Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Index
» Autoren
» Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart
» Mühsam, Erich

Mühsam, Erich



Das bekannteste Foto, ein eher schäbiges Brustbild, zeigt ihn in seinen unverkennbaren Zügen und doch deutlich entstellt: der gemütliche Vollbart und das wilde dichte Haupthaar wirken dressiert und gestutzt, die sonst so gütig und listig blinzelnden Augen hinter dem unvermeidlichen Kneifer starren groß und leer, auf der Brust drängt sich ein weißes Pappschild vor mit der Aufschrift »Konzentrationslager Oranienburg«, darunter in penibler Bürokratenschrift die Nummer 2651 und das Datum: 3. 2. 1934.

      Em knappes halbes Jahr später schlugen die Faschisten den Häftling M. auf bestialische Weise tot, weil sie ihn zum Selbstmord nicht hatten zwingen können. »Ein Anarchist richtet sich selbst«, behauptete die Berliner Nachtausgabe am 11. Juli 1934, aber Freunde und Mithäftlinge verbreiteten die Wahrheit durch den Untergrund, und Jan Petersen, der Chronist des illegalen Widerstands im faschistischen Berlin, hat sie in seinem Buch Unsere Straße festgehalten: obwohl ihm alles Heroische zuwider war, hatte M. unbeugsam allen Folterungen und Erniedrigungen widerstanden. Es ist nicht ohne tragische Ironie,daß in der ungeteilten Verbeugung vor seinem Märtyrertod erst ein Hauch dessen verwirklicht wurde, wofür er ein Leben lang gestritten hatte: eine Einheit der Linken gegen Gewalt, Unrecht und Unfreiheit. Doch auch nach seinem Tod blieb M. eine fortwährende Herausforderung für die deutsche Linke. In der DDR wurde er zwar als Antifaschist geehrt, aber als Schriftsteller nur in Auswahl und mit distanzierenden Kommentaren gedruckt; in der Bundesrepublik gehörte er lange zu den vergessenen und verbrannten Dichtern. Erst sein einhundertster Geburtstag 1978 und sein fünfzigster Todestag 1984 riefen halbwegs in Erinnerung, wie exemplarisch die Lebensgeschichte dieses Mannes gezeichnet war von der durchgängigen Misere der deutschen Verhältnisse vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Faschismus.
      Schon als Schüler war der jüdische Apothekerssohn wegen einer Polemik gegen die Sedan-Feiern vom Lübecker Katharineum verwiesen worden; 1910 warf man ihn nach dem sogenannten »Soller-Prozeß« in München ins Gefängnis, weil er, wie er selbst sagte, versucht hatte, »das Lumpenproletariat revolutionär zu organisieren«; im letzten Kriegsjahr brachten ihn seine radikalen pazifistischen Aktivitäten erneut hinter Gitter; 1919 verurteilte ihn ein Standgericht der neuen »Republik« wegen seiner Teilnahme an Novemberrevolution und Räteregierung in München zu fünfzehn Jahren Festungshaft ; am Tag nach dem Reichtagsbrand schließlich wurde er von SA-Männern verhaftet. Damit war M. endgültig »unschädlich« gemacht, ein waschechter Anarchist aus dem Geiste Michail Kropotkins und Gustav Landauers, der gleichwohl keine Berührungsängste mit Marxisten und Kommunisten hatte, immer wieder pragmatische Kooperationen und theoretische Gemeinsamkeiten suchte und am Ende doch sich treu blieb: Schuld an der Niederlage des deutschen Proletariats hatte für ihn die »Verunreinigung seiner Kampfmittel durch die jede Idealität der Gesinnung verachtende Dogmatik des Marxismus«.
      Um die Jahrhundertwende hatte der gelernte Apotheker begonnen, als freier Schriftsteller zu leben, zunächst im Umkreis der Friedrichshagener in Berlin, dann auf einer mehrjährigen Vagabondage in Zürich, Ascona, Paris und Wien, schließlich seit 1908 in der Schwabinger Boheme. In diesen Jahren schrieb er seine aggressiv-satirischen Cabaret-Chansons , sozialreformerische und kulturkritische Pamphlete und füllte sein Ein-Mann-Blatt Kain. Zeitschrift für Menschlichkeit mit Attacken gegen Militarismus und Reaktion. In der Festungshaft verarbeitete er seine Revolutionserfahrungen und entwickelte jene Position des »kommunistischen Anarchismus«, für den er nach seiner Freilassung in Berlin, politisch weitgehend ein Einzelkämpfer, wiederum in einer Fülle von publizistischen Aktivitäten zu werben suchte: in der abermals von ihm allein bestrittenen Zeitschrift Fanal , in seiner theoretischen Hauptschrift Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat und in einigen künstlerisch eher konventionellen Arbeiten wie dem Sacco- und-Vanzetti-Drama Staatsräson .
      Daß M. trotz seines streitbaren und rastlosen öffentlichen Engagements alles andere als ein fanatischer oder verbitterter Politikaster war, sondern, in Cafehäusern ebenso zuhause wie in Arbeiterversammlungen, stets ein warmherziger und Hebenswerter Menschenfreund und zärtlicher Ehemann, das kann man nachlesen in seinen Unpolitischen Erinnerungen und den postum veröffentlichten Gefängnisbriefen an seine Frau Kreszentia .
     


Mühsam, erich

Der Revoluzzer Fussenegger, Gertrud. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 127- 130. Neis, Edgar. In: Sechsundsechzig Balladen, 1991, S. 154- 156. Kalender 1913 Druvins, Ute. In: Geschichte im Gedicht, 1979, S. 191 - 197. Kriegslied Neis, Edgar. In: Krieg im Gedicht, 1980, S. 71 - .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Erich honecker - aus: bericht des zentralkomitees an den viii. parteitag der sed, berlin i97i

[...] Eines der edelsten Ziele und eine der größten Errungenschaften der sozialistischen Gesellschaft ist die allseitig entwickelte Persönlichkeit. Dabei handelt es sich nicht um ein Ziel, das erst in ferner Zukunft erreicht wird. Wenn wir hier von 'Persönlichkeit" sprechen, meinen wir eine besonde .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Der lyriker alfred margul-sperber. ein forschungsbericht. nebst einer kurzen nachrede

I Zu den unumstößlichen Gewißheiten rumäniendeutscher Literaturgeschichtsschreibung gehörte die Ãœberzeugung von der Ranghöhe des Lyrikers Alfred Margul-Sper-ber. Werturteile, wie etwajenes von Hans Liebhardt-'Alfred Margul-Sperber war der bedeutendste Dichter, der in Rumänien in deutscher Sprache .....
[ mehr ]
Index » Sonstige

Fromm, erich

Aut die Frage nach einer Selbstdefmirion antwortete F. einmal, er sei »ein atheistischer Mystiker, ein Sozialist, der sich im Gegensatz zu den meisten sozialistischen und kommunistischen Parteien befindet, ein Psychoanalytiker, zugleich ein sehr unorthodoxer Freudianer«. Diese Selbsteinschätzung nim .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Weinert, erich

Der rote Wedding Hippmann, Fritz. In: Deutschunterricht 28, 1975, S. 354 - 363. Eine deutsche Mutter Haase, Horst. In: Lesarten, 1982, S. 144 - 148. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Die entwicklung der menschheit - erich kästner

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt, behaart und mit böser Visage. Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt und die Welt asphaltiert und aufgestockt, 5 bis zur dreißigsten Etage. Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn, in zentralgeheizten Räumen. Da sitzen sie nun am Telefon. Und es herrscht .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Sachliche romanze - erich kästner

Als sie einander acht Jahre kannten , kam ihre Liebe plötzlich abhanden. Wie andern Leuten ein Stock oder Hut. 5 Sie waren traurig, betrugen sich heiter, versuchten Küsse, als ob nichts sei, und sahen sich an und wußten nicht weiter. Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei. Vom Fenster aus k .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Was es ist - erich fried

Es ist Unsinn sagt die Vernunft Es ist was es ist sagt die Liebe Es ist Unglück 5 sagt die Berechnung Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst Es ist aussichtslos sagt die Einsicht 10 Es ist was es ist sagt die Liebe Es ist lächerlich sagt der Stolz Es ist l .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus unserer Zeit - Interpretationen

Erich maria remarque (i898-i970)

schildert in seinem vielgelesenen und vielgeschmähten Buch 'Im Westen nichts Neues" mit bitterem Sarkasmus die Sinnlosigkeit des Krieges. Im Banne der Geschichte Das Erlebnis des gigantischen Völkerringens hatte die Fragen nach Sinn und Ziel der Geschichte neu aufgerissen. Und so wird nun in der F .....
[ mehr ]
Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Zwischen den beiden Weltkriegen

Robert walser: »jakob von gunten. ein tagebuch« (i909) - bericht eines künftigen dieners

Von Vorschriften umstellt Den literarischen Rang des 1878 im schweizerischen Biel geborenen Robert Walser haben Autoren wie Robert Musil, Hermann Hesse, Walter Benjamin und vor allem Franz Kafka früh erkannt. Doch läßt sich Walser, bei seinem ständigen Rollenwechsel, in seinem Werk und im Wandel .....
[ mehr ]
Index » Roman Chronik

Erich kästner (i899-i974): sachliche romanze

Das sentimentale Vokabular hat ausgedient Spricht jemand von »Neuer Sachlichkeit«, der literarischen Richtung, die in den zwanziger Jahren dem Visionären und Utopischen des Expressionismus illusionslose Wirklichkeitsnähe entgegenstellte, so fällt unweigerlich der Name Erich Kästner. »Sachlich« gi .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Sachlich unterkühlt

Jürgen becker (geb. i932): natur-gedicht -erich fried (i92i-i988): gespräch über bäume

Vom Ende der Landschaftsmalerei Der Titel von Jürgen Beckers Gedichtsammlung aus dem Jahre 1974, Das Ende der Landschaftsmalerei, pointiert fast programmatisch ein Grundthema seiner Lyrik: das allmähliche Verschwinden der Voraussetzungen und des Gegenstandes von Naturlyrik. Selbst was man »Stadtl .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Sackgassen der Naturlyrik

Berichte über tiere - das tier-sachbuch

Diese Gruppe ist nur in relativ wenigen Fällen völlig vom erzählenden Tierbuch zu trennen. Von einigen Lexika für Kinder und dem bereits genannten Desmond Morris 'Das Leben der Tiere" oder etwa Irmgard Luchts 1998 neu aufgelegter 'Vogel-Uhr" abgesehen, benutzt auch das Tier-Sachbuch immer wieder er .....
[ mehr ]
Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » GERHARD HAAS

Walter jens bericht über hattington

Lernziel der Behandlung dieses Berichts ist, Schüler ab 8. Schuljahr erkennen zu lassen, daß aufklärende Vernunft am ehesten geeignet ist, mitmenschliches Leben human zu gestalten. Irrationales und emotional gesteuertes Verhalten hingegen führt — wie in Knox — zu Angst, Mißtrauen und Formen der .....
[ mehr ]
Index » Erzählungen der Gegenwart

Erichsen, uwe

auch unter den Pseud.: Jerry Cotton, Andrew McKay, Jim Sheridan, Gil Ham-mon Biografie: *9.8.1 in Rheydt. U. Erichsen war bereits während seiner Schulzeit journalistisch tätig, später schrieb er als Ausgleich zu seinem kaufmännisch-technischen Beruf, den er erlernt hatte. Als sich die ersten Erfolg .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Erich weinert - politische satire — politisches kabarett

Wo die Dichtung sich in den Dienst des politischen Kampfes stellt, bedient sie sich entweder der pathetischen oder der satirischen Ausdrucksform. Das Pathos greift an der gefährlichen, die Satire an der lächerlichen Seite des Feindes an. Die Satire ist ihrem Ursprung nach Volksdichtung. Die anonymen .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Kästner, erich

Ballade vom Defraudanten Neis, Edgar. In: Sechsundsechzig Balladen, 1991, S. 156- 158. Chor der Fräuleins C Wir hämmern auf die Schreibmaschinen) Schwarz, Egon. In: Frankfurter Anthologie 2, 1977, S. 163 - 166. Das Eisenbahngleichnis Krejci, Michael. In: Gedichte für Schule, S. 132- 1 .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Jansen, erich

Annettes Kutsche auf Rüschhaus Kleßmann, Eckart. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 161 - 165. Der rote Pfahl Freund, Winfried. In: Grabbe-Jb 3, 1984, S. 128 - 130. Die Augen der Maria Vlady Freund, Winfried. In: Grabbe-Jb 3, 1984, S. 136 - 137. Die Tochter des Glasbildfabrikanten .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Erich kästner (i899-i974)

I. Der Kinderbuchautor Erich Kästner erfreut sich seit dem Erscheinen seines ersten Romans für Kinder, Emil und die Detektive , ungebrochener Beliebtheit, fortlaufend werden seine Werke für Film und Hörspiel neu adaptiert. Dem Lyriker Erich Kästner ist es nicht ähnlich gut ergangen, vielleicht mit .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Lyriker des 20. Jahrhunderts (Deutschsprachige)

Erich arendt (i903-i984)

I. 'So fand auch Erich Arendt zum erstenmal im Leben sein Vaterland: in unserer jungen Republik, die ihn ehrte und die noch viel von ihm erhofft." Mit diesen Worten endet ein Beitrag zum Nationalpreis III. Klasse. Es ist das dritte Jahr der DDR. Erst zwei Jahre zuvor war Arendt aus dem Exil zurück .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Lyriker des 20. Jahrhunderts (Deutschsprachige)

Hans erich nossack

Der Roman 'Wenn die Erde bebt" machte Risse im Umsehn bekannt und verbreitete sich in Ãœbersetzungen in fast alle europäischen Länder. Weniger aufsehenerregend, aber eben= so nachhaltig war der Erfolg, den Hans Erich Nossack mit seiner Erzählung 'Nekyia" in Frankreich errang. Nossack steht Risse in .....
[ mehr ]
Index » DIE DEUTSCHE LITERATUR » DER ROMAN DER GEGENWART

Däniken, erich von

Erich Anton Paul von Däniken gilt als Hauptvertreter der sogenannte Prä-Astronautik, die zu belegen versucht, dass die Götter der Frühkulturen extraterrestrische Raumfahrer waren. Däniken, der als Sohn eines Kleiderfabrikanten in Schaffhausen und Fribourg aufwuchs, begann seine Berufstätigkeit im G .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Fried, erich

Die zahlreichen politisch-kritischen Stellungnahmen des äußerst produktiven LyrikeTS lösten ab Mitte der 1960er Jahre immer wieder heftige Kontroversen aus. Zum Vietnamkrieg, zur Ter-rorismusbekämpfung in Westdeutschland, zur Palästinapolitik Israels und zu Menschenrechts-verletzungen in aller Welt .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Fromm, erich

Neben seiner psychoanalytisch theoretischen und praktischen Arbeit, die sich mit dem Charakter der Gesellschaft sowie der kulturellen Ãœberformung der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen auseinander setzte, war Erich Pinchas Fromm sozialpolitisch engagiert und gehörte zu den Leitfiguren der Fri .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Weltgericht

S. J. hat hier so oft auseinandergesetzt, wer und was Karl Kraus ist, daß mir zu tun fast nichts mehr übrig bleibt. Kraus hat nun zwei Bände erscheinen lassen: — dieselben, die in Nummer 17 Eduard Saenger besungen hat. Er wird mich keineswegs hindern, es auch zu tun. Hier ist das gesammelt, was .....
[ mehr ]
Index » Komparatistik » Literaturkritik

 Tags:
Mühsam,  Erich    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com