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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Kracauer, Siegfried



Biographen begegnete K. mit Mißtrauen. »Meine Art der Existenz«, schrieb er in einem späten Brief an Theodor W. Adorno, »würde buchstäblich aufs Spiel gesetzt, wenn die Daten aufgeschreckt würden und mich von außen her überfielen.« Festlegungen wehrte er als heteronom ab, um das Eigenste zu bewahren: eine ungeschützte Offenheit für die Phänomene, deren Bedingung die Freiheit von konventionellen Bindungen war, ein Raum der »Exterritorialität«. Das »alteingewurzelte Bedürfnis, exterritorial zu leben«, mag seinem Ursprung nach Reaktion auf jenes Außenseitertum ge-i wesen sein, in das K. als Jude hineingeboren wurde. Doch hat er die Position des Außenseiters nicht nur erlitten, sondern mit zunehmender Konsequenz vertreten und theoretisch fruchtbar werden lassen in der geschärften Aufmerksamkeit für Vorgänge an der gesellschaftlichen Peripherie, für soziale Randgruppen und Randzonen bürgerlicher Kultur, für flüchtige und unscheinbare Erfahrungen, die durch die Maschen der Systeme fallen oder sich der begrifflichen Festlegung entziehen. Nach dem Studium der Architektur, Philosophie und Soziologie wurde K. 1921 Mitarbeiter der renommierten Frankfurter Zeitung. Bis 1930 Feuilleton-Redakteur in Frankfurt a.M., dann Leiter des Kulturressorts in Berlin, fand er als Journalist zu seiner schriftstellerischen Identität. Diese prägt sich nicht in einer bestimmten Form, einem einzelnen Thema oder einer starren theoretischen Position aus, sondern in der unablässigen Anstrengung um ein erfahrendes Denken, das die Phänomene der alltäglichen Lebenswelt in ihrer Besonderheit angemessener zu erfassen vermag als ein im herkömmlichen Sinn theoretisches. An den Erscheinungen der »Oberfläche« spürte K. der Dialektik der Aufklärung nach. Er entdeckte den Film als Medium der »Zerstreuungskultur« und mit ihm jene Öffentlichkeit des verarmten Mittelstandes, auf den die Kulturindustrie der zwanziger Jahre zugeschnitten war . Ãœber akademische Fächergrenzen setzte er sich ebenso hinweg wie über die schroffe Trennung von Theorie und Literatur. Seine beiden Romane Ginster und Georg , deren äußere Handlung der Lebensgeschichte K.s zwischen 1914 und 1933 nachgezeichnet ist, reflektieren — in ironischer Umkehr des Schemas des traditionellen Bildungsromans - den Zerfall bürgerlicher Individualität vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Krisen und Eruptionen des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik. Seine zahlreichen kurzen Prosatexte erkunden exemplarische Erfahrungsbereiche der Moderne. Im Blick des Oberflächenphänomenologen werden Konfigurationen alltäglicher Wirklichkeit, Straßenzüge, Häuserfronten, Innenräume, zu materialen »Hieroglyphen«, zu »Sinnbildern«, deren metaphorische Entzifferung den historischen Gehalt der Epoche am topographischen Fragment freisetzt.

      Schon in der Weimarer Zeit zeigte K. eine betonte Abwehrhaltung gegen jeden Versuch der Vereinnahmung durch eine politische Gruppierung. Er bestand darauf, als Einzelner zu sprechen. Im Exil, dessen erste Station 1933 Paris wurde, verschärfte sichdiese Abwehr. K. konzentrierte sich auf die schriftstellerische Arbeit - zunächst vor allem auf die »Gesellschaftsbiographie« Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit -, hielt Distanz zur antifaschistischen Opposition. Sein Einzelgängertum hat er mit einem jahrelangen, zermürbenden Kampf um die Einreise in die USA teuer bezahlt: Für den, der zwischen allen Stühlen saß, wollte sich keine institutionelle Lücke öffnen. Erst in buchstäblich letzter Minute, im April 1941, konnte K. sich nach New York retten.
      Den Baß in der Lebensgeschichte, den die Exilierung bedeutete, hat K. nicht zu kitten versucht, sondern bewußt gelebt. Er arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum of Modern Art und als Dozent an der Columbia University. Er nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an, ohne je in den USA wirklich heimisch zu werden. Er lernte mit Zähigkeit Englisch - bereits 1947 erschien die Filmgeschichte Front Caligari to Hitler — , aber er wurde mit der fremden Sprache nie ganz vertraut. Er blieb seinen frühesten theoretischen Absichten treu, doch fand er weder in den USA noch im Nachkriegsdeutschland ein breiteres Publikum für seine Schriften. Unter solchen Bedingungen entstanden die monumentale Theory of Film und die ge-schichtsphilosophischen Meditationen History — The Last Things Before the Last , die nicht nur ihrer Entstehungszeit wegen als Alterswerke zu bezeichnen sind. K. versichert sich in ihnen des Beabsichtigten und Geleisteten, indem er noch einmal das lockere Gefüge der Lebenswelt skizziert — und zugleich die besondere Blickweise, der sie sich öffnet. Die Erfahrungen des Phänomenologen, dessen Nähe zu den Dingen stets die verfremdende Distanz zur gesellschaftlichen Umwelt voraussetzte, verschmelzen sich ihm mit denen eines mehr als 30jährigen Exils. »Die wahre Existenzweise des Exilierten ist die eines Fremden.« Für den Außenseiter, der zuletzt nur in der »Exterritorialität« leben konnte, mag dieser Satz auch in der Umkehrung gegolten haben.
     


Kracauer, siegfried

Siegfried Kracauer, Spross einer jüdischen Kaufmannsfamilie, hat ein thematisch und analytisch umfangreiches sowie vielseitiges schriftstellerisches und publizistisches Werk hinterlassen, das in seiner diagnostischen Hellsichtigkeit seinesgleichen sucht. Den promovierten Architekten zog es früh in .....
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Lenz, siegfried

Geb. 17.3.1926 in Lyck/Masuren Nicht erst seit seinem unerwarteten Bestseller Deutschstunde wird L. vorgeworfen, seine Vermarktung in den Medien und die Breitenwirkung seiner Werke beweise, daß sein Schreiben im Grunde auf das rückhaltlose Einverständnis, auf eine »Komplizenschaft mit dem Leser« .....
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Siegfried lenz das wrack

Analyse In dieser Geschichte erzählt Lenz vom Unglück des armen Fischers Baraby, dessen Fleiß und Wagemut ihn nicht vor dem Schicksal des Glücklosen bewahren. Baraby gehört zu einer Gruppe von Flußfischern, die im breiten Mündungsgebiet der Elbe fischen. Gelegentlich schlachten sie ein Wrack aus, a .....
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Siegfried lenz der beweis

Grundlagen der Erzählkunst von Siegfried Lenz 'Schreiben ist eine gute Möglichkeit, um Personen, Handlungen und Konflikte verstehen zu lernen", sagt Lenz in einer 'Autobiographischen Skizze"1. Sein Bestreben ist es, 'einen wirkungsvollen Pakt mit dem Leser herzustellen, um die bestehenden Ãœbel zu .....
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Siegfried lenz ein sehr empfindlicher hund

1. Textanalyse 1.1. Der Leser der Geschichte wird sagen: ein echter Lenz! Denn folgende Wesenszüge, die Siegfried Lenz charakterisieren, treten deutlich hervor: 1.1.1. Der ruhige, unkomplizierte Erzählfluß entfaltet das Geschehen so durchsichtig und plastisch, daß die Freude am Les .....
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Siegfried lenz: »heimatmuseum« (i978) - >imaginäre geschichtsschreibung

Episches Protokoll eines Verlustes »Aus dem Ploetz [...] können wir erfahren, wann und wie die Rückführung deutscher Kriegsgefangener vor sich ging, eine Erzählung von Böll oder Borchert aber führt uns vor Augen, was es heißt, aus Krieg und Gefangenschaft zurückzukehren.« So schreibt Siegfried Le .....
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Siegfried lenz (geb. i926).

Er stammt aus Lyck, war als junger Matrose 'Augenzeuge der großen Flucht und des Untergangs vieler Schiffe" und lebt seit 1945 in Hamburg. Als Postulat seines Schaffens nennt er '. . . ein gewisses Mitleid, Gerechtigkeit und einen nötigen Protest". Einige seiner Werke verarbeiten Kriegs- und Nachkri .....
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Kessemeier, siegfried

Me woit nit Schutt, Jochen. In: Reuter, 1975, S. 203 - 208. .....
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Lenz, siegfried

Siegfried Lenz zählt neben Heinrich -» Böll, Günter -> Grass und Martin ^Walser zu den herausragenden deutschen Autoren nach 1945. In einem umfangreichen Oeuvre, das Romane, Erzählungen. Hörspiele und Essays umfasst, verarbeitet Lenz Themen derNachkriegs-Generation. Bereits im Alter von 17 Jahren w .....
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Siegfried lenz die große konferenz

Die Erzählung 'Die große Konferenz" von Siegfried Lenz ist der bekannten Sammlung masurischer Geschichten entnommen, die 1955 unter dem Titel 'So zärtlich war Suleyken" herausgegeben wurde. Hier werden Jugenderinnerungen in einer besonderen Form dargeboten. Weder die Personen noch geographische Einz .....
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Kracauer,  Siegfried    





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