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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Vesper, Bernward



Als im Sommer 1977, wenige Wochen vor dem »deutschen Herbst« und den bis heute ungeklärten Ereignissen in Stuttgart-Stammheim,

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s Fragment gebliebener Romanessay Die Reise erschien, ahnten wohl wenige, daß diese nachgelassene Autobiographie zum Schlüsselwerk für das Verständnis einer ganzen Generation, die sich in der außerparlamentarischen Opposition befunden hatte, werden sollte.

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war ein Sohn des prominenten nationalsozialistischen Schriftstellers und Lyrikers Will Vesper. Seine Kindheit und Jugend verbrachte I er auf dem am Südrand der Lüneburger Heide gelegenen Gut I Triangel. Nach dem Abitur machte er zunächst eine Lehre als Verlagsbuchhändler, ehe er von 1961 bis 1964 in Tübingen, danach in Berlin Germanistik und Soziologie studierte. In Tübingen lernte er auch die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin kennen, mit der er bis 1968 zusammenlebte.

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konnte sich, in seinen politischen Ãoberzeugungen wie in seinen schriftstellerischen Versuchen, zunächst nur schwer von seinem Vater lösen, für dessen Werke er noch 1963 einen Verleger suchte. Im Zuge der entstehenden studentischen Protestbewegung radikalisierte sich seine politische Haltung seit Mitte der 60er Jahre. Bereits 1964 veröffentlichte er gemeinsam mit Gudrun Ensslin das Buch Gegen den Tod. Stimmen deutscher Schriftsteller gegen die Atombombe. Anläßlich der Bundestagswahl 1965 engagierte er sich im Wahlkontor der deutschen Schriftsteller für die SPD. 1966 gründete er die Voltaire Flugschriften, 1968 die Edition Voltaire als publizistisches Forum der Außerparlamentarischen Opposition. Die Trennung von Gudrun Ensslin markierte den persönlichen, die Entstehung der Roten Armee Fraktion den politischen Bruch in seinem Leben. Den Weg der militanten Linken in die »Gespensterarmee« des Terrorismus wollte er nicht gehen; er floh in den Ausweg der Droge. Am 21. 2. 1971 wurde er nach Gewalttätigkeiten infolge Drogeneinfluß und Alkoholsucht in das Nervenkrankenhaus Haar bei München eingeliefert, von dort Anfang März auf eigenen Wunsch in die Universitäts-Nervenklinik Hamburg-Eppendorf verlegt, wo er am 15. 5. 1971 Selbstmord beging. Der Romanessay Die Reise entstand von 1969 bis 1971 und beschreibt eine »Geisterreise ins Ich und in die Vergangenheit«.

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unternimmt in diesem Buch in Form einer Individualarchäologie eine radikale Erkundung seiner selbst, seiner Herkunft, seiner Psyche und der bundesrepublikanischen Wirklichkeit. Er und sein Leser »reisen« dabei auf drei einander kaum verbundenen Ebenen, die sich collagehaft ineinanderschieben und die immer wieder durch Zeichnungen, Traumprotokolle, Zitate aus Zeitungen, ästhetische und politische Ãoberlegungen unterbrochen sind. Die erste Ebene ist die »Rückerinnerung« an die eigene Kindheit, deren ländlich behütete Idylle sich ihm als die Einübung in ein Terrorsystem enthüllt; an den überlebensgroß-autoritären Vater, dessen Bild sich mit dem des Führers zu einer negativen Identifikationsfigur verwischt. Die zweite Ebene gehört der realen Reise in der Zeit der Niederschrift, als die APO zerbricht und

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ruhelos durch Europa irrt. Die dritte Ebene, als Kontrapunkt des Textes, gilt dem Trip, dem Eintauchen in diekünstlichen Paradiese des Rauschgifts . Die Fortsetzung des Faschismus über das Jahr 1945 hinaus, das Erbe der Väter als Last der Söhne - selten wurde fortdauernde Verschleierung deutscher Geschichte so deutlich, wie an

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s Buch und Person. Es macht die verzweifelte Radikalität dieses Buches aus, daß sein Autor Literatur als Harakiri betreibt. Hier hat einer schreibend sein Leben aufs Spiel gesetzt - und verloren.

     


Vesper, bernward

Bernward Vesper hinterließ nur ein einziges Romanfragment. Die Reise, ursprünglich als Dissertationsschrift verfasst, wurde erst sechs Jahre nach dem Selbstmord des Autors veröffentlicht. Vielen galt das autobiografisch motivierte Buch als Bekenntnis der 68er-Generation. Vesper wuchs auf dem nieder .....
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Vesper, guntram

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Vesper,  Bernward    





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