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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Reuter, Fritz



Sein Zeitgenosse Honore de Balzac erhob lautstarken Protest gegen die unmenschliche Praxis der »Isolation« jene »bis ins Unendliche gesteigerte Qual«; R. mußte sie am eigenen Leibe erdulden. Von dem preußischen Kriminalrichter Dambach, einem der »furchtbaren Juristen« des 19. Jahrhunderts, stammt die Aktennotiz: »Reuter hat sich während seiner Gefangenschaft stets als ein roher Geselle bewährt und ist häufig wegen Ãobertretung der Hausgesetze bestraft. Er hat den Inspektor persönlich bedroht, sang die ärgsten Zotenlieder, polterte häufig im Kerker, zankte laut mit Schildwache und Gefangenenwärtcr, und nur seine gänzliche Isolierung brachte ihn zur Vernunft. Er ist an und für sich gutmütig, aber leicht zum Zorne gereizt und dann einem Tiere ähnlich. Gelernt scheint er fast nichts zu haben und der couleur perdue anzugehören. Deshalb hat er sein Studium aufgegeben und will Maler und Mathematiker werden. Nach seiner Entfernung von Jena hat er vagabundiert und ist bei einer Hure hier arretiert worden. Gefährlich scheint er nicht als Anhänger verderblicher Lehren, sondern als Taugenichts.«

Der Verfolger verrät sich selbst: Er vermutet politische Harmlosigkeit seines Opfers, rechtfertigt jedoch den Fortgang der Verfolgung mit »moralischen« Vorhaltungen. Dabei war bereits R.s Verhaftung in Berlin ein Rechtsbruch, denn R. durfte - als Mecklenburger - in Preußen nicht vor Gericht gestellt werden. Das Delikt? Im Todesurteil, ihm zugestellt nach über dreijähriger Haft, hieß es: »Daß der stud. ju-r. A.L.G.F. Reuter wegen seiner Teilnahme an hochverräterischen burschenschaftlichen Verbindungen in Jena und wegen Majestätsbeleidigung mit der Confisca-tion seines Vermögens zu bestrafen und mit dem Beile vom Leben zum Tode zu bringen sei.« Empfindlichkeit der Könige: Rache für R.s Teilnahme an der Silvesterfeier 1832 auf dem Markt zu Jena, wo das Burschenschafter-Lied Fürsten zum Land hinaus gesungen worden war. Das Todesurteil wurde nicht vollstreckt, die beleidigte Majestät wandelte es um in eine 30jährige Festungshaft. Ãober deren Folgen schrieb R. in dem Erinnerungsbuch Ut mine Festungstid : »bleike, witte, grise Steingestalten wiren sei worden, dese frischen, gesunnen Lud , dörch de ehrejungen Adern dat Blaud so lustig flaten was, de ehre jungen Glider nu stiw worden wiren, as bi steinolle Lud , up de ehren Geist de Gefängnisqual lasten ded, un de minschliche Nidertracht un de Hoffnungslosigkeit von de Taukunft.«
Niemand hätte dem »Verlorenen«, dem Häftling ohne jede Aussicht, der nach siebenjähriger Einkerkerung freikam, die Zukunft vorherzusagen gewagt, die tatsächlich auf ihn wartete. Ein Menschenalter später galt er als der Berühmteste unter den deutschen Autoren des Realismus, wohlhabend, ausgezeichnet mit dem Ehrendoktor der Universität Rostock und mit dem persönlichen Adel. Unbestreitbar hatten die Erfahrungen der Haftzeit zur Ausbildung seiner dichterischen Fähigkeit beigetragen. Er äußerte, »daß meine Mutter in der ersten Jugendzeit hierauf den größten Einfluß geübt hat, daß später die Festungszeit durch die fortwährenden

Phantasiespiele, die man in Ermangelung unterhaltender Wirklichkeit heraufzubeschwören gezwungen ist, der Klarheit und 1 )eutlichkeit der Vorstellungen förderlich gewesen ist, und daß sie mich befähigt hat, den Menschen kennen zu lernen«. Weniger noch »den Menschen« als vielmehr, nach der Entlassung, vor allem die ländlichen Proletarier, aber auch die Junker Mecklenburgs und Pommerns sowie die Kleinbürger der Provinzstädte ; sie verstand er perfekt zu schildern, vom Gesamtgestus her, den Sprachgestus eingeschlossen. Literarische Einflüsse erreichten ihn spärlich, Ausnahme: der englische historische und der Zeitroman . Durch die periodisch auftretende Trunksucht wurde R. immer wieder aus der Bahn geworfen.
      Als Schriftsteller begann R. während des Vormärz mit hochdeutschen journalistischen, satirischen, agitatorischen Arbeiten. Der Erfolg kam nach der 48er Revolution mit den Läuschen un Rimels , gereimten Schwänken in Mundart, die der Dichter im Selbstverlag erscheinen lassen mußte. Die vier plattdeutschen Dichtungen, mit denen er über das Eng-Provinzielle hinauswuchs, verfaßte er größtenteils in Neubrandenburg : Kein Hüsung , eine Verserzählung, von der R. sagte, er habe sie mit »seinem Herzblute im Interesse der leidenden Menschheit geschrieben«, sowie, neben den Erinnerungen an die Haftzeit, Ut de Vranzosentid und Ut mine Stromtid . Außer Kein Hüsung erschienen sie in der Sammlung Olle Kamellen . Der großangelegte Gesellschaftsroman Ut mine Stromtid zeigt im Mittelpunkt den kleinbürgerlichen Demokraten Unkel Bräsig, R.s populärste Schöpfung, »eine weit erhabenere Gestalt als alle Recken und Ã"sen der Götterdämmerung« .
      Ihm gelang im Deutschland seiner Zeit so etwas wie die Quadratur des Kreises, die Erringung des literarischen Erfolgs, ohne seine demokratische Ãoberzeugung aufzugeben: »Ich habe kämpfen und streiten müssen, und wenn einer Augen hat zu sehen, so wird er zwischen den Zeilen meiner Schreibereien herauslesen, daß ich immer Farbe gehalten habe und daß die Ideen, die den jungen Kopf beinahe unter das Beil gebracht hätten, noch in dem alten fortspuken« .
     


Brügel, fritz

Flüsterlied Brecht, Bertolt. In: Begegnung mit Gedichten, 1977, S. 367 - 370. .....
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Fritz, walter helmut

Aber dann? Grimm, Reinhold. In: Frankfurter Anthologie 15, 1992, S. 233 - 236. Aber eben meine Geschichte Korff, Friedrich Wilhelm. In: Frankfurter Anthologie 4, 1979, S. 209 - 212. Korff, Friedrich Wilhelm. In: Sätze sind Fenster, 1989, S. 31-33. Also fragen wir beständig Koopmann, Helmu .....
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Grasshoff, fritz

Blues Demski, Eva. In: Frankfurter Anthologie 16, 1993, S. 151 - 153. Isabell die Spröde Neis, Edgar. In: Sechsundsechzig Balladen, 1991, S. 160- 162. Joguleit Neis, Edgar. In: Sechsundsechzig Balladen, 1991, S. 162- 163. .....
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Mühlenweg, fritz

Sehnsucht Hentig, Hartmut von. In: Frankfurter Anthologie 14, 1991, S. 197 - 200. .....
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Reuter, christian

Allerunterthänigster Glück-Wunsch Bey dem ... Gebuhrts-Feste Der ... Königin von Preuszen Fechner, Jörg-Ulrich. In: Respublica Guelpher-bytana, 1987, S. 405 - 413. .....
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Usinger, fritz

Waldrufe Aler, Jan. In: Wissen aus Erfahrungen, 1976, S. 665 - 681. .....
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Fritz von unruh (geb. i885)

brachte nach früheren erfolgreichen Bühnenwerken erst der Krieg die tiefste Erschütterung, aus der heraus er ein neues Menschenbild gewann. In der ergreifenden Erzählung 'Opfergang" klingt die Hoffnung auf eine neue Menschheit an. In den Dramen 'Ein Geschlecht" , 'Platz" und 'Dietrich" rechnet de .....
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Fritz hochwälder (geb. i9ii),

der 1940 in die Schweiz flüchten mußte, entnimmt die Stoffe seiner Dramen vorwiegend der Geschichte. 'Das heilige Experiment" zeigt am Geschick des Jesuitenstaates in Paraguay, wie immer wieder der Kleine dem Großen geopfert wird. 'Der öffentliche Ankläger" und 'Die Herberge" gestalten Schuld und .....
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Walter helmut fritz (geb. i929): also fragen wir beständig ... aber ist das eine antwort?

Heinrich Heine : Laß die heiigen Parabolen ... - Laß die heiigen Parabolen, Laß die frommen Hypothesen -Suche die verdammten Fragen Ohne Umschweif uns zu lösen. Warum schleppt sich blutend, elend, Unter Kreuzlast der Gerechte, Während glücklich als ein Sieger Trabt auf hohem Roß der Schlechte? .....
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