Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Schubart, Christian Friedrich Daniel



»Ohne Recht und Urteil schmachtete er viele Jahre im Felsenkerker; das Auge seines Fürsten weidete sich an ihm, seine späte Entlassung ward Gnade, und nie bekam er die Ursache seines Gefängnisses zu wissen, bis an den Tag seines Todes. Wahre Begebnisse dieser Art müßten von Munde zu Munde, von Tagebuch zu Tagebuch fortgepflanzt werden; denn wenn Lebendige schweigen, so mögen aus ihren Gräbern die Toten aufstehen und zeugen.« Mit diesen anklägerischen Worten setztejohann Gottfried Herder S. in seinen Briefen zur Beförderung der Humanität ein ehrendes Denkmal. Die zehnjährige Haftstrafe auf dem Asperg, dem berüchtigten »Hausberg der schwäbischen Intelligenz«, hatte S. zu einer Symbolfigur des antifeudalen Widerstands gemacht. Sein Leben ist durch diese lange Zeit auf dem »Thrä-nen-, Höllen- und Schicksalsberg« unwiderruflich geprägt worden.
      Als Sohn eines schwäbischen Dorfpfarrers zeigte S. bereits als Kind musikalische und literarische Talente. Nach eher unsystematisch betriebenen Studien vor allem der »schönen Wissenschaften« in Nördlingen und Erlangen brachte sich S. mühselig als Hilfsprediger, Hauslehrer und Organist durch, geriet aber wegen seines unsteten Lebenswandels immer wieder in Not. Erst 1774, mit der Ãœbernahme des Schwäbischen Journals, konsolidierte sich seine finanzielle Situation. Unter dem Titel Deutsche Chronik wurde dieses Blatt für einige Jahre zu einem Forum der politischen Opposition in Süddeutschland. Der aufsässige, bissige Journalismus, der die Chronik auszeichnete und zu einem begehrten Blatt machte — die Auflage schwankte zwischen 1600 und 3000 Exemplaren machte S. der Obrigkeit verhaßt und zwang ihn mehrmals zu Ortswechseln. Der Herzog Carl Eugen von Württemberg warf S. vor, es gäbe »fast kein gekröntes Haupt und kein Fürsten auf dem Erdboden«, den er in seinen Schriften »nicht auf das freventlichste angetastet« habe. Tatsächlich bemühte sich S. in seiner Chronik um eine lebendige und unkonventionelle Mischung von politischen und literarischen Themen und verfaßte seine Beiträge in einem unterhaltsamen und volkstümlichen Ton. Enthusiastisch begrüßte S. die Stürmer und Dränger: »Da sitz ich mit zerfloßnem Herzen, mit klopfender Brust und mit Augen, aus welchen wollüstiger Schmerz tröpfelt, und sag Dir, Leser, daß ich eben die >Leiden des jungen Werthers< von meinem lieben Goethe — gelesen? — nein, verschlungen habe. Kritisieren soll ich? Könnt ich s, so hätt ich kein Herz.« In seiner eigenen literarischen Praxis knüpfte er an die volkstümlichen und sozialkritischen Bestrebungen der Stürmer und Dränger an . Seine Erzählung Zur Geschichte des menschlichen Herzens war Vorlage für Friedrich Schillers Räuber .
      Seine politische Unbotmäßigkeit brachte S. schließlich zu Fall. Unter einem Vorwand ließ ihn der Herzog Carl Eugen von Württemberg aufsein Hoheitsgebiet locken und ohne Prozeß und ohne förmliche Anklage auf der Festung Asperg verschwinden. »Jetzt rasselte die Tür hinter mir zu und ich war allein — in einem großen, düstern
Felsenloche allein. Ich stand und starrte vor Entsetzen, wie einer, den die donnernde Woge verschlang und dessen Seele nun in schaurigen Scheol erwacht.« 377 Tage verbrachte S. völlig ohne Kontakt zur Außenwelt, aber auch als die Isolierung gelok-kert wurde, durfte er jahrelang keine Besuche oder Post empfangen. Bis Ende 1780 hatte er Schreibverbot. Der Herzog wollte ein Exempel an ihm statuieren. Während er gleichzeitig für S.s Frau und Kinder sorgte, unterwarf er den eingekerkerten S. einem drakonischen »Bekehrungswerk«. Die einzig erlaubte Lektüre waren geistliche Bücher, religiöse Fanatiker die einzigen zugelassenen Gesprächspartner. Hafterleichterungen wurden erst erteilt, als absehbar war, daß S. psychisch gebrochen und Widerstand nicht mehr von ihm zu befürchten war. Der Herzog fand sich sogar bereit, eine Ausgabe der Gedichte von S. zu veranstalten, während dieser bei ihm einsaß. Unter den dreitausend Subskribenten fanden sich Offiziere der Garnison und der Kerkermeister, aber auch vierzehn deutsche Regenten. Für den Herzog war die Ausgabe ein gutes Geschäft. Von den zweitausend Gulden Gesamteinnahmen strich er die Hälfte für sich ein. Freigelassen wurde S. trotz solcher herzoglichen »Gnadenbeweise« aber noch lange nicht. Nach fast neun Jahren durfte ihn zum erstenmal seine Frau besuchen. Die Entlassung von S. trug groteske Züge: Carl Eugen nahm den gebrochenen Rebellen ins Gnadenbrot und versprach ihm »das Leben von nun an leicht und angenehm zu machen«. Die Chronik, die S. auf allerhöchsten Befehl als Vaterländische Chronik wieder herausgeben durfte, hatte ihren Biß verloren. Das »Erziehungswerk« war gelungen. S. starb wenige Jahre später als Theater- und Musikdirektor an den Folgen der langen Gefangenschaft.
     


Schubart, christian friedrich daniel

Der Kupferstecher nach der Mode Härtling, Peter. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 33-36. Die Aussicht Eigenwald, Rolf. In: Projekt Deutschunterricht 8, 1974, S. 133 - 135. Sowinski, Bernhard und Schuster, Dagmar. In: Sturm und Drang, 1992, S. 112 - 116. Die Forelle Jäger, Hans-Wolf .....
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Delius, friedrich christian

Chinesisch essen Schwarz, Egon. In: Frankfurter Anthologie 7, 1983, S. 255-258. Hymne Girschner-Woldt, Ingrid. In: Theorie, 1971, S. 40 - 43. Junge Frau im Antiquitätenladen Zeller, Michael. In: Frankfurter Anthologie 3, 1978, S. 267-270. Pankow, Klaus. In: Lesarten, 1982, S. .....
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Hebbel, christian friedrich

Geb. 18.3.1813 in Wesselburen; gest. 13.12.1863 in Wien Bereits fünf ]ahre vor seinem ersten Tragödienerfolg schrieb H. folgende Selbstbeurteilung nieder: »Ich hege längst die Ãœberzeugung, daß die Poesie nur eine heilige Pflicht mehr ist, die der Himmel den Menschen auferlegt hat, und daß er also, .....
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Weisse, christian friedrich

Klagen Kranefuss, Annelen. In: Wandsbecker Bote, 1973, S. 63-70. .....
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Schleiermacher, friedrich daniel ernst

»Alle Menschen sind Künstler.« Mancher mag vielleicht heute diesen Satz spontan mit einem Diktum Joseph Beuys identifizieren, dessen Auffassung: »Kunst kommt nicht von Können, sondern von Künden«, von der Ãœberzeugung lebt, daß in jedem einzelnen - wenn auch zumeist verschüttet — die Fähigkeit un .....
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Friedrich hebbel (i8i3-i863)

Als Sohn eines Maurers in Wesselburen geboren, wuchs der junge Hebbel in drückender Armut auf. 'Die Armut hatte die Stelle seiner Seele eingenommen", sagte der Dichter später von seinem Vater, der die dichterischen. Pläne seines Sohnes unterdrückte und ihn zum Maurerhandwerk zwang. Als er starb, kam .....
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Christian dietrich grabbe (i80i-i836) und georg büchner(i8i3-i837)

Grabbe, Sohn eines Detmolder Zuchthausverwalters, war eine unglückliche Natur. Er scheiterte sowohl als Schauspieler wie auch als Rechtsbeamter, verkam schließlich in Trunksucht und ging an Tuberkulose zugrunde. Er war ein genialer Nachfahre des Sturm und Drang und ein entschiedener Gegner der Roman .....
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Friedrich rückert (i788-i866)

Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir immerdar. O wie liegt so weit, o wie liegt so weit Was mein einst war! Auch Rückert, gebürtig aus Schweinfurt, gestorben in Neuses bei Coburg, rief in seinen 'Geharnischten Sonetten" zum Kampf gegen Napoleon auf. In seinen sechs Bänden ly .....
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Friedrich baron de la motte-fouque (i777-i843)

Fouque war zu seiner Zeit einer der beliebtesten Modeschriftsteller, der durch seine Dichtungen aus dem Mittelalter am meisten vor Richard Wagner zum Bekanntwerden der germanisch-deutschen Götter- und Heldensagen beige^ tragen hat. Ihm verdanken wir das heute noch am meisten gelesene Märchen der Rom .....
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Wenn nicht mehr zahlen und figuren - novalis (friedrich leopold freiherr von hardenberg, i772-i80i): das eine geheime wort

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren Sind Schlüssel aller Kreaturen Wenn die so singen, oder küssen, Mehr als die Tiefgelehrten wissen, Wenn sich die Welt ins freye Leben Und in die Welt wird zurück begeben, Wenn dann sich wieder Licht und Schatten Zu ächter Klarheit wieder gatten, Und man in Mährche .....
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Novalis (friedrich von hardenberg, i772-i80i)

Der bedeutendste dichterische Geist der Frühromantik, ja der Inbegriff des Romantikers überhaupt, war der frühvollendete Novalis. Seine dichterische Begabung entzündete sich an dem frühen Tod seiner jugendlichen Braut, die er nur um wenige Jahre überlebte. In seinen 'Hymnen an die Nacht" rührt Noval .....
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Jean paul friedrich richter (i763-i825)

Während Heinrich von Kleist an der Wirklichkeit zerbrach, hat sie Jean Paul gemeistert und überwunden. Aus der Enge des damaligen Bayreuth baute er sich das Weltall seiner sehnsüchtigen Träume und Ideale. Und was die Bereicherung der deutschen Sprache vom Dichterischen her angeht, muß Jean Paul nebe .....
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Friedrich hölderlin (i770-i843)

das Wesen des Dichters an sich verwirklichte. Er ist geradezu „der Dichter des Dichters" geworden, wie Martin Heidegger es ausdrückte. Jeder Vers und jede Zeile, die er schrieb, bezeugen die gerade an seinem Werk gewonnene Erkenntnis, daß Dichtung nicht nur das Ergebnis eines genialen und geschulten .....
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Friedrich nietzsche (i844-i900)

Der im gleichen Jahr wie Liliencron in Röcken bei Lützen geborene F. Nietzsche wurde noch vor Erwerbung des Doktorgrades sdion 1869 als Universitätsprofessor nach Basel berufen, machte den Krieg 1870/71 als Sanitäter mit, zog sich aber den Keim zu einer Krankheit zu, die ihn später aufzehren sollte. .....
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Christian morgenstern (i87i-i9i4),

ein geborener Münchner, suchte als Dichter der 'Galgenlieder" und ähnlicher Sammlungen hintergründigen Humor mit mystischer Gläubigkeit zu einen. Aber auch als ernster Lyriker wollte Morgenstern die Kluft zwischen Mensch und Kosmos überbrücken, schuf er zarte Gedichte der Sehnsucht und der Beseligu .....
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Hälfte des lebens - friedrich hölderlin (i770-i843) - heilignüchtern

Hälfte des Lebens Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See. Ihr holden Schwäne, Und trunken von Küssen Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser. Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde? Die Mauer .....
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Sonnenuntergang - friedrich hölderlin (i770-i843) - götterlose gegenwart

In einer vierstrophigen Fassung, die Hölderlin Ende Juni 1798 mit weiteren Gedichten an Schiller schickte, hieß das Gedicht noch Dem Sonnengott. Schiller nahm zwar andere der übersandten Gedichte, nicht aber dieses in den Musenalmanach fiir das Jahr 1799 auf. Und Hölderlin arbeitete die vierstrophig .....
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Nänie - friedrich schiller (i759-i805) - Ãœber die sterblichkeit des schönen

Nänie Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget, Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus. Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher, Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk. Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde, .....
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Friedrich gottlieb klopstock (i724-i803): die frühen gräber - die sommernacht - mond, der gedankenfreund

Die frühen Gräber Willkommen, o silberner Mond, Schöner, stiller Gefährt der Nacht! Du entfliehst? Weile nicht, bleib, Gedankenfreund! Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin. Des Maies Erwachen ist nur Schöner noch, wie die Sommernacht, Wenn ihm Tau, hell wie Licht, aus der Locke träuft, U .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Umfangen von Natur

Christian hofmann von hofmannswaldau (i6i7-i679): die welt - alles ist blendwerk

Die Welt Was ist die Welt, und ihr berühmtes Gläntzen? Was ist die Welt und ihre gantze Pracht? Ein schnöder Schein in kurtz-gefaßten Grenzen, Ein schneller Blitz bey schwartz-gewölckter Nacht; Ein buntes Feld, da Kummer-Disteln grünen; Ein schön Spital, so voller Kranckheit steckt. Ein Sclav .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Unter dem Damoklesschwert der Zeit

Friedrich hölderlin

Die Rückkehr des Menschen zur ursprünglichen Einheit mit der Natur in einer freien Gesellschaft ist das große Thema in den Werken von Johann Christian Friedrich Hölderlin . Von der Mutter, die aus einem pietistischen Pfarrhaus stammte, für den geistlichen Beruf bestimmt, trat er zwar 1788 in das Tü .....
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Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

'in tyrannos! - schubart und schiller

Der Ruf 'In tyrannos!" wurde für Christian Friedrich Daniel Schubart und den jungen Friedrich Schiller zum politisch-literarischen Programm. Der schwäbische Sturm und Drang hatte eine radikalere Ausprägung als andernorts; denn Schubart wie Schiller hatten landesväterliche Willkür am eigenen Leib .....
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Index » Sturm und Drang (1770-1785)

Friedrich dürrenmatt (geb. i92i)

stellt oft mit dem Unterton tiefster Bitterkeit mutige Zeitsatiren auf die Bühne. „Romulus der Große" läßt die ganze Weltgeschichte zur Farce werden: der letzte weströmische Kaiser interessiert sich mehr für Hühnerzucht als für die Aufgaben der Staatslenkung. Die Komödien „Die Ehe des Herrn Mississ .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

Friedrich a. kittler

Im programmatischen Vorwort zu dem Band Urszenen proklamieren F.A. Kittler und H. Turk die 'Diskursanalyse": Den genealogischen Ursprüngen von Diskursverboten und Diskursivierun-gen neuer Diskurs-Ordnungen - resultierend aus veränderten Macht-, Begehrens- und Wisscns-Konstellationen - gelte es auc .....
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Index » Literaturtheorien » Strukturale Psychoanalyse und Literatur (Jacques Lacan)

Vögelein im winter - friedrich gull

Es lag ein tiefer Schnee, Gefroren war der See, Der Wind blies kalt und schaurig. Da saß ein Vöglein traurig Auf einem Ast im Wald: »Verhungern muß ich bald, Wenn lang die Tage währen, Wer soll mich auch ernähren? Das war gesprochen kaum, Da stund ein großer Baum Voll roter Vogelbeeren, Die durft e .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

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Schubart,  Christian  Friedrich  Daniel    




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