Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Index
» Autoren
» Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart
» Meyer, Conrad Ferdinand

Meyer, Conrad Ferdinand



»Wie erbärmlich •war ich nicht in Zürich daran! Was mich niederwarf und aufrieb, war die Mißachtung, das Fürkrank-gelten, in der ich lebte, sowie mich am tiefsten jene Hinweisung auf meine in den letzten Jahren unverschuldete Berufslo-sigkeit kränkte«. Dies schreibt einer, der seine Gymnasialausbildung unterbricht, dessen Jurastudium scheitert und der schließlich wegen gesteigerter Depressivität eine Heilanstalt aufsuchen muß . Für die streng calvinistische Mutter ist er der »arme Conrad«, ein Außenseiter, der die Erwartungen der patrizischen Familientradition, nach der die männlichen Mitglieder eine geachtete Stellung im öffentlichen Leben zu erreichen haben, kläglich enttäuscht. Dabei erlebt M. eine sorglose Jugend in bürgerlicher Geborgenheit. Aber nach dem Tod des Vaters entsteht eine langwierige Lebenskrise, eine zunehmende Isolation, mit der Angst verbunden, von der bürgerlichen Umwelt als mißraten angesehen zu werden. M. widmet sich philologischen und historischen Studien. Besonders die französische Literatur beeinflußt ihn. Der Tod der Mutter bedeutet eine gewisse Befreiung vom Erwartungsdruck und erlaubt die dauerhafte Annäherung an die geliebte Schwester Betsy. Im gleichen Jahr sichert eine beachtliche Erbschaft verfügbare Zeit für das Ziel, Dichter zu werden. Reisen mit seiner Schwester nach Paris und München und insbesondere nach Rom wecken die Begeisterung für Kunstwerke der Antike und Renaissance. Auf den ersten Blick führt M. das behagliche Leben eines Rentiers. Die Heirat mit Luise Ziegler , welche aus einer führenden Züricher Familie stammt, beschleunigt die erhoffte gesellschaftliche Rehabilitation. Hinzu kommt eine wachsende literarische Anerkennung. Die Versdichtung Huttens letzte Tage macht ihn auch im Bismarck-Reich bekannt. Die meisten seiner elf Novellen erscheinen inj. Rodenbergs Deutscher Rundschau, einer angesehenen Zeitung für das nationalliberale Bürgertum. Seine Sammlung Gedichte begründet den Ruhm als bedeutendster zeitgenössischer deutschsprachiger Lyriker. Trotz materieller Sicherheit und gesellschaftlicher Anerkennung bleiben tiefsitzende Ängste vor den Ansprüchen des selbstbewußt werdenden Proletariats, aber auch gegenüber der gesamten zeitgenössischen bürgerlichen Gesellschaft, die ihm »roh« erscheint. 1857 schreibt er in einem Brief aus Paris, »die Börse«, der »Katholizismus« und der »Neid des Proletariats« seien »die drei Pesten der Gegenwart«. Ab 1891 erfaßt M. eine senile Melancholie, von der er sich nicht mehr erholt.

      Den liberal-konservativen Autor, den Bewunderer von Friedrich Schiller und Otto von Bismarck, stellt die Literaturgeschichtsschreibung zwischen bürgerlichen Realismus und Ästhetizismus. Im Vergleich zu Gottfried Keller, Wilhelm Raabe oder Theodor Storm empfindet sich der Künstler M. als Außenseiter, während er als Rentier ohne demokratisches Traditionsbewußtsein eher den Interessen seiner Klasse verpflichtet bleibt. Aus der Kollision zwischen einer an der italienischen Renaissance orientierten und durch Jacob Burckhardt vermittelten Persönlichkeitsauffassung undder als spießig empfundenen Enge der Gesellschaft ergibt sich andererseits eine schärfere Trennung zwischen formbewußter Kunst und chaotischem Leben. »Die brutale Actualität zeitgenössischer Stoffe«, so M., bleibt deshalb für die Novellistik ausgeschlossen. Darin gründet die Vorliebe für historische Stoffe, für Staatsaktionen und große Persönlichkeiten wiejenatsch , Thomas Beckett , Fernando Francesco d Avalos Pescara oder Angela Borgia . Andere Novellen sind im Horizont großer geschichtlicher Gestalten angesiedelt, so Die Richterin in der Zeit Karls des Großen oder Die Leiden eines Knaben in der Ludwigs des XIV Alltägliche Konflikte des Volkslebens spielen in den Novellen keine Rolle. M. schreibt keine kulturgeschichtlichen Novellen, er bedient sich vielmehr der Form, um in »historischer Maskerade« eigene Empfindungen und Erfahrungen auszudrücken. Die Leidenschaften und tragischen Konflikte der auf sich gestellten Hauptpersonen sind meist hochgradig psychologisiert. Dem gehobenen Personal entsprechen Wortschatz und Satzbau, die ohne Elemente der Umgangssprache auskommen. So vermitteln die NoveDen, häufig verstärkt durch die Rahmenerzählung, den Eindruck einer distanzierten Objektivität. Persönlich Stimmungshafte Elemente sind ihnen fremd.
      Letzteres gilt auch für die Lyrik. »Ein Lyriker ist er nicht«, urteilt Theodor Storm aus Sicht der traditionellen Erlebnislyrik. Schon die Titel der ersten beiden Gedichtbände verweisen auf eine objektivierte Gegenständlichkeit, die anonym erscheinenden Zwanzig Balladen von einem Schweizer und die Romanzen und Bilder von Conrad Ferdinand Meyer . Er schreibt eine unpersönliche Lyrik, die auf keinen individuellen Erlebnisgrund verweist. Die Balladen wirken so handlungslos wie historische Genrebilder. Die für M. charakteristische Abwendung vom Erlebnisgedicht und die Hinwendung zu symbolhaft-verdichtender Aussage fuhrt, häufig befördert durch straffende Bearbeitungen, zu einer neuen lyrischen Sprache. Im Gegensatz zum französischen Symbolismus bleiben die Symbole M.s aber noch im Bereich bürgerlich-wohlanständiger Rede.
     


Meyer, conrad ferdinand

Geb. 11.10.1825 in Zürich; gest. 28.11.1898 in Kilchberg »Wie erbärmlich war ich nicht in Zürich daran! Was mich niederwarf und aufrieb, war die Mißachtung, das Für-krankgelten, in der ich lebte, sowie mich am tiefsten jene Hinweisung auf meine in den letzten Jahren unverschuldete Berufslosigk .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachige autoren

Der römische brunnen - conrad ferdinand meyer

Der Brunnen In einem römischen Garten Verborgen ist ein Bronne, Behütet von dem harten Geleucht der Mittagssonne, Er steigt in schlankem Strahle In dunkle Laubesnacht Und sinkt in eine Schale Und übergießt sie sacht. Die Wasser steigen nieder In zweiter Schale Mitte, Und voll ist diese wieder, .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Meyer, conrad ferdinand

Abendrot im Walde Hemstedt, Heinz Günther. In: WW 16, 1966, S. 124- 131. Alles war ein Spiel Weinhold, Ulrike. In: Neophilologus 64, 1980, S. 268 - 275. Auf dem Canal grande Hippe, Robert. In: Interpretationen, 1982, S. 75 - 80. Koopmann, Helmut. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Conrad ferdinand meyer (i825-i898).

Wie für Keller wurden auch für ihn Herkunft und Jugendeindrücke bestimmend. Als Sohn eines Historikers in Zürich geboren, studierte er in Lausanne, wo er unter den Einfluß der französischen Literatur geriet. Nach Reisen in Frankreich und Italien und reicher Ãœbersetzertätigkeit wurde er durch das E .....
[ mehr ]
Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Luther - conrad ferdinand meyer (i825-i898)

WlE GEMEISSELT Luther Je schwerer sich ein Erdensohn befreit, Je mächtger rührt er unsre Menschlichkeit. Der selber ich der Zelle früh entsprang, Mir graut, wie lang der Luther drinnen rang! Er trug in seiner Brust den Kampf verhüllt, Der jetzt der Erde halben Kreis erfüllt. Er brach in Todes .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Riss im Dasein

Meyer, conrad ferdinand

Die historischen Novellen von Conrad Ferdinand Meyer erfreuten sich im national-liberalen Bildungsbürgertum des Deutschen Reichs großer Beliebtheit, da sie im Gewand mittelalterlicher Sittengemälde zeitgenössische Kulturkampf-Reflexe und -Rhetorik aufzunehmen schienen. Die vielschichtig aufgebauten .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Conrad ferdinand meyer (i825-i898)

Die größten literarischen Leistungen des zweiten im Umfeld des Bürgerlichen Realismus zu behandelnden Schweizer Autors liegen auf dem Gebiet der Novellendichtung. Meyers Novellen Das Amulett , Der Schuß von der Kanzel , Der Heilige , Die Hochzeit des Mönchs und Die Versuchung des Pescara dürften s .....
[ mehr ]
Index » Bürgerlicher Realismus » Die Novellenliteratur des Bürgerlichen Realismus

C. f. meyer - der rÖmische brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt Er voll der Marmorschale Rund, Die, sich verschleiernd, überfließt In einer zweiten Schale Grund; Die zweite gibt, sie wird zu reich, Der dritten wallend ihre Flut, Und jede nimmt und gibt zugleich Und strömt und ruht. Der Novellist und Lyriker Conrad Ferd ina .....
[ mehr ]
Index » Sonstige

Meyer, karen

Pseud. für: Karen Meyer-Rebentisch Biografie: *16.11.1 in Neuss. K. Meyer studierte Allgemeine Rhetorik und Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen. Sie arbeitet im Ausstel-lungs- und im Museumsbereich und in der Erwachsenenbildung. Sie leitet eine Schreibwerkstatt. Kriminalromane: 1995 Schmette .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Meyer, renate

Biografie: 27.11.1940. R. Meyer wuchs in Köln auf. Sie besuchte eine Sprachenschule in London und arbeitete eine Zeit lang als Büroangestellte. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Fachschule in Freiburg arbeitete sie als MTA in der Uniklinik Homburg-Saar. Privat bildete sie sich im Fach Journali .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Meyer zu küingdorf, arno

Biografie: *1 in Bad Oeynhausen. A. Meyer zu Küingdorf studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Hamburg und lebt seit einigen Jahren in Berlin. Kriminalromane: 1996 Der Kreis des Schweigens, Ullstein; 1999 Die Generalprobe, Ullstein; 1999 Der Selbstmörder-Klub, Re-clam; 2000 Stürmische Tage, Ul .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Ferdinand freiligrath (i8i0-i876),

der nach dem Erscheinen seiner politischen Gedichte 'Ein Glaubensbekenntnis" zuerst nach Brüssel, dann in die Schweiz fliehen mußte, wo er die radikalen Kampflieder der Sammlung 'Ca ira" schrieb. Das Revolutionsjahr 1848 brachte den Dichter zunächst nach Deutschland zurück; hier wurde er wegen Hoc .....
[ mehr ]
Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Thiesmeyer, alexa

Biografie: *2.3.1 in Ãœberlingen/ Bodensee. A. Thiesmeyer wuchs in Bonn auf, wo sie Jura studierte. Sie war als freie Journalistin tätig und später Dozentin an einer Krankenpflegeschule für Rechtsfragen. Trotz einer großen Familie mit fünf Kindern ist sie seit 1986 praktisch und schriftstellerisch i .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Saussure, ferdinand de

S. war der Begründer der strukturalen Linguistik und damit des Strukturalismus überhaupt. Seine sprachwissenschaftlichen Studien absolvierte er in Leipzig bei dem Junggrammatiker Brugmann, wo er sie 1880 mit einer Dissertation De l emploi du genitif absolu en sanscrit abschloß. Unter dem Einfluß d .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Saar, ferdinand von

Bismarcks Tod Hippe, Robert. In: Dt. politische Gedichte, 1974, S. 17- 18. Herbst Nürnberger, Helmuth. In: Frankfurter Anthologie 12, 1989, S. 127 - 130. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Ferdinand von saar (i833-i906)

Die Zuordnung Ferdinand von Saars zum Bürgerlichen Realismus ist nicht unproblematisch. Denn zwar steht im Zentrum seiner Novellen zumeist der 'einzelne, häufig isoliert[el und sich selbst überlassen[ej Mensch". Gesellschaftliche Realität ist dabei ausschließlich im subjektiven Erleben und Erlei .....
[ mehr ]
Index » Bürgerlicher Realismus » Die Novellenliteratur des Bürgerlichen Realismus

Exkurs: 'prinz louis ferdinand 5

Nicht immer war Fontane für den Leser vor allem der Romancier. Zu seinen Lebzeiten wurden seine Balladen besonders geschätzt; auch er selbst glaubte vor allem an die Wirkung seiner Lyrik, von der vor allem die späteren Texte heute wenig bekannt sind. In den Zusammenhang unserer Betrachtungen über ' .....
[ mehr ]
Index » Deutsche Novellen » Theodor Fontane: Schach von Wuthenow

Theodor fontane prinz louis ferdinand.

Sechs Fuss hoch aufgeschossen, Ein Kriegsgott anzuschaun, Der Liebling der Genossen, Der Abgott schöner Fraun, Blauäugig, blond, verwegen Und in der jungen Hand Den alten Preussendegen: Prinz Louis Ferdinand. Den Generalitäten lebt er zu undiät, Sie räuspern sich und treten Vor seine Majestät, .....
[ mehr ]
Index » Deutsche Novellen » Theodor Fontane: Schach von Wuthenow

Celine, louis-ferdinand

Mit seinem Erstling Reise ans Ende der Nacht gelang dem Armenarzt Louis-Ferdinand Celine 1932 als Außenseiter der fulminante Eintritt in die Pariser Literaturszene, in der er bis zu seinem Tod aufgrund seiner politischen und ästhetischen Positionen umstritten blieb. Als Einzelkind handeltreibender .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Conrad joseph

Joseph Conrad gehört zu den großen europäischen Erzählern der frühen Moderne. Der Sohn polnischer Eltern hatte ein wechselvolles Leben: Als er fünf Jahre alt war, wurde sein Vater wegen der Beteiligung an einem Aufstandsversuch nach Sibirien verbannt, wohin ihn die Familie begleitete. Die Mutter st .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Celtis, conrad

An Apollo, den Erfinder der Dichtkunst, daß er aus Italien nach Deutschland kommen möge Schäfer, Eckart. In: Gedichte und Interpretationen 1, 1982, S. 81 - 93. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Freiligrath, ferdinand

Aus dem Schlesischen Gebirge Groß, Eugenie. In: Gedichtstunde, 1964, S. 102 - 105. Kosler, Alois M. In: Wege zur Ballade, 1976, S. 359 - 366. Aus Spanien Kaiser, Gerhard. In: Heine bis Gegenwart, 1991, S. 60 - 63. Das Lied vom Hemde Neis, Edgar. In: Welt der Arbeit, 1975, S. 32 - 36. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Hardekopf, ferdinand

Besessenheit Strack, Friedrich. In: Annäherungsversuche, 1993, S. 289-292. Zwiegespräch Rühmkorf, Peter. In: Expressionistische Gedichte, 1983, S. 79 - 82. Demski, Eva. In: Frankfurter Anthologie 13, 1990, S. 169 - 172. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Raimund, ferdinand

Das Hobellied Matt, Peter von. In: Frankfurter Anthologie 8, 1984, S. 79 - 81. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Ferdinand lassalle, karl marx, friedrich engels - die 'sickingendebatte

Lassalles Aufsatz über die tragische Idee Beilage zum Brief Lassalles an Marx vom 6. März 1859 Ãœber die formelle tragische Idee, die ich dem Drama und seiner Katastrophe zugrunde legte - den tiefen dialektischen Widerspruch, welcher der Natur alles Handelns, zumal des revolutionä-. ren, innewohnt .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

 Tags:
Meyer,  Conrad  Ferdinand    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com