Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Schwitters, Kurt



Ein bieder gekleideter Mann spricht 1918 im Berliner »Cafe des Westens« den DADA-Künstler Raoul Hausmann an, stellt sich als Kurt Schwitters vor und antwortet auf die Frage, was er mache: »Ich bin Maler und ich nagle meine Bilder.« Zwar wird nichts aus der erhofften Aufnahme in den »Club DADA«, aber man wird aufmerksam auf den Unbekannten, der außer Bildern auch noch Gedichte macht. Der Hannoveraner mit dem etwas spießigen Äußeren ist bereits über dreißig Jahre alt. Vier Jahre zuvor hat er noch an der Kunstakademie Dresden studiert . Er wohnt bis zur Emigration 1937 im gutbürgerlichen Elternhaus. Dort finden die ersten MERZ-Vortragsabende statt, dort schreibt er, klebt, nagelt aus vorgefundenem Material seine Bilder, gestaltet er ganze Räume. Alles ist Teil eines Gesamtkunstwerks, an dem S., sich selber einbegreifend, in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg arbeitet und wofür er in bissigen Polemiken kämpft .

      Entstanden aus der Demontage des Wortes KOMMERZ, das den lettristischen Blickfang eines frühen Bildes bildet, wird MERZ für S. zum Inbegriff künstlerischer Tätigkeiten: »Ich nannte nun alle meine Bilder als Gattung nach dem charakteristischen Bilde MERZbilder. Später erweiterte ich die Bezeichnung MERZ erst auf meine Dichtung... und endlich auf alle meine entsprechenden Tätigkeiten. Jetzt nenne ich mich selbst MERZ.« Die Nähe zu DADA, seiner Begriffsbildung und anti-konventionellen Kunstpraxis, ist offensichtlich. Doch ist bei S. eine Haltung festzustellen, die weniger an anarchischer Zerstörung als am experimentell Konstruktiven abstrakter Kunst interessiert ist. Hier hegen Gründe für seine Abgrenzung gegen DADA, äußerlich ablesbar am »Markenzeichen« MERZ. Dennoch fühlt sich S. der dadaistischen Bewegung zugehörig und ist mit Hans Arp, Hausmann und Tristan Tzara u.a. befreundet. Da S. erst verhältnismäßig spät dazustößt, kann er die bereits ausgearbeiteten avantgardistischen Elemente von DADA kritisch übernehmen und sie in eigener Weise weiterentwickeln.
      Literarisch experimentiert S. ab 1918 im Stile August Stramms. Damit erweckt er das Interesse Herwarth Waldens, der in seiner Zeitschrift Der Sturm erste Texte von S. publiziert. 1919 erscheint das Gedicht An Anna Blume. Ganz im dadaistischen Sinne parodiert S. traditionelles Kunstpathos. Dies Gedicht markiert den Beginn einer kabarettistisch wirkenden Vortragsliteratur, mit der S. in den Folgejahren zum erfolgreichen Rezitator wird. Vortragsreisen machen seine MERZ-Kunst bekannt. Die Collage von »objeets trouves« wendet er auch bei Texten an, montiert Alltagsrede, grammatische Reihen, Zahlen und vieles mehr. Die parodistische Dramatisierung im Vortrag will Kunst und Anti-Kunst zugleich sein, ist Ausdruck »karnevalistischen Weltempfmdens« . In diesen Veranstaltungen liegen auch die Anfänge dessen, was S. zu einem der Väter der »Konkreten Poesie« gemacht hat, seine Lautpoesie. Angeregt durch Raoul Hausmann, entwickelt S. seine berühmte Ursonate. 1923 bis 1932 veröffentlicht er Teile dieses Musterbeispiels dadaistischer Lautpoesie,erprobt und überarbeitet sie bis zur endgültigen Form. Er selber ist sein bester Interpret: »Mit welch hinreißendem Schwung sang, trillerte, flüsterte, schnarrte, jubelte er seine Urlautsonate, bis die Zuhörer aus ihrer grauen Haut fuhren... Es gelangen ihm übermenschliche, verführerische, sirenenhafte Klänge« . Während die DADA-Bewegung zerfällt, ist S. um Alternativen und Entwicklungen bemüht. Sein visueller Kunstsinn drängt ihn zu neuen typographischen Formen. Ein Stil- und Ordnungsbedürfnis wird spürbar, das ihn ab 1922 Anschluß an Konstruktivisten wie El Lissitzky und an die »De Stijl «-Gruppe um van Doesburg suchen läßt. Mit den Merzheften schafft er sich eine programmatische Plattform, entwirft neue Schriftformen, entwickelt utopische Theaterpläne und plädiert mit anderen in einem Manifest Proletkunst für ein klassenüberwindendes »Gesamtkunstwerk«.
      S. wird freier Werbeberater für Firmen und für die Stadt Hannover. Künstlerisch nähert er sich der »Neuen Sachlichkeit« an. Doch der frühere Erfolg bleibt aus. »Heute ist Schwitters einfach unmöglich... Die Zeit geht weiter«, schreibt 1930 eine Zeitung. Von den Nazis verfolgt - seine Bücher werden 1933 verbrannt, seine Bilder 1937 als »Entartete Kunst« ausgestellt — emigriert er im selben Jahr nach Norwegen, flieht 1940 nach England, wo er bis zu seinem Tode vereinsamt und künstlerisch unbeachtet lebt. - Öffentlichen Erfolg hatte S. im Zusammenhang der DADA-Bewegung, in der er sich als MERZ-Künstler zu behaupten wußte. Seine literarische Wirkung ist heute am ehesten bei Autoren der »Konkreten Poesie« festzustellen, die sich häufig auf ihn als Anreger berufen .
     


Kurt schwitters - an anna blume

O du, Geliebte meiner siebenzwanzig Sinne, ich liebe dir! — Du deiner dich dir, ich dir, du mir- — Wir? Das gehört nicht hierher. Wer bist du, ungezähltes Frauenzimmer? Du bist — bist du? — Die Leute sagen, du wärest — laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht. Du trä .....
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Kurt schwitters (i887-i948)

Poesie als fortlaufende Grenzüberschreitung Wie kaum ein anderer deutscher Künstler aus neuerer Zeit hat Kurt Schwitters, freilich erst Jahrzehnte nach seinem Tod, Weltruhm erlangt. Bilder von Schwitters werden in allen großen internationalen Museen gezeigt. Mit guten Gründen kann man Schwitters al .....
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Schwitters, kurt

An Anna Blume Thomson, Philip. In: GQ 45, 1972, S. 46 - 56. Scheffer, Bernd. In: Anfänge, 1978, S. 74 - 90. Geier, Manfred. In: Germanistische Linguistik, 1979, H. 1/2, S. 139 - 183. Kolf, Bernd. In: Deutsche und rumäniendt. Lyrik, 1981, S. 195 - 199. Augstein, Rudolf. In: Frankfurter Anthologie .....
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Kurtmartin magiera in den sand geschrieben

Analyse Die Geschichte ist nur auf dem Hintergrund der europäischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu verstehen. Die Industriestaaten brauchen mehr Arbeitskräfte, als ihre eigene Bevölkerung stellen kann. Einige Staaten haben einen Ãœberschuß an arbeitsfähigen Menschen, die nu .....
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Kurt marti neapel sehen

A Semantischer Aspekt Lernziel: Die Schüler sollen beschreiben können, wie sich die Bedeutung der Kernbegriffe im Handlungsablauf verändert, und dadurch befähigt werden, die zwei Teile der inhaltlichen Gliederung gegeneinander abzusetzen sowie die gesellschaftskritische Intention der Erzählung zu .....
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Bracharz, kurt

Biografie: *1 in Bregenz. K. Bracharz war von 1972-1990 Berufsschullehrer für kaufmännische Fächer und Englisch, übte kurzfristig andere Berufe aus und ist seit 1997 freier Schriftsteller, Kolumnist und Ãœbersetzer in Bregenz. Kriminalromane: 1986 Pappkameraden, de-tebe 21475, NA Deuticke HC 1995; .....
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Lanthaler, kurt

Biografie: *9.11.1 in Bozen. K. Lanthaler studierte nach dem Abitur in Italien an der Deutschen Film-und Fernsehakademie, Berlin. 1993 erschien der erste von vier Tschonnie-Tschenett-Romanen, die seither auch als Diogenes-Taschenbücher erschienen sind. K. Lanthaler wurde unter anderem mit dem Staats .....
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Lehmkuhl, kurt

Biografie: *3.2.1 in Ãœbach-Palen-berg, Kreis Heinsberg. K. Lehmkuhl studierte Jura und ist seit 1982 als Journalist für die Aachener Zeitung tätig, davon seit 1986 als Lokalredakteur in Erkelenz. Seit 1997 veröffentlichte er mehrere Werke, vornehmlich Kriminalromane, die im Städtedreieck Aachen, Kö .....
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Siodmak, kurt bzw. curt

In Filmen auch Curtis Siodmak Biografie: *10.8.1 in Dresden, t2.9.2 Los Angeles. K. Siodmak machte 1927 seinen Dr. phil. an der Universität Zürich — anderen Angaben zufolge studierte er dort Mathematik -und studierte außerdem an den Technischen Hochschulen in Dresden und Stuttgart. 1933 emigrierte .....
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Kurt hager - aus: zu fragen der kulturpolitik der sed, referat auf der 6. tagung des zentralkomitees der sed

[...] Die sozialistische Gesellschaft ist die einzig rechtmäßige Erbin aller fortschrittlichen geschichtlichen Leistungen und Traditionen, allen Strebens nach einem menschenwürdigen Dasein. In der DDR wird schon viel getan, damit das große kulturelle und künstlerische Erbe zum festen Besitz der Ar .....
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Joachim g. boeckh, gÜnter albrecht, kurt bÖttcher, klaus gysi, paul gÜnter krohn, hermann strobach

Geschichte der deutschen Literatur. Bd. 5: 1600-1700 [...] Die innerhalb der Literaturentwicklung des 16. und 17. Jahrhunderts - die sich insgesamt als Ãœbergangsepoche vom Feudalismus zum Kapitalismus darbietet - kurz vor 1600 gesetzte Zäsur bezeichnet den Anfang einer neuen gesellschaftlichen un .....
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Kurt pinthus - zuvor (vorrede zur anthologie 'menschheitsdämmerung)

[...] Die Jünglinge dieser Generation fanden sich in einer Zeit, aus der jedes Ethos geschwunden war. Es galt, in jeder Situation Haltung zu bewahren; möglichst umfangreich und mannigfaltig mußte die Menge des genießerisch Rezipierten sein; Kunst wurde ganz nach ästhetischem, Leben ganz nach statis .....
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Kurtchen schnarchte fürchterlich

Ende Januar 1927 lernte Kurt Tucholsky auf einem Ball die Berlinerin Lisa Matthias kennen. Was sich zwischen ihm und dieser Dame innerhalb von einigen Jahren abgespielt hat, war dem deutschen Leser bisher nicht bekannt. Doch sind wir von den Qualen einer so beschämenden Unwissenheit endlich befreit .....
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Tucholsky, kurt

Geb. 9.1.1890 in Berlin; gest. 21.12.1935 in Hindaas Er hat die erste deutsche Republik nur um eine kurze Zeitspanne überlebt. Am 21. Dezember 1935 begeht er, nach quälender Krankheit und mehreren schweren Operationen, im schwedischen Hindaas Selbstmord. Den Bruch mit seiner deutschen Existenz, mi .....
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Augen in der großstadt - kurt tucholsky

Wenn du zur Arbeit gehst am frühen Morgen, wenn du am Bahnhof stehst mit deinen Sorgen: da zeigt die Stadt 5 dir asphaltglatt im Menschentrichter Millionen Gesichter: Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, , die Braue, Pupillen, die Lider - .....
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Kurt tucholsky (i890-i935)

Schäferliedchen Der Kaiser ist ein braver Mann, doch leider nicht zu Haus, und mancher gute Bürgersmann zieht still sein Schnupftuch raus. Und er beweint so tränennaß den kaiserlichen Bann - und sonst noch was und sonst noch was, was ich nicht sagen kann. Wie war sie schön, die große Zeit! Man f .....
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Tucholsky, kurt

Der scharfzüngige und hellsichtige Chronist Kurt Tucholsky gilt als einer der bedeutendsten Gesellschaftskritiker und Satiriker der Weimarer Republik. Mit seiner oft bissigen und vielfach unterhaltsamen Kritik verfolgte der »pessimistische Aufklärer« das Ziel einer demokratischen, humanen und zivili .....
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Vonnegut, kurt

Kurt Vonnegut benutzt in seinen Romanen immer wieder Motive der Science-Fiction, um philosophischen oder zivilisationskritischen Fragestellungen nachzugehen. Als programmatisch für sein Gesamtwerk kann eine Bemerkung seines Protagonisten aus Gott segne Sie, Mr. Rose-water gelten: Eliot Rosewater be .....
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Bartsch, kurt

Abriß Kunert, Günter. In: Frankfurter Anthologie 5, 1980, S. 265-268. Die Leichenwäscherin ist tot Maiwald, Peter. In: Frankfurter Anthologie 13, 1990, S. 263-267. Hamlet Würffei, Stefan Bodo. In: Ophelia, 1985, S. 171 - 175. Rosa Luxemburg Würffei, Stefan Bodo. In: Ophelia, 1985, .....
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Feltz, kurt

Der Theodor im Fußballtor Riha, Karl. In: Fußball im Gedicht, 1982. S. .....
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Heynicke, kurt

Erhebe die Hände Weller, Christopher D. In: Expressionist Poetry, 1978, S. 301 -311. .....
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Leonhard, kurt

Ecce homo Johannimloh, Norbert. In: DU 14, 1962, H. 3, S. 81 - 84. .....
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Marti, kurt

atomreaktor würenlingen Kranz, Gisbert. In: Siebenundzwanzig Gedichte, 1972, S. 17- 18. das leere grab Schröer, Henning. In: Moderne dt. Literatur, 1972, S. 167 - 169. der name Hahn, Ulla. In: Gedichte und Interpretationen 6, 1982, S. 208 - 214. großer gott klein Fritz, Walter Helm .....
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Steininger, kurt

Kinderschuhe Hippe, Robert. In: Fünfzig Gedichte, 1980, S. 74 - 75. .....
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Tucholsky, kurt

An das Baby Wiese, Benno von. In: Frankfurter Anthologie 2, 1977, S. 139 - 142. Augen in der Großstadt Nemitz, Werner. In: Anleitung, 1980, S. 74 - 77. Riha, Karl. In: Deutsche Großstadtlyrik, 1983, S. 87 - 95. Der Graben Walter, Dirk. In: Gedichte und Interpretationen 5, 1983, S. 277 - 28 .....
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Schwitters,  Kurt    





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