Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Kerner, Justinus



David Friedrich Strauß Nachruf auf seinen ihm geistig so ungleichen Landsmann und Freund befaßt sich eingehend mit der ungewöhnlichen Art von dessen Prominenz: »Der Reisende glaubte nicht in Schwaben gewesen zu sein«, schreibt der linkshegelianische Theologe und Bibelkritiker in Ãœbereinstimmung mit anderen Zeugen für die liebenswürdige, »poetische... Persönlichkeit« des Angesprochenen, »wenn er nicht das Kernersche Haus besuchte; hatte er es aber einmal besucht, so kam er womöglich wieder oder schickte andere, die er durch seine Schilderung begierig gemacht hatte; und so wurde dieses kleine Haus zu einem Wallfahrtsorte, einem Asyl, wo Empfängliche Anregung für Geist und Herz, Bekümmerte Trost, Lebensmüde Erquickung suchten und fanden... So wurde mancher Fremde, der im Wirts-hause abgestiegen war, von Kerner in sein Haus geholt, von der gütigen Hausfrau darin festgehalten... Wirklich waren in seiner Nähe, in seiner Atmosphäre die Menschen besser, wenigstens erträglicher als oft anderwärts, und so vertrugen sich auch in seinem Hause Gegensätze, die sich sonst ausschlössen«.

      K.s berühmtes Domizil unterhalb der Burgruine Weibertreu, das er drei Jahre nach seiner Ernennung zum Oberamtsarzt in Weinsberg 1822 bezieht, ist aber nicht nur Schauplatz dieser toleranten, klassenlosen Gastlichkeit, an der Mitglieder von Fürstenhäusern ebenso teilhaben wie wandernde Handwerksburschen, Gelehrte ebenso wie Bauern, Anhänger der Restauration nicht minder als deren Gegner oder Flüchtlinge des gescheiterten Aufstands in Polen von 1830/31. Es gilt ferner, wie Karl Leberecht Immermann spottet, als »das Hauptquartier des Geisterreiches«, wo man »die besten dämonischen Umstände« vorfindet und bei K.s Therapien auf der Grundlage seiner »Vorliebe für die Erscheinungen des Nachtlebens der Natur, für Magnetismus und Pneumatologie« zugegen sein kann. Der Neunjährige war, wie sein Bilderbuch aus meiner Knabenzeit berichtet, in Maulbronn selbst durch eine »magnetische Manipulation« von einer nervösen Magenerkrankung geheilt worden. Schließlich ist K.s Haus auch ein Treffpunkt jenes in der literarischen Polemik der 30er Jahre umstritten Freundeskreises, den er selbst freilich nicht als homogene schwäbische »Schule« mißverstanden wissen will.
      Schon in der Vorgeschichte dieser Gruppe kommt K. eine Schlüsselrolle zu. Ãœber den Umweg zweier kaufmännischer Lehrjahre auf der herzoglichen Tuchfabrik Ludwigsburg nach dem Tod seines Vaters - der, wie beide Großväter, den Rang eines Oberamtmanns und Regierungsrats bekleidete -, nimmt er Ende 1804 in Tübingen das Studium der Medizin auf. Um ihn und Ludwig Uhland, der trotz späterer weltanschaulicher und politischer Differenzen zeitlebens sein engster Vertrauter bleibt, bildet sich ein Zirkel literarisch interessierter Kommilitonen. In K.s Bude liegen von Januar bis März 1807 die acht Folgen des handschriftlichen Sonntagsblatts für gebildete Stände auf, eines von der Rezeption romantischer Texte geprägten Gegenunternehmens der Freunde zu Johann Friedrich Cottas neugegründetem Morgenblatt für gebildete Stände mit seiner anfänglichen Ausrichtung an der Ästhetik eines rationalistischen Klassizismus.
      Dem Vorbild des Volkslieds sowie der heimatlichen Sage und Geschichte sind seine vom gleichen Jahr an veröffentlichten, handwerklich oft nachlässigen Gedichte, in denen der schwermütige Ton überwiegt, besonders verpflichtet. 1826 legt der bis ins Alter hinein produktive Lyriker eine erste Gesamtausgabe vor, die bis 1854 fünf Auflagen erlebt. Die frühen literarischen Auseinandersetzungen mit den »Plattisten«, Erfahrungen seines Studiums — als Praktikant hatte er kurz den »wahnsinnigen« Friedrich Hölderlin beobachtet — sowie Erlebnisse eines längeren, vor allem der fachlichen Weiterbildung dienenden Aufenthalts in Norddeutschland und Wien im Anschluß an seine Promotion gehen in den Roman Die Reiseschatten ein, dessen durchgehaltene Ironie sowie dessen Integration von lyrischen und dramatischen Partien auf wichtige Postulate der Frühromantik verweist. Mit zwei Untersuchungen über »die in Württemberg so häufig vorfallenden tödlichen Vergiftungen durch den Genuß geräucherter Würste« , von denen gerade die ärmere Bevölkerung betroffen ist, leistet K., der bis zu seiner Ãœbersiedlung nach
Weinsberg in einigen kleineren schwäbischen Orten tätig ist, einen bedeutsamen Beitrag zur zeitgenössischen medizinischen Forschung. Unter der Vielzahl der Schriften aus den folgenden Jahrzehnten, in denen er, gelegentlicher Ironisierungen ungeachtet, seinen »Glauben an die Existenz von Geistern« bis zur Verstiegenheit vertritt, erregt seine Beschreibung des Falles der Seherin von Prevorst das größte Aufsehen.
      Halb erblindet, beantragt K. 1850 seine Versetzung in den Ruhestand, in dem er durch die Könige von Württemberg und Bayern mit Ehrenpensionen unterstützt wird. Mit Abscheu registriert er die »Dampfestollheit« der Zeit und den »wüsten Streit... in der Politik«. Beide Entwicklungen bedeuten für ihn das Ende der Poesie.
     


Kerner, justinus

Justinus Kerner gilt als romantischer »Dichterarzt«. Vor allem die von Robert Schumann vertonten Kerner-Lieder - darunter das Wanderlied -erreichten große Popularität. Weniger bekannt sind seine Leistungen auf zwei medizinischen Forschungsgebieten: Ihm gelang die klinische Erstbeschreibung des Bot .....
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Kerner, justinus

Der Grundton der Natur Cottrell, Alan P. In: GQ 39, 1966, S. 173 - 186. Der Wanderer in der Sagemühle Staiger, Emil. In: Kunst, 1967, S. 215 - 221. Dürrson, Werner. In: Frankfurter Anthologie 5, 1980, S. 73-77. Im Eisenbahnhofe Kaiser, Gerhard. In: Goethe bis Heine, 1988, S. 269-271. .....
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Justinus kerner (i786-i862)

Zu dem Freundeskreis um Uhland gehörte der Arzt Justinus Kerner, dessen Haus in Weinsberg den Dichtern des damaligen Deutschland eine gastliche Stätte bot. Auch er traf in seinen schönsten Gedichten einen echten, volksliedhaften Ton, wie z. B. 'Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein", 'Dort drun .....
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Kerner,  Justinus    





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