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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Schnurre, Wolfdietrich



S. gehört - obwohl er 1983 den Georg-Büchner-Preis erhielt - zu den verkannten Autoren der Gegenwart, wohl weil er einer ihrer vielseitigsten und unbequemsten ist. Zu schnell hat die literarische Öffentlichkeit ihn auf die Kurzgeschichte festgelegt, die seinen Ruhm in den 50er Jahren begründete und zu deren Klassikern er neben Wolfgang Borchert und Heinrich Böll zählt. Aber neben Kurzgeschichten , schrieb er auch Parabeln {Das Los unserer Stadt, 1959) und Fabeln , Aphorismen und Gedichte , Hörspiele und Dialoge , Kinderbücher und Romane . Wie kaum ein zweiter spürt er literarischen Formen nach und befragt sie nach ihren Wirkungsmöglichkeiten. Denn Wirkung will er, ohne aufdringlich zu sein, immererzielen; daß er zu den »engagierten« Schriftstellern gehört, hat er mehrfach betont .

      S.s Wirkungsabsichten und viele seiner Themenstellungen erklären sich aus seiner Biographie. »Der Tod, das ist mein Thema eins«, schrieb er 1984 - und entsprechend schon 1972 in einer Selbstbetrachtung , er sei viermal zur Welt gekommen: das erste Mal 1920 in Frankfurt, wo er unruhige, durch Krankheiten gezeichnete Kinderjahre verbrachte; das zweite Mal 1928 in Berlin, wo er unter der Obhut seines als Bibliothekar tätigen, sich für den Naturschutz einsetzenden Vaters in Arbeitervierteln aufwuchs, die politischen Unruhen des Endes der Weimarer Republik unmittelbar miterlebte, den Aufstieg der Nazis und die Diskriminierung der Juden und Zigeuner, und erste Aktionen des Widerstands erprobte; das dritte Mal 1945 als Heimkehrer nach sechseinhalb Jahren Soldatsein; das vierte Mal schließlich nach vollständiger Lähmung und anderthalbjährigem Krankenhausaufenthalt in den 60er Jahren.
      Die Zeit des Schreibens fällt in die dritte und vierte Lebensphase. S. war Mitbegründer der Gruppe 47 und eröffnete deren erste Lesung mit seiner Erzählung Das Begräbnis, einem Text, den man als exemplarisch für die vielzitierte »Kahlschlag- und Trümmerliteratur« der ersten Nachkriegsjahre ansehen kann. Der sarkastischen Desillusio-nierung der Wertvorstellungen einer schuldbeladenen, zur Sühne und Nächstenliebe unfähigen Gesellschaft dienen viele der gelungensten seiner Geschichten. Häufig zeigt er soziale Außenseiter oder Kinder {Steppenkopp, 1959; Ein Fall für Herrn Schmidt, 1962) als Opfer von Vorurteil und Brutalität, häufig die Repräsentanten und Mitläufer eben jener Gesellschaft {Eine Rechnung, die nicht aufgeht, 1966), in deren Verhalten der Leser die eigenen Versäumnisse erkennen soll. Einen anderen Akzent tragen die in Als Vaters Bart noch rot war gesammelten Geschichten, die vom erzählenden Ich zum Roman zusammengebunden werden. Hier widerstehen die sozial Schwachen den bedrückenden Verhältnissen im Berlin der 30er Jahre durch ihre Solidarität, ihre Heiterkeit und ihre List. Wie verwandt diese Geschichten dem Geist des stets neu zu »erarbeitenden«, »anzuverwandelndcn« Mutmachers und Wirklichkcitsüberwindcrs Till Eulenspiegel sind, S.s erklärtem Freund , bliebe zu untersuchen. Auch S.s Humor tragt, wie der Eulenspiegels, Trauerschwarz. Es ist ein Humor, der sich dem Leidensdruck der Realität nicht entzieht, sondern sich ihm stellt und daher oft Züge der Bitterkeit annimmt. Man kann S.s ganzes Schreiben als Trauerarbeit verstehen . In sie möchte er den Leser hineinziehen und ihm dennoch die Freiheit der Selbstreflexion sichern. Der Kurzgeschichte gelingt dies durch das Stilmittel der Aussparung und die Offenheit ihrer Struktur. Auch die Parabel überläßt die Suche nach ihrem Wahrheitsgehalt und ihrem »Sitz im Leben« dem Leser; und auch der Aphorismus, den S. so liebt, intendiert Einsicht — durch die Verfremdung des Gewohnten im überraschenden subjektiven Urteil, das zur gedanklichen Auseinandersetzung zwingt. Selbst S.s Gedichte tragen diesen reflektierenden und offenen Zug. Kassiber sind die verschlüsselten Mitteilungen eines Häftlings, eines dem Tode Ausgelieferten, der seine Erfahrungen weitersagt und Denkanstöße gibt, und sei es durch die an sich selbst gerichtete Frage .
      Es überrascht nicht, daß er auch mit seinem ersten großen Roman den Leser zur selbständigen Trauerarbeit auffordert. Der Schattenfotograf besteht aus Tagebuchnotizen, Maximen und Reflexionen, Aphorismen, Geschichten, Kommentaren u.a.m. Diese assoziativ-erinnernde Schreibweise führt gerade durch die Auflösung eines nar-rativen Zusammenhangs zu Verstörungen, die den Leser nötigen, die aufgezeichneten Leidenserfahrungen auch auf sich selbst zu beziehen und die eigene Betroffenheit in Sinnfragen umzuwandeln. Die Ãœberzeugung, daß Leben ohne Erinnerung nicht möglich sei, weist auf S.s selbstbezeugten Hang zum Jüdischen und auch auf einige seiner geistigen Väter, auf Walter Benjamin und Ernst Bloch. Der Zusammenhang von Schuld, Erinnerung und Leben wird zum zentralen Problem des bisher letzten Romans Ein Unglücksfall , der die mißglückte jüdisch-deutsche Symbiose und das historische Verbrechen der Deutschen an den Juden thematisiert. Diesem Roman, ihm vor allem, wünscht S. Breitenwirkung; in der Literaturkritik ist er bisher so gut wie totgeschwiegen worden.
     


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Schnurre,  Wolfdietrich    





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