmann und wilhelm busch

Das Werk zweier Autoren fällt - trotz aller Traditionsbezüge - aus diesem kinderliterarischen Mainstream völlig heraus: Es sind zunächst H. Hoffmanns unter dem Titel 'Struwwelpeter" berühmt gewordene Lustige Geschichten und drollige Bilder mit 15 schön kolorierten Tafeln für Kinder von 3 bis 6 Jahre .....
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Im hungerturm zu pisa heinrich wilhelm von gerstenberg: ugolino

Analyse Graf Ugolino della Gherardesca, ein namhaftes Haupt der ghibellinischen Partei in Pisa, schloß sich nach der Heirat seiner Schwester mit einem Guelfen deren Partei an, so daß er sich den Haß seiner ehemaligen Partei ganger zuzog. Er wurde gestürzt, des Verrats bezichtigt und eingekerkert, .....
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Belsatzar - heinrich heine

Die Mitternacht zog näher schon; In stummer Ruh lag Babylon. Nur oben in des Königs Schloß, Da flackert s, da lärmt des Königs Troß. 5 Dort oben in dem Königssaal, Belsatzar hielt sein Königsmahl. Die Knechte saßen in schimmernden Reih n, Und leerten die Becher mit funkelndem Wein. Es klirrten .....
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Meeresstille - heinrich heine

Heines Gedicht »Meeresstille« — man darfeinen Bezug zu Goethes gleichnamigem Gedicht von 1795, Erstdruck 1796, annehmen — stammt wohl aus der Lüneburg-Hamburger Zeit, entstanden zusammen mit anderen »Seebildern«, die Heine dann in den Zyklus »Die Nordsee« aufgenommen hat, in den Monaten Oktober- .....
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Windelband, wilhelm

W. wurde als Sohn eines preußischen Beamten geboren und studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Vaterstadt an den Universitäten Jena, Berlin und Göttingen anfänglich Medizin und Naturwissenschaft, später Geschichte und Philosophie. Philosophisch war er gleichermaßen von Kuno Fischer wie v .....
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Sense (suso), heinrich

Ein Holzschnitt stellt S. kniend vor der Erscheinung der >Ewi-gen Weisheit < dar; sie ist für ihn Personifikation der biblischen Weisheitslehren, die er mit dem menschgewordenen und gekreuzigten Sohn Gottes identifiziert. Zur mystischen Vereinigung mit ihr sucht er den Weg härtester Selbstkasteiung .....
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Schelling, friedrich wilhelm joseph

Die klassische deutsche Philosophie - in Verkennung der sie bestimmenden Dialektik von Idealismus und Materialismus auch als »Deutscher Idealismus« bezeichnet - ist im ausgehenden 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Zeitzeugin eines Zyklus von Revolutionen und eines Anti-Zyklus von Restaurati .....
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Lersch, heinrich

Brüder Schulz, Bernhard. In: Literarischer Unterricht II, 1966, S. 201 - 206. Neis, Edgar. In: Krieg im Gedicht, 1980, S. 53 - 54. Mensch im Eisen Neis, Edgar. In: Welt der Arbeit, 1975, S. 54 - 56. Morgenlied der neuen Arbeiter Neis, Edgar. In: Welt der Arbeit, 1975, S. 23 - 25. Na .....
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Ich weiß nicht, was soll es bedeuten - heinrich heine

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß ich so traurig bin; Ein Märchen aus alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn. 5 Die Luft ist kühl und es dunkelt, Und ruhig fließt der Rhein; Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein. Die schönste Jungfrau sitzet 10 Dort oben wunderbar, .....
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Fink und frosch - wilhelm busch

Diese Reimfabel ist ganz auf die Gegensätzlichkeit der beiden Tiere aufgebaut. Darauf deutet jeder einzelne Gestaltungszug hin: die Ãœberschrift, die mit den stilistischen Mitteln der Artikellosigkeit und der Alliteration der beiden Tiernamen fest verspannt; die Anlage der Handlungslinie ; vor allem .....
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Bewaffneter friede - wilhelm busch

Ganz unverhofft, an einem Hügel, Sind sich begegnet Fuchs und Igel. Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht! Kennst du des Königs Ordre nicht? 5 Ist nicht der Friede längst verkündigt, Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, Der immer noch gerüstet geht? Im Namen seiner Majestät Geh her und übergib dein .....
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An meinen ältesten sohn - wilhelm lehmann

Die Winterlinde, die Sommerlinde Blühen getrennt - In der Zwischenzeit, mein lieber Sohn, Geht der Gesang zu End. 5 Die Schwalbenwurz zieht den Kalk aus dem Hügel Mit weißen Zehn, Ich kann es unter der Erde Im Dunkeln sehn. Ein Regen fleckt die grauen Steine - Der letzte Ton Fehlt dem Goldammerm .....
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Heinrich von kleist (i777-i8ii)

Hölderlins Dichtung entrückte die Deutschen ins Reich der idealischen Sehnsucht, war Flamme des reinen Dichtergeistes, Kleists Werk wurzelt mitten im Felde des Lebens, ist Tat eines Genius, der sein Volk in verwirrter Zeit begleiten und aufrichten wollte. Der 1777 zu Frankfurt an der Oder Geborene .....
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Novelle von heinrich von kleist

Novelle Kleist ist in keinem seiner Stücke Ideendramatiker, sondern immer Wirklichkeitsdichter. Dies trifft genauso für seine Prosawerke zu. 'Es gibt im deutschen Schrifttum keine Novellen, deren Form und Vortrag so konzentriert, so kristallisch sind wie diejenigen Kleists." . Zu einer Zeit, da man .....
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Wilhelm müller (i794-i827)

Von Wanderlust und Naturliebe kündete auch der Dessauer Wilhelm Müller in seinen Liedern 'Am Brunnen vor dem Tore", 'Im Kug zum grünen Kranze", 'Das Wandern ist des Müllers Lust". In der Vertonung durch Franz Schubert sind sie zu echtem Volksgut geworden. .....
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Jakob (i785-i863) und wilhelm grimm (i786-i859)

Die von der Romantik angestrebte Wiederbelebung alten deutschen Literaturgutes, wie sie schon Arnim und Brentano in 'Des Knaben Wunderhorn" versuchten, fand ihre fruchtbarsten Vertreter in den beiden Brüdern Grimm, die zeitlebens eng zusammenarbeiteten. Ihr Name ist für immer mit ihren unvergänglich .....
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Rickert, heinrich

R. zählt zu den letzten bedeutenden Repräsentanten einer Richtung des »Neukantianismus«, die sich vor dem Ersten Weltkrieg als »südwestdeutsche Schule« an den Universitäten Freiburg und Heidelberg etablieren konnte. Die seinerzeit institutionell dominierende Bewegung des Neukantianismus gründet sich .....
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Ockham, wilhelm von

In der Nacht des 26. Mai 1328 floh der große franziskanische Ordensgelehrte O. zusammen mit dem Ordensgeneral Michael von Cesena und Marsiglio von Padua vor dem päpstlichen Inquisinonsgericht von Avignon, wo Papst Johannes XXII. residierte, nach Pisa zu Kaiser Ludwig dem Bayern, um dem Tod in der Un .....
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Leibniz, gottfried wilhelm

Wahrscheinlich war er der umfassendste Kopf, der an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert philosophisch dachte, in einer Zeit, die an philosophischen Köpfen nicht arm war. In Leipzig als Sproß einer Professorenianulie geboren, war er eines der Wunderkinder, mit denen seine Zeit zu renommieren versuc .....
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Loeben, otto heinrich graf von

Loreley Mohr, Franz Karl. In: Wächter 38, 1957, H. 3, S. 42 - 52. .....
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Lotz, ernst wilhelm

Aufbruch der Jugend Berghahn, Klaus L. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 106- 124. Meurer, Reinhard. In: Expressionismus, 1992, S. 24 - 29. .....
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Müller, wilhelm

Auf dem Fluße Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 176 - 186. Das Mühlenleben Haefeli-Rasi, Madeleine. In: Wilhelm Müller, 1970, S. 34 - 44. Das Wirtshaus Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 278 - 284. Der greise Kopf Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 234 - 239. D .....
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Raabe, wilhelm

Des Menschen Hand Fritz, Walter Helmut. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 103 - 105. Flüchtiges Glück Bienek, Horst. In: Zeit wie Ewigkeit, 1987, S. 42 - 45. Glockenklang Oppermann, Hans. In: Raabe-Jb, 1962, S. 78 - 85. Zwiesprache Schulz, Bernhard. In: Literarischer Unterrich .....
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