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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Schnitzler, Arthur



In seinem für die Beziehung von Psychoanalyse und S.s Dichtung aufschlußreichen Glückwunschschreiben zum 60. Geburtstag des Dichters hat Sigmund Freud die Distanz zu seinem »Collegen« S. mit einer Art »Doppelgängerscheu« erklärt. Er schreibt dazu: »Nicht etwa, daß ich so leicht geneigt wäre, mich mit einem anderen zu identifizieren oder daß ich mich über die Differenz der Begabung hinwegsetzen wollte, die mich von Ihnen trennt, sondern ich habe immer wieder, wenn ich mich in Ihre schönen Schöpfungen vertiefe, hinter deren poetischen Schein die nämlichen Voraussetzungen, Interessen und Ergebnisse zu finden geglaubt, die mir als die eigenen bekannt waren. Ihr Determinismus wie Ihre Skepsis - was die Leute Pessimismus heißen —, Ihr Ergriffensein von den Wahrheiten des Unbewußten, von der Triebnatur des Menschen, Ihre Zersetzung der kulturell-konventionellen Sicherheiten, das Haften Ihrer Gedanken an der Polarität von Lieben und Sterben, das alles berührte mich mit einer unheimlichen Vertrautheit... So habe ich den Eindruck gewonnen, daß Sie durch Intuition — eigentlich aber in Folge feiner Selbstwahrnehmung — alles das wissen, was ich in mühseliger Weise an anderen Menschen aufgedeckt habe.« Freuds Doppelgängerscheu kann mit einigem Recht auf die Befürchtung bezogen werden, in S. dem mit »unheimlicher Vertrautheit« zu begegnen, was in ihm selbst versagte Möglichkeiten geblieben sind. S. lediglich eine Begabung zur Intuition zuzusprechen, verkürzt indes den wahren Sachverhalt, denn der Schriftsteller hatte sich als Mediziner mit der Psychoanalyse und ihrer Vorgeschichte eingehend befaßt. Als Sohn eines angesehenen Medizinprofessors hatte S. - wie Freud — an der Wiener Universität bei den damals herausragendsten Vertretern der Wiener medizinischen Schule studiert. Für die Zeitschrift seines Vaters, die Internationale Klinische Rundschau, hatte der Student als Medizinjournalist gearbeitet und dabei die Studien Charcots in der Ãœbersetzung Freuds rezensiert. Hypnose und Suggestion wurden von S. experimentell angewandt. Folie hierfür blieb allerdings der Determinismus - der freie Wille ist nichts anderes »als die für die Dauer der persönlichen Existenz in das Individuum gesperrte Kausalität« — seiner durch Hermann von Helmholtz beeinflußten Anschauung, die am empiristischen und positivistischen Wissenschaftskonzept festhielt. In seiner Autobiographie Jugend in Wien , die bis 1889 reicht, berichtet er ausführlich über seine wissenschaftlichen und literarischen Anfänge.


     
Für die Literatur war ihm, der zum Litcratenkreis der Jungwiener gehörte, die Psychoanalyse eine außerordentliche Unterstützung, denn auch die »neueren Dichter« hätten erkannt, »daß die Seele im Grunde kein so einfaches Ding sei«. Als Mediziner sah er sich jedoch zu Einwänden gegen Freuds Theorie veranlaßt; Theodor Reik, von dem auch die erste wissenschaftliche Untersuchung zu S. stammt, spielte die Vermittlerrolle zwischen Freud und S. Diese betrafen nach Michael Worbs die Erklärung psychischer Störungen einzig aus der Sexualität, obwohl dies gerade angesichts von S.s Werk befremden muß und vielleicht lediglich als eine Rationalisierung betrachtet werden darf. In seinem Plädoyer für eine »psychologische Literatur« schreibt S.: »Die Begrenzungen zwischen Bewußtem, Halbbewußtem und Unbewußtem so scharf zu ziehen, als es überhaupt möglich ist, darin wird die Kunst des Dichters vor allem bestehen.« Trotzdem sprach er sich gegen die Ãœberdeterminierung der Bildung des Unbewußten in der Psychoanalyse aus und führte als Korrektiv der Freudschen Topik ein »Mittelbewußtsein« ein: »Das Mittelbewußtsein wird überhaupt im Ganzen zu wenig beachtet. Es ist das ungeheuerste Gebiet des Seelen- und Geisteslebens; von da aus steigen die Elemente ununterbrochen ins Bewußte auf oder sinken ins Unbewußte hinab. Das Mittelbewußtsein steht ununterbrochen zur Verfügung. Auf seine Fülle, seine Reaktionsfähigkeit kommt es vor allem an.« Er kritisierte den gewohnheitsmäßigen Rekurs auf das Unbewußte, der häufig zu vorschnellen Antworten führe; Auch die Freudsche Topik »Ich/Ãœber-Ich/Es« bedachte er mit dem Schematismus-Vorwurf, schließlich formulierte sein Empirismus Vorbehalte gegen jegliches ganzheitliches Erklärungsmodell, mithin auch gegen die Psychoanalyse. »Ich schreibe Diagnosen«, erklärte S. kategorisch zu seinen literarischen Arbeiten. Seinen eigenen Determinismus weichte S.s Skepsis auf, indem pragmatisch ein »Als ob« des freien Willens entgegengesetzt wird. Aus diesem Dualismus entspringen die Rollenkonzepte seiner Dramen und das Luigi Pirandello verwandte Spiel im Spiel .
      Eine Opposition zu seinem Determinismus bilden auch die liberalen Ideen, denen sich S. bereits seit früher Zeit verschrieben hatte. Der Wiener Liberalismus definierte den Menschen als rationales, autonomes Wesen, das durch - moralische — Selbstbeherrschung und Verfügung über die Natur das gesellschaftliche Glück ermögliche. S. ist darin Repräsentant seiner Zeit. Egon Friedell nannte ihn auch deshalb einen Darsteller der »Topographie der Wiener Seelenverfassung um 1900«. Die Krise des Wiener Liberalismus, die äußerlich mit dem Großen Krach an der Börse von 1873 eingeleitet wurde, brachte eine entschiedene Umorientierung in der Kunst mit sich. Karl Kraus stellte dazu polemisch fest, daß der »Wirkungskreis des Wiener Liberalismus auf ein Premierenpublikum« beschränke. Carl E. Schorske sieht als Resultat dieser Krise den Aufbau einer Ersatzwirklichkeit in der Kunst, die durch Introversion hervorgebracht wurde: der Weg nach Innen führte zur Selbstanalyse und zum Narzißmus, die in der Wiener Literatur der Jahrhundertwende im Zentrum stehen, zumal der Naturalismus in der versinkenden Habsburger-Metropole so gut wie nicht Tritt fassen konnte. Was Richard Hamann und Jost Hermand demnach über die Epoche festgestellt haben, gilt in besonderem Maße für S.: »Man schließt sich ab, beschränkt sich auf seinen ästhetischen Innenraum und gerät so in eine Landschaft der Seele, die fast ausschließlich auf dem Prinzip der autistischen Bezogenheit beruht.«
Ein Tagebuchzitat vom 19. Februar 1903 soll stellvertretend für die Art der Selbst-beobachtung bei S." stehen: »die Disharmonie, der Kampf zwischen zwei direct entgegengesetzten Lebensanschauungen, der mein Wesen charakterisirt und mich zu einer ewigen inneren Unruhe verdammt. Revolutionär ohne Muth, abenteuerlustig ohne die Fähigkeit Unbequemlichkeiten zu ertragen — Egoist ohne Rücksichtslosigkeit -und endlich ein Künstler ohne Fleiss — ein Selbsterkenner ohne Tendenz zur Besserung — ein Verächter des allgemeinen Unheils mit der kleinlichsten Empfindlichkeit - so einer ist dazu geboren, alles zu bereuen, was er angefangen — denn er setzt nie sich selber ein, und es gibt kein Glücksgefühl ohne diese Entschlossenheit.« Das Tagebuch führte S. mit Akribie von 1879 bis zwei Tage vor seinem Tode; wegen der Intimität des Inhalts verbarg er es sogar vor seiner Frau. Es bezeugt »Schnitzlers Anstrengung, der Flüchtigkeit des Lebens die Festigkeit des Geschriebenen entgegenzustellen«, wie Werner Welzig, der Herausgeber der Tagebücher, konstatiert hat.
      Der Dualismus von Kausalität und »Als ob« eines freien Willens brachte S. zu einem eigenen dramatischen Stil, der bei der französischen Konversationsliteratur Anleihen machte und die Handlung fortschreitend durch den geistreichen, eleganten Dialog auflöst. Die Figuren und ihr Charakter erhalten dadurch etwas Schwebendes, Undeutliches, Verwischtes; ihre Gesten und Reden verlieren sich im Unbestimmten. Nur einmal begegnen wir einem klinischen Realismus: in der frühen Novelle Sterben . Als Novum führte S. den inneren Monolog in die deutsche Literatur ein, der eine Verwandtschaft mit der Technik der freien Assoziation der Psychoanalyse aufweist, die ihrerseits wiederum eine gewisse Abhängigkeit von der Talmud-Exegese verrät. Im Lieutenant Gustl , einer Satire auf den Ehrenkodex der k.u.k. Offizierswelt, und in Fräulein Else , der Darstellung des tödlichen Konflikts zwischen Selbstbewahrung und Opfer für die Familie, hat er dieses Ausdrucksmittel mit wachsender Präzision eingesetzt. Im Reigen , einer Serie von zehn Einaktern, die wegen ihrer erotischen Offenheit mehrmals verboten wurde, herrscht allein schon äußerlich die Figur des Kreisens vor: jeder Einakter hat den Dialog vor und nach dem Geschlechtsakt zum Inhalt, eine über alle Standesgrenzen sich hinwegsetzende, potentiell ins Unendliche reichende Fortsetzung des Begehrens und seiner sprachlichen Rituale. Der erotische Reigen zieht alle Klassen in seinen Bann; die Abenteuer eines Grafen und eines Dichters, die einer luxuriösen Dame wie einer Prostituierten rollen als Bilderfolge eines modernen Totentanzes ab. Das »süße Mädl« wird hier ebenso zum erotischen Beuteobjekt der sog. besseren Herren wie in Johann Nepomuk Nestroys Posse Das Mädl aus der Vorstadt. Die Vorstädte Wiens mit ihrer kleinbürgerlichen Bevölkerung hatten gegenüber der Metropole eine eigene Lebensform und Theaterkultur hervorgebracht. Die Putzmacherinnen sind die exemplarischen weiblichen Vertreter eines Milieus, das nur auf den ersten Blick idyllisch anmutet. S. entdeckt dahinter die fatale Verkettung von Armut, Ausbeutung und grober Begier, die durch Geldscheine verdeckt wird. Gerade der Kontrast von Metropole und Vorstadt lieferte ihm die polaren Charaktere, die sozialen Spannungen, die skrupellosen Typen und die einfachen Mädchen mit ihrer sanften und oft verwüsteten Schönheit. Einzelne Stichwörter sollen kurz das Zentrum andrer Werke bezeichnen: »Hypnose« in Die Frage an das Schicksal aus dem Anatol-Zyklus; »Hysterie« im Paracelsus-Stück ; »Inzest« in der Novelle Frau Beate und ihr Sohn ; schließlich behandelt die meisterhafte Traumnovelle die psychische Funktion des Traumlebens durchaus ineinem der Freudschen Traumdeutung verpflichteten Sinne. Durch diese kleine Zusammenstellung mag deutlich werden, in welchem Maße S. die Themen der Psychoanalyse zu Sujetentwürfen gruppierte. Für sein literarisches Werk gilt insgesamt eine erstaunliche Kontinuität sowohl in thematischer als auch in formaler Hinsicht.
      Als Jude war S. dem Antisemitismus in Wien ausgesetzt. In dem Schauspiel Professor Bernhardi und in dem Roman Der Weg ins Freie hat er die Situation des jüdischen Intellektuellen und der jüdischen Bourgeoisie behandelt. Der Zionismus galt ihm zwar als moralisches Postulat, er leimte aber die Errichtung eines Judenstaates als geschichtsblind ab. Der große Roman Der Weg ins Freie ist darüber hinaus jedoch eine eindringliche Darstellung der Wiener Kultur und ihrer bürgerlichen Träger; er beschreibt »die sich zersetzende moralisch-ästhetische Kultur Wiens im Fin de siecle« . Hugo von Hofmannsthal hat die Bedeutung S.s folgendermaßen festgehalten: Als »Arzt und Sohn eines Arztes, also Beobachter und Skeptiker von Beruf, ein Kind der obern Bourgeoisie und des endenden 19. Jahrhunderts, einer skeptischen, beobachtenden und historischen< Epoche« habe S. »die sehr gebildete, scharf pointierte, an Reflexen und geistreichen Formeln reiche Sprache dieser bestimmten sozialen Gruppe« geschrieben.
     


Der »psychologische tiefenforscher« - arthur schnitzler: »der weg ins freie« (i908)

Spätzeit des Habsburgerreichs Aus der Schriftstellergruppe, die sich 1892 unter dem Namen »Jung Wien« eine Zeitlang zu einem friedlichen Wettbewerb zusammenschloß, gehen zwei überragende Autoren hervor: Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal. Mehr als die anderen repräsentieren sie die wiene .....
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Schnitzler, arthur

Fließen die Thränen Weinzierl, Ulrich. In: Frankfurter Anthologie 18, 1995, S. 99 - 102. .....
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Schnitzler arthur

Arthur Schnitzler ist einer der bedeutendsten österreichischen Autoren der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Im Zentrum seines literarischen Werks steht die Zersetzung der traditionellen Werte der bürgerlichen Wiener Gesellschaft des Fin de Siecle und der Zerfall der von ihr geprägten liberalen Ord .....
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Arthur schnitzler

Man wird feststellen müssen, daß der Begriff des Impressionismus formaler Art ist und daß sich konträre Weisen des Lebensgefühls in ihm verbergen können. Wie zuvor angedeutet, ist es üblich, auch den österreichischen Dichter Arthur Schnitzler in die Epoche des Impressionismus einzuordnen und von .....
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Schnitzler, arthur

Geb. 15.5.1862 in Wien; gest. 21. 10.1931 in Wien In seinem für die Beziehung von Psychoanalyse und Sch.s Dichtung aufschlußreichen Glückwunschschreiben zum 60. Geburtstag des Dichters hat Sigmund Freud die Distanz zu seinem »Collegen« Seh. mit einer Art »Doppelgängerscheu« erklärt. Er schreibt daz .....
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Doyle, arthur conan

Sir Arthur Conan Doyle war ein vielseitiger Schriftsteller, der u.a. historische und Abenteuerromane schrieb; seinen Nachruhm verdankt er jedoch vor allem seinem Beitrag zum Detektivroman. Mit Sherlock Holmes schuf er eine Figur, die dank der Kombination von intellektueller Brillanz, fundierter fore .....
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Miller, arthur

Arthur Miller ist einer der weltweit erfolgreichsten Bühnenautoren. In seinen überwiegend realistischen Stücken verleiht er seiner unter dem Eindruck der Depressionszeit der 1930er Jahre gewonnenen Sicht des Kapitalismus Ausdruck. Diesen versteht er als ein System, in dem Ideale dem Profitstreben un .....
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Rimbaud, arthur

Mit vollendeter Virtuosität schrieb Arthur Rimbaud in jungen Jahren Gedichte, die von der radikalen Auflehnung gegen alle Konventionen der Gesellschaft, gegen Moral und Religion geprägt sind. Sein revolutionäres Poesiekonzept ließ ihn zu einer zentralen Gestalt der literarischen Moderne werden. In d .....
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Schopenhauer, arthur

Arthur Schopenhauer ist der neben Friedrich ^Nietzsche populärste deutsche Philosoph des 19. Jahrhunderts. Der Sohn eines Kaufmanns und der erfolgreichen Schriftstellerin Johanna Schopenhauer veröffentlichte bereits im Alter von 30 Jahren sein Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung, das er m .....
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Schopenhauer, arthur

Auf die Sixtinische Madonna Maier, Hans. In: Frankfurter Anthologie 11, 1988, S. 109- 112. .....
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Schopenhauer, arthur

Seh. war zusammen mit Friedrich Nietzsche der populärste deutsche Philosoph des 19. Jahrhunderts, obwohl oder besser weil dem großen Ruf eine gewisse Unkenntnis des Werks zugrunde lag, wie auch bei Nietzsche. Als Sohn eines Großkaufmanns und der später >berühmten< Schriftstellerin Johanna Seh. wächs .....
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Die philosophie arthur schopenhauers (i788-i860)

Neben Feuerbach dürfte Arthur Schopenhauer die Weltanschauung des Bürgertums und auch die Programmalik und Theorie des Bürgerlichen Realismus nachhaltig beeinflusst haben. Entsprach die Philosophie Feuerbachs der Materialisierung des Denkens in Absetzung von einem spekulativen Idealismus, so kamen d .....
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Schnitzler,  Arthur    





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