Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Roth, Joseph



»Mein stärkstes Erlebnis war der Krieg und der Untergang meines Vaterlandes, des einzigen, das ich je besessen: der österreichisch-ungarischen Monarchie.« Dieses Bekenntnis R.s aus den letzten Wochen der Weimarer Republik erklärt wichtige Ursachen jener Orientierungslosigkeit, die sein Leben und Werk in mehrfacher Hinsicht als Die Flucht ohne Ende, so der Titel eines Romans aus dem Jahre 1927. erscheinen Heß.

      Als österreichisch-ungarischer Kriegsfreiwilliger wurde R. 1916 Mitarbeiter einer Soldatenzeitung. Mit den Erfahrungen an der Front begann er nach dem Zusammenbruch der Mon-archie beim pazifistischen Wiener Blatt Der Neue Tag eine Karriere als Lokalreporter. Hier wie in Berlin, wo er wenig später rasch zum gefragten Mitarbeiter des Börsen-Courier und anderer Zeitungen aufstieg, verfaßte er Artikel über die Sorgen der »kleinen Leute« und Kriegsopfer, Beobachtungen aus dem Alltag, Rezensionen neuer Filme, Bücher oder Theaterstücke - vertrat im festen Glauben an eine bessere Zukunft eine politische Linie, deren Grundlage ein humanitäres Sozialgefühl war. Einen Höhepunkt seines publizistischen Engagements brachte das Jahr 1924, als R. u. a. im Vorwärts und im Satire-Magazin Der Drache mit bissiger Lyrik und weitblickenden Glossen die immer stärker werdenden Rechtstendenzen in Politik und Kultur anprangerte. Nach der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten freilich begann R. zu resignieren, sich vom tagespolitischen Journalisten zum Feuilletonisten alter Wiener Schule, zum rastlosen Reisereporter zu wandeln, der den Lesern der Frankfurter Zeitung aus Paris, Südfrankreich, Rußland, Italien, Albanien und anderen Ländern Europas berichtete. Zudem profilierte er sich mehr und mehr als Romancier.
      Wie er einerseits mit seinen Zeitungsartikeln nicht selten literarische Qualitäten erreichen konnte, sind andererseits R.s Essays, Erzählungen und Romane aus seinen Arbeiten für den Tag entstanden und meistens auch als Vorabdrucke in Zeitungen veröffentlicht worden. So sind lange Passagen aus älteren Artikeln in den Essay Juden auf Wanderschaft eingearbeitet, der den Autor - auf der Suche nach eigener Identität — als scharfsichtigen und mitleidenden Analytiker des Ostjudentums zeigt. All seine Romane vom Spinnennetz bis zu Rechts und Links haben aktuelle Fragen und Probleme zum Inhalt, die Protagonisten sind Kriegsversehrte, junge Männer der »Lost Generation«, emanzipierte Frauen; der Stil scheint dokumentarisch, so daß R. rasch als führender Vertreter der »Neuen Sachlichkeit« galt. Im Roman Hiob brachte er Neues, rückte von seinem bisherigen Werk ab: Er nahm Motive des biblischen Mythos auf und schrieb in einer Sprache, die sich zwischen Legende und Märchen bewegt. Mit seinem Hauptwerk Radetzkymarsch wandte er sich der Vergangenheit, seiner alten Heimat zu: In impressionistischen Bildern, voller Wehmut, aber auch kritisch mit der »unbestechliche Genauigkeit eines k. und k. Berichts« schilderte er den Untergang der Donaumonarchie.
      R. konnte den großen Erfolg seiner Bücher nicht auskosten. Die Geisteserkrankung seiner Frau Friedl weckte ein starkes Schuldgefühl in ihm und erforderte viel Geld, so daß ihn sogar die einst bekämpften rechtsgerichteten Münchner Neuesten Nachrichten mit einer Stargage als Feuilletonisten gewinnen konnten, in dessen Artikeln sich zunehmend ein starker Kulturpessimismus durchsetzte. Nach Hitlers Machtergreifung verließ R. als einer der ersten Deutscliland. Er ging ins Exil nach Paris, reiste nach Wien, Salzburg, Amsterdam, Marseille, Nizza und Polen. Verstärkt trat er wieder als Journalist auf, als Kämpfer gegen den Nationalsozialismus. Doch im Grunde war er schon zu pessimistisch, fühlte sich so, wie er 1934 den Roman Tarabas untertitelte: als Gast auf dieser Erde.
      Bereits vor der Zeit des Exils hatte R. in seiner Orientierungslosigkeit die Flucht in den Alkohol angetreten, ohne jedoch die Suche nach Heimat aufzugeben. Bald glaubte er, im intakten Ordnungssystem des Katholizismus Halt finden zu können; bald hielt er die Wiedereinführung der Habsburger-Monarchie für die einzige Möglichkeit, Österreich vor dem Faschismus zu retten. Deshalb vertrat R., so oft es ihm möglichwar, in Artikeln und Vorträgen katholisch-legitimistische Ideen, und auch sein erzählerisches Spätwerk wurde wesentlich von der Glorifizierung und idealisierten Ãœberzeichnung der alten Donaumonarchie geprägt. Die Kehrseite dieser realitätsfernen Position war in R.s letzten Lebensjahren immer häufiger erbitterte antizionisusche oder antikommunistische Polemik, die auch vor Freunden nicht haltmachte. Auf der anderen Seite blieb R. seiner humanitären Haltung treu, setzte sich ein für Opfer der Zeit, unterstützte einen Emigrantenhilfsfonds, half beim Aufbau der Pariser Freiheitsbibliothek, hielt Reden auf antifaschistischen Kongressen. Selten ist die Gegensätzlichkeit der Welten, in denen R. lebte, sinnfälliger gewesen als bei seiner Beerdigung: Die Zeremonie fand nach katholischen wie jüdischen Riten statt, das Grab zierten ein Kranz mit schwarz-gelb unterlegtem letzten Gruß des Hauses Habsburg und ein Kranz mit roter Schleife, niedergelegt im Auftrag des »Bundes Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller« von Egon Erwin Kisch.
     


Roth, joseph

Geb. 2.9.1894 in Brody/Galizien; gest. 27.5.1939 in Paris »Mein stärkstes Erlebnis war der Krieg und der Untergang meines Vaterlandes, des einzigen, das ich je besessen: der österreichisch-ungarischen Monarchie.« Dieses Bekenntnis R.s aus den letzten Wochen der Weimarer Republik erklärt wichtige Ur .....
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Roth, joseph

Joseph Roth ist als literarischer Chronist des Zerfalls der Habsburgermonarchie in die Literaturgeschichte eingegangen. Sein Werk zeichnet sich durch eine humanistische Grundeinstellung aus, die seinen Büchern Gewicht und Aktualitätverleiht. Unbemittelt und vaterlos im nordöstlichsten Winkel der k. .....
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Joseph roth: »radetzkymarsch« (i932) - ein episches requiem

Das Ende der Vielvölker-Monarchie Den jungen Robert Musil drillte man fünf Jahre lang in den Militärerziehungsanstalten von Eisenstadt und Mährisch-Weißkirchen, Rainer Maria Rilke fünf Jahre lang in der Kadettenschule St. Polten und der militärischen Oberrealschule Mährisch-Weißkirchen; Carl Jose .....
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Eichendorff, joseph von

Geb. 10.3.1788 aufschloß Lubowitz bei Ratibor/Oberschlesien; gest. 26.11.1857 in Neiße »Es ist ein wunderbares Lied in dem Waldesrauschen unserer heimatlichen Berge; wo du auch seist, es findet dich doch einmal wieder, und wärs durchs offene Fenster im Traume, keinen Dichter noch ließ seine Heimat .....
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Sehnsucht - joseph von eichendorff

Es schienen so golden die Sterne, Am Fenster ich einsam stand Und hörte aus weiter Ferne Ein Posthorn im stillen Land. Das Herz mir im Leib entbrennte, Da hab ich mir heimlich gedacht: Ach, wer da mitreisen könnte In der prächtigen Sommernacht! Zwei junge Gesellen gingen Vorüber am Bergeshang, Ic .....
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Mondnacht - joseph von eichendorff

Es war, als hätt der Himmel Die Erde still geküßt, Daß sie im Blütenschimmer Von ihm nun träumen müßt. Die Luft ging durch die Felder, 5 Die Ähren wogten sacht, Es rauschten leis die Wälder, So sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, 10 Flog durc .....
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Frische fahrt - joseph von eichendorff

Laue Luft kommt blau geflossen, Frühling, Frühling soll es sein! Waldwärts Hörnerklang geschossen, Mut ger Augen lichter Schein; 5 Und das Wirren bunt und bunter Wird ein magisch wilder Fluß, In die schöne Welt hinunter Lockt dich dieses Stromes Gruß. Und ich mag mich nicht bewahren! 10 Weit von eu .....
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Toynbee, arnold joseph

T. ist mit seinem Hauptwerk A Study of History , entstanden in zwölf Bänden von 1934 bis 1961. als der Universalhistoriker par excellence des 20. Jahrhunderts ins Bewußtsein der Öffentlichkeit eingegangen. Die herausragende Leistung T.s besteht darin, daß er die Historiographie zur Kulturtheorie un .....
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Morgenandacht - christian knorr von rosenroth

Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte, Schick uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte 5 Und vertreib durch deine Macht Unsre Nacht. Die bewölkte Finsternis Müsse deinem Glanz entfliegen, Die durch Adams Apfelbiß 10 Uns, die kleine Welt, bestiegen, Daß wir, Herr, durch dei .....
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Schelling, friedrich wilhelm joseph

Die klassische deutsche Philosophie - in Verkennung der sie bestimmenden Dialektik von Idealismus und Materialismus auch als »Deutscher Idealismus« bezeichnet - ist im ausgehenden 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Zeitzeugin eines Zyklus von Revolutionen und eines Anti-Zyklus von Restaurati .....
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Trost - eugen roth

Du weißt, daß hinter den Wäldern blau die großen Berge sind. Und heute nur ist der Himmel grau und die Erde blind. 5 Du weißt, daß über den Wolken schwer die schönen Sterne stehn. Und heute ist aus dem goldenen Heer kein einziger zu sehn. Und warum glaubst du dann nicht auch, 10 daß uns die Wolke .....
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Auf eine weise des joseph freiherrn von eichendorff - peter rühmkorf

In meinem Knochenkopfe da geht ein Kollergang, der mahlet meine Gedanken ganz außer Zusammenhang. Mein Kopf ist voller Romantik, 5 meine Liebste nicht treu — Ich treib in den Himmelsatlantik und lasse Stirnenspreu. Ach, war ich der stolze Effendi, Der Gei- und Tiger hetzt, .....
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Joseph freiherr von eichendorff (i788-i857)

Von allen Romantikern ist der Schlesier Eichendorff der volkstümlichste geworden. Auf Schloß Lubowitz bei Ratibor geboren, blieb er seiner Heimat und ihren Wäldern sein ganzes Leben lang verhaftet, selbst dann noch, als sein väterlicher Besitz in andere Hände überging. Er studierte in Halle und Hei .....
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Joseph freiherr von eichendorff (i788-i857): sehnsucht - poesie in der poesie

Sehnsucht Es schienen so golden die Sterne, Am Fenster ich einsam stand Und hörte aus weiter Ferne Ein Posthorn im stillen Land. Das Herz mir im Leibe entbrennte; Da hab ich mir heimlich gedacht: Ach, wer da mitreisen könnte In der prächtigen Sommernacht! Zwei junge Gesellen gingen Vorüber am Ber .....
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Joseph freiherr von eichendorff (i788-i857): mondnacht

Weinend muss mein Blick sich senken Nikolaus Lenau . Schilflieder, Nr. 5 - Schilflieder, Nr. 5 Auf dem Teich, dem regungslosen, Weilt des Mondes holder Glanz, Flechtend seine bleichen Rosen In des Schilfes grünen Kranz. Hirsche wandeln dort am Hügel, Blicken in die Nacht empor; Manchmal regt s .....
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Peter rühmkorf (geb. i929): auf eine weise des joseph freiherrn von eichendorff

Des Mühltals Idylle in Moll Auf eine Weise des Joseph Freiherrn von Eichendorff In einem Knochenkopfe da geht ein Kollergang, der mahlet meine Gedanken ganz außer Zusammenhang. Mein Kopf ist voller Romantik, meine Liebste nicht treu — Ich treib in den Himmelsatlantik und lasse Stirnenspreu. Ac .....
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Joseph von eichendorff - mondnacht

Es war, als hätt der Himmel Die Erde still geküßt, Daß sie im Blütenschimmer Von ihm nun träumen müßt. Die Luft ging durch die Felder, Die Ähren wogten sacht, Es rauschten leis die Wälder, So sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, Flog durch die stillen Lande, Als .....
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Kleine, dorothea

Biografie: *6.3.1 in Krappitz/ Oberschlesien. D. Kleine studierte Journalistik und arbeitete im Zeitungswesen, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Sie arbeitete hauptsächlich für das Fernsehen der damaligen DDR, für das sie zwischen 1968 und 1985 die Szenarien für rund zehn Kriminalfilme entwick .....
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Puschmann, dorothea

Biografie: 27.12.1956 in Osnabrück. D. Puschmann ist gelernte Buchhändlerin. Sie arbeitete zunächst im Verlagswesen in den Bereichen Herstellung, Werbung und Vertrieb, studierte dann Sozialpädagogik und ist seit 1988 freischaffende Künstlerin . Seit 1998 ist sie auch als Schrift- stellerin tätig. S .....
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Proudhon, pierre joseph

Leben und Werk des französischen Anarcho-Sozialisten P. können getrost als ebenso unglücklich wie widersprüchlich bezeichnet werden. Mit wenig über 30 Jahren ein im In- und Ausland berühmter sozialkritischer Autor, mit 40 Jahren ein international gefürchteter Revolutionär und zu Beginn unseres Jahrh .....
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Needham, noel joseph

Wie kein anderer hat sich N. um die Entdeckung der Geschichte chinesischer Wissenschaft und Technik verdient gemacht. Angeregt durch seinen Kontakt mit chinesischen Wissenschaftlern begann der studierte Biochemiker 1936. sich mit der chinesischen Kultur zu beschäftigen. Dieses Interesse an einer fre .....
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Triffst du nur das zauberwort - Ãœber joseph von eichendorff

Joseph von E. hörte auf seinem nächtlichen Spaziergang im Garten plötzlich schnelle, klappernde Schritte. Seine kleine Schwester stürzte auf ihn zu. »Joseph, komm, du hast versprochen, mit mir in der Oder zu schwimmen.« Der Mond schien prächtig. Von den Bergen rauschten die Wälder durch die stille N .....
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Joseph von eichendorff

Ein Jahr vor Beginn der Französischen Revolution wird Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff am 10. Mär/ 1788 auf dem Schloss Lubowitz bei Ra-tibor in Ãœberschlesien geboren. In dieser Region wachst man zweisprachig auf: Die Menschen beherrschen das Deutsche und das Polnische. Die Familie Eic .....
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'joseph und seine brüder

Aber auch die Josephromane von Thomas Mann stellen sowohl die Entwicklung eines Helden — des symbolischen Namensträgers eines viel weiter reichenden Mythos — als auch die Summa eines bestimmten Kulturkreises dar. Der junge Joseph ist nicht Individualität im modernen Sinne, denn er ist in seiner .....
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Brodsky, joseph

Joseph Brodsky steht sowohl biografisch als auch poetisch in der direkten Nachfolge der großen Dichter des Goldenen und des Silbernen Zeitalters der russischen Literatur. Als einziges Kind jüdischer Eltern wuchs Brodsky im Leningrad nach der Blockade auf. 1957 schrieb er erste Gedichte und veröffen .....
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