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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Stifter, Adalbert



Albert S. entstammt einer Handwerkerfamilie, in der man Leinen webte und mit Flachs handelte. S.s Leben hat sich im wesentlichen in der europäischen Kernlandschaft zwischen Prag, Passau, Linz und Wien abgespielt; diese Landschaft zwischen Moldau und Donau beherrscht auch das Werk; nur einmal in seinem Leben kommt S. in den Süden ; seine Weltanschauung, Wesen und Werk erscheinen zutiefst österreichisch, völkerverbindend und insgesamt östlich ausgerichtet. Trotz unverkennbarer zeittypischer 1 Erscheinungsformen tendiert S. ins Ãœberzeitliche; die großen Romane Der Nachsommer und Witiko sind literarische Entwürfe gegen die herrschenden politischen und sozialen Strömungen; politische Massenbewegungen, die einsetzende Verstädterung und die Anzeichen der industriellen Revolution, des beginnenden Maschinenzeitalters strahlen nur wie von ferne in sein Werk; wo sie allerdings erfaßt werden, wie etwa in den Wiener Reportagen


, dem Tandelmarkt oder den späten Winterbriefen aus Kirchschlag , erkennt man nicht nur den naturwissenschaftlich geschulten Beobachter, sondern auch den entschiedenen Zeitkritiker. Naturbegriff und Landschaftsdarstellung in seinem Werk sind äußerst komplex und durchmessen sowohl die aus der späten Romantik bekannten Muster, bis hin zum nihilistischen Schauer; es finden sich aber auch Anklänge an die bis ins Utopische gesteigerten real-symbolischen Darstellungsweisen des späten Johann Wolfgang von Goethe der Wanderjahre, wie jene rätselhaften säkularisierten »Offenbarungslandschaften«, höchst eindrucksvoll in ihrer Ruhe und Erstarrung. Walter Benjamin hat einmal von einer »geradezu pervers und raffiniert verborgenen Dämonie« der Natur bei S. gesprochen. Die in vielen seiner Texte einbrechenden oder wie selbstverständlich vorhandenen Fremden und »Wilden«, z.B. das »wilde Mädchen« im Waldbrunnen , stellen nur den äußersten Rand des Personenspektrums dar, sind doch die Entsagungsfiguren S.s, meist Zurückgekehrte, Einzelne, oftmals wie S. selbst kinderlos, Resignierte und Sonderlinge, allesamt fremd und unzeitgemäß in ihrem Glauben, daß in der Versöhnung mit der Natur letztlich eine Entsühnung früher, zumeist durch Leidenschaft erzeugter Schuld, ihre »soziale Bewährung« erreichbar sei. Die biographischen Spuren im Werk sind vielfältig und nachhaltig, aber selten oberflächenhaft festzumachen. Das gilt für die von der Mutter ererbte Triebhaftigkeit, gegen die er lebenslang angekämpft und angeschrieben hat. Es gilt aber auch für jenes »Zugrunderichtende«, das er zum erstenmal als Zwölfjähriger beim Unfalltod des Vaters unmittelbar miterlebt; das gilt vor allem für sein unglückliches erotisches Schicksal, das seinen Lauf nimmt, als Fanny Greipl seine leidenschaftliche Zuneigung abweist. Die unglückliche Liebe des Studenten zu ihr, 1827 einsetzend, eine schwere Belastung S.s über den frühen Tod Fannys im Jahr 1839 hinaus, ist denn auch vorrangiger Gegenstand der biographischen Arbeiten zu S. Das gilt aber auch für das über Jahrzehnte so ungewisse berufliche Schicksal. Dabei hatte S. das traditionsreiche Gymnasium des Stifts Kremsmünster, gefördert von Pater Placidius Hall, von 1818 bis 1826 glänzend durchlaufen, sich besonders der antiken Literatur, aber auch der Malerei und Naturkunde gewidmet und als notwendige Voraussetzung für den erstrebten Staatsdienst in Wien mit dem Jurastudium begonnen; in der Tat aber ist die Verstörung durch die nicht erwiderte Liebe zu Fanny Greipl derart, daß sie ihn für Jahre aus der Bahn wirft; weder schließt er das Studium ab , noch hat er, der sich als Hauslehrer über Wasser hält , Erfolg bei seinen Bewerbungen. 1837 heiratet er die Modistin Amalie Mohaupt, die Ehe bleibt kinderlos, die beiden Ziehtöchter sterben früh .Ab 1840 meldet sich der Schriftsteller S. zu Wort, die Malerei tritt zurück, erste Erzählungen erscheinen in Journalen und Taschenbüchern, dann übernimmt der bedeutende Prager Verleger Gustav Heckenast Werk und Betreuung; S. verkehrt in den Wiener Salons, muß sich den Auseinandersetzungen in dem von gegenseitiger Konkurrenz beherrschten Literaturbetrieb stellen, u.a. mit Friedrich Hebbel; er empfindet die heraufziehende bürgerliche Revolution als überfällig, plant einen Robespierre-Roman, wendet sich aber dann von der Revolution ab. Er wirkt pädagogisch und ministerial, zunächst als Schulrat für Oberösterreich, gründet eine Realschule in Linz, dem Wohnsitz, scheidet aber auf eigenen Wunsch 1865 vorzeitig aus dem Schuldienst aus und wird zum Hofrat ernannt.

     
Nun erscheinen in Abständen - seit den 50er Jahren plagt ihn ein schweres Nervenleiden — die Erzählsammlungen; sein ständiges, im Falle der Mappe meines Urgroßvaters lebenslanges Umarbeiten nennt er »Roden«. Und es erscheinen die Romane, die ihn nach einem halben Jahrhundert des Vergessens seit Beginn unseres Jahrhunderts zum »Klassiker«, zu einem der großen Erzähler nicht nur der deutschsprachigen Literatur bestimmt haben: Mit den Studien — der Titel wahrt noch den Bezug zur Romantik wie Malerei —, der Zusammenstellung überarbeiteter und in der Urfassung bereits vorliegender Erzählungen schafft S. den endgültigen Durchbruch. Sie enthalten u.a. Der Condor , Feldblumen , Das Haidedorf , die berühmte und bereits den »anderen S.« zeigende Erzählung Der Hochwald , Die Narrenburg ; in den 1847 erschienenen Bänden der Studien finden sich so bedeutende Erzählungen wie Brigitta - eine frühe Sozialutopie und Entwurf fraulicher Selbstbestimmung —, die Studienfassung der Mappe meines Urgroßvaters, von der Thematik, der Personengestaltung und Schreibart her sein persönlichstes und zugleich untergründigstes Werk, von suggestivem Appell und dem utopischen Glauben, daß Menschenschicksale von fernhin aufeinander angelegt seien, oder Abdias, in der das Problem menschlicher Schuld thematisiert wird. Die 1853 gesammelten Erzählungen Bunte Steine sind bis heute S.s bekanntestes Werk; im Vorwort dieser Ausgabe hat sich S. entschieden zu seiner Weltanschauung und Schreibart - das viel zitierte »sanfte Gesetz« —geäußert. Die Sammlung enthält Granit , Bergkrystall , Turmalin , Katzensilber, Bergmilch und, vielleicht am nachhaltigsten, die Entsagungsgeschichte Kalkstein .
      Gipfelpunkt seines Werkes und sein großer Beitrag zum Bildungsroman der bürgerlichen Epoche ist Der Nachsommer : im Rosenhaus begegnen sich alternde und junge Menschen und finden ihr Lebensglück in der Harmonie zu Natur und Kunst. Dies ereignet sich in der nahezu hermetisch abgeschlossenen Alpenwelt des Landguts Asperhof. S. bietet enzyklopädisch das Inventar der bürgerlichen Epoche auf— Gesellschaft, Geschichte, Natur, Kunst, Religion- und ordnet es lückenlos einer auf Einverständnis, Rationalität, Effektivität und künstlerische Wirkung bedachten Humanität unter, die deutlich auf die künstlerisch-philosophischen Weltordnungen des 18. Jahrhunderts zurückweist . Die für S.s Alterswerk typische Suche nach menschlicher Sicherheit und Geborgenheit muß dabei zwangsläufig jedes »draußen« ausblenden. Seine edlen, sich vollkommen konfliktfrei darstellenden und souverän über die Schätze der Natur und des Geistes gebietenden »Kunst «-Menschen spielen ein Spiel, das angesichts der wirklichen Gegebenheiten der zweiten Jahrhunderthälfte alle Merkmale einer rückwärtsgewandten Utopie aufweist. S.s letzter Roman Witiko scheint dies unwillkürlich zu unterstreichen, wenngleich er an den für das 19. Jahrhundert typischen historischen Roman anknüpft und die Frühzeit der tschechischen Staatsgründung im 12. Jahrhundert behandelt. In diesem Roman, der aufgrund seiner Vielzahl ungewöhnlicher Stilmittel Verwirrung und Kontroversen hervorgerufen hat, entwirft er ein politisches Handlungsmodell, das ganz auf demokratischer Rationalität gegründet ist. Wie wenig S. in Wirklichkeit diesen Entwürfen getraut haben mag, zeigt die Tatsache, daß er durch Selbstmord endet: er verwundet sich mit dem Rasiermesser am Hals und stirbt zwei Tage später, ohne noch einmal das Bewußtsein erlangt zu haben.
     


Stifter, adalbert

Geb. 23.10.1805 in Oberplan/ Böhmerwald; gest. 28.1.1868 in Linz Albert St. entstammt einer Handwerkerfamilie, in der man Leinen webte und mit Flachs handelte. St.s Leben hat sich im wesentlichen in der europäischen Kernlandschaft zwischen Prag, Passau, Linz und Wien abgespielt; diese Landschaft z .....
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Fanny und amalia - Ãœber adalbert stifter

Spät am Abend zog es ihn in einen Ballsaal. Kr trank Wein, sang, tanzte, aß mindestens sechs Korellen und war noch immer hungrig, rauchte Zigarren und gab Geld aus, das er sich nur geborgt hatte. Gewiss, er war durchaus in Geldnöten, aber in dieser Augustnacht überließ er sich nur dem Augenblick. .....
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Adalbert stifter

Adalbert Stifter wird in Oberplan im südlichen Böhmen geboren. Der Vater, Johann Stifter, ist Leinweber und -händ-ler. Das Flternhaus ist ein karges, schindelgedecktes Gebäude mit Brunnen und Hof. Die Stifters leben einfach, haben aber ihr Auskommen. Adalbert ist das älteste Kind. Da er kurz nach de .....
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Stifter, adalbert

Adalbert Stifter ist der bedeutendste österreichische Erzähler des Realismus. Seinem Gesamtwerk liegt das Prinzip der Ordnung zu Grunde: Der Mensch kann nur Glück und Zufriedenheit erlangen, wenn sein Denken, Fühlen und Handeln von Maß und Ordnung bestimmt werden. Stifter verbindet einen unpsycholog .....
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Adalbert stifter (i805-i868)

Was Grillparzer auf dem Gebiete des Dramas, das bedeutet Stifter auf dem Gebiete der Erzählung für die Zeit des Biedermeier. In dem Flecken Oberplan an der Moldau in Böhmen geboren und aufgewachsen inmitten der unberührten großartigen Natur des Böhmerwaldes und im vertrauten Umgang mit dessen Mensc .....
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Stifters bildungsideal - rettung in heilloser zeit

Adalbert Stifters 1857 erschienener und im Untertitel schlicht als „Erzählung" bezeichneter Roman Der Nachsommer kann als ein Sonderfall nicht nur in der zeitgenössischen Literatur, sondern auch in der Geschichte des Bildungsromans gelten. Denn die durchgängige Asthetisierung der dargestellten Welt .....
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Stifter, ädalbert

Das Freudenfest am Trauerdenkmale Kienesberger, Konrad. In: Stifters Freudenfest, 1968, S. 51-75. .....
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Adalbert von chamisso (i78i-i838)

Chamisso, der auf Schloß Boncourt in der Champagne geboren wurde und mit seinen vor der Revolution flüchtenden Eltern in Berlin eine zweite Heimat fand, war einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit. In seiner Lyrik, so in dem von Robert Schumann vertonten Zyklus 'Frauenliebe und -leben" i .....
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Stifter,  Adalbert    





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