Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Index
» Autoren
» Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart
» Lehmann, Wilhelm

Lehmann, Wilhelm



Sie seien »am Weichenstellwerk ihrer Zeit tätig«, so begründete Alfred Döblin die Verleihung des Kleist-Preises 1923 an Robert Musil und L. Dieser hatte damals noch keine Gedichte veröffentlicht und erhielt den Preis für sein erzählendes Werk, vor allem die Romane Der Bilderstürmer , Die Schmetterlingspuppe und Weingott , mit dem er seit 1915 Aufsehen erregt hatte. Schon hier ist L.s Thema »das immer geschehendejüngste Gericht« der Natur, des »Grünen Gottes« , und, in der Selbstinterpretation der ersten zwei Romane, »der Untergang eines Naturverräters und die Verzweiflung über Naturverlust«. Mitdem Jahr 1923 ist aber auch schon der Endpunkt einer frühen Wirkung erreicht; das Leserpublikum beachtete L. seitdem fast nicht mehr, und die Romane, die dennoch entstanden, konnten — wie Der Ãœberläufer und Der Provinzlärm — erst lange nach 1945 veröffentlicht werden, nachdem sich L. als Lyriker durchgesetzt hatte. Die Mühen des Anfangs hatte L. zu diesem Zeitpunkt allerdings hinter sich. Dazu gehört die kleinbürgerliche Familie, die der Vater verlassen hat und die nun ganz von der Mutter beherrscht wird, das Brotstudium der Philologie mit Doktordiplom und Staatsexamen und die Suche nach einer eigenen dichterischen Sprache, denn »außerhalb der Kunst vermochte ich keinen Sinn im Leben zu erfinden« ; aber auch die frühe und scheiternde Ehe mit einer um vieles älteren Frau. 1912 wurde er Lehrer an der vielbeachteten Freien Schulgcmeinde Wickersdorf in Thüringen, einem Landschulheim, das im Widerspruch zu den schulischen Drillanstalten der wilhelminischen Zeit, getragen von der Jugendbewegung aus einer freien, experimentellen Pädagogik konzipiert war. In die Auseinandersetzungen zwischen ihren Gründern und zeitweiligen Leitern wurde auch L. hineingezogen; sie hinterließen unübersehbare Spuren im frühen Erzählwerk. Dem Krieg, den er verabscheute, konnte er sich zunächst als unabkömmlich entziehen. 1917 einberufen und an die Westfront versetzt, blieb er »als gemeiner Soldat von keinem Entsetzen verschont« und geriet in Gefangenschaft; Tagebuchblätter dieser Zeit wurden in den Roman Weingott integriert. Nach seiner Rückkehr nahm L. eine Stelle an einem Landschulheim in Holzminden an, wechselte jedoch 1923, um mehr zum Schreiben zu kommen, an die staatliche Schule in Eckernförde, wo er bis zu seiner Pensionierung unterrichtete.

      Einen gleichgesinnten Freund fand L. in Oskar Loerke, dem Lektor seines ersten Verlegers, Samuel Fischer. Wie L. mit seiner Prosa, kam Loerke mit seinen Gedichten vom Expressionismus her, und beide trafen sich in der Bemühung, die expressionistischen Errungenschaften um Formen und Inhalte einer neuen Sachlichkeit zu erweitern. Sie bestätigten und ermutigten sich auf diesem Weg, auch in der immer schwierigeren Zeit des Nationalsozialismus. Noch ehe L., über fünfzigjährig, seinen ersten Gedichtband Antwort des Schweigens veröffentlichte, hatte Loerke für ihn die bald berühmte Formel vom »Grünen Gott« gefunden. Mit diesem ersten Gedichtband stand L.s Rang als Lyriker fest. Doch konnte er — in kleinen Auflagen gedruckt und außerhalb des von der nationalsozialistischen Literaturpolitik gesteckten Rahmens -erst nach 1945, dann allerdings in einem nur Gottfried Benn und Bertolt Brecht vergleichbaren Maß, »Schule« machen.
      So gilt L. —inzwischen waren vier weitere Lyrikbändchen erschienen, die er 1957 in Meine Gedichtbücher vereinigte - als der eigentliche Begründer des naturmagischen Gedichts, in welchem die Fülle des Konkreten sich in botanischer und zoologischer Genauigkeit äußert und sich mit einer neuen Mythisierung der Natur verbindet. »Das unbeachtetste Unkraut wird hier zur funkelnden Mythe«, hatte schon 1918 ein Rezensent der Schmetterlingspuppe erkannt. Der Kritik, daß der Mensch hier zu verschwinden drohe, setzt L. in einem seiner poetologischen Essays, in dem er auf Brecht anspielt, entgegen: daß »ein Gespräch über Bäume nicht das Wissen um böse Zustände und Taten ausschließt«, vielmehr helfe, »den verloren gegangenen Menschen wieder zu holen«.
     


An meinen ältesten sohn - wilhelm lehmann

Die Winterlinde, die Sommerlinde Blühen getrennt - In der Zwischenzeit, mein lieber Sohn, Geht der Gesang zu End. 5 Die Schwalbenwurz zieht den Kalk aus dem Hügel Mit weißen Zehn, Ich kann es unter der Erde Im Dunkeln sehn. Ein Regen fleckt die grauen Steine - Der letzte Ton Fehlt dem Goldammerm .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Wilhelm lehmann (i882-i968)

Das wahre Gedicht gedeihe, bemerkte Lehmann gegen Ende seines Lebens in einem Maß des Lobes betitelten kritischen Kommentar zur Lyrik Peter Huchels, 'im Anblick der Phänomene der sichtbaren Welt". Die Welt werde aber heute um diese ihre Sichtbarkeit betrogen. Berufung des Dichters sei es, der 'Reduk .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Lyriker des 20. Jahrhunderts (Deutschsprachige)

Oskar loerke (i884-i94i): brief-wilhelm lehmann (i882-i968): auf sommerlichem friedhof (i944)

Zwei Gränchen Staub im Wind Oskar Loerke, Träger des Kleist-Preises von 1913, war als Cheflektor des S. Fischer Verlags eine der Schaltstellen des literarischen Lebens in den zwanziger Jahren. In seinen Dichtungen bleiben Landschaftserlebnisse einer Kindheit im Osten prägend. Seine Naturlyrik str .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Magie der Natur

Wilhelm lehmann: »die signatur«

Wilhelm Lehmanns Gedicht »Die Signatur« erschien 1942 im Gedieh tband Der grüne Gott. Die Neue Rundschau hatte es im Februar 1940 unter dem Titel »Vögel am Wintermittag« veröffentlicht. Damastner Glanz des Schnees, Daraufliest sich die Spur Des Hasen, Finken, Rehs, Der Wesen Signatur. 5 In ihre A .....
[ mehr ]
Index » Lyrik des 20. Jahrhunderts (1900-1945) » Lyrik in finsteren Zeiten 1930-1945

Lehmann, wilhelm

Abgeblühter Löwenzahn Seidler, Manfred. In: Lyrik / Deutschunterricht, 1976, S. 39-40. Ahnung im Januar Hock, Erich. In: Motivgleiche Gedichte, 1971, S. 53 - 54. Alter Mann Schug, Dietrich. In: Die Naturlyrik, 1963, S. 152 - 154. Alter Moment Schug, Dietrich In: Die Naturlyrik, 196 .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Müller, wilhelm

Auf dem Fluße Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 176 - 186. Das Mühlenleben Haefeli-Rasi, Madeleine. In: Wilhelm Müller, 1970, S. 34 - 44. Das Wirtshaus Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 278 - 284. Der greise Kopf Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 234 - 239. D .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Windelband, wilhelm

W. wurde als Sohn eines preußischen Beamten geboren und studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Vaterstadt an den Universitäten Jena, Berlin und Göttingen anfänglich Medizin und Naturwissenschaft, später Geschichte und Philosophie. Philosophisch war er gleichermaßen von Kuno Fischer wie v .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Schelling, friedrich wilhelm joseph

Die klassische deutsche Philosophie - in Verkennung der sie bestimmenden Dialektik von Idealismus und Materialismus auch als »Deutscher Idealismus« bezeichnet - ist im ausgehenden 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Zeitzeugin eines Zyklus von Revolutionen und eines Anti-Zyklus von Restaurati .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Ockham, wilhelm von

In der Nacht des 26. Mai 1328 floh der große franziskanische Ordensgelehrte O. zusammen mit dem Ordensgeneral Michael von Cesena und Marsiglio von Padua vor dem päpstlichen Inquisinonsgericht von Avignon, wo Papst Johannes XXII. residierte, nach Pisa zu Kaiser Ludwig dem Bayern, um dem Tod in der Un .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Leibniz, gottfried wilhelm

Wahrscheinlich war er der umfassendste Kopf, der an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert philosophisch dachte, in einer Zeit, die an philosophischen Köpfen nicht arm war. In Leipzig als Sproß einer Professorenianulie geboren, war er eines der Wunderkinder, mit denen seine Zeit zu renommieren versuc .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Humboldt, wilhelm von

Nein, als Philosoph hat er sich nicht gesehen. Auch kam ihm wohl niemals in den Sinn, seine Studien der wahren Philosophie zuzuordnen, wie er sie verstand und zeitlebens mit der Philosophie Kants und ihrer Aufgabenstellung der Bestimmung der Grenzen reiner Vernunfterkenntnis identifizierte. Von ihr .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Hegel, georg wilhelm friedrich

Das Portrait des versunkenen Professors auf dem Katheder über den Köpfen der andächtig mitschreibenden jungen Herren im Frack zeigt H. im Jahre 182S. auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, in Berlin. Dieser H. ist es. der in die Nachwelt einging, dessen Denken z.B. dem jungen Marx noch ganz selbstverstä .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Waiblinger, wilhelm

Der Kirchhof Rennen, Hai H. In: ZDP 107, 1988, S. H., S. 85 - 100. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Wackenroder, wilhelm heinrich

Siehe wie ich trostlos weine Vaget, Hans Rudolf. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 63 - 67. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Tkaczyk, wilhelm

Auf den Galapagos Heukenkamp, Ursula. In: WB 28, 1982, S. 91 - 100. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Szabo, wilhelm

Dorfangst Kranz, Gisbert. In: Siebenundzwanzig Gedichte, 1972, S. 57-59. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Dilthey, wilhelm

Wie Schopenhauer. Kierkegaard. Marx und Nietzsche gehört D. zu den herausragenden Philosophen des nachidealistischen 19. Jahrhunderts. Doch anders als die genannten großen Außenseiter ist D. einer der wenigen akademisch erfolgreichen Philosophen seiner Zeit, deren Werk eine bis heute andauernde Bede .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Raabe, wilhelm

Des Menschen Hand Fritz, Walter Helmut. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 103 - 105. Flüchtiges Glück Bienek, Horst. In: Zeit wie Ewigkeit, 1987, S. 42 - 45. Glockenklang Oppermann, Hans. In: Raabe-Jb, 1962, S. 78 - 85. Zwiesprache Schulz, Bernhard. In: Literarischer Unterrich .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Fink und frosch - wilhelm busch

Diese Reimfabel ist ganz auf die Gegensätzlichkeit der beiden Tiere aufgebaut. Darauf deutet jeder einzelne Gestaltungszug hin: die Ãœberschrift, die mit den stilistischen Mitteln der Artikellosigkeit und der Alliteration der beiden Tiernamen fest verspannt; die Anlage der Handlungslinie ; vor allem .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Bewaffneter friede - wilhelm busch

Ganz unverhofft, an einem Hügel, Sind sich begegnet Fuchs und Igel. Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht! Kennst du des Königs Ordre nicht? 5 Ist nicht der Friede längst verkündigt, Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, Der immer noch gerüstet geht? Im Namen seiner Majestät Geh her und übergib dein .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Wilhelm dilthey (i833-i9ii)

Der Mensch lebt nach Dilthey immer schon in einer irgendwie verstandenen Welt, und dies, weil er sich seines eigenen Lebens als eines sinnvollen Bedeutungszusammenhangs verstehend innezuwerden vermag. Dieser sinnvolle Bedeutungszusammenhang ist nicht wie der Kausalzusammenhang, den Scherer vorausset .....
[ mehr ]
Index » Zur Geschichte der Literaturwissenschaft » Zur Geschichte der Germanistik bis 1945

Wilhelm scherer (i84i-i886)

Als wichtigstes Merkmal des Positivismus gilt die naturwissenschaftlich-empirische Ausrichtung der geisteswissenschaftlichen Verfahren. Sie war die Konsequenz einer Krise, in die die Geisteswissenschaften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gerieten: 1. Die germanistische Fachwissenschaft en .....
[ mehr ]
Index » Zur Geschichte der Literaturwissenschaft » Zur Geschichte der Germanistik bis 1945

Georg wilhelm friedrich hegel - vorlesungen über die Ästhetik

Der Künstler Die Phantasie Was erstens das allgemeine Vermögen zur künstlerischen Produktion angeht, so ist, wenn einmal von Vermögen soll geredet werden, die Phantasie als diese hervorstechend künstlerische Fähigkeit zu bezeichnen. Dann muß man sich jedoch sogleich hüten, die Phantasie mit der bl .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

August wilhelm schlegel - vorlesungen über dramatische kunst und literatur

Vom Geist des romantischen Schauspiels [...]â–  Formlos zu sein darf also den Werken des Genius auf keine Weise gestattet werden, allein es hat damit auch keine Gefahr. Um dem Vorwurfe der Formlosigkeit zu begegnen, verständige man sich nur über den Begriff der Form, der von den meisten, namentl .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

 Tags:
Lehmann,  Wilhelm    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com