Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Krolow, Karl



1944 wollte K. den kurz zuvor erschienenen Gedichtband Der grüne Gott von Wilhelm Lehmann rezensieren. Es wäre eine der wenigen öffentlichen Reaktionen auf diese bald richtungsweisenden Verse gewesen, die nicht ins Konzept einer Blut-und-Boden-Literatur paßten. Die Zeitschrift Das Innere Reich konnte indessen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gedruckt werden. K.s Absicht zeigt jedoch seine Ausgangsposition schon vor 1945, die sich auch mit dem einschneidenden Ereignis der sogenannten »Stunde Null« nicht veränderte; er ist kein Schriftsteller der Stunde Null, auch wenn er jetzt erst hervortritt. Er schließt an das neue deutsche Naturgedicht an, für das Oskar Loerke, Wilhelm Lehmann, Elisabeth Langgässer, Peter Huchel u.a. schon grundlegende Muster geschaffen hatten und das in der Tradition des Naturgedichts von der Klassik bis zum Expressionismus steht, d.h. auch wesentliche Errungenschaften des von der nationalsozialistischen Literaturpolitik als »entartet« verfemten Expressionismus aufgenommen und für eine bruchlose Weiterfuhrung gerettet hatte. K. hatte seit 1935 in Göttingen und Breslau Germanistik, Romanistik, Kunstge-schichte und Philosophie studiert und sich von 1942 an auf ein Leben als freier Schriftsteller eingelassen. Die Romanistik erschloß ihm die Poesie der französischen und spanischen Moderne, die in ihren zeitgenössischen Vertretern auf ihn und — auch durch seine Ãœbersetzungen - auf eine ganze Generation jüngerer Schriftsteller entschiedenen Einfluß gewann. Das Studium der Germanistik sicherte die Grundlagen für K.s stets das eigene sprachliche Handeln reflektierende Äußerungen; hierzu gehören schon früh Rezensionen, nach 1945 zahlreiche literaturkritische und poetologische Essays, darunter Vorlesungen als Gastdozent für Poetik an der Universität Frankfurt a.M. und eine große Darstellung der »Lyrik in der Bundesrepublik Deutschland seit 1945« . Und doch ist dieser umfangreichste Teil seines Werks nur von begleitender Natur. Trotz allem Streben nach Objektivität sind diese Äußerungen zugleich persönliche, gelegentlich privateste Ortsbestimmungen des Lyrikers K. Nur diese kritische Selbstbeobachtung ermöglichte Kontinuität und Wandel über vierzig Jahre hinweg: daß dieses lyrische Werk repräsentativ für die westdeutsche Lyrik werden und bleiben konnte, indem es vielfältige Entwicklungen integrierte, ohne seine Eigenart zu verlieren.

      Seit der Verleihung des Büchner-Preises 1956 durch die von Lehmann mitbegründete »Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung« lebt K. in Darmstadt . 1952 hatte er sich mit dem Gedichtband Die Zeichen der Welt durchgesetzt und seinen Ruhm mit Wind und Zeit und Tage und Nächte gefestigt. Noch herrschen hier die konventionellen Formen vor, aber die mythologische Ãœberhöhung, die bei der Langgässer das Verständnis erschwert, oder die »Menschenleere« Lehmanns sowie eine auf Naturdetails eingeschränkte Metaphorik — ironisiert als »Gedichte mit umgehängter Botanisiertrommel« — ist vermieden und durch surreale Elemente erweitert. Tatsächlich hat K. damit die Phase seiner eigentlichen naturmagischen Lyrik abgeschlossen und sprengt dessen formale und thematische Enge längst auf ; Gedichte von der Liebe in unserer Zeit, . So spricht K. schon in der Büchner-Preis-Rede von der »Karnevalistik der Worte«, vom »lyrischen Konfetti werfen«, das freilich durch die »Grazie des Intellekts« zu mildern sei und durch »alle die Understatements, die... das kurze Achselzucken beigeben«. Und unter dem Einfluß der Franzosen und Spanier wird vollends der »kleine Himmel über dem deutschen Gedicht aufgerissen«. Die Versbände Fremde Körper , Unsichtbare Hände. Gedichte ig^g—ig . Landschaften für mich , Alltägliche Gedichte , Der Einfachheit halber oder die neugeordneten Gesammelten Gedichte erweisen, wie sich K. nach und nach den verschiedensten fremden Einflüssen ausgesetzt hat, um dem raschen Abnutzungsprozeß der poetischen Sprache entgegenzuwirken. Durchweg hat diese Offenheit — ob gegenüber Surrealismus, Dadaismus, Lakonismus, Konkreter Poesie oder ausländischer Lyrik auch kleinster Literaturen — K. zu sensiblen und eigentümlichen Lösungen geführt, so daß ein schon 1962 durch Hugo Friedrich gefälltes Urteil, diese Lyrik sei »eine bedeutende dichterische Diagnose der modernen Seele«, sich bis heute immer von neuem bestätigt hat.
     


Karl krolow (geb. i9i5)

erinnert in manchem an Georg Trakl, vor allem in der Symbolhaftigkeit seiner Bilder, aber auch dort, wo seine Gedanken schwermütig um Tod und Verwesung kreisen: Ein Spiel Karten die lyrische Landschaft -sehr leicht zu mischen Tod, ungemischt, gezinkt von Angstschweiß Und altem Gelächter, Tod mit .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

Kurzes unwetter - karl krolow

Die Wolkenpferde ins Licht sich stürzen. Es qualmt die Erde von starken Würzen. 5 Die schweren Leiber den Himmel fegen. Sturm ist ihr Treiber, schlägt Staub und Regen aufs schwarze Wasser. 10 Die Gräser sausen. Die Beerenprasser befällt ein Grausen. Ahorne biegen sich in den Lüften. 15 Wildblumen .....
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Karl krolow (i9i5-i999): was blieb zurück? - ein lachen, eine spur

Was blieb zurück? Ein Band von Vögeln war der Herbst, das weiter nach Ägypten zog. Die Dunkelheit wächst wie die Wand durchs Zimmer. Sie nimmt überhand. Man raucht. Man schweigt. Und läßt den Rauch vorüberziehn. Das Jahr verschwindet, Bild um Bild. Das Jahr verbrennt. Aus dem Kamin steigt es noch .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Das Liebesgedicht kommt in Fahrt

Krolow, karl

Altertum Weissenberger, Klaus. In: Formen der Elegie, 1969, S. 130- 132. An den Frieden Paulus, Rolf. In: Lyrik und Poetik, 1980, S. 208 -211. Ariel Härtung, Peter. In: Frankfurter Anthologie 14, 1991, S. 213-216. Besuch kommt Rautenberg, Peter. In: Der junge Beamte 15, 1971, H. 4, S .....
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Diese alten männer - karl krolow

Diese alten Männer, die niemand mehr ansieht, Hausierer mit Phantasie, reale Nullen, bei Abschaffung ihres Lebens, unter Bäumen im Park wartend auf nichts anderes als auf Vergangenheit — eine Landkarte aus Staub. Versteckte Sätze leben in ihnen weiter im trockenen Mund. Einige haben ei .....
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Karl krolow (i9i5-i999)

Karl Heinrich Gustav Krolow wurde in Hannover geboren und starb in Darmstadt. Er studierte von 1935 bis 1941 Germanistik, Romanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Göttingen und Breslau. Erste Gedichte erschienen ab 1940 in Zeitungen, Zeitschriften und dem Band Hochgelobtes, gutes Leben, der je .....
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Kautsky, karl

Zu seinen Lebzeiten galt er den einen als »Lehrmeister der Klasse« des Proletariats , den anderen als bläßlicher »Stubengelehrter« , als Revisionist, gar Renegat des Marxismus. Das Bild K.s als maßgeblicher Ideologe und Propagandist des parteioffiziellen Marxismus der Zweiten Internationale unterheg .....
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Wolken, karl alfred

Zu früh fanden wir Wolken, Karl Alfred. In: Pausen zwischen den Worten, 1986, S. 107-111. .....
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Rosenkranz, karl

David Friedrich Strauß hat seinerzeit R. - wohl aus Mangel an eindeutigen politischen Zuordnungskriterien - in die Mitte und ins Zentrum der Hegeischen Schule gesteht, eine Charakterisierung, die übrigens R. selbst für durchaus zutreffend gehalten hat. In einem Brief an den Freund und Vertrauten Var .....
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Rahner, karl

Es ist nicht selbstverständlich, daß ein Autor, dessen philosophische Dissertation vom Doktorvater abgelehnt wurde und der selbst als Theologe gearbeitet hat. schon zu Lebzeiten in maßgeblichen Philosophie-Lexika verzeichnet wird. Bei R. war dies der Fall. Erklären läßt es sich durch das ihm eigentü .....
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Zuckmayer, karl

Die Wölfe Neis, Edgar. In: Tiergedichte, 1976, S. 106 - 108. .....
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Popper, karl raimund

P.s Autobiographie beginnt mit den Worten: »Es war einmal ein Tischlermeister, der hieß Adalbert Posch.« Dieser Meister des Handwerks hatte die Angewohnheit, durch seinen eigenen Wissensschatz die Bildungslücken seines studierten Lehrlings aufzudecken. Der Lehrling war P., der hier lernte, was es he .....
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Jaspers, karl

In einem seiner Hauptwerke, der dreibändigen Philosophie von 1932. hatte er angekündigt: »Ein Philosophieren aus möglicher Existenz, welche sich durch philosophisches Leben zur Wirklichkeit bringen will, bleibt Suchen. Das Ursprungsbewußtsein drängt zu diesem Ursprung als selbstbewußtes Suchen, das .....
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Löwith, karl

Die Auslieferung an das geschichtliche Den- ken ist nicht nur dem historischen Materialismus und in anderer Weise dem metaphysischen Historismus von Hegel eigentümlich, sie kennzeichnet auch alles nachhegelsche und nachmarxistische Denken. Man glaubt auch im bürgerlich-kapitalistischen Westen, des .....
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Korsch, karl

»Mein Lehrer ist ein enttäuschter Mann. Die Dinge, an denen er Anteil nahm, sind nicht so gegangen, wie er es sich vorgestellt hatte. letzt beschuldigt er nicht seine Vorstellungen, sondern die Dinge, die anders gegangen sind. Allerdings ist er sehr mißtrauisch geworden. Mit scharfem Auge sieht er ü .....
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Mannheim, karl

Als ein »nach Deutschland verschlagener Scherben« fühlte sich M. in Heidelberg noch 1921. obwohl Deutschland und die deutsche Kultur ihm nicht fremd waren - seine Mutter war Deutsche, und von 1912 bis 1913 hatte M. bei Georg Simmel in Berlin Philosophie studiert. Doch seine Identität war stark vom i .....
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Ferdinand lassalle, karl marx, friedrich engels - die 'sickingendebatte

Lassalles Aufsatz über die tragische Idee Beilage zum Brief Lassalles an Marx vom 6. März 1859 Ãœber die formelle tragische Idee, die ich dem Drama und seiner Katastrophe zugrunde legte - den tiefen dialektischen Widerspruch, welcher der Natur alles Handelns, zumal des revolutionä-. ren, innewohnt .....
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Karl marx - zur kritik der hegeischen rechtsphilosophie. einleitung

Der Kampf gegen die deutsche politische Gegenwart ist der Kampf gegen die Vergangenheit der modernen Völker, und von den Reminiszenzen dieser Vergangenheit werden sie noch immer belästigt. Es ist lehrreich für sie, das ancien regime, das bei ihnen seine Tragödie erlebte, als deutschen Revenant seine .....
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Karl marx - aus: einleitung zur kritik der politischen Ökonomie

Bei der Kunst bekannt, daß bestimmte Blütezeiten derselben keineswegs im Verhältnis zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft, also auch der materiellen Grundlage, gleichsam des Knochenbaus ihrer Organisation, stehn. Z. B. die Griechen verglichen mit den modernen oder auch Shakespeare. Von gewiss .....
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Willschrei, karl-heinz

Biografie: *18.3.1 in Homberg. K.-H. Willschrei studierte Theaterwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Zeitungswissenschaft. Nach Studium und Promotion arbeitete er als Drehbuchautor und Produzent bei der Münchener Bavaria, wo er von 1970 bis 1973 als Abteilungsleiter für internationale Co-Prod .....
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Tschon, karl-richard

Biografie: *1 in Teplitz-Schönau. K.-R. Tschon war kaufmännischer Angestellter, später Pianist, seit 1945 freier Schriftsteller in München. Er schrieb seit 1951 mehr als 30 Hörspiele, hauptsächlich Krimis. Besonders in seinen mehrteiligen Kriminalstücken stellte er sich in die Tradition der seinerze .....
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Stöppler, karl-michael

Biograhe: *14.11.1 in Alsfeld . K.-M. Stöppler arbeitete nach einem Volontariat mehrere Jahre als Redakteur bei Tages- und Wochenzeitungen. Er studierte Jura und war als Assessor in einer Anwaltskanzlei und beim Bundesvorstand einer Gewerkschaft tätig. Seit 1993 ist er Pressesprecher der Kreisverwal .....
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Berger, karl-heinz

auch unter den Pseud.: K. Heinz, Charles P. Henry Biografie: *28.7.1 in Köln, +25.11.1 Berlin. K.-H. Berger studierte Germanistik, Geschichte und Anglistik an der Humboldt-Universität in Berlin. Von 1952 bis 1957 arbeitete er als Verlagslektor in Berlin, 1957/58 folgte ein Studium am Literaturin .....
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Bilderbuch: karlinchen (fuchshuber i995)

Eine Geschichte vom Fremdsein: Karlinchen hat durch den Krieg alles verloren und sucht in der Welt der Menschen, der Tiere und phantastischer Wesen nach einem neuen Zuhause. Ãœberall wird das Mädchen abgewiesen, weil es fremd und anders ist, weil man selbst - angeblich oder wirklich - nichts hat, bi .....
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Karl neumann 'frank und irene (i964)

Kinder- und Jugendromanc von Karl Neumann gehörten zu den meistgelesenen Erscheinungen der Kinder- und Jugendliteratur der DDR. Nach dem großen Erfolg von 'Frank", in dem ein Außenseiter gleichsam in die Gemeinschaft geführt wurde, schrieb der Autor auf Drängen von Lesern und Verlag die Fortsetzung .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » KARIN RICHTER

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