Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Trakl, Georg



»Wer mag er gewesen sein?« fragte sich Rainer Maria Rilke, als T. - wahrscheinlich durch Selbstmord - so früh gestorben war. Wie sein Werk, entzieht sich auch die Person des Lyrikers der Mitteilbarkeit: verschlossen, düster, einsam, verrätselt und voller Leiderfahrung, so war er als Mensch: »gleichsam auf seine Pausen aufgebaut, ein paar Einfriedungen um das grenzenlos Wortlose: so stehen seine Zeilen da« . Der Versuch, sich zum Leben zu bringen, ohne wirklich lebensfähig zu sein, und zur Sprache zu bringen, was sich der Sprache entzieht, so ließe sich das Paradox von Leben und Werk auf eine Formel bringen. T. stammte aus gutbürgerlichem Elternhaus , scheiterte aber gänzlich an den bürgerlichen Realitäten. Die Schule wird abgebrochen, der Beruf als Pharmazeut nur sporadisch ausgeübt; die Kriegserfahrung 1914 stürzt ihn in den Wahnsinn, freilich entschieden gefördert durch die schon früh ausgeprägte Drogen- und Alkoholsucht; einer Kokainvergiftung erliegt er wenig später, nachdem er schon einige Selbstmordversuche unternommen hatte. Zur Schwester Margarethe, die namenlos immer wieder in den Gedichten auftaucht, pflegte er ein inzestuöses Verhältnis. Freunde machte er sich nur wenige; die wenigen aber standen zu ihm. Vorab Ludwig von Ficker, den T. 1912 kennenlernte und der seine Gedichte von da an regelmäßig in seiner Zeitschrift Der Brenner publizierte. Er war es auch, der dem Umhergetriebenen, meist Mittellosen Zuflucht bot und den Lebensunterhalt besorgte.

      »Es ist ein so namenloses Unglück, wenn einem die Welt entzweibricht«, notierte T. im Jahr 1913. Das mit dieser Erfahrung verbundene Leid ist das Grundmotiv der Dichtung, die Martin Heidegger als »ein einziges Gedicht« deklariert hat . Freilich betrifft dies kaum die frühe Lyrik, die zwischen 1906 und 1910 anzusetzen ist. Sie ist z.T. banal, romantisch sentimental, vordergründig und bevorzugt strenge Formen . Erst die spätere Lyrik gewinnt die für T. typische Eigenheit: aus wenigen, miteinander verflochtenen Bildgefügen, die in immer neuen Variationen und Konfigurationen erscheinen, häufig fremdartig dunkel wirken und überraschende Farbmotive bevorzugen, entsteht das Bild der zerbrochenen Welt und des leidenden Menschen in ihr. Charles Baudelaire, der poete maudit, war der entscheidende poetische Anreger, Friedrich Nietzsche, der Künder des Untergangs und des Wertverlusts, der philosophische. Auch in der Form »zerbricht« T. seine spätere Lyrik in zunehmendem Maße und sucht so die adäquate Gestaltung ihres Inhalts. Allerdings steht der zerbrochenen Welt die Suche nach — freilich — unerfüllter transzendenter Geborgenheit gegenüber. In den Leitgestalten des Knaben , des Kindes, der Schwester, Helians, Christus , des Engels und Gottes selbst beschwört die Lyrik die überzeitlich rettenden Mächte: »Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern. / Gottes Schweigen / Trank ich aus dem Brunnen des Hains«. Offenbarung und Untergang heißt eines seiner späten Prosagedichte, die beiden Pole der Dichtung T.s benennend.
      Es besteht Unsicherheit darüber, ob T.s Lyrik aus letztlich unentzifferbaren poetischen Chiffren besteht, T. also einer der ausgeprägtesten rein intuitiv dichtenden Künstler war, oder ob er sehr bewußt angeordnet, seine Variationen nach strengem Strukturgesetz gebaut hat. Der Entstehungsprozeß der Gedichte läßt verfolgen, daß T. fast immer von beobachtbaren Realitätsdetails, die z.T. romantisch verklärt sind, ausgeht und sie dann im weiteren Arbeitsprozeß »verfremdet«, so lange, bis sie sozusagen sprachlos geworden sind.
     


Georg trakl - abendland

Else Lasker-Schüler in Verehrung 1 Mond, als träte ein Totes Aus blauer Höhle, Und es fallen der Blüten Viele über den Felsenpfad. Silbern weint ein Krankes Am Abendweiher, Auf schwarzem Kahn Hinüberstarben Liebende. Oder es läuten die Schritte Elis durch den Hain Den hyazinthenen Wieder verh .....
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Georg trakl (i887-i9i4): der herbst des einsamen - erfüllung und abschied

Der Herbst des Einsamen Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle, Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen. Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle; Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen. Gekeltert ist der Wein, die milde Stille Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen. Und hier un .....
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Trakl, georg

Georg Trakl gilt als der bedeutendste österreichische Lyriker des 20. Jahrhunderts. Seine Dichtung, oft pessimistisch in der Aussage, ist von unverwechselbarer sprachlicher Schönheit. Als viertes von sechs Kindern einer wohlhabenden, liberal eingestellten Familie in Salzburg geboren, verlebte Trakl .....
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Im winter - georg trakl

Der Acker leuchtet weiß und kalt. Der Himmel ist einsam und ungeheuer. Dohlen kreisen über dem Weiher Und Jäger steigen nieder vom Wald. Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt. 5 Ein Feuerschein huscht aus den Hütten. Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten Und langsam steigt der graue Mond. E .....
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Georg trakl (i887-i9i4)

wurzelt im Expressionismus, wenngleich sie sich vom revolutionären Ton der Dichter Georg Heym, Ernst Stadler und J. R. Becher durch die Neigung zu zartem Mitleiden und tiefer Melancholie unterscheidet. Trakl wurde am 3. Februar 1887 in Salzburg geboren. Die Atmosphäre dieser Stadt und das Erlebnis .....
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Georg trakl (i887-i9i4)

So kennt man Trakl: Geboren am 3.2.1887 in Salzburg, stammte aus einer gebildeten und wohlhabenden bürgerlichen Familie. Der finanzielle Rückhalt war jedoch nur bis zum Tod seines Vaters, eines Eisenhändlers, gegeben, seine Beziehung zur Mutter war gestört, mit seiner jüngsten Schwester Margarethe J .....
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Die schöne stadt - georg trakl

Alte Plätze sonnig schweigen. Tief in Blau und Gold versponnen Traumhaft hasten sanfte Nonnen Unter schwüler Buchen Schweigen. Aus den braun erhellten Kirchen 5 Schaun des Todes reine Bilder, Großer Fürsten schöne Schilder. Kronen schimmern in den Kirchen. Rösser tauchen aus dem Brunne .....
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Trakl, georg

Geb. 3.2.1887 in Salzburg; gest. 4.11.1914 in Krakau »Wer mag er gewesen sein?«, fragte sich Rainer Maria Rilke, als T. - wahrscheinlich durch Selbstmord - so früh gestorben war. Wie sein Werk, entzieht sich auch die Person des Lyrikers der Mitteilbarkeit: Verschlossen, düster, einsam, verrätselt u .....
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Trakl, georg

Abend in Lans Lachmann, Eduard. In: Kreuz und Abend, 1954, S. 53 - 54. Krolow, Karl. In: Frankfurter Anthologie 10, 1986, S. 181 - 184. Abendländisches Lied Lachmann, Eduard. In: Kreuz und Abend, 1954. S. 109- 110. Finck, Adrien. In: Recherches Germaniques 4. 1974, S. 107- 119. Steinkamp, .....
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Der winter - georg heym

Der Sturm heult immer laut in den Kaminen Und jede Nacht ist blutig-rot und dunkel. Die Häuser recken sich mit leeren Mienen. Nun wohnen wir in rings umbauter Enge, Im kargen Licht und Dunkel unserer Gruben, 5 Wie Seiler zerrend grauer Stunden Länge. Die Tage zwängen sich in niedre Stuben, Wo .....
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Columbus - georg heym

12. Oktober 1492 Nicht mehr die Salzluft, nicht die öden Meere, Drauf Winde stürmen hin mit schwarzem Schall. Nicht mehr der großen Horizonte Leere, Draus langsam kroch des runden Mondes Ball. Schon fliegen große Vögel auf den Wassern 5 Mit wunderbarem Fittich blau beschwingt. Und weiße R .....
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Stefan george (i868-i933): komm in den totgesagten park ... - kein laufplatz für jogger

Komm in den totgesagten park und schau: Der Schimmer ferner lächelnder gestade • Der reinen wölken unverhofftes Blau Erhellt die weiher und die bunten pfade. Dort nimm das tiefe Gelb • das weiche grau Von birken und von buchs • der wind ist lau • Die späten tosen welkten noch nicht ganz • .....
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Drachen - georg britting

Die Drachen steigen wieder Und schwanken mit den Schwänzen Und brummen stumme Lieder Zu ihren Geistertänzen. 5 Von wo der knallende Wind herweht? Von Bauerngärten schwer! Jeder Garten prallfäustig voll Blumen steht, Die Felder sind lustig leer. Der hohe Himmel ist ausgeräumt, 10 Wasserblau, ohne R .....
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April - georg heym

Das erste Grün der Saat, von Regen feucht, Zieht weit sich hin an niedrer Hügel Flucht. Zwei große Krähen flattern aufgescheucht Zu braunem Dorngebüsch in grüner Schlucht. Wie auf der stillen See ein Wölkchen steht, 5 So ruhn die Berge hinten in dem Blau, Auf die ein feiner Regen niedergeht .....
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Komm in den totgesagten park - stefan george

Komm in den totgesagten park und schau: Der Schimmer ferner lächelnder gestade • Der reinen wölken unverhofftes blau Erhellt die weiher und die bunten pfade. Dort nimm das tiefe gelb • das weiche grau 5 Von birken und von buchs • der wind ist lau • Die späten rosen welkten noch nicht .....
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Simmel, georg

S. besaß eine Sammlung kostbaren Porzellans. Schüler berichten von einer Berliner Vorlesung vor einer großen, in die Hunderte gehenden Hörerschaft, in welcher er über eine chinesische Porzellanschale mit einer feinen Tuschzeichnung dozierte. Er verwies dabei auf die augenblickliche Lebensbewegung de .....
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Vogelschau - stefan george

Weisse schwalben sah ich fliegen Schwalben schnee- und silberweiss • Sah sie sich im winde wiegen • In dem winde hell und heiss. 5 Bunte häher sah ich hüpfen • Papagei und kolibri Durch die wunder-bäume schlüpfen In dem wald der tusferi. Grosse raben sah ich flattern • 10 Dohlen schwarz un .....
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Vring, georg von der

Aufgehender Mond Neis, Edgar. In: Mond in der Lyrik, 1971, S. 21 - 22. Aus einer Nacht Bondy, Barbara. In: Zehn Minuten, 1991, S. 75 - 80. Cap de Bonne-Esperance Piontek, Heinz. In: Frankfurter Anthologie 1, 1976, S. 127 - 130. Der Bogenpfeil Eich, Günter. In: Mein Gedicht. 1961, S .....
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Weckherlin, georg rodolf

An das Teutschland Weber, Albrecht. In: Deutsche Barockgedichte, 1967, S. 42 - 43. Meid, Volker. In: Gedichte und Interpretationen 1, 1982, S. 148 - 158. Die Lieb ist Leben und Tod Hippe, Robert. In: Liebe im Gedicht, 1971, S. 20 -21. Ãœber den frühen Tod etc Beck, Adolf. In: Deutsche Lyr .....
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Hamann, johann georg

In der Italienischen Reise schreibt Goethe, als er über seine Lektüre Giambattista Vicos berichtet, es sei »gar schön, wenn ein Volk solch einen Ältervater besitzt: den Deutschen wird einst Hamann ein ähnlicher Kodex werden«. Ein solcher »Ã„ltervater« ist H.. den Friedrich Karl von Moser den »Magus .....
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Weerth, georg

Arbeite! Neis, Edgar. In: Welt der Arbeit, 1975, S. 16 - 20. Das Hungerlied Bräutigam, Kurt. In: Zugänge, 1977, S. 43 - 46. Der Kanonengießer Hermand, Jost. In: Geschichte im Gedicht, 1979, S. 128- 135. Die hundert Männer von Haswell Hermand, Jost. In: Geschichte im Gedicht, 1979, S .....
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Hegel, georg wilhelm friedrich

Das Portrait des versunkenen Professors auf dem Katheder über den Köpfen der andächtig mitschreibenden jungen Herren im Frack zeigt H. im Jahre 182S. auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, in Berlin. Dieser H. ist es. der in die Nachwelt einging, dessen Denken z.B. dem jungen Marx noch ganz selbstverstä .....
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Winter, georg

Das Faultier oder die Geschichte zur hakenförmigen Kralle Wiese, Benno von. In: Frankfurter Anthologie 11, 1988, S. 249 - 253. .....
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Lukäcs, georg

Geb. 1 ?. 4. J^.s in Budapest: gest. 4. 6. 1971 in Budapest 'Die Beziehung zu Marx ist der wirkliche Prüfstein für jeden Intellektuellen, der die Klärung seiner eigenen Weltanschauung, die gesellschaftliche Entwicklung.... seine eigene Stellung in ihr. . . ernst nimmt.« So schrieb Georg L., beina .....
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Mead, george herbert

In ihren Grundzügen ist die Philosophie M.s dem Pragmatismus von William James und lohn Dewey verpflichtet. Möglicherweise ist 111 dieser Verbindung begründet, daß er lange Zeit in deren Schatten stand und in seiner eigenständigen Position nicht gesehen wurde. Ein anderer Grund dafür ist, daß M. zu .....
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Trakl,  Georg    





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