Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Kluge, Alexander



»Die Form des Einschlags einer Sprengbombe ist einprägsam. Sie enthält eine Verkürzung. Ich war dabei, als am 8. April 1945 in 10 Meter Entfernung so etwas einschlug.« Man kann mit Sicherheit annehmen, daß dieses Erlebnis den 13jährigen — wie viele seiner Altersgenossen — nachhaltig geprägt hat, für ihn ein unüberwindbares Trauma darstellte. Am Thema Krieg hält K. zeitlebens fest, es zieht sich durch alle seine Filme, Bücher und theoretischen Texte. Von Stalingrad, dem Trauma aller Deutschen, sagt K., er werde nicht aufhören, darüber zu arbeiten. Möglich, daß einer, der erfahren hat, daß er nur zufällig noch am Leben ist, daraus besonders starke Kraft zieht, um seinen eigenen Motiven zu folgen.

      K., Sohn eines Arztes, lebt nach der Scheidung seiner Eltern bei seiner Mutter in Berlin. Er studiert Jura, Geschichte und Kirchenmusik in Marburg, Freiburg und Frankfurt a.M., promoviert in Rechtswissenschaft, volontiert dann aber 1958/59 bei dem Filmregisseur Fritz Lang, der Das indische Grabmal dreht. Er sieht Jean Luc Godards A bout de souffle und will daraufhin selbst Filme drehen. Die deutsche Kinolandschaft wird vom amerikanischen Konfektionsfilm und von deutschen Schnulzen beherrscht. Gegen diese Realität beginnt Anfang der 60er Jahre die Protestbewegung des »Neuen deutschen Films«. 1985 läuft in den Kinos K.s 27. Füm. K. steht jetzt nicht nur als vielfach preisgekrönter Autorenfilmer da ; es wäre auch alles, was den neuen deutschen Film institutionell absichert , ohne die unermüdliche Lobbyistentätigkeit und Ãœberzeugungsarbeit K.s so nicht zustandegekommen. Seit 1983 befinden sich die Regisseure im Grabenkrieg mit der CDU/CSU/FDP-Regierung, die dabei ist, dem Kommerz im Film wieder freie Bahn zu verschaffen. Wie Godard in Prenom Carmen , reflektiert K. in Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit die »Utopie Film« als historisches Phänomen des 20. Jahrhunderts, das in der »Kolonialisierung« des Bewußtseins durch die Industrie der sog. Neuen Medien untergeht. Dies legt K. auch in dem von ihm herausgegebenen Buch Utopie Film dar. »Das alles hat den Charakter einer Baustelle. Es ist grundsätzlich imperfekt«, schreibt K. über die realistische Methode im Film. »Baustelle« ist aber auch all seine eigene Arbeit. Eigensinnig und ohne Rücksicht auf Markt und Moden produziert K. von Anfang an in eigenen Formen, sodaß der etwas antiquiert wirkende Begriff des Lebenswerks naheliegt; damit ist aber nicht ein herausragendes, abgeschlossenes Opus gemeint, sondern die lebenslange, kontinuierliche Arbeit, die ihren Motiven treu bleibt. In diesem Sinne sind Film, Literatur und Philosophie K.s eine Einheit. So ist z.B. die Schlußgeschichte des Films Die Macht der Gefühle nach Motiven aus K.s erstem literarischen Band

Lebensläufe gedreht; die Textbücher werden zu Text-Bilder-Büchern ; den Filmbüchern werden theoretische Passagen und Geschichten beigegeben, so daß man » Stunden« Film brauchte, »um dieses Buch zu verfilmen«. Sogar der 1300 Seiten starke, zusammen mit dem Sozialwissenschaftler Oskar Negt verfaßte philosophische Band Geschichte und Eigensinn ist ein Montagewerk, enthält Hunderte von Bildern und Geschichten.
      Genau genommen geht es K. überhaupt nicht um Bücher oder Filme, sondern um die Herstellung von Öffentlichkeit. Für ihn zählen nicht Buchstaben- oder Bilderwelten, sondern der Austausch von Erfahrungen, den die herrschende, d.h. von bestimmten politischen und wirtschaftlichen Interessen gesteuerte Öffentlichkeit verhindert. Die Art, wie er sich ausdrückt, entsteht aus dieser Notlage und ist ständig auf der Suche nach Auswegen. Der deutlich sichtbare Bruch, den K. dabei mit allen konventionellen Ausdrucksformen wie kaum ein anderer zeitgenössischer deutscher Autor vollzieht, hat seinen Grund gerade darin, daß er an den Wurzeln der filmischen, literarischen und philosophischen Tradition festhält: der Vermittlung authentischer Erfahrung.
      Wenn K. der »Erfinder der dokumentarischen Methode« genannt wird, wenn man darauf hinweist, daß er alle Formen der öffentlichen Rede, der Expertenjargons, der Zeitungsnotiz, des Gerichtsprotokolls, der Verwaltungsrichtlinien, Tabellen, Abbildungen, allen nur greifbaren Ausdrucksmüll benutzt, wenn man mit Recht sagt, daß sein Stoffhunger unersättlich ist, wenn man also das »Objektive« dieses Autors hervorhebt, dann muß man gleichzeitig hinzufügen, daß diese außerordentlichen Materialmengen von radikaler Subjektivität zusammengehalten und organisiert werden. Das Subjektive liegt in dem Schnitt, der Montage, der Assoziation, mit einem Wort: in der Form. »Es gibt nichts Objektives ohne die Gefühle, Handlungen, Wünsche, d.h. Augen und Sinne von Menschen, die handeln.« Die »Form«, in der K. seine Geschichten erzählt, »ist ein Gefühl«. Gefühl ist Bewegung, und die eigenen Gefühle passen heute weder in die literarisch überlieferten noch in die öffentlich herrschenden Ausdrucksformen. Was K.s Geschichten so neu und unvergleichlich erscheinen läßt, ist dann nichts Besonderes, sondern etwas, das in allen Menschen steckt, wenn sie ihre Motive und Gefühle ernst nehmen und gegen die Enteignung ihrer Ausdrucksformen protestieren. Es sind genuine Formen von Erfahrung.
     


Kluge, alexander

Alexander Kluge ist einer der vielseitigsten Intellektuellen Deutschlands, der als Schriftsteller, Jurist, Theoretiker, Filmemacher und Fernsehproduzent hervorgetreten ist. Sowohl seine filmische Arbeit als auch sein literarisches Werk kennzeichnet ein dokumentarischer Stil, der sich verschiedenster .....
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Kluge, alexander - chronik der gefühle

Um die heimliche Macht und den Eigensinn der Gefühle zu erkunden, sucht Kluge in seinen Geschichten und Materialien der Chronik der Gefühle nach den Elementen, die nicht nur Lebensläufe, sondern auch ganze historische Entwicklungen beeinflussen. Kluge weist dabei den Gefühlen im Zusammenhang mit Erf .....
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Döblin: 'berlin alexanderplatz

Wie liegt der Fall bei Alfred Döblins faszinierendem Ro= man 'Berlin Alexanderplatz", den wir seines instruktiven Aufbaus wegen als Muster nehmen? Man hat ihn immer wieder mit den Montage=Romanen von Dos Passos ver» glichen, ohne die ungleich interessantere Frage zu stellen, was denn Döblin zum Mont .....
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Baumgarteten, alexander gortth

»Der friedliche Baumgarten ward mit seiner seltenen, fast ängstlichen Präcision, ohne daß ers wußte und wollte, der Vater einer Schule... der schönen Wissenschaften und Künste in Deutschland.» So würdigte Herder den Ästhetiker B., der Kant als »vortreffliche^) Analyst« galt, und den der Königsberge .....
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Schröder, rudolf alexander

Der Landbau Wierzejewski, Achim. In: Literatur und Kritik 13, 1978, S. 235 - 238. Deutscher Schwur Kaiser, Gerhard. In: Heine bis Gegenwart, 1991, S. 469-471. Die Ballade vom Wandersmann Pfeiffer, Johannes. In: Das Dichterische, 1967, S. 211 -219. Es mag sein Pfeiffer, Johannes. In: .....
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Herzen, alexander i. (d.i. aleksandr ivanovic gercen, pseudonym: iskander)

H. war russischer Schriftsteller. Denker und Revolutionär in einem. Er emigrierte 1847 mit seiner Familie und lebte fortan in Paris. Genf. Nizza und London. Seine frühen Werke. z.B. Ãœber den Platz des Menschen in der Satur , verraten noch den Einfluß von Schelling. Cousin und Saint-Simon. In seiner .....
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Kleines ruhmesblatt für alexander graf von faber castell - reiner kunze

1 Als wir zu beginn der sechziger jähre nach Greiz in Thüringen gezogen waren, sagte eines morgens die briefträgerin: »Was die leute so reden, herr Kunze.« Sie wollte sich nicht nur der post entledigen, und ich ermutigte sie. »Sie hätten eine so tüchtige frau«, sagte sie. »Stimmt«, sagte ich. »Jed .....
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Kleines ruhmesblatt für alexander graf von faber castell

Die seele hat ihren sitz in der nähe des herzens Mit jedem bäum, dessen wipfel s ausdünnt, treibt in der seele er angstnadeln In der nähe des herzens verschanzt er die tümpel seiner uferau, echos gewesener landschaft, 10 und steckt an den wald sich letztes reihersilber Das ergebnis des p .....
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Rudolf alexander schröder (i878-i962)

der unbeirrbare Glaube die Grundlage für die Würde des Menschen. In seiner formvollendeten Lyrik feiert Schröder Vaterland und Heimat, Treue und Freundschaft, abendländische Kultur und Glaubensüberlieferung. In der Zeit nationalsozialistischer Bedrückung richtete Schröder durch seine gläubigen Worte .....
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Borell, alexander

Biografie: *um 1914, tSeptember 1998 in Geretsried. A. Borell verfasste eine Vielzahl von Unterhaltung- und Fortsetzungsromanen für die Publikumspresse. In den 70er-Jahren arbeitete er auch als Lebensberater bei einer Pro- grammzeitschrift und bei einer Rundfunkstation. Kriminalromane: 1958 Die To .....
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Lernet-holenia, alexander

Der bethlehemitische Kindermord Ackermann, Friedrich. In: WW 11, 1961, S. 334 - 344. Die Bilder Spiel, Hilde. In: Frankfurter Anthologie 3, 1978, S. 177- 181. Linos Ayren, Armin. In: Frankfurter Anthologie 4, 1979, S. 159 - 162. .....
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Gwerder, alexander xaver

Ich geh unter lauter Schatten Matt, Peter von. In: Frankfurter Anthologie 12, 1989, S. 231 -234. .....
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Auersperg, anton alexander von

Siehe: Grün, Anastasius .....
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Solschenizyn, alexander

Der Diktatur widerstehen, politische Unfreiheit bekämpfen und die Opfer des sowjetischen Lagersystems vor dem Vergessen bewahren - das sind die großen Themen im Werk des Literaturnobelpreisträgers Alexander Solschenizyn. Solschenizyn studierte Mathematik und Physik in Rostow und diente im Zweiten W .....
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Puschkin, alexander

Mit dem Werk von Alexander Puschkin gewinnt die russische Literatur, die lange Zeit die westeuropäische imitierte, erstmals ein eigenes, nationales Gepräge. Der größte Lyriker der russischen Romantik schuf bedeutende Werke auch in den Gattungen des Poems {Poltawa, 1829; Der Eherne Reiter, 1837 u.a. .....
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Neill, alexander sutherland

Alexander Sutherland Neill wurde zum geistigen Vater der »antiautoritären Erziehung« - ein Schlagwort, das er selber wenig schätzte. Der Sohn eines Schulleiters erhielt ab 1899 eine vierjährige Ausbildung als »pupil teacher« an der Schule des Vaters und wurde Lehrer in Newport. 1908 begann er in E .....
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Mitscherlich, alexander

Alexander Mitscherlich gilt als einer der bedeutendsten Psychoanalytiker und Publizisten der Nachkriegszeit. Vor allem wegen seiner individualpsychologisch fundierten Gesellschaftskritik, in der er sich mit der NS-Zeit auseinander setzte, stieß er bei vielen Intellektuellen, insbesondere der 1968er .....
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Milne, alan alexander

Alan Alexander Milne ist als Verfasser humar-voller Essays und komödiantischer Theaterstücke, vor allem aber durch seine Kinderbücher bekannt geworden. Milne, Sohn eines Lehrers, wurde in Westmins-ter erzogen. Nach seinem Mathematikstudium in Cambridge arbeitete er als Journalist in London und war .....
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Humboldt, alexander von

Alexander von Humboldt gewann als herausragender Vertreter einer ganzheitlichen Geogra-fie neue Erkenntnisse auf zahlreichen Gebieten der Naturwissenschaft bis hin zur Ethnografie. Der Sohn eines Offiziers wurde mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm von Humboldt von Privatlehrern aus dem Kreis der Be .....
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Rudolf alexander schröder

Bei den Wahrern der Form mußten die Gegensätze da am tiefsten aufklaffen, wo sie Rückhalt an einem persönlichen Bekenntnis suchten. Borchardt, der für jederlei Falschmün= zerei ein empfindliches Organ besaß, zollte der monumen= talen Beispielhaftigkeit Georges Bewunderung, jedoch nicht seinem schill .....
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Heimann, alexander

Biografie: *27.6.1 in Ferenberg bei Bern. A. Heimann lebt als Schriftsteller und Buchhändler in Bern. Kriminalromane: 1980 Lisi, Edition Erpf, HC; 1982 Die Glätterin, Edition Erpf, HC; 1984 Bellevue, Edition Erpf, HC; 1987 Nachtquartier, Edition Erpf bei Neptun, HC; 1990 Honolulu, Cosmos, HC; 1993 .....
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